Kindergartenpädagoge Johannes legt großen Wert darauf, die schönen Tage mit den Kindern im Freien zu verbringen. © Bohmann/Wallentin

Ein Tag unter KindergartenpädagogInnen: "Als die Biene geflogen kam, waren die Kinder begeistert"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Diesmal begleiten wir einen Pädagogen durch den Tag. Rund 3.700 Pädagoginnen und Pädagogen sind in städtischen Kindergärten und Horten für die Kinder im Einsatz.

Wien – Favoriten, halb sieben Uhr Früh: Johannes Stenitzer steht vor dem Bücherregal. Sein Zeigefinger wandert über die Einbände, da hört er die ersten Füße trappeln. Johannes ist Pädagoge in einem städtischen Kindergarten in der Favoritenstraße. Sein Arbeitstag beginnt im Gruppenraum mit den ersten Vorbereitungen für den Tag.  Gemeinsam mit seiner Kollegin leitet er eine Kindergartengruppe für Drei- bis Sechsjährige. Die ersten Kinder trudeln ein, Johannes geht auf sie zu und gibt ihnen gut gelaunt die Hand. "Kinder lernen, indem sie uns Erwachsene nachahmen. Im Kindergarten legen wir Wert darauf, höflich miteinander umzugehen. Dazu gehören eine herzliche Begrüßung und Verabschiedung."

 

Die Kinder spielen gern gemeinsam mit den Autos. ©Votava/MA10

Beruf mit Sinn

Der Pädagoge arbeitet nun seit 14 Jahren mit Kindern - seit einem Jahr im Kindergarten, davor war er in einem Hort tätig. Vor seiner Ausbildung zum Kindergartenpädagogen kam der Zivildienst, wo sein Interesse für soziale Berufe entstand. "Ich war damals in der geriatrischen Pflege tätig. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass ich mit Menschen arbeiten und sie in einer prägenden Lebensphase ein Stück des Weges begleiten möchte." 

Mit 23 begann er seine zweijährige Ausbildung am BAfEP-Kolleg (früher: BAKIP-Kolleg): "Im dritten Semester war ich bereits über Praktika im Beruf und habe sofort gesehen, dass es das Richtige für mich ist. Ich habe das alles nie bereut. Ich finde, es macht Sinn, ist sozial wertvoll und macht mir Freude." Heute hat Johannes eine 40-Stunden-Woche. Davon ist er 34 Stunden im Kindergarten, sechs Stunden sind Vorbereitungszeit.

 

Das gesunde Frühstück, die Jause und das Mittagessen geben dem Tag Struktur. ©Votava/MA10

Mahlzeiten geben dem Tag Struktur

Im Kindergarten in Favoriten wird die Gruppe immer voller, es ist "Freispielphase". Die Kinder orientieren sich in der Gruppe und entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollen. Sie können mit Holzbausteinen Gebäude entstehen lassen, in der Leseecke Bücher anschauen oder sich verkleiden. "Freispiel heißt nicht, dass die Kinder sich völlig selbst überlassen sind", erklärt Johannes, "ich bereite Angebote und Materialien vor und unterstütze sie, wenn gewollt, bei ihren Aktivitäten." 

Da geht die Tür auf, und die Assistentin der Gruppe bringt das Gabelfrühstück in den Gruppenraum. Kornspitz, Topfenaufstrich und Radieschen gibt es heute. Johannes ruft: "Das Frühstück ist da!" Wer schon etwas essen will, setzt sich an den Tisch. Sofort laufen zwei Buben und ein Mädchen herbei. Sie helfen Johannes und decken Teller, Becher und Besteck auf. Der Pädagoge unterstützt die Kinder beim Einschenken und bietet ihnen aus dem Brotkorb ein Weckerl an. Die Kinder bekommen ein Messer und dürfen sich das Weckerl selbst mit Aufstrich bestreichen. Den Jüngeren hilft Johannes dabei. "Die drei Mahlzeiten sind Fixpunkte im Tagesablauf. Trotzdem gibt es beim Essen eine Art 'Gleitzeit': Frühstück, Jause und Mittagessen werden über einen längeren Zeitraum angeboten, damit sich die Kinder bedienen können, wenn sie hungrig sind. So können sie zuerst fertig spielen und danach in kleinen Gruppen gemeinsam essen."

Der Kindergartenpädagoge nutzt das gute Wetter, um mit den Kindern auf der Terrasse zu spielen und zu plantschen. ©Bohmann/Wallentin

Der Tag, als die Biene kam

Der Pädagoge plant regelmäßig Bildungsangebote für unterschiedlich lange Zeiträume. Der aktuelle pädagogische Schwerpunkt kam buchstäblich durchs Fenster geflogen, erzählt Johannes. Eine Biene hatte sich in den Gruppenraum verirrt – die Neugier der Kinder war geweckt. Also wurden Bienen aus Kartonrollen gestaltet; die Gruppe machte einen Ausflug ins Bienenhaus in die Blumengärten Hirschstetten. Als nächstes wird Johannes mit den Kindern ein Insektenhotel bauen: "Das Material dazu werden wir mit den Kindern in den Parks selbst sammeln." Zufälle wie der Bienenbesuch motivieren Johannes jeden Tag: "Es ist wunderbar zu sehen, wie neugierig die Kinder auf alles Neue zugehen."

Jeder Tag im Kindergarten ist auch von Ritualen geprägt, weil Kinder geregelte Abläufe brauchen. Deswegen gibt es jeden Tag um 9.30 Uhr einen "Morgenkreis". Johannes erzählt: "Wir setzen uns zusammen und besprechen, was heute alles passieren wird. Manchmal machen wir Vorschläge, und die Kinder dürfen abstimmen, was sie machen möchten. Zuvor singen wir gemeinsam unser Begrüßungslied  'Halli, hallo, wie schön, dass du da bist'".

Austoben und pritscheln

Den Rest des Vormittags verbringt die Gruppe auf der Terrasse im Freien. "Wir sind viel draußen", sagt Johannes, "entweder hier oder in den Parks ganz in der Nähe. Uns ist wichtig, dass sich die Kinder viel bewegen, weil wir wissen, dass das für ihre motorische Entwicklung sehr wichtig ist." Draußen wird Fangen gespielt, ein paar Kinder ziehen sich in das Spielhäuschen zurück oder nehmen die Fahrzeuge, Schaukeln, Rutschen und Wippen in Beschlag. Heute ist es heiß, deswegen dürfen sie auch pritscheln. "Im Sommer bitten wir die Eltern, den Kindern Badehose und Handtuch mitzugeben."

Im Gespräch mit den Eltern

Nach dem Mittagessen wird es ruhiger in der Gruppe. Einige Kinder haben sich schlafen oder ausruhen gelegt, andere gehen einer ruhigeren Beschäftigung nach. Auf Johannes wartet jetzt ein Entwicklungsgespräch mit einer Mutter. Dieses wird ein Mal im Jahr angeboten; besprochen werden darin Entwicklungsschritte des Kindes und die Fähigkeiten, die es erworben hat.

"Je mehr ich über das Kind weiß, umso genauer ist das Bild von ihm." Seine Hauptaufgabe sieht Johannes darin, den Eltern verständlich zu machen, was im Kindergarten passiert, welche Themen behandelt werden, was sie unternehmen. "Für die Eltern ist es in erster Linie wichtig, dass ihr Kind gerne in den Kindergarten geht und dass es gefördert und geschätzt wird." Nicht nur an diesem Nachmittag, sondern während des gesamten Jahres bemühen sich Johannes und sein Team um einen regen Austausch mit den Eltern: "Wir bieten Elternnachmittage an und unternehmen gemeinsam Ausflüge."

Johannes geht auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder ein und schaut mit ihnen ein Buch an. ©Votava/MA10

Ein Mann als Kindergartenpädagoge?

Über 3.700 PädagogInnen gibt es in Kindergärten und Horten der Stadt Wien, Johannes ist einer von rund 100 Männern in dem Beruf. Dort begleiten sie in Kleinkinder-, Kindergarten-, Familien- und Hortgruppen rund 27.700 Kinder beim Schritt in ihre erste Bildungseinrichtung. Die Zahl der Pädagogen hat sich in den letzten sechs Jahren fast verdreifacht, die Zahl der Assistenten verdoppelt. Johannes sagt: "Mein Geschlecht war nie ein Thema, nicht bei den Eltern, nicht bei den Kindern, nicht bei den Kolleginnen."

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