Die Beratung am Telefon macht Petra Mandl Freude. "Man hat einfach nicht den Druck, dass Leute schon ungeduldig am Gang warten." © Bohmann/Bubu Dujmic

Stark ist, wer Hilfe sucht: "Eltern werden immer verunsicherter"

Auch Mütter und Väter sind hin und wieder mit ihrer Weisheit am Ende. Gut, dass es die MAG ELF-Servicestelle gibt. Dort geben ExpertInnen wie Petra Mandl Auskunft über Erziehungsthemen. Große und kleine Familienkrisen sind ihr Job.

Das Telefon klingelt immer. Von Montag bis Freitag, acht bis 18 Uhr, ist die MAG ELF-Servicestelle jeden Tag für Familien unter 01 4000-8011 erreichbar. Schon kurz nach acht Uhr erreicht der erste Anruf Frau Mandl. Eine Mutter meldet sich, weil ihre dreijährige Tochter in letzter Zeit Ärger macht. "Sie schreit ständig 'Ich will aber!' und ist schwer zu beruhigen", erzählt sie. Solche Anrufe sind für Petra Mandl vertrautes Terrain. "Das Kind ist jetzt in der Trotzphase", sagt sie. "Das ist ganz normal und überhaupt kein Grund zur Aufregung." Für die Mutter hat sie einige wertvolle Tipps: nicht nachgeben, Grenzen setzen und für das Kind da sein, auch wenn es trotzig ist. "Wie der Name schon sagt", sagt sie, "es ist eine Phase."

Eltern vertrauen ihren Instinkten nicht

Oft fällt ihr auf, dass die Eltern verunsicherter sind als früher. Man weiß alles über die Erziehung und die Entwicklung, liest Dutzende Bücher und Ratgeber und doch: Am Ende sind sie nicht sicher, wie sie sich verhalten sollen. "Die Eltern haben Angst, Fehler zu machen. Die Ratgeber wiederum sind verwirrend. Sie können sich das so vorstellen, als ob drei Ärztinnen und Ärzte fünf Prognosen abgeben", erläutert Mandl. Die Eltern müssten einfach stärker ihrem Bauchgefühl vertrauen. "Meistens haben sie die richtigen Gedanken, zweifeln aber trotzdem an sich." Für ihre Arbeit ist das ein großes Thema, da genau diese Unsicherheit Probleme schafft.

Petra Mandl ist seit 30 Jahren Sozialarbeiterin und seit sechs Jahren bei der Servicestelle. Ihre Erfahrung stellt sie Wiener Familien zur Verfügung. © Bohmann/Bubu Dujmic

Die Service-Nummer ist so etwas wie die Eingangspforte in die MAG ELF. Zum einen kann man hier wertvolle Beratung in allen erzieherischen und familiären Fragen einholen. Zum anderen versteht man sich aber auch als Wegweiser durch das vielfältige Angebot der MAG ELF. "Die Aufgabe der MAG ELF ist, Eltern zu unterstützen und Kinder, wenn notwendig, zu schützen", fasst sie zusammen. Wenn Anruferinnen oder Anrufer bei einer bestimmten Stelle, etwa einem Eltern-Kind-Zentrum, die beste Unterstützung finden können, dann leitet Frau Mandl sie dorthin weiter. Wenn eine Person in ihrer Umgebung wahrnimmt, dass es einem Kind nicht gut geht, wird sie oder er an die entsprechende Regionalstelle Soziale Arbeit mit Familien weiterverbunden. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor Ort gehen der Angelegenheit sofort nach. Nicht nur am Telefon gibt die Servicestelle Auskunft, sondern auch per E-Mail unter serviceatma11.wien.gv.at.

Trennung und Scheidung

Die Anruferinnen und Anrufer sind so gut wie immer Eltern. Wenn Jugendliche anrufen, dann haben sie in der Regel Fragen über Karriere und Bildung. Für Jugendliche gibt es auch eigene Angebote innerhalb der MAG ELF, etwa die E-Mail-Beratung TALKBOX. "Ich spreche hauptsächlich mit Eltern", so Mandl. Manchmal drehen sich die Anrufe um Themen wie Schule, Bildungswege oder wie man die Kinder auf dem Lebensweg unterstützen kann, sei es in der Bildung oder mit sozialen Projekten. Auch bei konkreten Problemen kann Frau Mandl Auskunft geben. So wie bei Frau Pichler. Sie befindet sich in einer Lebenssituation, in der sich viele Fragen auftun: Trennung und Scheidung.

Eltern müssen auch Eltern bleiben

Frau Pichler weiß nicht, was sie machen soll. Vor Kurzem hat sie erfahren, dass ihr Mann den Entschluss gefasst hat, sie zu verlassen, da er in der Ehe nicht mehr glücklich sei. Noch ist sie in einer Art Schockstarre. Vor allem ein Thema bereitet ihr schlaflose Nächte: Wie soll sie das den beiden Kindern beibringen? Können sie damit überhaupt umgehen? Frau Mandl beruhigt die Dame erst einmal. "Atmen sie ruhig durch. Wie geht es Ihnen?" Mit der Erfahrung von 30 Jahren Sozialarbeit schafft sie es, Frau Pichler etwas zu entspannen und so einen sinnvollen Dialog zu starten. "Schauen Sie, Frau Pichler, es bringt nichts, das zu verheimlichen. Sie müssen mit den Kindern völlig offen sein. Die beiden spüren ja sowieso, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wenn Sie ihnen das erklären und für sie da sind, wird es für sie leichter."

Trennung und Scheidung sind emotionale Themen, auch für Petra Mandl. Hier ist von ihrer Seite aus oft auch Trauerarbeit gefragt. © Bohmann/Bubu Dujmic

Das Allerwichtigste ist, den Kindern klarzumachen, dass sie niemanden verlieren. Mama bleibt Mama und Papa bleibt Papa. Sie wohnen einfach nicht mehr zusammen. Auch Kinder müssen Trauer und Schmerz verarbeiten. Besser ist, wenn sie das nicht alleine tun. Dringend abzuraten ist davon, die Partnerin oder den Partner vor den Kindern schlecht zu machen, um sich zu rächen. "Sie haben recht", sieht Frau Pichler ein. Danach besprechen die beiden noch wichtige Fragen. Obsorge, Rechtliches, Finanzielles, Unterhalt oder Kontaktrecht: Bei einer Scheidung gibt es Hunderte Fragen. Die MAG ELF-Servicestelle unterstützt Eltern dabei gerne.

Schön, wenn man helfen kann

Das Thema berührt auch Frau Mandl. Gerade bei Scheidungen muss sie immer ein Stück weit Trauerarbeit leisten. Ihren Job liebt sie darum nicht weniger. "Jeder Tag überrascht mich aufs Neue", erzählt sie. Auch wenn die Themen doch meist dieselben sind, die Geschichten dahinter sind immer individuell. "Das Schöne ist, ich kann den Leuten helfen. Ich kann eine Auskunft geben, die sie beruhigt und ihnen wieder ein bisschen Kraft gibt. Das ist am Telefon leichter, als wenn sich am Flur die Leute beim Warten auf die Nerven gehen."

Kurz vor Dienstschluss erreicht sie ein alleinerziehender Vater. Herr Weidinger ist aufgebracht. Auch hier bedarf es sozialer Kenntnis, um ihn etwas abzukühlen. Die Geschichte dahinter ist aber so alt wie Familienprobleme selbst. Die Tochter treibt den leicht überforderten Vater auf die sprichwörtliche Palme. "Ich verstehe das nicht! Sie war immer so ein liebes Mädchen und auf einmal knallt sie mir überall die Türen zu und ist frech", teilt er seinen Kummer. "Ich hab immer alles für sie gemacht und wir hatten ein super Verhältnis." Die Pubertät ist für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wie Frau Mandl ein steter Begleiter. Wenn Kinder quasi über Nacht ihr Verhalten ändern, kann das Konflikte auslösen.

Das Kind darf nicht der Chef werden

"Eines vorweg, Herr Weidinger: Sie werden vor allem Geduld brauchen", sagt Frau Mandl. "Das Schlimmste, das Sie machen können, ist, jedes Wort auf die Waagschale zu legen." Behutsam erklärt sie dem Mann, dass die Pubertät ein Teil der menschlichen Entwicklung ist. "Wir nennen das auch gerne die zweite Trotzphase." Kinder werden erwachsen und reiben sich an allen Grenzen, die sie finden. Dennoch, so Mandl, muss man an diesen Grenzen unbedingt festhalten. Die Beziehung muss unbedingt aufrechtbleiben, der Dialog ebenso. "Eventuell kann man die eine oder andere Regel neu verhandeln. Auch jetzt braucht ihre Tochter einen starken Halt." Herr Weidinger ist erleichtert. Das Gespräch hat ihm geholfen. "Falls es nicht besser wird, rufen Sie einfach noch einmal an. Falls telefonisch nichts mehr geht, können wir uns immer noch an ein Eltern-Kind-Zentrum wenden", verabschiedet sich Petra Mandl von dem Vater.

Am Ende des Tages geht Petra Mandl mit einem guten Gefühl nach Hause. Wenn in ein paar Familien wieder etwas mehr Harmonie herrscht und Eltern nach einer Trennung Hoffnung schöpfen können, dann ist ihr Job gemacht. Bis zum nächsten Tag.

Dass sie in ihrem Job etwas bewegen und Menschen helfen kann, ist für Petra Mandl ein gutes Gefühl. Nach einem harten Arbeitstag nimmt sie das mit nach Hause. © Bohmann/Bubu Dujmic

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