Gemeinsam an Lösungen arbeiten. Stefan Eiberle konnte eine gewisse Stabilität in die finanzielle Situation von Martin Weiss bringen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Stark ist, wer Hilfe sucht: "Ohne die Schuldnerberatung wäre ich heute obdachlos."

Einfach verzweifelt. So fühlte sich Martin Weiss im Jahr 2007, als er zum ersten Mal zur Schuldnerberatung kam. Dank der Unterstützung seines Beraters Stefan Eiberle hat er nun wieder die Hoffnung, ein geregeltes Leben führen zu können.

"Ohne die Schuldnerberatung stünde ich heute auf der Straße." Martin Weiss verliert keine Zeit, seine Dankbarkeit für die Unterstützung durch die Schuldnerberatung auszudrücken. Regelmäßig kommt der 49-Jährige in die Döblerhofstraße nahe dem Gasometer, um seine aktuelle Situation zu besprechen. Zum ersten Mal traf er seinen Berater Stefan Eiberle im Jahr 2007. Damals blickte er einer mehr als unsicheren Zukunft entgegen. "Ich war verzweifelt und pleite. Ich musste mir eingestehen, dass ich mit Geld nicht umgehen kann. Gott sei Dank kam ich hierher, um Hilfe zu suchen."

Die Schuldnerberatung in der Döblerhofstraße nahe dem Gasometer hilft Menschen dabei, ihre finanzielle Situation wieder in den Griff zu bekommen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Martin Weiss ist bei Weitem nicht der Einzige. Jährlich wenden sich rund 10.000 verschuldete Wienerinnen und Wiener an die Schuldnerberatung. Rund 20.000 persönliche Beratungsgespräche mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Altersklassen führen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der staatlich anerkannten, gemeinnützigen Beratungsstelle. 52 Prozent der verschuldeten Personen sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Die durchschnittliche Verschuldung beträgt 50.000 Euro. Stefan Eiberle ist wichtig, eines klarzustellen: "Man muss sich nicht schämen herzukommen, das ist kein Stigma. Finanzielle Not kann jeder und jedem passieren."

"Ich konnte mit meinem Einkommen nicht umgehen", erklärt Martin Weiss. "Die Schuldnerberatung unterstützt mich dabei, das richtige Wirtschaften mit meinem Geld zu erlernen." © Bohmann/Bubu Dujmic

Neuer, ungewohnter Lebensstil

Martin Weiss' Geschichte beginnt, als er nach Wien kam, um Veterinärmedizin zu studieren. Abgeschreckt von den Operationen ohne Narkose und anderen Behandlungen, die ihn zweifeln ließen, brach er im letzten Abschnitt ab und hielt sich danach mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Sein Leben änderte sich drastisch, als er sich im Direktvertrieb selbstständig machte. "Ich verkaufte Bücher für einen großen Verlag, etwa Lexika. Plötzlich verdiente ich sehr viel Geld und das war ich überhaupt nicht gewohnt." Der Lebenswandel von Martin Weiss änderte sich schlagartig. Er scheute nicht mehr davor zurück, regelmäßig viel Geld auszugeben. Plötzlich konnte er sich vieles vermeintlich leisten, was vorher unvorstellbar war. "Meine Küche verstaubte. Ich holte mir Frühstück von der Feinkost-Theke und Abendessen beim Nobelwirt", erinnert er sich. "Ich habe über meine Verhältnisse gelebt."

Die Probleme begannen damit, dass er mit seiner Einkommenssteuer säumig wurde und sich ein Schuldenberg beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung anhäufte. "Mein Steuerberater hat mir gesagt, ich muss dem Finanzamt Geld zurückzahlen. Da hab ich den Überziehungsrahmen bei der Bank erhöht." Um ein Loch zu stopfen, riss er ein neues auf und geriet damit in den Schuldenstrudel.

Stefan Eiberle arbeitet seit rund zehn Jahren bei der Schuldnerberatung. Martin Weiss war einer seiner ersten Klienten. Eiberle begleitet ihn bis heute. © Bohmann/Bubu Dujmic

Ein langer Weg

Überfordert mit den eigenen Schulden und mit einem Alkoholproblem kämpfend suchte er 2007 die Schuldnerberatung auf. Dort traf er zum ersten Mal seinen Berater Stefan Eiberle. Zu Beginn gleich ein weiterer Schrecken: "Ich dachte, ich hätte vier oder fünf Gläubiger. Als ich mit Herrn Eiberle die Gläubigerliste erstellte, waren es aber wesentlich mehr als ursprünglich gedacht. Das war ein unglaublich schlimmer Moment für mich." Die erste Maßnahme auf Empfehlung Eiberles war das Zurücklegen des Gewerbes. Danach begann die eigentliche Arbeit. Stefan Eiberle erinnert sich gut: "Wir haben lange gekämpft, bis seine finanzielle Situation halbwegs stabil war. Der erste Schritt ist immer, die sogenannten gefährlichen Schulden, also Miete oder auch Alimente, zu zahlen. Dann geht es darum, keine neuen mehr zu machen."

Mithilfe der Schuldnerberatung kam es letztlich zu einem Schulden-Regulierungsverfahren. "Die Schuldnerberatung begleitete mich bei diesem Verfahren, auch bei der Gerichtsverhandlung." Daraufhin konnte er sich mit den Gläubigern einigen. Ein betreutes Konto half Martin Weiss, mit seinen Finanzen klarzukommen. Dabei erhält die Schuldnerberatung die Verfügungsgewalt, mit seinem Einkommen zuerst die wichtigsten Kostenpunkte zu begleichen. Nach Abzug dieser Ausgaben stellt sie den Rest Martin Weiss zur Verfügung. "Betreute Konten sind bei uns keine Pflicht", stellt Eiberle klar. "Und dass wir ein Konto über Jahre betreuen, ist eher die Ausnahme. Normalerweise bieten wir den Service des betreuten Kontos anderen, betreuenden Einrichtungen an. Ziel ist immer die Existenzsicherung." Insgesamt betreut die Schuldnerberatung 800 Konten. Martin Weiss kann diese Maßnahme jeder und jedem in seiner Lage empfehlen. Nur so konnte er eine Wohnung behalten.

Martin Weiss gibt anderen Menschen in ähnlicher Lage den Rat, schnellstmöglich zur Schuldnerberatung zu gehen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Nach Hilfe fragen, ist keine Schwäche

Stefan Eiberle weiß, dass niemand vor finanzieller Not gefeit ist. Gescheiterte Selbstständigkeit, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit und Sucht sind die häufigsten Auslöser hoher Verschuldung. Sein Tipp: "Lieber früher kommen. Spätestens dann, wenn ganz wichtige Zahlungen wie die Miete offen bleiben, braucht man Hilfe." Man braucht keine Scheu zu haben, nach Unterstützung zu suchen. Die Beratung ist kostenlos, in der Regel hat man binnen 14 Tagen einen Gesprächstermin.

Heute sieht Martin Weiss die Zukunft wesentlich positiver. Er versucht, wieder beruflich einzusteigen. Sein größter Wunsch ist einfach: "Ich will wieder ein normales Leben führen." Der Weg zur Schuldnerberatung war schwer. In Privatinsolvenz zu leben, war hart. Üppige Abendessen oder sonstiger Luxus mussten Disziplin, Zurückhaltung und zermürbender Sparsamkeit weichen. "Die letzten Jahre, das war kein normales Leben. Wenn man mit 200 anderen Leuten um Lebensmittel anstehen muss, dann ist das nicht gut für das Selbstbewusstsein. Ich habe aber auch viel dabei gelernt, so etwas lernt man nicht in der Schule oder sonst wo." Heute, zehn Jahre später, weiß Martin Weiss, dass er der Schuldnerberatung viel zu verdanken hat. "Ich kann jeder und jedem, die oder der verschuldet ist, nur empfehlen, hierherzukommen."

"Danke für Ihre Hilfe!" Martin Weiss ist sich sicher, dass er ohne die Schuldnerberatung heute keine Unterkunft mehr hätte. © Bohmann/Bubu Dujmic

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