Anstatt Objekte, zum Beispiel Annas Vinylschallplatten, einfach wegzuwerfen, kann man sie auf den Mistplätzen prüfen lassen und so Verschwendung vermeiden. © Bohmann/Bubu Dujmic

Stark ist, wer Hilfe sucht: "Zu gut zum Weghau'n"

Als die Großmutter in ein Pensionisten-Wohnhaus zog, bekam ihre Enkelin Anna einige Sachen überlassen. Leider konnte sie damit wenig anfangen. Gut, dass die ExpertInnen beim Misttelefon wissen, was wie entsorgt gehört und was zu schade für die Tonne ist.

Manchmal braucht man nichts weiter als eine gute Auskunft. Das zeigt die Geschichte von Anna. Vor Kurzem zog ihre Oma in ein Pensionisten-Wohnheim. "Mit dem Umzug hat alles geklappt und es gefällt ihr auch sehr gut dort", erzählt Anna. "Aber sie konnte nicht alle ihre Sachen mitnehmen, darum habe ich einige von ihr bekommen." Neben stylischen 1960er-Jahre-Möbeln und einer kultigen Lava-Lampe befand sich auch ein Stapel Vinyl-Schallplatten, der Anna vor mehrere Fragen stellte. "Ich habe selber keinen Plattenspieler und kenne mich auch mit Vinyl überhaupt nicht aus. Auch sonst kenne ich niemanden, der sie bräuchte. Soll ich die alten Platten in den Mistkübel werfen? Oder das Vinyl zum Alt-Plastik und die Covers in den Altpapiercontainer?"

Wohin mit den Schallplatten

Eine kurze Recherche im Internet brachte Anna schließlich auf das Misttelefon unter 01 546 48. "Ich habe da schon einmal wegen der Mistplatz-Öffnungszeiten angerufen und die haben mir schnell und freundlich geholfen." Das Misttelefon gibt auch Auskunft zu sämtlichen Fragen rund um die Arbeit der MA 48 - Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark.

Mareen Bretschneider arbeitet für das Misttelefon der MA 48. Leute zu beraten, liegt ihr und macht ihr auch Spaß. © Bohmann/Bubu Dujmic

Auch für Fundsachen und Schneemeldungen

Als Anna das Misttelefon anwählt, hebt schon nach wenigen Sekunden eine Mitarbeiterin der MA 48 ab. Darauf ist Mareen Bretschneider vom Misttelefon durchaus stolz: "65.000 Anrufe gehen pro Jahr bei uns ein. Trotz der vielen Anrufe stellen wir an uns selbst den Anspruch, 80 Prozent aller Anrufe in den ersten 20 Sekunden anzunehmen."

Die meisten Anrufe beschäftigen sich mit Öffnungszeiten und Annahmebedingungen der Mistplätze, Beschwerden, etwa wenn Sperrmüll illegal entsorgt wurde, und dem 48er-Tandler, dem Altwarenmarkt der MA 48. Doch das Misttelefon bietet auch andere Services. "Wir sind auch das Schneetelefon und als solches bei einem Wintereinbruch rund um die Uhr erreichbar", sagt Bretschneider.

"Super, jetzt weiß ich, wo ich hin muss." Dank der Info von Mareen Bretschneider kennt sich Anna aus und fährt zum Mistplatz Simmering. © Bohmann/Bubu Dujmic

Ab zum Mistplatz

Als Mareen Bretschneider Annas Problemstellung hört, weiß sie gleich, was zu tun ist. Mit ein paar Fragen verschafft sie sich einen Eindruck vom Zustand der Schallplatten: Wie sehen die Plattenhüllen aus? Sind die Platten zerkratzt oder sonst irgendwie beschädigt? Wie stark sind die Gebrauchsspuren? Ihr Eindruck nach dem Gespräch ist, dass die Platten durchaus noch zu gebrauchen sind. Ihre Empfehlung für Anna ist, einen Ausflug zum Mistplatz zu unternehmen - aber nicht, um die Platten in die Tonne zu schmeißen, sondern um sie bei der Sammelbox für den 48er-Tandler abzugeben. "Wenn wir vermuten, dass es sich um gute Altwaren handelt, dann schicken wir die Leute zum Mistplatz. Dort haben die Kolleginnen und Kollegen ein geschultes Auge dafür, was noch gebraucht werden kann und was nicht", erklärt Mareen Bretschneider.

Mit dem Rat ist Anna zufrieden. "Jetzt weiß ich, dass die Schallplatten nicht in den Restmüll sollen und vielleicht sogar noch von Wert für jemanden sind." Der nächste Mistplatz in ihrer Nähe ist in Simmering, in der Johann-Petrak-Gasse. Mit dem Fahrrad ist Anna von ihrer Wohnung in Hietzing in wenigen Minuten dort. Gleich am Eingang wird sie von einem gut gelaunten Mitarbeiter der 48er in seinem typischen Orange angesprochen. "Wie kann ich Ihnen helfen, junge Frau?" Sie erzählt von ihren Platten und wird zu einem Container auf dem Mistplatz gelotst. Die 48er-Tandler-Box. Eine Tandler-Box wie auf dem Mistplatz in Simmering steht mittlerweile auf jedem der 17 Mistplätze in Wien. Auf Regalen vor der Box stehen alte Kinderspielsachen, Brettspiele, Möbel, Lampen, Vasen, die alle etwas gemeinsam haben. Sie sind ganz offensichtlich zu schade für den Mistkübel.

In Martin Knobloch hat Anna den richtigen Ansprechpartner gefunden. Sie entscheidet sich dazu, die Sachen in die Tandler-Box zu geben. © Bohmann/Bubu Dujmic

Die Tandler-Box

Bei der Tandler-Box steht Martin Knobloch, dem sie ihre alten Schallplatten zeigt. Sein geschultes Auge kann schnell erkennen, ob Objekte noch nutzbar sind oder ob man sie lieber entsorgen sollte. Falls man die Gegenstände noch gebrauchen kann, empfehlen er und seine Kolleginnen und Kollegen, die Altwaren für den 48er-Tandler, ein Altwarenmarkt im 5. Bezirk, zu spenden. Jedes Jahr werden bei diesem 130.000 noch gebrauchsfähige Gegenstände abgegeben.

Für einen guten Zweck gespendet

"Zeigen Sie mir bitte mal Ihre Schallplatten", sagt Knobloch nach der Begrüßung. Er braucht nicht lange, um festzustellen, dass mit dem Vinyl alles in Ordnung ist und sie es definitiv nicht entsorgen muss. Die Idee, die Schallplatten dem 48er-Tandler zur Verfügung zu stellen, gefällt Anna. "Ich bin generell für Altwarenmärkte, um Ressourcen zu schonen. Und dass der Tandler soziale Projekte unterstützt, finde ich auch gut", sagt sie.

Kurz entschlossen gibt sie Martin Knobloch die Schallplatten, der sie in der Tandler-Box aufhebt. "Meine Oma findet das sicher auch gut, schließlich besteht nun die Chance, dass sich jemand anderer an Omas früheren Lieblingsschallplatten erfreut", ist Anna überzeugt. "Gut, dass ich beim Misttelefon angerufen habe. In Zukunft werde ich, glaube ich, schon genauer hinschauen, ob es noch mehr Sachen gibt, die man besser abgibt, statt auf den Müll zu hauen."

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