Herta Staffa, Sozialarbeiterin der MAG ELF, und ihre KollegInnen unterstützen im Krisenzentrum Kinder, deren Eltern sich nicht angemessen um sie kümmern können. © MAG ELF

Stark ist, wer Hilfe sucht: Ein Zuhause auf Zeit für Kinder in Not

Manchmal können auch Eltern nicht mehr. Fehlt Kindern die Unterstützung zu Hause, ist professionelle Hilfe gefragt. Die MAG ELF-Krisenzentren bieten diesen Kindern vorübergehend Unterkunft.

Kinder, die in einem Krisenzentrum der MAG ELF aufgenommen werden, mussten ihre Familien verlassen. Ihre leiblichen Eltern sind aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, für sie zu sorgen. Für alle ist es ein kurzer Zwischenstopp, bevor klar wird, wie es weitergehen soll: Entweder können sie nach einer Auszeit zurück zu ihren Familien oder sie finden ein neues Zuhause in einer betreuten Wohngemeinschaft.

Max sitzt auf dem grünen Linoleumboden im Wohnzimmer. In seinen Händen hält er zwei kleine Spielzeugautos. Mit lautem Brummen lässt er sie über den Boden rollen. Zwei Mal schrammen sie knapp aneinander vorbei, dann lässt der Bub die Modellautos frontal zusammenkrachen. "Bumm. Unfall!", sagt der Bub. Von der Spur abgekommen. Zeit für eine Auszeit. Das trifft auch auf Max zu.

Ein erfahrenes Team

Die kommenden Tage wird Max im Krisenzentrum der MAG ELF in der Engerthstraße wohnen. Der Sechsjährige ist eines von insgesamt acht Kindern, die hier betreut werden. Um sie kümmert sich ein Team von insgesamt sieben Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen. Eine weitere Mitarbeiterin kümmert sich um den Haushalt des Krisenzentrums. "Max und die anderen Kinder sind hier, weil sich ihre Eltern nicht mehr angemessen um sie kümmern konnten", sagt Herta Staffa, Sozialarbeiterin der MAG ELF.

Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer im Krisenzentrum. Trotz der emotionalen Ausnahmesituation will man den Kindern etwas Normalität bieten. © Bohmann/Bubu Dujmic

Überforderung, Krankheit, Depression

Die Geschichte von Max ist stellvertretend für viele Kinder, die vom Krisenzentrum kurzzeitig aufgefangen werden. Max' Mutter ist Alleinerzieherin. Auch wenn das Geld immer knapp ist, schaut sie, dass es dem Bub an nichts fehlt. Als Max wochenlang dasselbe T-Shirt anhatte, regelmäßig zu spät in die Schule kam und seine Jausenbox immer häufiger leer blieb, schlug Max' Lehrerin Alarm. "Häufig ist es das Umfeld der Kinder, das erste Zeichen von Vernachlässigung wahrnimmt", sagt Staffa. Oft ist es die Schule, die sich an die Regionalstelle Soziale Arbeit mit Familien der MAG ELF wendet. Daraufhin nehmen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter mit den Eltern Kontakt auf. Die Erfahrung zeigt: Oft stecken hinter Vernachlässigung durch die Eltern Überforderung, Beziehungsprobleme oder psychiatrische Erkrankungen wie Depression. Wer - wie Max' Mutter - so antriebslos ist, dass er oder sie nicht mehr aus dem Bett kommt, sich nicht konzentrieren kann und nur dunkle Gedanken wälzt, kann sich auch nicht um ein Kind kümmern: "Die Betroffenen sehen das meistens ein und entscheiden sich, ihre Kinder vorübergehend einem Krisenzentrum anzuvertrauen", sagt Staffa.

Spielzeuge sollen für Kinder den Aufenthalt im Krisenzentrum einfacher machen. Wie lange die Eingewöhnungsphasen dauern, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. © Bohmann/Bubu Dujmic

Kinder und Jugendliche werden in den Krisenzentren bis zu acht Wochen aufgenommen. "Die Gründe, warum Kinder zu uns kommen, sind so unterschiedlich wie die Familien, aus denen sie stammen", sagt Staffa. "Manche Kinder wurden schwer vernachlässigt, andere haben massive körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt erfahren." Auch wenn die Kinder vorübergehend aus den Familien genommen werden, werden sie nicht aus ihrem Umfeld gerissen. "Die Kinder gehen weiter in ihre Schule oder den gewohnten Kindergarten. Auch andere Fixpunkte wie Sport oder Musikunterricht werden in den Tagesablauf der Kinder im Krisenzentrum übernommen", erklärt die Sozialarbeiterin. Das Ziel ist, rasch so etwas wie Normalität und gewohnte Abläufe zu schaffen. "Die Kinder sollen den Anschluss nicht verlieren." Dass sie länger von ihren Eltern getrennt sein werden, verstehen auch kleine Kinder rasch. Deshalb ist es wichtig, darüber offen und für die Kinder verständlich zu sprechen, sagt Staffa. "Im Krisenzentrum erklären die Pädagoginnen und Pädagogen den Kindern, warum es nicht geht, dass sie derzeit zu Hause leben."

Freizeitprogramm wird auch gestaltet

Im Krisenzentrum hat jedes Kind ein Zimmer, in das es sich zurückziehen kann. Inzwischen hat sich die zehnjährige Miray zu Max gesetzt. Sie ist seit zwei Wochen im Krisenzentrum. "Ich war auch am Anfang traurig", erzählt sie Max. Er hat inzwischen seine Spielzeugautos nebeneinander auf den Boden gelegt und schiebt eines mit seiner Hand von sich weg. Nach dem Crash eiert ein Rad, das Auto schaut ein bisschen aus, als würde es humpeln. "Mach dir keine Sorgen, die sind eh alle lieb da", sagt Miray und schaut in Richtung Sozialpädagogin. "Und zum Frühstück gibt es Nutellabrot!"

Während des Tages gibt es im Krisenzentrum fixe Rituale wie gemeinsames Frühstücken, Mittagessen und Abendessen. Abseits von der Schule organisiert das Betreuerinnen- und Betreuerteam ein Freizeitprogramm für die Kinder. Für die Jüngeren gibt es Ausflüge zum Spielplatz, ältere Kinder gehen mit den Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen ins Museum oder zum Sport.

"Der Aufenthalt im Krisenzentrum ist trotz aller Bemühungen um Normalität für die Kinder eine Ausnahmesituation", weiß Staffa. Kinder reagieren auf diese Situation ganz unterschiedlich, erzählt eine Sozialpädagogin in der Engerthstraße: "Manche fühlen sich sofort wohl, andere weinen in der ersten Zeit viel." Herausfordernd für die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen ist die große Altersspanne der Kinder von drei bis 15 Jahren. Vernachlässigung oder Gewalterfahrungen haben auch Auswirkungen auf die Psyche der Kinder. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen auch damit umgehen können, dass manche Kinder gegenüber anderen aggressiv sind oder sich gar selbst verletzen.

Familie bleibt in Kontakt

Während des Aufenthalts im Krisenzentrum bricht der Kontakt zu den Eltern nie ab. "Die Eltern der Kinder werden gemeinsam mit der Sozialarbeiterin, die die Familie betreut, wöchentlich zu einem Gespräch eingeladen", erklärt Staffa. Bei diesen Gesprächen wird besprochen, was sich in der Familie, im Verhalten der Eltern zum Kind ändern muss. Kann das Kind schon wieder heim oder ist es besser, wenn es bis auf Weiteres noch im Krisenzentrum bleibt?

Das Krisenzentrum ist nur eine Zwischenlösung. Doch solange die Kinder hier sind, sollen sie sich in den hellen, freundlichen Räumen so wohl wie möglich fühlen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Im Krisenzentrum erarbeiten die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen gemeinsam mit den Eltern und der für sie zuständigen Sozialarbeiterin beziehungsweise dem für sie zuständigen Sozialarbeiter einen Hilfeplan für die Zukunft. "Dabei ist immer das Wohl des Kindes im Fokus", sagt Staffa. "Die Bandbreite der Angebote reicht von Gesprächen mit der Sozialarbeiterin beziehungsweise dem Sozialarbeiter oder einer Psychologin beziehungsweise einem Psychologen, die oder der in Erziehungsfragen unterstützt, bis hin zu intensiver Begleitung durch eine Familienhelferin, die bis zu fünf Tage in der Woche in der Familie ist und die Familienmitglieder anleitet."

Sind die notwendigen Hilfen vereinbart, kann das Kind wieder nach Hause zurück.

Letzter Ausweg: Betreute Wohngemeinschaft

Wenn sich die Ausgangssituation in der Familie nach sechs Wochen nicht verändert hat und die Gefährdung des Kindes in der Familie nach wie vor besteht, wird für das Kind ein Platz in einer betreuten Wohngemeinschaft gesucht.

"Diese Entscheidung treffen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die mit der Familie in Kontakt waren. Sie berücksichtigen dabei die Erfahrungen und Beobachtungen der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen im Krisenzentrum und beziehen, soweit es dem Kindeswohl nicht widerspricht, die Sichtweise der Eltern ein", sagt Staffa. Ist die Entscheidung für die Übersiedlung in eine WG gefallen, suchen die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen im Krisenzentrum eine passende Wohngemeinschaft. Sie besuchen die WG vorab mit dem Kind. "So kann es sein neues Umfeld, die anderen Kinder, die dort wohnen, und das Betreuerinnen- und Betreuerteam schon vorab kennenlernen", erklärt Staffa. Dass das Krisenzentrum nur eine Zwischenlösung ist, wird den Kindern von den Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen klar kommuniziert. Deshalb gibt es auch zum Abschluss des Aufenthalts ein Ritual für alle Kinder: Zum Abschied gibt es eine Feier mit Lieblingskuchen und einem Geschenk.

Wie lange Max im Krisenzentrum bleiben wird und ob er zurück zu seiner Mutter darf, wird sich zeigen. Inzwischen hat ihm Miray ihr Zimmer gezeigt. Eine Sozialpädagogin packt den kleinen Rucksack von Max aus. Darauf ist Spiderman aufgedruckt. "Ist das dein Lieblingsheld, Max?", fragt sie. Max zögert. "Gibt es zum Frühstück Nutellabrot?", fragt er schließlich. "Das hat mir die Mama, bevor sie krank geworden ist, auch immer gemacht."

 

 

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