Aloisia Müllner geht mit ihrer Physiotherapeutin Verena Vlach gern im Garten des Tageszentrums spazieren. © Bohmann/Bubu Dujmic

Stark ist, wer Hilfe sucht: "Mein Ziel? Die Nordic-Walking-Gruppe"

In ihrer Wohnung in Favoriten ist Aloisia Müllner definitiv zu wenig los. Deshalb geht sie oft ins Tageszentrum: "Da ist immer was los und meiner Gesundheit tut es auch gut", erzählt die 86-Jährige.

Vor dem Fernseher alleine essen? Das mag Aloisia Müllner gar nicht. Darum setzt sie sich an ihren Stammplatz im kleinen Speisesaal des Tageszentrums Favoriten, wo sie mit den anderen Besucherinnen und Besuchern frühstückt. "Ich komme jetzt seit circa zwei Monaten her und kenne schon die meisten Leute", erzählt sie. Zum Plaudern findet sich immer jemand. Zum Beispiel Stammgast Kurt Eichinger, der seit zwei Jahren das Tageszentrum des Fonds Soziales Wien im 10. Bezirk auf dem Gelände des Kaiser-Franz-Josef-Spitals besucht. Oder Franziska Balik. Obwohl ihre vier Kinder, neun Enkerl und acht Urenkerl regelmäßig zu Besuch kommen, ist es in ihrer Wohnung einfach zu ruhig. Schließlich sind alle erwachsen und leben ihr eigenes Leben. Wenn Frau Balik also nicht gerade mit ihrer großen Familie den 60. Geburtstag der Tochter oder Feiertage wie Weihnachten oder Ostern feiert, geht sie ins Tageszentrum. Stricken, Turnen und Töpfern gehören zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. "Besonders viel Spaß macht mir das Seidenmalen. Da entstehen auch immer wieder schöne Tücher zum Verschenken."

Beim Frühstück treffen sich die Tagesgäste auf einen Plausch. © Bohmann/Bubu Dujmic

Einen Versuch ist es wert …

Zu Beginn war Aloisia Müllner von der Idee, ein Tageszentrum zu besuchen, gar nicht so begeistert. Aber sie brauchte Hilfe - gegen das Alleinsein und damit sie wieder fitter wird. "Ich war mein Leben lang aktiv und selbstständig. Ich bin in meinem Beruf viel die Stiegen rauf- und runtergelaufen, immer mit ein paar Kindern um mich. Da zählt man dann nicht gern zu den Alten." Frau Müllner hat viele Jahre als Verkäuferin im Spielwarengeschäft gleich hinterm Stephansplatz gearbeitet. Das hat sie fit gehalten. Gemeinsam mit ihrem Mann Otto - das Paar war 49 Jahre verheiratet - hat sie ein erfülltes und aktives Leben geführt. "Meine Krankheiten hab' ich mir alle für die Pension aufgehoben", schmunzelt sie. Zuletzt konnte sie wegen ihrer starken Rückenschmerzen kaum noch gehen und war lange im Spital, dann kam noch eine Schilddrüsen-Operation dazu. "Und ein wenig vergesslich bin ich auch. Und das wird nicht besser, wenn man untertags niemanden zum Reden hat." Das Tageszentrum schien also doch seine Vorteile zu haben … "Immer wieder haben mir Bekannte erzählt, wie nett es da ist. Und dass es keinen Grund für Berührungsängste gibt - also hab' ich es halt ein bisserl zögernd versucht." Jeden Dienstag und Freitag verbringt sie jetzt dort. Gleich in der Früh holt sie der Fahrtendienst in ihrer Wohnung im 10. Bezirk ab. "Mittlerweile gefällt mir die Abwechslung sehr gut. Mir ist nicht nur weniger langweilig, die regelmäßige Bewegung tut auch meiner Gesundheit gut."

Radfahren ist gut für die Ausdauer und stärkt die Beinmuskulatur. © Bohmann/Bubu Dujmic

Aktiv durch den Tag

Heute steht zuerst Radfahren auf dem Programm. Dabei unterstützt sie Physiotherapeutin Verena Vlach. Sie achtet vor allem darauf, dass alle Bewegungen richtig ausgeführt werden. Die junge Frau arbeitet am liebsten mit älteren Menschen. "Es erfüllt mich. Ich höre mir gern ihre Geschichten an und finde es immer wieder faszinierend, wie viel Lebenserfahrung und Weisheit diese Menschen haben." Sie freut sich, wenn sie ihren Kundinnen und Kunden wieder ein Stück Lebensqualität zurückgeben kann.

Der wichtigste Ratschlag von Physiotherapeutin Verena Vlach: Immer in Bewegung bleiben - geistig und körperlich. © Bohmann/Bubu Dujmic

"Nach einer Krankheit oder einem Unfall ist es gar nicht so leicht, den Alltag wieder selbstständig zu meistern - Kochen, Einkaufen, Körperpflege. Mit gezielten Übungen kann ich den Menschen dabei helfen." Kräftigungsübungen mit Therabändern sind auch eine gute Möglichkeit dazu. Oder das Training auf der "Wackelwolke". 

Bei den Übungen auf der "Wackelwolke" trainiert Aloisia Müllner ihren Gleichgewichtssinn. © Bohmann/Bubu Dujmic

Auf dem weichen Untergrund kann der Gleichgewichtssinn verbessert werden – was zum Beispiel vor Stürzen schützt. Im Frühling geht eine kleine Gruppe regelmäßig ins Freie zum Nordic Walking. "Wenn Frau Müllner weiterhin so gute Fortschritte macht, kann sie da auch mitmachen." Das freut die rüstige Dame: "Die Nordic-Walking-Gruppe wäre schon ein Ziel für mich!" Bis dahin wird es ihr auch wieder leichter fallen, manche Hausarbeiten selbst zu erledigen. Derzeit wechseln sich die Nichten dabei ab, mit ihrer Tante einkaufen zu gehen oder sie zum Mittagessen auszuführen. "Aber die sind ja natürlich berufstätig. Ich kann nicht erwarten, dass sie ständig auf mich schauen. Auch wenn sie immer wieder sagen, wie gern sie mich besuchen kommen." Darum heißt es: fleißig weiterüben. Und das darf im Tageszentrum ruhig Spaß machen: "Wir  lösen Aufgaben beim Gedächtnistraining, lesen viel und diskutieren im Presseclub das aktuelle Tagesgeschehen." Außerdem im Angebot: Yoga, Korbflechten, Stadt-Land-Fluss spielen, Singen, zum Beispiel Heurigenlieder, oder Fingergymnastik und Paraffinbäder für die Gelenke.

Zivildiener, Pflegehelfer, Sozialarbeiter, Physiotherpeutin und Kreativanimateur: Sie alle kümmern sich um das Wohl der BesucherInnen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Tageszentrum PLUS

"Die Frauen machen sehr gerne bei unseren Aktivitäten mit. Bei den Männern braucht es manchmal einen Schubs oder ein maßgeschneidertes Angebot", sagt Christian Ehm, Leiter des Tageszentrums Favoriten. Für sie gibt es in seinem Haus eine Werkgruppe. Die Herren haben zum Beispiel ein Hochbeet für den Garten gezimmert oder das Werkzeughaus zusammengebaut. Auch die "Maturaprüfung" ist beliebt. Bei Rechenaufgaben und kniffligen Fragen beweisen die Besucherinnen und Besucher, wie es um ihr Allgemeinwissen bestellt ist. Jeden Tag kommen 50 bis 60 Seniorinnen und Senioren als Tagesgäste in die Einrichtung. Auch am Wochenende haben die Tore geöffnet. "Wir sind das Pilotprojekt fürs Tageszentrum PLUS mit längeren Öffnungszeiten. Also abends und am Wochenende", erklärt Christian Ehm.

Leiter Christian Ehm: "Das Tageszentrum PLUS in Favoriten hat auch abends und am Wochenende geöffnet." © Bohmann/Bubu Dujmic

In Wien gibt es insgesamt zehn Tageszentren vom Fonds Soziales Wien. Neben dem Tageszentrum PLUS mit seinen erweiterten Öffnungszeiten gibt es auch zwei Einrichtungen, die auf Menschen mit Demenz spezialisiert sind. In einem fortgeschrittenen Stadium, insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit, haben die betroffenen Menschen andere Bedürfnisse. Sie brauchen mehr persönliche Pflege und Betreuung, individuelle Förderung sowie therapeutische Unterstützung. In den Tageszentren Oriongasse und Liesing finden diese Kundinnen und Kunden genau das Angebot, das sie brauchen. Der Besuch im Tageszentrum wird vom Fonds Soziales Wien gefördert. Der Kostenbeitrag hängt vom Einkommen und der Höhe des Pflegegeldes ab. Für Mahlzeiten, den Hol- und Bringdienst wird zusätzlich ein Selbstbehalt verrechnet. Lust bekommen? Am besten im nächstgelegenen Tageszentrum einen Schnuppertermin vereinbaren. Denn stark ist, wer Hilfe sucht. 

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