Die Feuerwehrzentrale Am Hof. Die Aufnahme ist im Feuerwehrmuseum ausgestellt. © PID/Christian Jobst

stadtUNbekannt in der Zentralfeuerwache: Geburtsort der Wiener Brandbekämpfung

Wiens Berufsfeuerwehr ist die älteste der Welt. Ihre Zentrale Am Hof umfasst drei denkmalgeschützte Häuser. Hinter den historischen Fassaden verbirgt sich so manche Überraschung.

Tief im Keller des Hauses Am Hof 9. In einem modern gestalteten, mit schlichtem Weiß ausgemalten Gang weist nichts darauf hin, dass sich hinter einer schweren Stahltür ein Rest von Vindobona verbirgt. Eigentlich sind da nur zwei unscheinbare Ziegelmauern zu sehen, doch für Historikerinnen und Historiker sind sie ein sensationeller Fund. Denn sie sind Teile des Hauptkanals des Römerlagers.

römischer Kanal
Der römische Kanal begleitete den Wall an der Innenseite des Legionslagers. © PID/Christian Jobst

Dieser führte vor über 2.000 Jahren Abwasser unter dem Befestigungswall in den Ottakringer Bach, den heutigen Tiefen Graben.

Schaltzentrale der Feuerwehr

Sechs Stockwerke darüber ist die Feuerwehr-Nachrichtenzentrale stationiert. Mehrere große Bildschirme geben den Nachrichtenbeamtinnen und -beamten Infos zu aktuellen Einsätzen, den 24 Feuerwachen oder Brandmeldeanlagen. Rund 1.000 Anrufe gehen hier pro Tag ein. Statistisch werden hier 92 Einsätze pro Tag geleitet. Das ist ein Einsatz pro Viertelstunde.

Nachrichtenzentrale
Rund 90 Einsätze leiten die Mitarbeiter in der Nachrichten-Zentrale täglich. © PID/Christian Jobst

"Das Besondere an der Zentralfeuerwache ist, dass sie noch immer am selben Standort ist. Am Hof, wo die ersten Feuerknechte vor rund 330 Jahren den Dienst absolvierten. Daraus hat sich das Wiener Feuerwehrwesen entwickelt", weiß Brandrat Gerald Schimpf. Er ist Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Wien und Leiter des Feuerwehrmuseums. Die Zentralfeuerwache erstreckt sich heute über die drei denkmalgeschützten Häuser: Am Hof 7, 9 und 10. Sie sind unterirdisch verbunden.

Fassade der Feuerwache
Die Fassaden sind historisch. Dahinter verbirgt sich eine moderne Feuerwache. © PID/Christian Jobst

Denn zwischen Haus 7 und 9 liegt ein schmales, rotes Renaissancehaus, das Kattus-Haus. Das Renaissancejuwel war einst Firmensitz einer Weingroßhandlung, heute gehört sie einem Investmentunternehmen.

Atemschutzwerkstatt im Erdgeschoß

Die wunderschöne, historische Fassade, die den Feuerwehrkomplex schmückt, täuscht darüber hinweg, dass sich dahinter eine moderne Feuerwache verbirgt. Hier leisten täglich rund 100 Personen ihren 24-stündigen Einsatzdienst. Sie beherbergt, wie jede Zentrale einer Organisation, Büros der Verwaltung, Schulungs- und Seminarräume oder einen Veranstaltungssaal. Doch es gibt natürlich auch Besonderheiten. Im Erdgeschoß etwa ist eine eigene Atemschutzwerkstatt mit Waschanlagen und Messgeräten. Dort werden die rund 800 Atemschutzgeräte, 1.400 Lungenautomaten, 2.000 Atemschutzmasken, 2.300 Pressluftflaschen sowie 100 Gasmessgeräte gewartet und überprüft.

Atemschutzwerkstatt
In der Atemschutzwerkstatt werden sämtliche Geräte überprüft, gereinigt und gewartet. © PID/Christian Jobst

In den drei Fahrzeughallen stehen zahlreiche Feuerwehrwägen, Atemschutzfahrzeuge und drei Kommandofahrzeug. Natürlich sind hier auch Wägen mit Drehleitern stationiert, die bis zu 30 Meter ausgefahren werden können.

Drei große Garagen

Zwei Garagen zeigen zum Platz Am Hof, eine führt zum Tiefen Graben hinaus. Alle Ausfahrten sind eng bemessen, vor allem wo historische Rundbögen die Hausfassade schmücken. Veränderungen sind heute kaum noch möglich, da alle drei Häuser denkmalgeschützt sind.

Feuerwehr fährt aus Garage
Bei der Feuerwehr ist Fahrkunst gefragt. Das Einparken eine Herausforderung. © PID/Christian Jobst

Das war nicht immer so. Beim Haus Am Hof 7 musste ein Portal mit Säulen und Pilastern den Garageneinfahrten der Feuerwehr weichen. Trotzdem zählt das "Märkleinsche Haus" zu den schönsten Barockgebäuden der Innenstadt. Es wurde nach Plänen von Lukas von Hildebrandt um 1730 erbaut und erstreckt sich vom Platz Am Hof bis zum Tiefen Graben. Das Gebäude wurde 1935 nach dem Zusammenbruch der "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" von der Gemeinde Wien um 150.000 Schilling für die Feuerwehr erworben und umgestaltet. Der kleine Hof ist heute mit einer Stahl-Glas-Konstruktion überdacht. Dort gab es einst hölzerne Pawlatschen, also einen offenen balkonartigen Zugang.

Löschen mit Holzkastenspritzen

Gleich daneben ist das Feuerwehrmuseum untergebracht. Es dokumentiert mit viel Liebe zum Detail die Entwicklung von der mittelalterlichen Löschtechnik bis zur modernen Schutzausrüstung. Bereits im 17. Jahrhundert war die Wiener Berufsfeuerwehr am heutigen Platz Am Hof im 1. Bezirk.

Wiener Feuerwehrmuseum
Das Wiener Feuerwehrmuseum ist im 1. Stock des Hauses Am Hof 7 untergebracht. © PID/Christian Jobst

„Damals wurden im Haus Am Hof 9 die Wasserwägen untergebracht. Der Wasserstadel wich aber bald dem städtischen Unterkammeramtsgebäude, wo ab 1686 vier sogenannte Feuerknechte ihren Dienst absolvierten. Sie verfügten über Wasserwägen und Holzkastenspritzen“, berichtet Museumsleiter Brandrat Gerald Schimpf. Außerdem hatten Wiens Bürgermeister von 1776 bis 1884 hier ihre Dienstwohnung. Doch davon ist heute nichts mehr zu sehen. 

Fahrzeughalle
In der Fahrzeughalle haben alle Diensthabenden ihre Einsatzmontur vorbereitet. © PID/Christian Jobst

Der letzte Rest Geschichte ist der große Ausstellungssaal. Ihn schmückt eine eindrucksvolle Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert. Was sofort auffällt, sind unzählige Helme, Feuerwehrautomodelle und historische Uniformen. Nicht zu übersehen sind die großen Gemälde zu tragischen Bränden, wie etwa der Rotunde im Prater, des Ringtheaters und des Justizpalastes.

Eine ehemaliges Waffenlager

Auch das Haus Am Hof 10 mit dem tiefen Innenhof hat eine interessante Geschichte. Im 16. Jahrhundert diente es als Waffenlager, um die Bevölkerung zur Verteidigung der Stadt ausrüsten zu können. Doch das plünderte 1809 nicht nur das Heer von Napoleon, sondern 1848 im Zug der Revolution auch das Volk. Heute beherbergt es zum Beispiel den modern gestalteten Empfang der Feuerwache, Schulungsräume, Bekleidungskammer und Aufenthalträume.

kulpturen "Beharrlichkeit und Stärke"
Die beiden Skulpturen "Beharrlichkeit und Stärke" am Haus Am Hof 10. © PID/Christian Jobst

Direkt beim Haupteingang zur Zentralfeuerwache hängt eine große Marmortafel, an der die Einsatzkräfte bei Dienstantritt vorbei müssen. Auf ihr sind alle im Dienst verstorbenen Feuerwehrleute namentlich genannt. Brandrat Gerald Schimpf verweist auf eine Besonderheit: Seit 1998 ist niemand mehr bei einem Einsatz ums Leben gekommen. Die schlichte Gedenktafel erinnert Wiens Profis für Brandbekämpfung und Katastrophenhilfe stets an die Gefahren ihres Berufes. 

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