Der Betriebsbahnhof Heiligenstadt ist für die U-Bahnen der Wiener Linien maßgeschneidert. Die Dachrevisionsbühne ermöglicht zum Beispiel die Wartung der Klimaanlagen, die man hier auf dem Dach des Zugs sieht. Das rote Licht signalisiert, dass der Zug unter Strom steht. © PID/Fürthner

stadtUNbekannt: Wiens modernster Betriebsbahnhof

Entdecken Sie mit unserer Serie stadtUNbekannt den Betriebsbahnhof Heiligenstadt. Hier werden U-Bahn-Garnituren gewartet und repariert. Modern gestaltete Hallen erleichtern die U-Bahn-Wartung und zeigen das Know-how der Wiener Linien.

115 Meter lang, 160 Tonnen schwer und drei Meter breit. Die U-Bahn-Garnituren der Wiener Linien sind dafür gebaut, den Anforderungen einer modernen Metropole gerecht zu werden. Reparatur, Reinigung und Wartung sind dementsprechend eine Herausforderung. Der Betriebsbahnhof Heiligenstadt wurde speziell für diese Anforderungen geplant und, basierend auf dem reichen Erfahrungsschatz der Wiener Linien, maßgeschneidert. Das 24.000 Quadratmeter große Areal, die Maschinen und Geräte darin sowie die vielen fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass die gewohnt hohe Fahrqualität der Öffis gewährleistet wird.

Der Betriebsbahnhof hat rund 120 Millionen Euro gekostet. Eine nötige Investition. Alleine auf der Linie U1 sind seit der Erweiterung an Werktagen in der Früh und am späten Nachmittag 31 Züge gleichzeitig unterwegs.

Anlage auf dem neuesten Stand der Technik

Der Standort wurde im Dezember 2016 eröffnet und ist der neueste unter den Betriebsbahnhöfen. Direkt neben der U-Bahn-Station Heiligenstadt gelegen, ist er ein Upgrade des Bahnhofs Wasserleitungswiese. Der ältere Standort ist nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand und kann aufgrund seiner Lage unter der Gürtelbrücke auch nicht erweitert werden.

In Heiligenstadt werden die Garnituren der Linien U1 und U4 repariert und gewartet. Die Züge kommen über ein Werkstättengleis, also ein Gleis, das Züge von der Linienstrecke wegführt. Bei der U4 biegn die Züge bei der Spittelau auf dieses ab. Bei der U1 werden sie schon beim Stephansplatz unterirdisch weggeleitet und fahren dann über die Spittelau in den Betriebsbahnhof ein. Dank der Investition sind die Wiener Linien für die Herausforderungen einer modernen und wachsenden Metropole sowie die Linienerweiterungen gerüstet.

Immer im Einsatz

Langweilig wird es hier nicht. "Wir sind 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr im Einsatz", sagt Thomas Weber, Leiter der U-Bahn-Werkstätte. "So wie die U-Bahn jeden Tag fährt, machen auch wir keine Pause." Rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich in drei Schichten um die U-Bahn-Züge.

Herzstück des Areals sind die drei großen Hallen. Die erste ist die Hebestandshalle. Nomen ist hier Omen. In dieser Halle werden die Garnituren hochgehoben, um die Drehgestelle auszubauen. Im Drehgestell findet man unter anderem das Getriebe, den Fahrmotor und die seitlichen Stromabnehmer. Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist, die bis zu fünf Tonnen schweren Drehgestelle auszubauen, um sie entweder zu reinigen oder auszutauschen.

Sicherheit ist das A und O

Das funktioniert in mehreren Schritten. Zuerst wird die gesamte Garnitur mit dem Hebestand hochgehoben. Dabei müssen zwei Kolleginnen oder Kollegen an zwei verschiedenen Enden der Halle über einen Taster quittieren. So haben sie den gesamten Bereich im Blick und können sicher sein, dass sich niemand neben oder gar unter dem Zug befindet. Selbiges geschieht beim Absenken. Ist der Zug emporgehoben, werden zusätzliche Stützen ausgefahren, die sämtliche Wagons an Hebepunkten fixieren. Optisch sind diese Hebestellen an den entsprechenden Kennzeichnungen zu erkennen. Durch diese Kennzeichnung weiß das Team, wo der Wagon auf den Stützen aufsitzen muss. Ist alles abgesichert, kann das Drehgestell ausgebaut werden.

Das Gestell ist mit einem sogenannten Königszapfen gesichert. Der Zapfen verbindet Garnitur und Drehgestell via einer Wippe und ist mit einer Platte, die mit einem Drehmomentschlüssel festgeschraubt wird, fixiert. Ist diese Platte gelöst, werden auch die Kabel- und Luftleitungen getrennt. "Dabei schauen wir auch gleich, ob Kabel gerissen oder brüchig sind", sagt Weber. Sind die Luftleitungen ab, hört man lautstark die Druckluft aus den hydraulischen Teilen entweichen. Stoßdämpfer und Stromabnehmer werden noch abgenommen und nach einer letzten gründlichen Kontrolle ist das Drehgestell bereit, ausgebaut zu werden.

Reinigung oder Reparatur

Der Hebestand wird dann wieder heruntergefahren, nur die Stützen an den Hebepunkten bleiben oben. So sinkt nur das Drehgestell, das im Anschluss vom Team weggeschoben wird. Muss eine Reinigung erfolgen, bringt man das Teil in die Waschhalle neben der Hebestandshalle. Die funktioniert ähnlich wie bei einer Autowäsche. Mit einem Hochdruckreiniger wird das Gestell gründlich abgespritzt. Das Wasser rinnt via Ölabscheider in die Kanalisation. Der Ölabscheider verhindert, dass Öl in den Kanal gelangt.

Ist ein Drehgestell defekt, wird es mit einem Kran auf einen Lkw geladen, der es in die Hauptwerkstätte der Wiener Linien bringt. Müssen Räder bearbeitet werden, so passiert dies in der hauseigenen Unterflurdrehbankhalle.

Hochspannung beim Grubengleis

Die beiden anderen Hallen sind mit jeweils zwei aufgeständerten Gleisen, den sogenannten Grubengleisen, und Dachrevisionsbühnen ausgestattet. Eine Dachrevisionsbühne ist eine Plattform, auf der man sämtliche Teile am Dach warten oder reparieren kann. Die Klimaanlage etwa befindet sich auf dem Dach und wird so zugänglich.

Das Grubengleis befindet sich einen Meter über dem Boden der Halle, das heißt, der Zug fährt leicht oberirdisch ein. Über eine Stiege kommt man aus der Grube zum ersten Steg und kann die U-Bahn betreten. Hier werden Reparaturen im Innenraum durchgeführt. Der Bogen spannt sich dabei vom Austausch von Lampen oder Sitzen bis hin zum Einstellen von Türen. Da auf dem Grubengleis auch die elektrischen Komponenten wie die Armaturen in der Fahrerin- beziehungsweise Fahrerkabine getestet werden, befindet sich das Gleis unter Strom.

Die große Stärke des Bahnhofs ist, dass er auf dem firmeninternen Know-how basiert. Sämtliche Elemente sind für die Arbeit an den U-Bahnen maßgeschneidert und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können so ihre Arbeit mit der höchstmöglichen Effizienz ausführen. Der komplette Drehgestellwechsel, also Ausbau des alten Teils und Einbau eines neuen, ist in nur 80 Minuten möglich.

stadtUNbekannt: Betriebsbahnhof Heiligenstadt der Wiener Linien