Person in der Verkehrsleitzentrale sitzt vor Bildschirmen mit Anzeigen des Verkehrsgeschehens
Die Verkehrsleitzentrale hat den Überblick über alle 1.230 Ampeln in Wien. © PID/Christian Fürthner

stadtUNbekannt: Wiener Verkehrsleitzentrale

Die Serie stadtUNbekannt zeigt, wie die Abteilung "Wien Leuchtet" (MA 33) und die Polizei den Straßenverkehr regeln.

Montag, halb neun Uhr früh, Stoßzeit auf der Triester Straße: Die Ampeln zeigen grün, Autokolonnen rollen. Weil die Grünphasen auf den Morgenverkehr abgestimmt sind, er stadteinwärts auf der "Grünen Welle" schwimmt, bleibt der große Stau aus. Dass es heute so funktioniert und alles fließt, ist Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung und laufender Anpassungen.

Verkehrslichtsignalanlage: So heißt die Ampel in der Fachsprache. 1.230 davon gibt es in Wien. Gesteuert werden sie über einen einzigen Supercomputer.

Verkehrsleitzentrale in der Roßauer Kaserne

Szenenwechsel in den 9. Bezirk: In der Roßauer Kaserne brennt auch nachts Licht. 24 Stunden am Tag ist die Wiener Verkehrsleitzentrale (VLZ) besetzt. Wie am Kommandodeck eines Raumschiffes reiht sich Monitor an Monitor, beobachten Polizistinnen und Polizisten auf Livebildern den Verkehr. Darüber thront, vielleicht vier mal vier Meter groß, ein digitales Wien aus der Vogelperspektive. Tausende helle Punkte leuchten wie ein Sternenmeer, jede Kreuzung, jede Ampel ein farbiger Punkt.

Dahinter stecken Bits und Bytes. Ein Zentralcomputer, der an Gateway-Rechnern hängt, dahinter knapp 100 digitale Steuereinheiten und daran die über 1.000 Wiener Ampeln, verbunden über hunderte Kilometer Glasfaserleitungen. Nur auf den ersten Blick ein "Kabelsalat": Verkehrsingenieurinnen und -ingenieure der Abteilung Wien Leuchtet (MA 33) haben ein hochmodernes, funktionierendes System auf die Beine gestellt. Dessen Beginn liegt fast ein Jahrhundert zurück.

Von der händischen zur digitalen Ampelsteuerung

1926, Ringstraße Höhe Staatsoper: Die erste Wiener Ampel geht in Betrieb. Ein Verkehrspolizist und seine elektromechanische Apparatur: Händisch muss er den Hebel schieben, damit das Licht von rot auf grün springt.

1962 ist Franz Jonas Bürgermeister Wiens. Die Technik hat Sprünge gemacht, immer mehr elektronische Ampeln leuchten in der Stadt, und auch die Zahl der Autos ist gestiegen. Gemeinsam mit Polizeipräsident Josef Holaubek - berühmt geworden durch "i bin's, der Präsident!" - erfindet Jonas die Verkehrsleitzentrale: Zehn Ampeln rund ums Schottentor werden aus der Roßau ferngesteuert, drei Kameras liefern Echtzeitbilder zum Beobachten des Verkehrs.

Seit 1990 steht die VLZ in ihrer heutigen Form: Zentrale Überwachung aller Ampeln, Berechnen und Lenken der Verkehrsflüsse (die "Grüne Welle" morgens stadteinwärts, abends stadtauswärts), das alles im Zusammenspiel zwischen Stadt Wien und Polizei. Vor gut zehn Jahren wurde alles digital, seit 2006 rechnet der Zentralcomputer.

"panta rhei" – alles fließt

Was die Verkehrsleitzentrale leistet, nehmen Wienerinnen und Wiener als selbstverständlich wahr. Dabei ist dieses Service von unschätzbarem Wert. Meldet das Radio im Verkehrsfunk einen Stau, kommt die Info aus der VLZ. Blockiert ein Unfall eine Straße, moduliert die VLZ die Ampeln auf der Ausweichstrecke. Rollt der Abendverkehr ohne Probleme, dann hat die VLZ die "Grüne Welle" programmiert. Wird eine Ampel schwarz, sieht das die VLZ und "Wien leuchtet" rückt zur Reparatur aus. Es ist eine stadtUNbekannte Dienstleistung, von der die Wienerinnen und Wiener profitieren: tags, nachts, im Auto, auf dem Rad und auch zu Fuß.

Moderne Verkehrsleitzentrale mit Plan von Wien im Hintergrund Die Verkehrsleitzentrale heute
Die Verkehrsleitzentrale heute. © PID/Christian Fürthner


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