In der Werkstatt der Berufsrettung Wien werden Rettungsfahrzeuge repariert, um schnell wieder auf die Straße gebracht zu werden. Fuhrpark- und Werkstättenleiter Stefan Karall (2.v. li.) und sein Team haben immer etwas zu tun. © PID/Christian Fürthner
Monteure in der Werkstatt der Berufsrettung Wien beim Reparieren eines Seitenfensters © PID/Christian Fürthner
Ob am Fahrwerk ... © PID/Christian Fürthner
... oder am Motor, hier werden sämtliche Schäden behoben. © PID/Christian Fürthner
Im Lager werden rund 2.800 Ersatzteile aufbewahrt. © PID/Christian Fürthner
Die 120 Fahrzeuge der Berufsrettung bekommen hier auch ihr Pickerl. © PID/Christian Fürthner
Die Fahrzeuge der Berufsrettung Wien gehören zu den am besten ausgestatteten Europas. © PID/Christian Fürthner
Arbeiten am Fahrgestell eines Rettungsautos © PID/Christian Fürthner

stadtUNbekannt in der Werkstatt der Berufsrettung Wien: Erste Hilfe für Rettungsfahrzeuge

Die Wiener Berufsrettung ist rund um die Uhr im Einsatz. Da muss auch auf ihre Einsatzfahrzeuge Verlass sein. Damit das gewährleistet ist, betreibt die Berufsrettung Wien eine eigene Werkstatt. stadtUNbekannt hat sie besucht.

Autofahrerinnen und -fahrer kennen das: Ein Rücklicht gibt den Geist auf, ein Fensterheber klemmt, im schlimmsten Fall streikt der Motor. Das ist ärgerlich. Geschieht derlei mit einem Rettungsfahrzeug, ist besondere Eile bei der Behebung des Schadens geboten, ist der Fuhrpark doch rund um die Uhr im Einsatz, um zu helfen. Was wenige wissen: Die Berufsrettung Wien betreibt seit Dezember 1996 eine Werkstatt beim Arsenal im dritten Gemeindebezirk.

"Die Berufsrettung hat eine eigene Werkstatt, um flexibel und schnell defekte Fahrzeuge wieder auf die Straße zu bringen", erklärt Stefan Karall, Fuhrpark- und Werkstättenleiter des Betriebs. "Mit diesen Autos retten wir Menschenleben. Deshalb sollen sie so schnell wie möglich wieder einsatzbereit sein." In der 480 Quadratmeter großen Halle fällt eines sofort auf: Es ist blitzsauber. Darauf legt der Chef großen Wert, und angesichts der hygienischen Standards in den Fahrzeugen ist das nur nachvollziehbar. Knapp 20 Fahrzeuge können pro Tag repariert werden. Das hängt natürlich davon ab, was genau wieder in Schuss gebracht werden muss.

Allrounder statt Spezialisten

Neben Fuhrpark- und Werkstättenleiter Karall arbeiten hier vier Monteure, ein Obermonteur sowie ein Mann, der für das Ersatzteillager zuständig ist. Die Werkstatt ist dennoch anders als andere: "Der große Unterschied besteht darin, dass unsere Monteure Allrounder sind. Sie müssen von Elektrik, Motorelektronik, Tischlerarbeiten, von der Reparatur eines Blaulichts und allem, was in unseren Fahrzeugen verbaut ist, Ahnung haben", so Karall. "In anderen Werkstätten gibt es für alles Spezialistinnen und Spezialisten: Eine Person macht nur Motor, die andere nur Karosserie und die dritte nur Elektrik. Bei uns ist das alles in einem." Repariert wird also nicht nur beispielsweise eine Lichtmaschine oder die Bremsanlage. Elektronische Updates werden ebenso durchgeführt wie Spezialsessel repariert, neue Fensterscheiben ebenso eingesetzt wie Stromleitungen für Defibrillatoren gelegt.

Hinter der Halle mit ihren Hebebühnen und Werkbänken, Spezialwerkzeugen und Testgeräten gibt es ein Lager mit rund 2.800 unterschiedlichen Ersatzteilen. Diese sind mitunter recht speziell. Das liegt daran, dass die Ausstattung der Einsatzfahrzeuge selbst sehr speziell ist, angepasst an die hohen Anforderungen beim Rettungseinsatz. "Unsere Fahrzeuge verfügen über die beste Ausstattung Europas. Ich fahre jedes Jahr zur Rettungsmesse nach Fulda, der Europäischen Leitmesse für Rettung und Mobilität. Da sieht man, was in anderen Fahrzeugen verbaut ist. Wir sind wirklich topausgestattet, mit dem bestmöglichen Equipment für den Notfall ", verrät Stefan Karall. 

Trotz hoher Belastung bis zehn Jahre im Einsatz

Dazu gehört so Unterschiedliches wie Verbandsmaterial, Defibrillatoren, Beatmungs- und Absaugungsgeräte, Schwebetische, Schaufeltragen, Kindersitze, Kühl- und Wärmeboxen, Infusionen, Medikamentenschränke und Vakuummatratzen. "Diese Fahrzeuge müssen der EN-Norm 1789 entsprechen. Das ist eine europäische Norm, die ganz genau besagt, womit ein Rettungsfahrzeug ausgestattet sein muss. Wie so oft leistet die Berufsrettung hier aber mehr und hat zusätzliches Equipment an Bord."

Bei allen Besonderheiten gibt es auch Dinge, die öfter als andere repariert werden müssen, erklärt Karall: "Am häufigsten ersetzt werden bei uns die Verschleißteile, also Bremse und Kupplung. Das hat einen ganz einfachen Grund: Wir fahren ständig stop-and-go, und das in hoher Geschwindigkeit. Außerdem befinden sich unsere Autos mit 3.800 Kilogramm dauernd im Bereich des Höchstgewichts." Dank der guten Pflege in der Werkstatt der Berufsrettung Wien sind die 120 Fahrzeuge trotz der hohen Belastung im Schnitt acht bis zehn Jahre im Einsatz. Rund 2.450 Arbeitsaufträge werden im Jahr ausgeführt, etwa fünf Prozent davon sind Unfällen geschuldet.

382.000 Liter für 2.640.000 Kilometer

Dass die Fahrzeuge tadellos in Schuss sind, verdanken sie auch den 250 geplanten Services, die im Jahr vorgenommen werden. "Wir führen Services doppelt so oft durch wie vom Hersteller empfohlen. Beim VW Crafter, der die Basis für unsere Rettungstransportwagen bildet, ist nach 40.000 gefahrenen Kilometern ein Service vorgeschrieben. Wir machen ihn nach 20.000 Kilometern", erläutert Karall. Und ergänzt: "Das schlägt VW normalerweise in tropischen Ländern oder bei Schwereinsatz vor."

Die gewissenhaften Services lohnen sich: 2017 konnte der Fuhrpark der Berufsrettung Wien gesamt 2.640.000 Kilometer zurücklegen. Für die gefahrenen Meter wurden 382.000 Liter Sprit verbraucht - ein Durchschnittsverbrauch von 14,2 Litern. Dass Wien als Stadt wächst, macht sich auch hier bemerkbar: Von 2016 auf 2017 gab es im Fuhrpark der Berufsrettung Wien eine Steigerung von 11,3 Prozent an gefahrenen Kilometern. Dank der effizienten Arbeit der Werkstatt beim Arsenal reibungslos.