Volkstheater
Das Volkstheater ist seit Ende des 19. Jahrhunderts Spielstätte für das Bürgertum. Es verspricht kleine Preise und freche Stücke. © PID/Christian Jobst

stadtUNbekannt im Volkstheater: Spielstätte mit Überraschungen

Entdecken Sie mit unserer Serie stadtUNbekannt das einstige "Deutsche Volkstheater". Am Fuße des Spittelbergs im siebenten Bezirk gelegen, empfängt es seine BesucherInnen mit einem imposanten Erscheinungsbild.

Rund 22 Premieren locken 200.000 Theaterbegeisterte pro Saison ins Volkstheater beziehungsweise seine weiteren Spielstätten. Das Volkstheater wurde 1889 im Stil des Historismus erbaut und zählt zu den größten Häusern im deutschsprachigen Raum. stadtUNbekannt blickt hinter die Kulissen.

Volkstheater
Jakob Wurnig kann seiner Leidenschaft auch am Arbeitsplatz nachgehen und im Fitnessraum Bouldern. © PID/Christian Jobst

Fitnessraum zur Kräftestärkung

Während Jakob Wurnig seine Klimmzüge macht und sich seine Muskeln in den Armen aufs Maximum anspannen, zählt er leise mit. Hat er sein erstes Krafttraining erfüllt, "wandert" er weiter in die Ecke mit den bunten Boulderhaken und der dicken blauen Turnmatte. Klettern ist eine seiner ganz großen Leidenschaften. Danach ruht er sich auf der Bank nahe dem Fenster kurz zum Kräftetanken aus und beobachtet die vorbeifahrenden Autos.

Wenn seine Pause beendet ist, steigt Wurnig die schmale Wendeltreppe hinab. Hier, am Schnürboden des Volkstheaters, befindet sich sein Arbeitsplatz. Der gelernte Tischler ist seit 2012 als Schnürbodentechniker eine Etage über der Bühne im Einsatz. Weil er und seine zwei Kollegen dabei auch schweres Gerät versetzen müssen, wurde unter dem Dach des Theaters ein Raum mit Boxsack, Kletterecke, Gymnastikball und anderen Fitnessgeräten ausgestattet. In diesem kleinen, aber feinen Fitnessraum trainiert Wurnig dreimal die Woche. "Das ist ein guter Ausgleich zur Tätigkeit als Techniker und beugt Rückenproblemen vor. Heben und Tragen von Lasten ohne starkes Muskelgerüst würde sich sonst negativ auf die Wirbel und Bandscheiben auswirken."

Volkstheater
Durch die Spalten können mit Punktsäulen und Seilen selbst in der Luft schwebende Bühnenbildteile sicher verankert werden. © PID/Christian Jobst

Punktwinden und dicke Seile

Am Schnürboden ist es dunkel und er hat keine durchgehende Bodenfläche. Er gleicht einem alten Dachstuhl aus etwa 15 Zentimeter breiten Stahl-Latten, die sich leicht versetzt über dem Fußboden von der einen Seite des Raumes zur anderen spannen. Durch Spalten, die dazwischen frei bleiben, kann man hinab auf die Bühne blicken. "Dank dieser Freiräume im Boden haben wir die Möglichkeit, Teile des Bühnenbilds oder Beleuchtungszüge, die an bewegbaren Punktwinden befestigt sind, an unterschiedlichster Stelle abzuhängen. Wo was genau verankert gehört, wird vorher besprochen und in Plänen verzeichnet. Da weiß jeder immer exakt Bescheid", sagt Wurnig.

Links von der Bühne zieht sich auf Schnürboden-Niveau ein langer, schmaler Gang entlang. Seine Seitenwand ist von unzähligen Seilen vertikal durchzogen, die ihm seinen Namen verliehen haben. "Das sind die Handkonterzüge", erklärt Wurnig. "Damit setzen wir die Vorhänge in Bewegung und können sie in unterschiedlicher Höhe fixieren."

Volkstheater
Im Keller, auf der Unterbühne herrscht geordnetes Chaos. © PID/Christian Jobst

Lager der Bühnenbildteile

Zwei Etagen und viele Meter unterhalb des Schnürbodens liegt im Kellergeschoß die Unterbühne. Sie dient als Lager all jener Bühnenbildteile, die für die aktuellen Stücke gebraucht werden. Täglich werden über einen Lift unzählige Möbelstücke von unten nach oben auf die Bühne und wieder zurück bewegt. Große Aufbauten müssen dafür teilweise sogar ab- oder aufgebaut werden. "Das Volkstheater hat leider ein großes Platzproblem. Es gibt nicht wie in anderen Häusern eine Seitenbühne. Wir sind darauf angewiesen, die Dinge ordentlich immer wieder an denselben Plätzen so zu verstauen, dass sie im entscheidenden Moment gefunden werden und nicht komplett verstellt sind", sagt Mitarbeiterin Andrea Heinz. Zu sehen sind allerhand außergewöhnliche Dinge: ein überdimensionaler Ventilator und eine Reihe von Gaderobentischen oder ein tapezierter Armsessel von königlicher Anmut. Entlang der Wände ziehen sich Spinde und Kästen, die kleinere Teile oder Werkzeug-Zubehör für die Technik beinhalten.

In den Fußboden ist ein kreisrunder, drehbarer Bereich mit einem Durchmesser von 13 Metern eingelassen. Er ist mit einem spiegelgleichen Bereich auf der Bühne verbunden. Damit können durch einfaches Drehen Bühnenbilder gewechselt oder Bewegung in Szenen gebracht werden.

Von der Unterbühne gelangt man über eine kleine, dunkle und steile Treppe zur Bühne. "Das war schon so, als das Haus 1889 nach Entwürfen von Hermann Helmer und Ferdinand Fellner erbaut wurde. Zudem galt damals, vor allem Werke für das städtische Bürgertum aufzuführen. Quasi als Pendant zum Hofburgtheater, das für den Adel bespielt wurde. Ein Theater für das Volk mit moderaten Preisen und flotten Stücken", erzählt Heinz.

Hinterbühne
Auf der Hinterbühne warten die Bühnenbildteile vor der Aufführung auf ihren Einsatz. Danach werden sie bei Bedarf zerlegt und wieder auf die Unterbühne gebracht. © PID/Christian Jobst

Die Bühne ist zwischen den Proben und der Aufführung abends den Technikern vorbehalten. Abbauen, umbauen, aufbauen, abhängen, fixieren, Bühnenbildteile nach hinten zur Hinterbühne schieben oder nach vorne. Licht installieren, Gerätschaften prüfen, Schrauben nachziehen, Vorhangmechanik und Mikros checken. "Wenn das Technik-Team arbeitet, haben andere hier nichts verloren und werden der Bühne verwiesen. Da geht es um die Sicherheit. Es wird mit schwerer Gerätschaft hantiert. Jeder muss sich da auf den anderen zu 100 Prozent verlassen können. Und das funktioniert nur innerhalb eines gut eingespielten Teams und ohne Störfaktoren von außen", zitiert Heinz den Leiter der Technik.

Während der Vorstellung übernimmt der Inspizient als Hauptkoordinator die Anleitung der Techniker. Er gibt die Zeichen für Umbauten, Einsätze für Tontechniker und Beleuchter und sagt an, wenn es um das Herablassen oder Hochziehen des Vorhangs geht. Sein Büro ist im hinteren Trakt des Volkstheaters, in dem sich auch die elf Garderoben, die Maske und die Ankleiden für die derzeit fix angestellten 23 Schauspielerinnen und Schauspieler sowie die Gastschauspielerinnen und -schauspieler aneinander reihen. Ihnen stehen dabei sieben Ankleiderinnen und Ankleider sowie sieben Maskenbildnerinnen und Maskenbildner zur Seite. Denn: Bis zu vier Mal muss ein Bühnenstar seine Optik pro Stück oft in sehr kurzer Zeit verändern.

Längere Wartezeiten werden wiederum für Besuche in der Kantine im Keller genutzt. Wenn sich eine Schauspielerin oder ein Schauspieler erneut bühnenbereit machen muss, werden sie oder er über eine Lautsprechanlage in der Kantine ausgerufen.

Video: Volkstheater

"Unsere Aufgaben im Abendbetrieb sind das Aufputzen vor der Inszenierung, das Auffrisieren der Frisuren, das Nachschminken der Darstellerinnen und Darsteller oder das Wechseln der Perücken", sagt Maskenbildnerin Marianne Meinl, die seit bald vier Jahren im Team ist. Dafür stehen in der Maske eine ganze Galerie an Perücken, Lidschatten in allen Regenbogenfarben, Pinsel wie in einem Künstlerinnen- beziehungsweise Künstleratelier sowie Haarnadeln in allen Größen und Längen bereit. Die rot gepolsterten Schminkstühle wirken wie den 50er-Jahren entsprungen und richtiggehend einladend. Dank vieler großer und kleiner Spiegel können sich die Darstellerinnen und Darsteller von allen Seiten betrachten. 

Maske
Die Maske ist ein kleines buntes Paradies. Hier arbeiten unter anderem die Maskenbildnerinnen Marianne Meinl und Hannah Winter. © PID/Christian Jobst

Die Perücken fertigen die Maskenbildnerinnen und Maskenbildner in bis zu 40 Stunden selbst an. Untertags in einem extern gelegenen Atelier. "Eine meiner Lieblingsperücken ist eine schneeweiße, die ein wenig an den üppigen Haarputz im Rokoko erinnert. Sie war sehr aufwendig herzustellen ", sagt Maskenbildnerin Hannah Winter. Zu sehen ist das Meisterwerk im Stück "Klein Zaches - Operation Zinnober".

Die Kostüme der Darstellerinnen und Darsteller werden nicht direkt im Haus ausgebessert oder hergestellt. Die Schneiderei ist in der Museumstraße nur wenige Schritte entfernt untergebracht. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier für die Anfertigung der mitunter auch sehr aufwendigen Kostüme zuständig. "Im Besitz des Volkstheaters sind Tausende Kostüme", sagt Werner Fritz, Leiter der Kostümabteilung. "Aber nicht alle lagern im Haus. Historische Kostüme beziehungsweise Uniformen kommen in den Außenfundus nach Unterwaltersdorf."

220 Angestellte im Haus

Im Volkstheater gehen zahlreiche Menschen ihrer Beschäftigung nach. Neben den bereits erwähnten gibt es noch sechs Schlosser und Maschinisten, fünf Requisiteurinnen und Requisiteure sowie Bühnenbildarbeiterinnen und Bühnenbildarbeiter. 

In den oberen Räumen des Gebäudes haben die Arbeitsräume der Direktion und des Teams rund um Verwaltung und Marketing ihren Standort. Und beim Bühneneingang versehen drei wechselnde Portiere ihren Dienst. Sie kennen jede und jeden und dienen gleichsam als Wächter für das Haus.

Sicherheitsbediensteter
Bernhard Ruthe ist seit 1999 Sicherheitsbediensteter im Volkstheater. Sein Zimmer liegt direkt neben den Zuschauerinnen- und Zuschauergarderoben inmitten des Publikumbereichs. © PID/Christian Jobst

Sicher ist sicher

Ein weiterer Mitarbeiter ist Bernhard Ruthe. Er ist einer von vier Brandschutzwarten. Im Volkstheater muss nämlich 24 Stunden am Tag das ganze Jahr hindurch mindestens eine Person anwesend sein, die mit dem Thema Brandschutz vertraut ist. Ist Ruthe nicht gerade auf einem Kontrollgang durchs Haus, kann er sich in sein Kammerl zurückziehen.

Volkstheater
Das Volkstheater wurde im zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und 1945 ohne Kuppel wiederhergestellt. Diese folgte 1981. © FORTEPAN / MZSL / Ofner Károly

Sanierung des Hauses

Das Volkstheater zählt zu den größten Theaterhäusern im deutschsprachigen Raum. Dieser Bedeutung entsprechend, unterstützt die Stadt den Erhalt der Spielstätte. Kürzlich wurde eine große Generalsanierung in Angriff genommen. Im Rahmen dieser wird der gesamte denkmalgeschützte Bestand erhalten, die Räumlichkeiten innerhalb des Gebäudes werden jedoch neu angeordnet. "Ziel ist es, das Haus auf den neuesten Stand zu bringen, interne Abläufe zu optimieren sowie für das Publikum einen entsprechend angebrachten Rahmen und für die Angestellten einen attraktiven Arbeitsplatz zu schaffen", sagt Heinz. Der Großteil der Bauarbeiten soll im Sommer 2018 durchgeführt werden. Da wird es verlängerte Theaterferien geben.

"Man muss Wertvolles erhalten, um Neues zu ermöglichen", betont Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. "Die Stadt Wien stellt daher ihren Beitrag zur Finanzierung zur Verfügung, damit das Volkstheater mit der dringend anstehenden Sanierung beginnen kann. Es handelt sich dabei um Zusatzmittel zum regulären Kulturbudget, was einmal mehr unterstreicht, wie wichtig die Kultur dieser Stadtregierung ist." In diesem Sinne hat Wien der Generalsanierung des Volkstheaters 12 Millionen Euro zugesagt.

Bestuhlung
Die Bestuhlung wurde bereits 2015 erneuert. Jetzt punktet jeder Platz mit optimaler Sicht und Akustik. © PID/Christian Jobst

Aus 2.000 Plätzen wurden 850

In einer ersten Umbauphase 2015 wurde bereits die Bestuhlung erneuert und neu angeordnet. "Im 19. Jahrhundert wollte man möglichst vielen Menschen dieses Kulturangebot ermöglichen. Darum hatte das Volkstheater in den Anfangszeiten rund 1.400 Sitzplätze (plus 600 Stehplätze). Heute setzen wir weniger auf Masse denn auf Komfort, gute Sicht und Akustik. Und die sind nun auf 850 Plätzen ermöglicht ", sagt Heinz. "Bei uns ist jede Zuschauerin und jeder Zuschauer herzlich willkommen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch."  

"Kasimir und Karoline"
Vorhänge und Leuchtmittel, wie hier in einer Szene von "Kasimir und Karoline" werden vom Schnürboden abgehängt. © www.lupispuma.com/Volkstheater


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