Für weitere Eindrücke aus dem Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. © PID/Christian Fürthner
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stadtUNbekannt Tiefspeicher NHM: Ein Fundus für die Wissenschaft

Seit 2011 leitet Frank Zachos die Säugetierabteilung im Naturhistorischen Museum Wien. stadtUNbekannt hat er einen Einblick in den Tiefspeicher gewährt, wo die wertvollsten Stücke der Sammlung aufbewahrt werden.

"Von Alaska bis Australien. Hier ist alles vertreten", sagt Frank Zachos und geht zielsicher durch das unterirdische Labyrinth. Rechts. Rechts. Geradeaus. Noch einmal rechts. Dann sperrt er eine Tür auf, dreht das Licht an und öffnet eine Schatzkammer, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht danach aussieht. Der Raum ist unspektakulär und auf zehn Grad runtergekühlt. Auf Regalen und am Boden stehen Tierpräparate. Dicht gedrängt. An den Wänden hängen Geweihe, auf Kleiderstangen Felle.

Mann mit Albino-Mailwurf
Frank Zachos ist Zoologe und leitet seit 2011 die Säugetierabteilung im Naturhistorischen Museum Wien. In die Kamera hält er einen der seltenen Albino-Maulwürfe, der in der Umgebung Wiens gefunden wurde. © PID/Christian Fürthner

Für Zoologen wie Frank Zachos eine wahre Fundgrube. Denn was hier im Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums Wien deponiert ist, fein säuberlich beschriftet und mit Inventarnummer versehen, kommt wissenschaftlichen Kleinoden gleich. Nicht nur weil Syrischer Onager und Beutelwolf bekanntlich vor langer Zeit ausgestorben sind. Sondern auch, weil sie ideales Material für Genstudien enthalten. "Man kann sie morphologisch untersuchen und/oder DNA-Proben nehmen und damit Rückschlüsse auf heute lebende Arten ziehen", so der Experte.

Aufgereihte Felle.
Einige Tausend Felle haben sich im Laufe der Jahre angesammelt. Jedes Stück ist mit einer Inventarnummer versehen. © PID/Christian Fürthner

Das passiere auch laufend, erzählt er weiter. Denn was viele nicht wissen: Das Naturhistorische Museum Wien ist eine der größten Biodiversitätsforschungseinrichtungen weltweit.

Mehr als Show

"Die meisten Besucherinnen und Besucher denken, Museum heißt Ausstellung", sagt Zachos. "Das, was man in den Schauräumen sieht, ist aber nur die Spitze des Eisbergs." Hinter den Kulissen geht es um Artenvielfalt, nachhaltigen Naturschutz und Evolutionsbiologie. Rund 80.000 Schädel, Felle, Bälge, Dermoplastiken, Alkoholpräparate und Skelette haben sich über die Jahre angesammelt. Und das sind nur die Säugetiere. Insgesamt hat das Museum über 30 Millionen Sammlungsstücke. Besonders wertvolle Präparate werden im Tiefspeicher gelagert. Gut gekühlt, um dem Parasitenbefall vorzubeugen.

Zur Konservierung der Tiere kommt statt Arsen die Klimaanlage zum Einsatz. Der Speicher im 3. Untergeschoß ist auf zehn Grad runtergekühlt, damit sich im Fell der Tiere keine Parasiten entwickeln können. © PID/Christian Fürthner

Zachos: "Fell ist dafür anfällig. Damit sich Parasiten wie Motten nicht entwickeln und einnisten können, hat man früher Arsen genommen. Deshalb sollte man die alten Präparate nicht ohne Handschuhe angreifen. Heute setzen wir hier unten auf Klimatisierung." Mit ein Grund, warum der Tiefspeicher nicht öffentlich zugänglich ist. "Es verändert die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit, wenn zu viele Menschen zu lange im Raum sind."

Digitale Vermessungen

Der Großteil ist wissenschaftliches Material und wird für Studien genutzt. "Forschung in einem Museum stellt man sich immer so verstaubt vor", sagt Zachos amüsiert. "Heutzutage läuft aber auch bei uns alles digital. Skelette werden oft nicht mehr mit Messschiebern, sondern computergestützt und mit 3-D-Scan vermessen. Die Präparate werden auch nicht mehr ausgestopft. Das wäre zu mühsam." Früher war das aber gang und gäbe, erzählt er und geht auf ein Nashorn zu. Da baute man den Tierkörper aus Holz oder Metall nach, zog die Tierhaut darüber, füllte Papier, Wolle, Torf oder Moos ein und goss das Ganze mit Gips aus.

Präpariertes Nashorn
Die Präparation hat sich in den letzten Jahrhunderten drastisch verändert. Dieses Nashorn ist ein Beispiel dafür, wie früher gearbeitet wurde. Das Skelett ist aus Holz nachgebaut und mit Gips ausgegossen. © PID/Christian Fürthner

"Hier kann man das gut sehen", sagt Zachos und zeigt auf einen breiten Längsriss in der Nashornhaut. Das Verfahren hatte allerdings zwei Nachteile: Die Posen waren unnatürlich und die Präparate sehr schwer. Deshalb geht man da mittlerweile neue Wege.

Vom Stopftier zur Dermoplastik

Die Technik, die zur Herstellung möglichst lebensnaher Ausstellungsstücke angewendet wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Mit dem umgangssprachlich geläufigen Ausstopfen hat das nichts mehr zu tun. Die Haut muss zwar nach wie vor abgezogen und gereinigt werden, anschließend werden aber Kunststoffkörper, meist Polyurethanschaum, individuell angefertigt. Die Haut wird dann über diesen Körper gezogen. Daher auch der Begrifft Dermoplastik. Die Tiere lassen sich so lebensechter darstellen, die Präparate sind leichter und der Schädel kann durch eine Plastik ersetzt werden. Zachos: "Das hat den Vorteil, dass wir den Originalschädel, der die wichtigsten Merkmale eines Säugetiers enthält, ebenfalls nutzen können. Bei den älteren Exemplaren ist er immer mit dran und damit für die Forschung nur sehr schwierig zugänglich. "Ein weiterer Vorteil: Die Tiere schauen natürlich aus. "Der Bär hier zum Beispiel", erzählt Zachos und steuert auf einen aufgerichteten Braunbären zu, "wird nur zu Showzwecken verwendet."

Aufgerichteter Braunbär.
Ein typisches Beispiel für ein Tier, das mehr Jagdtrophäe als Forschungsobjekt ist: So eine unnatürliche Haltung würde kein Bär in freier Wildbahn einnehmen. Bei Ausstellungen, wo es um den Showeffekt geht, erfüllt er aber seinen Zweck. © PID/Christian Fürthner

Kein Bär steht in der Natur in so einer Haltung da, mit so erhobenen Pranken. Das ist eine reine Jagdtrophäe, die Fantasie des Jägers. Für Ausstellungen effektvoll, für die Wissenschaft ohne Bedeutung. Nachsatz: "Anhand unserer Sammlung lässt sich also auch die Geschichte der Präparation nachvollziehen."

Historischer Bestand

Apropos Geschichte: Wie kam die Sammlung eigentlich zustande? "Der Großteil sind Ankäufe und Schenkungen, historisch gewachsen, zum Teil von Sammlungsreisen und Expeditionen", sagt Zachos und bleibt vor einem Regal stehen. Darauf drängen sich, eng aneinandergereiht, jede Menge Affen mit zerfurchten Gesichtern und grimmigem Blick. "Das hier ist ein Teil der berühmten Sammlung von Johann Natterer aus dem 19. Jahrhundert", erklärt er. Natterer war der Sohn des letzten kaiserlichen Falkners, Naturforscher und leidenschaftlicher Sammler von Tierpräparaten. Die Affen brachte er von seinen ausgedehnten Südamerikareisen als Trophäen mit. Für westliche Forscherinnen und Forscher eine Sensation, weil sie diese Tiere das erste Mal zu Gesicht bekamen. Aber auch eine Herausforderung.

Einzigartige Referenzexemplare

Zachos: "Damals gab es weder Internet noch Videos oder Fotos. Man gab den Präparatoren also ein stinkendes Teil, aus dem sie das ganze Tier nachbilden sollten." Keine leichte Aufgabe, was man den Präparaten auch ansieht. Für das Museum sind sie aber sehr wertvoll, obwohl sie wissenschaftlich nicht exakt dargestellt werden. "Wir sind stolz darauf, dass sich einige Typusexemplare darunter befinden."

Präparierte Affen
Die Affensammlung von Johann Natterer ist auch deshalb so wertvoll, weil Typusexemplare, also Exemplare, an denen diese Art das erste Mal untersucht wurde, dabei sind. © PID/Christian Fürthner

Das sind jene Individuen, anhand derer eine Art oder eine Unterart erstmals beschrieben wurde. "Es ist also das bis heute gültige Referenzexemplar dieser Art. Das ist so etwas wie das Urmeter oder das Urkilogramm in Paris." Und auch für die internationale Forschung interessant: In den vergangenen Jahren waren weit über 100 Wissenschafterinnen und Wissenschafter zu Forschungszwecken iin der Säugetiersammlung des Naturhistorischen Museums.

Adeliger Nachlass

Was für eine Sammlung wertvoll ist, kann übrigens mehrere Gründe haben. Zachos: "Wenn man gerade an einer Studie über Feldmäuse arbeitet, ist eine Feldmaus wichtiger als ein Elefant. Grundsätzlich ist unser Anspruch aber, Artenvielfalt zu dokumentieren und sie wissenschaftlich zugänglich zu machen", sagt er. "Deshalb nehmen wir Zootiere, wenn sie verenden, ebenso wie ein überfahrenes Ziesel oder ein vom Zoll beschlagnahmtes Riesenwildschaf. Vom Zoll werden wir übrigens bisweilen als Gutachter eingesetzt und müssen dann beschlagnahmtes Material bestimmen, um herauszufinden, ob es sich um illegal eingeführte Arten handelt." Jedes Jahr kommen so rund 500 Exemplare dazu. Auch den ausgestopften Jagdhund von Kronprinz Rudolf findet man hier, samt Originalhalsband.

Schwarzer Hund
Auch der Jagdhund von Kronprinz Rudolf samt Originalhalsband befindet sich in der Sammlung. © PID/Christian Fürthner

Andere Beispiele von skurriler Sammelleidenschaft ist ein Elefantenohr, an dem zahlreiche Löcher zu sehen sind. "Das war offenbar an die Wand genagelt", so Zachos Erklärung. Auch ein ausgehöhlter Elefantenfuß, umfunktioniert zum Regenschirmständer, sowie ein von grünem Filz umrandetes Fell, augenscheinlich als Bettvorleger verwendet, zählen zum historischen Bestand. "Für uns völlig wertlos", bringt es Zachos auf den Punkt.

Vom Blaubock zum Rothirsch

Ein ganz anderes Kaliber hingegen ist die fast unscheinbare Blaubockdame. 230 Jahre alt, ausgestorben gegen Ende des 18. Jahrhunderts und weltweit einzigartig. Zachos: "Davon gibt es weltweit nur mehr vier Exemplare. Paris, Stockholm und Leiden haben jeweils ein Männchen, Wien hat das einzige Weibchen." Das für die Zoologie Wertvolle an dem Präparat: Anhand seiner genetischen Daten, etwa aus der Haut zwischen den Hufen, ließ sich noch heute feststellen, welche der lebenden Arten mit ihm verwandt sind.

Ausgestopfter Blaubock
Das weltweit einzige existierende Weibchen des ausgestorbenen Blaubocks steht im Naturhistorischen Museum Wien. © PID/Christian Fürthner

Aktuell arbeitet das Team übrigens gerade an einem Projekt, das sich mit der genetischen Struktur europäischer Rothirsche, Zachos Spezialgebiet, befasst. "Basis dafür ist Material, das österreichische Forscherinnen und Forscher in Höhlen gefunden haben. Das vergleichen wir zurzeit, gemeinsam mit einem polnischen Team, mit den Daten noch lebender Hirsche." Das Ziel? "Ganz einfach: Wir wollen die Entwicklung der europäischen Säugetierfauna von der Eiszeit bis zur Gegenwart nachvollziehen." Eiszeit ist auch das richtige Stichwort: Die Temperaturen im Tiefspeicher sind mittlerweile auf gefühlte drei Grad gesunken. Die Profis haben aber dafür vorgesorgt: An dem einzigen Schreibtisch im Raum hängt eine dicke Weste, immer griffbereit.

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