Historiker Philipp Wagner öffnet den historischen Eingang zum Theater an der Wien. Wiens ältestes und zugleich jüngstes Opernhaus. © PID/Christian Jobst

stadtUNbekannt im Theater an der Wien: Wiens ältestes und zugleich jüngstes Opernhaus

Entdecken Sie mit stadtUNbekannt das Theater an der Wien. Gebaut als Vorstadttheater von Emanuel Schikaneder ist es heute Wiens neues Opernhaus.

Philipp Wagner kennt die Gerüchte. Der Historiker stellt deshalb gleich vorab klar: "Wir haben hier weder die Zauberflöte uraufgeführt noch eine Beethoven-Wohnung im Haus", sagt er. "Premiere der Zauberflöte war 1791, Eröffnung des Theaters an der Wien 1801. Da liegen zehn Jahre dazwischen. Das kann sich also gar nicht ausgehen." Eher nachvollziehen kann er die Verwirrung rund um die Beethoven-Wohnung. "Er war hier Kapellmeister und eine Zeit lang in den Direktionsräumlichkeiten untergebracht. Das steht auch auf einer Tafel außen am Haus. Es gibt diesen Trakt, in dem seine Wohnung war, allerdings heute nicht mehr."

Beethoven wohnte in einem Trakt des Hauses, der 1900 abgerissen wurde. Eine Gedenktafel erinnert noch daran. Historiker Philipp Wagner verweist auf dem Bild auf den abgerissenen Trakt. © PID/Christian Jobst

Mit ein Grund für die hartnäckig kursierenden Legenden rund um das Theater an der Wien ist dessen Erbauer Emanuel Schikaneder. Der Schauspieler und Theaterimpresario hat sich mit seinen spektakulären Inszenierungen einen gewissen Ruf erworben, den er geschickt einsetzte. Bereits bei der Uraufführung von Mozarts „Zauberflöte“ im Freihaustheater, dessen Direktor er war, bewies er ein gutes Gespür für Werbung. "Er war ein Theaterprofi und wusste, wie man Publikum ins Haus bringt", erzählt Wagner. "Er hat viel Geld in die Hand genommen, um den Leuten etwas zu bieten. Extra-Chor, Extra-Posaunen, Extra-Fluggeräte. Das kam gut an. Die Leute sind ihm die Tür eingerannt." Er selbst hat sich ebenfalls gut vermarktet. "Angeblich konnte er das Theater an der Wien ja nur wegen seines Erfolges mit der Zauberflöte bauen. Das stimmt so nicht ganz, war aber sicher hilfreich."

Die Stadt Wien wirft diesmal einen Blick hinter die Kulissen des Theater an der Wien. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Gute Lage trotz Vorstadt

Als er am 13. Juni 1801 das k.k. privilegierte Theater am Wienfluss eröffnete, tat er das im Geiste Mozarts. Um an seinen großen Erfolg anzuknüpfen, sparte er nicht mit Anspielungen. "Der Eiserne Vorhang zum Beispiel zeigt alle wichtigen Figuren aus der Zauberflöte. Selbst der Name Mozart ist aufgemalt", sagt Wagner. "Schikaneder selbst hat sich auch verewigt, als Papageno in Form einer Sandsteinfigur über dem Papagenotor. Das ist heute noch in seiner Original-Form erhalten."

Emanuel Schikaneder errichtete das Theater an der Wien im Geiste Mozarts. Anspielungen auf die „Zauberflöte“ versteckt er auf dem eisernen Vorhang und dem Papagenotor. © PID/Christian Jobst

Ursprünglich bestand der ockergelbe Gebäudekomplex aus drei Trakten. Er erstreckte sich von der Linken Wienzeile über die Millöckergasse bis zur Lehárgasse. Damals war das noch Vorstadt. Ein Privatmann durfte nur dort ein Theater bauen, vorausgesetzt er hatte dafür eine Genehmigung des Kaisers. Der Platz innerhalb der Stadtmauern war dem Hof vorbehalten. Schikaneder hatte sich das Privileg schon länger von Kaiser Franz II. sichern lassen. Den Platz vor dem Burgtor fand er strategisch günstig. "Das Theater lag nicht mehr in der Stadt, aber so nah an ihr dran, wie nur möglich ", sagt Wagner. Rechts vom Gebäude befand sich das Glacis, eine freie Fläche zwischen Stadtmauer und Vorstadt. Es diente in Kriegszeiten als Schussfeld und durfte daher nicht verbaut werden.

Das Theater an der Wien stand ursprünglich komplett frei und war von der Jägergasse (heute Papagenogasse) aus komplett zu sehen. Ein altes Bild erinnert daran. © PID/Christian Jobst

In Friedenszeiten gingen die Wienerinnen und Wiener dort aber gerne spazieren. Viel potenzielles Publikum also. Gegenüber dem Theater war der Naschmarkt. "Auch ein guter Ort, um an Publikum heranzukommen. Der Markt hatte aber noch einen weiteren Vorteil. Man konnte schnell alles besorgen, das für den Theaterbetrieb notwendig war. Kerzen für die Beleuchtung zum Beispiel oder Essen für das Buffet. Da dachte Schikaneder ganz praktisch."

Zur Bauzeit modernstes Theater der Monarchie

Die Lage hatte aber auch Nachteile. "Die Parzelle ist nicht sehr groß", erzählt Wagner weiter. "Das Theater an der Wien steht quasi auf einem 70 Meter tiefen Schlauch. Damit kämpfen wir heute noch. Unser Problem ist die Platznot." An eine Erweiterung war zunächst aber nicht zu denken. Richtung Glacis durfte nicht gebaut werden, die andere Seite war schon verbaut. "Bis heute fehlen uns deshalb hier Seitenbühnen", sagt Wagner. "Das war schon 1801 schwierig. Schikaneder ging deswegen in die Höhe und plante einen Turm, mit dem es sich bis jetzt gut arbeiten lässt." Heute sind dort Büroräume und der Schnürboden untergebracht.

Trotz dieser Einschränkungen galt das Theater an der Wien bei seiner Eröffnung als das modernste und komfortabelste der ganzen Monarchie. "Wobei komfortabel nicht 'bequem', sondern 'möglichst viele Plätze' bedeutete", erklärt Wagner. "Es war, wie alle Theater damals, ein Stehtheater. Es hatte aber 2.200 Plätze, davon 750 Sitzplätze im Parkett. Etwas, das es bis dahin in dem Ausmaß nicht gegeben hatte. Zusammenrücken musste man dennoch. Die Sitzplätze waren überwiegend Bänke."

Die Stehplätze verteilten sich auf vier Ränge. Das Publikum war gemischt. Zu den Gästen zählten Adelige ebenso wie Bürgerinnen und Bürger. Die Eintrittspreise waren so gestaffelt, dass es für alle leistbar war. Ein Novum, weil Theater lange Zeit der vermögenden Oberschicht vorbehalten war. "Für die minderbemittelten Schichten gab es bis ins 18. Jahrhundert Schaubühnen und Wandertheater in der Vorstadt. Die Eröffnung des Theater an der Wien fiel gerade in eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs und hat alle angesprochen."

Originalausstattung noch heute erhalten

Noch heute kann man sich im Theater an der Wien in diese Zeit zurückversetzen. Das traditionsreiche Ambiente vermittelt einen Eindruck, wie es vor mehr als 200 Jahren gewesen ist. Vor allem im u-förmigen Zuschauerraum mit seinen Logen und Balustraden und findet man noch Teile der Originalausstattung. "Die Farben Silber und Blau zum Beispiel sind ein Zeichen dafür, dass es sich um ein privates Theater handelt. Rot und Gold waren dem Hof vorbehalten", erklärt Wagner.

Rot und Gold waren die Farben des Hoftheaters. Das private Theater an der Wien war deshalb in Silber und Blau gehalten. Später wurde diese Auflage gelockert. © PID/Christian Jobst

Später wurde das Verbot gelockert, deshalb sieht man heute auch Rot und Gold. Auch eine kaiserliche Mittelloge sowie Büsten und Bilder des Kaisers sucht man vergeblich. "Das war bei Privattheatern nicht üblich", erklärt Wagner. Für den Hof war dennoch immer eine Loge reserviert. "Die liegt vom Zuschauerraum aus gesehen rechts vorne, weil das der kürzeste Weg vom Papagenotor ins Theater war", erklärt Wagner. "Die Sicht auf die Bühne war zwar nicht optimal, aber man wurde gut gesehen."

Umbau wegen Platznot

Trotz hochgehaltener Tradition hat sich im Laufe der Jahre am Theater an der Wien auch vieles verändert. "Das waren aber immer bewusste Entscheidungen, nie einer Zerstörung geschuldet", sagt Wagner. "Glücklicherweise blieb das Haus während der beiden napoleonischen Belagerungen, während der Revolution von 1848 und auch während der beiden Weltkriege unversehrt", sagt Wagner. 1821 wurden Anbauten in der Millöckergasse errichtet, 1845 wurde das Papagenotor in der Millöckergasse zu einer Dreitoranlage ausgebaut und im selben Jahr die Decke im Zuschauerraum neu gestaltet. 1901 veränderte das Architekten-Duo Fellner und Helmer den Zuschauerraum.

Der Zuschauersaal und die Decke mit den neun Musen versetzt die ZuschauerInnen in längst vergangene Zeiten. © PID/Christian Jobst

"Für den ersten elektrischen Scheinwerfer mussten Leitungen gelegt werden. Im Zuge dessen hat man gleich die vierte Galerie, den großen Mittelleuchter und die Pfeiler in allen Rängen abgetragen", sagt Wagner. Das sorgte für mehr Komfort, reduzierte aber die Zahl der Sitzplätze um gut die Hälfte. Heute gibt es rund 1.000 Sitzplätze und 50 Stehplätze.

Vom Originalbau steht heute noch die kaum veränderte Rückseite in der Lehárgasse. Dort befindet sich der Bühneneingang. Auch die Front in der Millöckergasse blieb großteils erhalten. Das auf dieser Seite befindliche Papagenotor war früher der Haupteingang. Heute ist es der Notausgang.

Historiker Philipp Wagner zeigt das Papagenotor von außen und innen. Der einstige Haupteingang ist heute der Notausgang. © PID/Christian Jobst

1902 wurde der vordere Teil des Hauses abgerissen und nach Plänen der beiden Architekten Helmer und Felber durch ein fünfstöckiges Mietshaus ersetzt. "Denkmalschutz war damals kein Thema", sagt Wagner. "Man hat einfach gesagt, die Wienzeile ist eine neue Verkehrshauptader. Da reiht sich ein Gründerzeithaus an das andere. Und dann kommt ein Barockhaus, das nicht in die Zeile passt. Also weg damit und weil wir schon dabei sind, legen wir auch gleich den Haupteingang nach vorne. Den hat es zwar immer schon gegeben, aber nicht als Haupteingang. Das Papagenotor alleine hätte für rund 2.000 Menschen nicht gereicht. Die meisten sind schon immer über die Wienzeile ins Haus gekommen", sagt Wagner.

Zubau und Umstellung auf LED

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Stadt Wien das Haus gekauft und als Theater weitergeführt. Im Zuge der Renovierung wurde das Foyer neu gestaltet. Wo alter und neuer Teil aufeinandertreffen, kann man im und auch außerhalb des Hauses deutlich sehen. Beides hat seinen eigenen Reiz und seinen eigenen Wert: "Der späte 50er-, frühe 60er-Jahre-Stil des Foyers ist mittlerweile auch schon geschützt. Diese Fußbodenmosaike von Wolfgang Hutter und Roman Haller dürften wir heute auch nicht mehr verändern", sagt Wagner.

Sowohl im Inneren des Hauses als auch bei der Außenfassade wird sichtbar, wo neuer und alter Teil aufeinandertreffen. Das Mosaik im dazugebauten Foyer ist mittlerweile ebenfalls denkmalgeschützt. © PID/Christian Jobst

Im Zuge dessen wurde auch die Bühnentechnik erneuert. Es gibt eine Dreh- und Hubbühne, die bis zu viereinhalb Meter versenkt und einen Meter gehoben werden kann. Der zehn Tonnen schwere eiserne Vorhang kann in 20 Sekunden heruntergefahren werden. Eine der jüngsten und wichtigsten Neuerungen: sukzessive wurden und werden Scheinwerfer mit dem bisher üblichen Hallogenlicht auf LED umgestellt. "Das ist stromsparender und hat keine thermische Strahlung, d.h. sie erzeugen keine Wärme", erklärt Wagner. " Neu ist auch ein Beamer in der Mitte des Saals. „Man arbeitet am Theater zunehmend mit Projektionen. Das unterstützt die Erzählung. Dazu braucht man entsprechendes Equipment." 

In den traditionsreichen Zuschauersaal hat High-Tech Einzug gehalten. © PID/Christian Jobst

Auch von der Programmausrichtung her hat sich das Theater an der Wien verändert. Über viele Jahrzehnte zeigte das Haus ein variables Programm von Oper, Operette, Symphonien und Klavierkonzerten, ab 1962 fungiert es u.a. auch als einer der Spielorte der Wiener Festwochen. Später überwogen Musicalschlager wie "Cats", "Das Phantom der Oper" und "Elisabeth" im Spielplan. Im Mozartjahr 2006 kehrte das Theater an der Wien schließlich zu seinen Wurzeln zurück und etablierte sich als drittes großes Opernhaus in Wien. Die letzte Restaurierung erfolgte zwischen 1979 und 1982, bei der die in der Nachkriegszeit vereinfachte Fassade rekonstruiert wurde.

So sieht das Theater an der Wien heute aus. Das ehemalige Vorstadttheater hat sich als drittes Opernhaus etabliert. Zu sehen ist der Haupteingang des Theaters. © PID/Christian Jobst

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