Das neue Speicherbecken in Simmering wird ab Herbst 2016 knapp 30 Millionen Liter Wasser aufnehmen können. © PID/Christian Fürthner

stadtUNbekannt: Eine "Arche" für Simmering

Europas größtes Kanalbauprojekt hat die Form eines Schiffes und bewegt sich am Grundwasser auch so. Die Serie stadtUNbekannt besuchte das technische Meisterwerk im Süd-Osten der Stadt.

Im neuen Speicherbecken in der Haidestraße fühlt man sich wie eine kleine Ratte auf einem gewaltigen Schiff: Das „große Häferl“ ist 90 Meter lang, 45 Meter breit, sieben Meter tief und geformt wie ein Hochsee-Dampfer. Aufgrund der schrägen Flanken kann das Wasser gut abrinnen, was enorme Reinigungskosten sparen wird. 

An den Seiten sind zahlreiche Säulen, die dem Ganzen Halt geben. Denn das Becken sieht nicht nur aus wie ein Schiff: „Das Speicherbecken liegt am Grundwasser wie ein riesiger Frachter im Hafen. Dazu kommt, dass das Wasser sogar diesem tonnenschweren Bauwerk einen Auftrieb verleiht, der in diesem Fall zirka 30.000 Tonnen entspricht“, erklärt Projektleiter Artur Fuß. 

Video: Das Speicherbecken von Wien Kanal in Simmering

In Zusammenarbeit mit den TechnikerInnen der MA 29 – Brückenbau und Grundbau sowie Baufirmen errichtet Wien Kanal dieses Mammutprojekt. Auf den ersten Blick lässt sich nur erahnen, was sich unter der hundert Meter langen Betondecke befindet: das derzeit größte Kanalbauprojekt Europas. Es wird Wiens tiefstgelegenen Bezirk vor sintflutartigen Regenmassen schützen.

Arbeiten am „Ulli-Stollen“ nahezu lärmfrei

Dipl.-Ing. Andreas Ilmer, Wien Kanal Direktor, schätzt vor allem die unterirdische Bauweise, damit die Anrainerinnen und Anrainer nicht gestört werden. © PID/Christian Fürthner

Damit die bezirksübergreifende Speicherkette funktioniert, sind zusätzlich zum Becken auch noch zwei Transportkanäle erforderlich. Sie schlängeln sich knapp zwei Kilometer entlang des Straßenverlaufes durch Simmering. „Das Besondere an den Bauarbeiten ist, dass sie sechs bis acht Meter unter der Erde ausgeführt werden,“ sagt Andreas Ilmer, Wien Kanal Direktor.

Und fügt hinzu: „Damit haben wir keine Probleme mit Anrainerinnen und Anrainern, weil so gut wie nichts zu hören ist und keine Vibrationen nach oben dringen. So können wir Tag und Nacht arbeiten und stören niemanden“. Nur unterbrochen von einigen oberirdischen Einstiegstellen, die aus Sicherheitsgründen sein müssen.

Das erste Teilstück ist 860 Meter lang und benannt nach der Tunnelpatin, Umweltstadträtin Ulli Sima. Schon im Jänner 2015 soll dieser „Ulli-Stollen“ sein Ziel in der Kaiser-Ebersdorfer-Straße erreichen, zwei weitere Tunnelabschnitte werden folgen.

Tausend Mal kräftiger als ein Formel-1-Bolide

Sechs bis acht Meter unter der Erde werden die 18 Tonnen schweren Rohre eingepresst – nahezu lärmfrei und ohne Vibrationen kann Tag und Nacht gearbeitet werden. © PID/Christian Fürthner

Eines der eingebauten Stahlbetonrohre ist vier Meter lang, wiegt 18 Tonnen und hat einen Durchmesser von zwei Metern. 500 davon werden von der Tunnelmannschaft im Schichtbetrieb verlegt. Der Spezialbohrer arbeitet sich langsam durch die Erde und bringt ein sogenanntes Betonitgemisch auf, damit die Rohre geschmeidig eingepresst werden können. Gleichzeitig befördert das Gerät durch einen Schlauch das Erdreich aus dem Tunnel, der nur wenig größer ist als das eingepresste Rohr.

„Die eingesetzte Hydroschildmaschine mit Druckluftstützung zermalmt mit einem Gewicht von 36 Tonnen das Erdreich am Bohrkopf, der alle 300 Meter wegen der starken Beanspruchung getauscht werden muss. Der Elektromotor dieser Maschine hat 415 PS, was nicht so spektakulär klingt, aber das Drehmoment liegt bei 780 Kilonewtonmeter, tausend Mal mehr als ein heutiger Formel-1-Rennwagen. Noch dazu arbeitet der Steuermann an einem Computer außerhalb des Tunnels und orientiert sich allein an Zahlen und Daten auf dem Bildschirm“, erklärt Ilmer das technische Meisterwerk.

„Im Vorfeld mussten umfangreiche Probebohrungen vorgenommen werden, um das Erdreich zu untersuchen. Nicht weil wir hoffen, auf die sagenumwobene goldbeladene Galeere zu stoßen, sondern weil das Gebiet im Zweiten Weltkrieg umkämpft war und noch Blindgänger im Boden stecken könnten“, sagt Josef Gottschall von Wien Kanal.

Anpfiff für Simmering

Zwei Meter im Durchmesser ermöglichen den Arbeitern das sichere Betreten der Stahlbetonrohre. © PID/Christian Fürthner

Neben der Baustelle in der Haidestraße befindet sich – nein, kein neuer Rodelhügel –, sondern das Aushubmaterial, das 2016 auf der Betondecke des Speicherbeckens verteilt wird. Anschließend wird Kunst- bzw. Naturrasen aufgebracht und die SpielerInnen des SC Mautner-Markhof haben einen neuen Fußball- sowie einen Trainingsplatz zur Verfügung, samt Lichtanlage.

„Die Flutlicht-Masten werden gleichzeitig als Belüftungsrohre verwendet: Die Masten sind hohl und dienen der Belüftung des Speicherbeckens. So kann auch gleich, wenn Wasser einfließt, die Luft entweichen“, sagt Artur Fuß.

Stahl reichte für drei Riesenräder

Ing. Artur Fuß, Leiter des größten Kanalprojekts Europas kennt alle technischen Details. © PID/Christian Fürthner

„Die zunehmende Verbauung und damit die Versiegelung der Böden wirken sich bei anhaltenden Regenfällen gerade in Simmering aus, der topografisch am tiefsten gelegenen Region Wiens. Mit dem 30 Millionen-Euro-Bauprojekt kann dieser Bezirk besser geschützt werden“, erklärt Artur Fuß. Noch sind bis zu 60 Arbeiter auf der Baustelle tätig. Im Herbst 2016 haben sie etwa 63.000 Kubikmeter Bodenmaterial bewegt, 15.000 Kubikmeter Beton verarbeitet ebenso wie 1.200 Tonnen Stahl – das ist dreimal so viel wie beim Bau des Riesenrades.

Dann sind auch die beiden am Becken angeschlossenen Transportkanäle „Unter der Kirche“ und „Florian Hedorfer-Straße“ fertig. Damit wäre die gesamte Speicherkette geschlossen, die bis zu 86 Millionen Liter Regenwasser aufnehmen kann und zwar so lange, bis sie kontrolliert in die ebswien hauptkläranlage gelangen, wo die Abwässer gereinigt und in die Donau abgeleitet werden.

Tage der offenen Speichertür

Der Bohrkopf wird alle 300 Meter getauscht, um sich nach seiner Erneuerung wieder durch Tonnen von Erdreich zu graben. © PID/Christian Fürthner

Wer sich das Bauwerk von innen ansehen möchte, um die Dimensionen selbst zu erleben, kann das am 17. und 18. April in der Haidestraße 10 in Simmering machen. „Eine Anmeldung ist nicht notwendig, wir werden die Führungen stündlich machen. Damit wollen wir vor allem den Anrainerinnen und Anrainern die Gelegenheit bieten, sich ihr Speicherbecken einmal anzusehen, bevor es geflutet wird“, sagt Josef Gottschall. Das ist übrigens die einzige Gelegenheit, danach wird das Speicherbecken nur noch für die Kanalarbeiter bei Reinigungsarbeiten geöffnet.

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