Die Betriebsführungswarte ist das Nervenzentrum des Smart Campus der Wiener Netze und damit der gesamten Wiener Strom- und Gasversorgung. © PID/David Bohmann

stadtUNbekannt: Das größte Passivhaus der Welt steht in Simmering

Die Wiener Netze haben ein neues Zuhause: Seit September 2016 laufen im "Smart Campus" in der Nussbaumallee die Lebensadern der Stadt zusammen. Das "Mutterschiff" überwacht und steuert Strom, Gas, Fernwärme und Glasfasernetz in einem Hightech-Gebäude.

Wer das Nervenzentrum der Wiener Energieversorgung betritt, fühlt sich wie in einer Filmkulisse für Science-Fiction-Serien vom Schlage "Star Trek". Nicht von ungefähr heißt es nur "die Brücke", wenn bei den Wiener Netzen von der Betriebsführungswarte die Rede ist. Die Kommandozentrale mutet an wie jene der Enterprise. Eine ganze Wand des Raums ist mit Bildschirmen gekachelt. Sie zeigen das gesamte Infrastrukturnetz Wiens und der Stadtumgebung. Die einzelnen Netzbereiche haben unterschiedliche Farben. Grün ist etwa der Süden Wiens, gelb der Osten. Auch zwischen Strom und Gas wird farblich unterschieden. Jede Leitung sowie sämtliche Kraft- und Umspannwerke sind auf den wandhohen Screens dargestellt. Tritt irgendwo eine Störung auf, verändert der entsprechende Bereich auf dem Bildschirm seine Farbe. Je nach Art und Schwere der Störung wird die Kachel hell- oder dunkelrot. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen sofort, wo es ein Problem gibt, und können schnell reagieren. Genauso Hightech wie das Zentrum ist auch das gesamte Gebäude.

Der Smart Campus in der Simmeringer Nussbaumallee wurde am 13. September 2016 eröffnet. © PID/David Bohmann

Alle unter einem Dach

Der Weg zum derzeit modernsten Gebäude Wiens war arbeitsintensiv und ökologisch durchdacht. Zwei Jahre lang wurde gebaut, 82.000 Kubikmeter Beton und 9.400 Tonnen Stahl wurden verschweißt, gegossen und verarbeitet. Allein der Stahl entspricht beinahe der Reichsbrücke mal zwei. Bagger bewegten knapp 300 Tausend Tonnen Erde und anderes Material. "Selbst beim Bau konnten wir energiesparend arbeiten. Weil wir den Schutt mit dem Zug weggeschafft haben, ersparten wir der Umwelt 3.000 Lkw-Fahrten und verringerten den CO2-Ausstoß um 55 Tonnen", erzählt Peter Steczowicz, Projektleiter des Smart Campus. Fertig misst das Gebäude 350 Meter Länge. Das ist um ein paar Meter mehr als die Floridsdorfer Brücke.

Haus der kurzen Wege

Zwei Millionen Kundinnen und Kunden haben die Wiener Netze. Hier in Simmering kümmern sich 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um deren Anliegen. Das Gebäude beinhaltet Büros genauso wie Werkstätten, Lagerhallen und eine Garage für den gesamten Fuhrpark. Trotzdem ist es so designt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell an ihr Ziel kommen. "Kurze Wege und viel Licht, das war unsere Devise", sagt Steczowicz. Ein intelligenter Grundriss schafft Platz für mehrere Stockwerke auf wenig Raum. Jede Etage hat ihren zentralen Bereich mit Stehtischen und Sitzgelegenheiten. Dort treffen einander die Angestellten zum Austausch und zu Impromptu-Meetings.

Mit diesen Steuerungselementen werden in den Büroräumen die Temperatur, die Rollläden, aber auch die Fensternutzung gesteuert. Falls das Fenster zu lange offen steht und dadurch den Heizbedarf erhöht, ertönt ein Warnton. © PID/David Bohmann

Die Büros sind offen gestaltet: Großzügig dimensionierte Fenster und Glaswände erzeugen das Gefühl von Weite. Klimatechnisch sind sie mit der neusten Technologie ausgestattet, die Raumtemperatur wird vollautomatisch geregelt. Das System verhindert, dass zu viel Wärme aus dem Gebäude gelüftet wird. Ist der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur zu hoch, piepst ein Regler an der Wand und erinnert daran, das Fenster zu schließen. Unnötige Heizkosten werden damit verhindert.

Insgesamt finden sich auf dem Dach 1.200 Solarzellen. Trotz manch grauer Tage tragen sie maßgeblich zu einer Ersparnis von 55 Tonnen CO2 pro Jahr bei. ©PID/David Bohmann

Solarkraft schont Ressourcen

Ein Blick aufs Dach gibt Antwort auf das Geheimnis, wie der Smart Campus seinen Energiebedarf komplett selbst decken kann. 1.200 Solarzellen sind hier oben installiert. Sie erzeugen Strom, der für 150 Haushalte reichen würde. Auch die Beleuchtung des Gebäudes ist umweltfreundlich: Mehr als 10.500 stromsparende LED-Leuchten sind im Smart Campus installiert. Da die Räume aber von Tageslicht durchflutet sind, kommen die selten zum Einsatz.

Stolz ist man auch auf das hauseigene Wärmesystem. Die gesamte Klimatisierung des Gebäudes geschieht mittels Grundwassernutzung und Solarthermie. Ein Netz aus Wärmerohren durchzieht das Gebäude, eingehüllt in Dämmstoff, der aussieht wie Alufolie. Das Haus ist auch mit Ladebuchten ausgestattet. Diese Nischen speichern Wärme im Gemäuer, deswegen muss weniger geheizt werden. 

Im Winter wird intelligent geheizt, im Sommer smart gekühlt: Kletterpflanzen ranken sich an Wänden empor, auch auf dem Dach blüht die Flora. Es entsteht "Verdunstungskälte". Gemeint ist: Gibt eine Pflanze im Zuge der Photosynthese Wasser ab, kühlen ihre Blätter die Luft. Dadurch ist es im Hochsommer auch "am Land" kühler als in verbauten Städten: "Durch diesen Effekt können wir Strom für die Klimaanlage sparen und reduzieren unseren Energieaufwand", erklärt Steczowicz. Ganz abgesehen davon haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so auch nette Außenbereiche. Die brauchen sie auch, denn die Zentrale ist rund um die Uhr besetzt.

Im Keller der Anlage findet sich auch ein Batterieraum. Der dient in erster Linie als Backup, sollte eine Energieknappheit auftreten. © PID/David Bohmann

Ein Keller unter Strom

Im Keller unter dem Smart Campus liegt die "Hangarbucht". Dort stehen die bekannten weißen Dienstfahrzeuge der Wiener Netze. Die Nutzung von E-Autos und E-Bikes wird durch Ladestationen auf dem Firmengelände erleichtert. Auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern will man die nachhaltige Mobilität fördern. Die Zentrale ist an das Radwegenetz angebunden und es gibt ausreichend Fahrradabstellplätze, Umkleidekabinen und Duschen für Radfahrerinnen und Radfahrer.

24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Die Versorgung von über zwei Millionen Kundinnen und Kunden mit Strom und Gas kennt keine Pausen. Dass sich im Campus nicht nur Steuerung und Verwaltung, sondern auch Werkstätten und Lager befinden, rückt das Wiener-Netze-Team näher zusammen. Die neue Zentrale ist Herz und Hirn des Wiener Verteilernetzes und wird es für viele Jahrzehnte sein. Ein Haus, das sich selbst mit Energie versorgt, hätten viele vor ein paar Jahrzehnten für Science Fiction gehalten. Heute ist es Realität und zeugt davon, mit welchen Riesenschritten Wien als "Smart City" Richtung Zukunft schreitet.

Nicht nur die Energie von morgen ist Thema im Smart Campus. In der hauseigenen Lehrlingswerkstatt können Nachwuchskräfte ihre künftige Arbeit praxisnah simulieren. © PID/David Bohmann

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