Der Landtags- und Gemeinderatssitzungssaal im Stil der Neogotik. © PID/Christian Jobst
Der Sitz des Landtagspräsidenten bietet einen guten Überblick. © PID/Christian Jobst
Die Fenster stammen ursprünglich von Glasmeister Rudolf Geyling. © PID/Christian Jobst
Eingesetzte Plexiglasscheiben bewahren den Luster vor schneller Verschmutzung. © PID/Christian Jobst
Jede Politikerin beziehungsweise jeder Politiker hat eine eigene, versperrbare Lade bei seinem Sitzplatz. © PID/Christian Jobst
Bis 1994 durfte im Raum sogar geraucht werden. Damals war in jeder Lade ein Aschenbecher. © PID/Christian Jobst
Technik am Platz des Landtagspräsidenten Harry Kopietz © PID/Christian Jobst
Bei Platzbedarf können die Kleiderstangen der Garderobe versenkt werden. © PID/Christian Jobst
Das Fernsehkammerl ist dem Sitzungssaal benachbart. © PID/Christian Jobst
Wer den Dachbereich betritt, kann über die gigantische Aufhängungskonstruktion des Prunklusters staunen. © PID/Christian Jobst
Rathauswerkmeister Josef Amann vor der Lusteraufhängung auf dem Zwischenboden © PID/Christian Jobst
Sie zieht sich über mehrere Geschosse und Zwischenböden … © PID/Christian Jobst
… bis auf den Dachboden. Dort wurde aus Sicherheitsgründen die Aufhängung mit Holz verschalt. © PID/Christian Jobst
Im Inneren der Holzverschalung © PID/Christian Jobst

Historische Arbeitsplätze

Rund 25 Tage im Jahr tagt die Wiener Politik im imposanten Landtags- und Gemeinderatssitzungssaal des Rathauses. stadtUNbekannt blickt hinter die Kulissen.

"Wir arbeiten hier gerne miteinander und mit den anderen Gewerken. Man kann fast sagen: Wir sind ein bisschen stolz auf unseren historischen Arbeitsplatz", erzählt Rathauswerkmeister Josef Amann, der für alle Umbauten, die bauliche Instandhaltung und Bausicherheit zuständig ist. Wer sich hier im Landtags- und Gemeinderatssitzungssaal des Rathauses, von 1872 bis 1883 nach Entwürfen des Architekten Friedrich von Schmidt im Stil der Neogotik errichtet, umsieht, weiß, was Amann meint. Es sieht imposant aus.

Die hölzernen Einbauten bilden einen Halbkreis mit den laut Kopietz "für lange Sitzungen leider nicht sehr bequem gestalteten" Originalsitzreihen. © PID/Christian Jobst

Amphitheater

Wie in einem Amphitheater bilden zum Beispiel hölzerne Einbausitzmöbel einen Halbkreis um den Platz des Landtagspräsidenten. Dieser wurde auf ein Podest gesetzt. Dahinter erheben sich Spitzbogenfenster mit reicher, farbiger Bleiverglasung. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach den Originalentwürfen des Glaskünstlers Rudolf Geyling wiederhergestellt.

Der Luster wurde bereits elektrisch betrieben, während im restlichen Rathaus noch auf Gasbeleuchtung gesetzt wurde. © PID/Christian Jobst

An der schweren, mit 22 Karat reich vergoldeten Edelholzkassettendecke des Holzbildhauers Franz Schönthaler hängt jedoch das wahre Prunkstück des Raumes: Friedrich Schmidts prächtiger, 3.200 Kilogramm schwerer Deckenluster. Er wurde eigentlich für die Weltausstellung „Elektrische Ausstellung“ 1873 in Auftrag gegeben und erst später für das Rathaus zugekauft. Im Ganzen wurde er mit mehreren Stahlseilen und Stahlstangen fest im Gebäude beziehungsweise hoch oben in der Dachkonstruktion verankert. Seit seiner Montage 1885 und nach Überwindung technischer Startschwierigkeiten wird er elektrisch betrieben. Man bedenke: Damals hatte nur der Kaiser in seiner Hofburg im Rittersaal elektrische Beleuchtung.

An den drei anderen Seiten des Raumes sind Galerien eingezogen worden. Von dort aus können Politikaffine sowie Journalistinnen und Journalisten das Geschehen verfolgen. Aus Sicherheitsgründen sind diese Plätze nur von außen, dem Stiegenhaus des Rathauses, zu betreten.

Zentrum dieses Freskos bildet Kaiserin Maria Theresia. Daneben erkennbar: der junge Wolfgang Amadeus Mozart. © PID/Christian Jobst

An den Wänden entdeckt der Kunstbegeisterte wundervolle Fresken. Sie stammen von Ludwig Maler und zeigen unter anderem allegorische Darstellungen der Aufgaben der Stadtverwaltung sowie Kaiserin Maria Theresia und Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart.

Technik und Moderne wurden gut und oftmals quasi "unsichtbar" in den Sitzungssaal integriert. © PID/Christian Jobst

Raum der Superlative

Die vielen Eindrücke sind auf den ersten Blick gar nicht alle zu fassen. Klar, dass es hier im 14 Meter hohen, 15,2 Meter mal 23,7 Meter großen Raum jede Menge zu tun gibt. Auch im "Verborgenem", also nicht auf Anhieb erkennbar. Das ist entscheidend. Denn wenn Bürgermeister Michael Häupl, Landtagspräsident Harry Kopietz, Stadträtinnen, Stadträte und Abgeordnete der einzelnen Parteien den historischen Landtags- und Gemeinderatssitzungssaal aus dem 19. Jahrhundert für Sitzungen betreten, müssen eine topmoderne Technik- sowie Sicherheitsanlage einsatzbereit zur Verfügung stehen.

Dass dies auch möglich ist, ist dem gut eingespielten Team aus unterschiedlichen Gewerken zu verdanken, das sich im Vorfeld um alle Belange kümmert.

Auf der Galerie: das Mischpult der Tontechnik. © PID/Christian Jobst

Modernste Technik

"Wir müssen unter anderem gewährleisten, dass alle, rund 20 Mikrofone oder Verstärker im Sitzungssaal funktionieren und dass die Akustiksignale in entsprechender Qualität etwa für Liveschaltungen oder zum Archivieren versendet werden", erzählt Martin Sponner. Er ist seit 16 Jahren einer der Tontechnikerinnen und Tontechniker im Rathaus. Er prüft am Tag vor Veranstaltungen das Technikequipment oder sitzt während der Tagungen am Mischpult seitlich auf der Pressegalerie.

Landtagspräsident Harry Kopietz auf "seinem" Sitzplatz der mit vielen technischen "Spielereien" aufwartet. © PID/Christian Jobst

"Natürlich betreuen wir nicht nur diese, sondern alle Veranstaltungen im Haus. Das können bis zu 1.400 Events im Jahr sein", sagt Sponner, der bei Bedarf auch gerne Landtagspräsident Harry Kopietz in Sachen Technik Auskunft gibt. Immerhin sind rund um den erhöhten "Präsidenten"-Sitzplatz jede Menge Schalter zu finden. "Damit könnte ich einzelne Mikrofone abschalten und so Rednerinnen oder Rednern das Wort entziehen oder im Notfall auch die Rathauswache rufen. Das war aber glücklicherweise noch nie nötig.", sagt Harry Kopietz.

Die Garderobe ist mit einer Industriespüle ausgestattet. © PID/Christian Jobst

Sauber und sicher

Doch Sponner und seine Kollegenschaft aus der Technik sind nicht die Einzigen, die im Sitzungssaal hantieren. Der Treppenlift für das politikinteressierte Publikum und für die Presse muss laufend kontrolliert werden. Und natürlich müssen alle Räumlichkeiten gesäubert, gesaugt und entstaubt werden. Vor und während Tagungen muss Wasser aufbereitet, müssen kaputte Leuchtmittel, von denen es im Raum an die 400 Stück gibt, getauscht und Mäntel im eigenen Garderobenraum verstaut werden. Letzterer befindet sich in einem Nebenraum und beinhaltet sogar einen eigenen Industriespüler für das Säubern der Gläser. "Weiters gilt es die persönlichen Schubladen bei den Sitzplätzen der Politikerinnen und Politiker im Sitzungssaal, die Pressebereiche sowie das nahe gelegene Fernsehkammerl auf- beziehungsweise abzuschließen", berichtet Irene Eminger von der Magistratsabteilung MA 34, Bau- und Gebäudemanagement, die wienweit insgesamt 1.729 Gebäude mit 1.250 Bediensteten betreut. So sind alleine im Rathaus mitunter 28 Hausarbeiter und 48 Raumpflegerinnen im Dienst.

Zwei Männer säubern den Luster einen ganz Tag lang mit Luftdruck. © PID/Christian Jobst

Darüber hinaus werden alle zwei Jahre der Deckenluster und die historischen Fenster grundgereinigt. Ein sehr aufwendiges Unterfangen. Für den Luster benötigt man einen ganzen Tag und die hauseigene Hebebühne, für die Fenster im Saal eine Woche und sogar ein Gerüst. Hausarbeiter Christoph Bauer: "Während wir im Einsatz sind, wird der Raum aus Sicherheitsgründen gesperrt. Weder die Kostbarkeiten noch Personen dürfen gefährdet werden." Deswegen finden diese Arbeiten auch meist im "sitzungsarmen" Sommer statt. Übrigens: Bis ins Jahr 1994 durfte im Saal sogar geraucht werden. "Nikotinverfärbungen können sehr hartnäckig sein", weiß Eminger. 

Das ganze Haus, so auch der Dachbereich, ist alarmgeschützt. © PID/Christian Jobst

Mechatronisches Schließsystem

Sicherheit ist im Rathaus und natürlich auch im Sitzungssal ein wichtiges Thema. "Das bezieht sich auch auf unser mechatronisches Schließsystem mit Zentralschlüsseln, die bei Verlust einfach deaktiviert werden können", berichtet Josef Amann. Und er weiß: "Das Gebäude ist denkmalgeschützt. Dem müssen auch alle baulichen Veränderungen gerecht werden. Auch wenn es sich wie etwa vor zwei Jahren 'nur' um das Abschleifen der Originalsitzreihen im Saal von der hauseigenen Instandhaltungswerkstatt handelt. Aber für uns ist das keine Sache."

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