MitarbeiterInnen der Wienbibliothek kommen mit dem Fahrrad zur Arbeit. © PID/Jobst

stadtUNbekannt: Auf dem Rathaus-Dachboden

Die Serie „stadtUNbekannt” zeigt versteckte Örtlichkeiten in Wien und ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen der Stadt. Diesmal führt sie auf den Dachboden des Wiener Rathauses.

Auf Dach und Dachboden des Wiener Rathauses darf kaum jemand hinauf. Dabei wartet dort weit mehr als nur ein Blick über die Stadt, der den Atem raubt: Im Inneren schlingen sich Wendeltreppen, liegen historische Schätze, thront ein ganzes "Wikingerschiff".

Kaum hat man den Lift im Dachgeschoss verlassen, erhellt Lichtschein die Umgebung: Holzgiebel strecken sich zur Decke. An der Wand lehnt ein Fahrrad.

Dokumente der Zeitgeschichte

Schriftstücke vergangener Jahrhunderte werden nach Jahren geschlichtet. © PID/Jobst

Eine Stahltüre weiter ist des Fahrrads Rätsel gelöst: Die Wienbibliothek im Rathaus (MA 9) hält hier Teile ihres Bestands. Und so manch sportlicher Bibliothekar radelt ins Büro. Fünf Stockwerke über dem Rathausplatz stapeln sich Dokumente der Zeitgeschichte in saalhohen Räumen und in Verbindungsgängen voller Stellagen: H.C. Artmanns Sammlung liegt hier ebenso wie Stadtparlaments-Protokolle aus den 1920er-Jahren und früher. Hier wurde auch der Inhalt Marcel Prawys berühmter Plastiksackerl in Kataloge gefasst. Im Regal stehen, ledergebunden, gesammelte Ausgaben der "Allgemeinen Literatur-Zeitung" aus 1798.

Von Liesing bis Aspern

350 Schornsteine ragen aus dem Dach. © PID/Jobst

Kaum hat man die Archive der MA 9 verlassen, öffnet sich eine Dachluke, kaum höher und breiter als eineinhalb Meter. Gebückt geht es ins Freie. Auf dem Blechdach des Rathauses geht es an Reihen von kaffeebraunen Schornsteinen entlang. Vor fünf Jahren wurde die Dachlandschaft saniert, Schieferplatten als Schindeln montiert, der Blechboden erneuert und die hunderten Schornsteine restauriert.

Angelangt an der Ostseite des Hauses folgt ein Ausblick, der im Gedächtnis bleibt: Die Augen gleiten hinunter auf den Rathausplatz, am Wiener Eistraum vorbei hinüber zum Burgtheater. Dahinter die Skyline der City und das bunte Lichterspiel des Wurstelpraters. An klaren Tagen lassen sich von hier sogar die Kräne der Seestadt Aspern beobachten.

Die Weisheit, in Stein gemeißelt

Steinerne Figuren wachen über den Rathausplatz. © PID/Jobst

Außen, 40 Meter über dem Erdboden, geht es zum Hauptturm, den Figurengang entlang. Hier stehen Sandsteinfiguren in geduldiger Wacht: Hünenhaft blicken "Wappenträger der Vorstädte" auf das Treiben am Rathausplatz hinab. Sie halten Schilde, welche sich - allein fast so groß wie ein Erwachsener - an die Mauern schmiegen.

Daneben steinerne Vertreter der Zünfte, Wirte und Tuchmacher. Obwohl schon über 130 Jahre alt, strahlen ihre Körper makellos: Im Zuge der Fassadensanierung wurden und werden alle 78 Figuren aufgefrischt. Sensibel gehen Steinmetzinnen und Steinmetze mit Gerät über die Allegorien der Güte, der Weisheit, der Kunst. Auf dem Sandstein verwischen sie die Spuren der Zeit.

Turmfalken unterm Rathausmann

Verschlungene Treppen verbinden die Gebäudetrakte. © PID/Jobst

Der Figurengang mündet in den höchsten Turm des Rathauses: 98 Meter neugotischen Profanbaus strecken sich hier gen Himmel. Da im 19. Jahrhundert kein weltliches Haus höher als die Votivkirche mit ihren 99 Metern sein durfte, hat Architekt Friedrich Schmidt getrickst: Mit seinen 540 Zentimetern Körpergröße bringt der Rathausmann das Haus auf 103 Meter.

Zu erklimmen ist der Turm nur über eine Wendeltreppe aus Stein, die letzten Meter zur Spitze gehen über Eisenstufen. Nur Fachpersonal und die Berufsfeuerwehr Wien dürfen dort hinauf. Wohler fühlt sich in diesen Höhen nur die Fauna. Braun gescheckte Turmfalken werden immer wieder auf den Dächern des Hauses gesichtet.

Das gestrandete Wikingerschiff

Wikingerschiff
Über dem Festsaal des Rathauses, ostseitig gelegen, thront ein "Wikingerschiff". © PID/Jobst

Zurück im Figurengang geht es über eine Wendeltreppe zurück ins Gebäude. Das Gemäuer ist schmal, die Decke erlaubt keinen aufrechten Gang. Richtung Arkadenhof schlucken stille Gänge die Schritte. Giebel aus Holz ragen empor. Sie stützen das Dach. Es ist der Baustoff vergangener Zeiten: Fertiggestellt 1883, wird das Rathausdach bis heute vom selben Holz getragen. Es hat eine Patina entwickelt, das Braun mäandert ins Schwarze, trotzt Hitze wie Kälte und hält fest.

Über dem Festsaal des Rathauses sitzt, von außen betrachtet, ein "Haus auf dem Haus": Gelegen hinter dem Uhrturm und symmetrisch zwischen den Eckzinnen liegt der Hochboden über dem Festsaal. Wie ein Wikingerschiff, gestrandet und ausgenommen, wandern die Streben Richtung der Decke. Es ist ein Saal von 80 Metern Länge und 20 Metern Breite. Aus Gründen der Statik steht diese Halle leer.

Mit dem Paternoster hinab

Das Holz des Daches trotzt seit 130 Jahren Wind und Wetter. © PID/Jobst

Die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt der rathauseigene Paternoster. Nach Kriegsende 1918 in Betrieb gegangen, ist das Rathaus Heim für einen der beiden letzten Umlauflifte Wiens, die noch im Originalzustand erhalten sind. 1913 beauftragt, wurde der Aufzug damals freilich "nachgeordert".

Zur Grundsteinlegung 1872 war das Rathaus, bis heute Sitz der Stadtregierung und Wahrzeichen Wiens, noch gasbetrieben. Auf Straßenniveau angelangt, geht der Blick noch einmal nach oben. 70 Meter über der Erde spielt der Westwind mit den Flaggen Wiens, Österreichs und der Europäischen Union.

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