Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner
Unter der von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen goldenen Kugel wird Müll zu Energie und Wärme. © PID/Christian Fürthner

Wiens müllfressendes Meisterwerk

Entdecken Sie mit unserer Serie stadtUNbekannt ein modernes Wiener Wahrzeichen: die Müllverbrennungsanlage Spittelau. Hier sind Abfallverwertung, Energiegewinnung und Kunst in Vollendung vereint.

Friedensreich Hundertwasser war gegen Müllverbrennung. Das mag viele überraschen, schließlich ist sein Design der Müllverbrennungsanlage Spittelau eine Wiener Ikone und ein anerkanntes Meisterwerk. Wie manch andere auch war der Umweltschützer und Naturfreund der Meinung, dass nur Müllvermeidung der richtige Weg sei. Doch Wiens damaliger Bürgermeister Helmut Zilk hatte eine große Vision für die Anlage. Nach einem Brand im Jahr 1987 waren weite Teile der Anlage zerstört. Statt einfach nur wiederaufzubauen, wollte er etwas Besonderes schaffen: ein Meisterwerk. Im persönlichen Gespräch überzeugte er Hundertwasser, dass Müllervermeidung auch der Stadt Wien wichtig ist, aber die Millionenmetropole Verbrennungsanlagen dennoch dringend braucht, auch aus Gründen des Umweltschutzes.

Müllwägen Wien Spittelau
Hunderte Tonnen Müll werden täglich zur Müllverbrennungsanlage Spittelau gebracht. © PID/David Bohmann

Ein Wiener Wahrzeichen

So kam es dazu, dass Hundertwasser den Auftrag doch annahm. Sein typischer farbenfroher und instinktiver Stil macht die Anlage auch zu einem begehrten Ziel für Touristinnen und Touristen. Die goldene Kugel, die auf dem Schlot über der Spittelau thront, ist zu einem Wiener Wahrzeichen geworden. Wer wohl aus den Fenstern rauslugt, die dort oben zu sehen sind? Niemand. Die sind nur zur Zierde, zu sehen gäbe es aber reichlich. Da wären zum einen die Konvois an Müllwagen, die jedes Jahr mehr als 250.000 Tonnen zur Verarbeitung hierherbringen.

Kran
Das Personal sorgt dafür, dass der Müll gut durchgemischt ist und sie wissen genau, was man wann in den Ofen geben muss. © PID/David Bohmann

Endstation Spittelau

Wenn Sie sich im Supermarkt eine Wurstsemmel kaufen und die Verpackung unzeremoniell im Mistkübel verschwinden lassen, dann endet sie vielleicht hier im neunten Bezirk. Im Hof kommen die Wagen mit ihrer Fracht an. Das riecht nicht immer ganz angenehm, Stinkgrube ist die Anlage aber definitiv keine. Sofern man nicht direkt neben einem Wagen steht, kriegt man vom Geruch kaum etwas mit. Der Abfall wird zuerst von einer gigantischen Brückenwaage gewogen und im Anschluss in einem Abfallbehälter gelagert. Der ist satte 7.000 Kubikmeter groß und voll mit Müll jedweder Art. Da sich manche Leute beim Entsorgen des Mülls nicht gerade die größten Gedanken machen, stoßen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier schon mal auf Kurioses. Safes, Motorräder und vieles mehr sollen hier geendet haben. Man sagt uns, einst, vor vielen Jahren, soll sogar ein VW Käfer hier gefunden worden sein. So will es zumindest die Legende. Brauchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mal kurz eine Pause, steht dafür dank Hundertwassers Dachbegrünungen und Bepflanzungen eine charmante kleine Idylle zur Verfügung.

Ofen innen
Ein bewegbarer Rost bringt den Müll im Ofen nach unten zu einer Luke. © PID/David Bohmann

Der Mix macht's

Von solchen Geschichten können die Kranfahrerinnen und Kranfahrer ein Lied singen. Ihr Job ist äußerst wichtig: Sie mischen mit riesigen Kränen den Müll durch und werfen ihn anschließend in einen von zwei Müllöfen. Die richtige Mischung ist sehr wichtig, denn nur so brennt das Feuer gut und sicher. Dafür braucht man ein ordentliches Gespür. Die Kabinen der Kräne sind übrigens zu 100 Prozent geruchsdicht. Für die Wurstsemmelverpackung aus dem Supermarkt ist hier dann die Reise mehr oder weniger zu Ende. Denn was im Ofen landet, das wird gnadenlos eingeäschert. Bei mehr als 800 Grad ist selbst der härteste Dreck chancenlos. Der leistungsstarke Ofen wird übrigens auch gerne mal vom Zollamt genutzt. Beschlagnahmte Güter werden des Öfteren hierhergebracht, um im Ofen aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Feuer
Im Ofen herrschen über 800 Grad. Da hat der Müll keine Chance. © PID/David Bohmann

Jetzt wird's heiß

Die Öfen von innen sind beeindruckend und ein wenig beklemmend. Düster und metallisch wartet der Riesenofen auf den Müll, der von oben reinfällt, um diesen dem Inferno preiszugeben. Der Boden ist ein beweglicher Rost, der langsam und schrittweise Müll, und was davon nach 800 Grad übrig bleibt, nach unten bringt. Dort werden Asche, Schlacke und Co in ein Loch geworfen. Pro Jahr fallen in der Anlage 60.000 Tonnen Asche, Schlacke und Filterkuchen an. Die kleine Ausstiegsluke aus dem Ofen sieht von innen recht verlockend aus und man verlässt den Bereich gerne wieder. Von außen, bei vollem Betrieb, in die Luke zu sehen, ist jedoch faszinierend. Was da drinnen vor sich geht, kann man mit dem Begriff "flammendes Inferno" treffend beschreiben. Ein Feuersturm macht dem Wiener Müll den Garaus.

Rohre
Aus dem Rauch des Feuers werden letzten Endes Strom und Wärme gewonnen. © PID/David Bohmann

Aus Rauch wird Strom und Wärme

Jetzt kommt der Clou der Anlage. Wo Feuer ist, da ist auch Rauch. Diese Rauchgase werden abgeleitet und ein Wärmetauscher macht daraus Dampf. Daraus wird im finalen Schritt Fernwärme und Strom gewonnen. In der Anlage verbirgt sich dieser Arbeitsschritt hinter großen Räumen voller Rohre, die blitzblank um die Wette funkeln. Man kann es von außen nicht sehen, doch in diesen Rohren geschieht Unglaubliches. Jedes Jahr entstehen in der Anlage 40.000 Megawattstunden Strom und 470.000 Megawattstunden Fernwärme. Damit kann man jährlich 60.000 Wiener Haushalte versorgen. Und so wird aus dem Müll, einem unvermeidbaren Teil einer Millionenstadt, etwas Sinnvolles gewonnen.

Kontrollraum
Im Kontrollraum haben die Mitarbeiter von Wien Energie alles im Griff. © PID/David Bohmann

Modern und umweltfreundlich

Beobachtet werden alle Schritte von der Kontrollzentrale, die rund um die Uhr besetzt ist und dafür sorgt, dass bei dem Prozess alles wie geschmiert läuft. In den letzten Jahren war hier viel los. Schließlich wurde von 2012 bis 2015 generalsaniert und die Leistung der Anlage verdreifacht, bis sie nun das heutige Niveau leisten kann. In Zahlen heißt das: Vor der Sanierung konnten 16.000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Jetzt sind es 50.000. Damit ist die Spittelau nach dem Kraftwerk Simmering 1 der zweitgrößte Erzeugungsstandort im Fernwärmeverbundnetz von Wien Energie.

Dem Gestalter der Anlage, Friedensreich Hundertwasser, wird auf hundert verschiedene Weisen gedacht. Kunstwerke und Infozettel von und zum Meister erstrecken sich quer durch die Anlage. Auch diverse Plakate und Anregungen zum Thema Müllvermeidung zeigen, dass der Grundgedanke von Hundertwasser und Wien Energie der gleiche ist: umweltfreundlicher Umgang mit dem Müll. Die Anlage in der Spittelau ist eine enorme Erleichterung und, gerade nach dem Umbau, noch nachhaltiger. Dass auf diese Weise umweltfreundlich Strom für unsere Kühlschränke und Warmwasser für die Dusche geschaffen wird, hätte vielleicht auch Friedensreich Hundertwasser zu schätzen gewusst.

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