Für unsere Serie stadtUNbekannt haben wir die Messe Wien in der Leopoldstadt unter die Lupe genommen. © PID/Fürthner

Messe Wien: Auf der Serviette entworfen

Mit rund 700.000 BesucherInnen jährlich ist das Messe Wien Exhibition & Congress Center kein Geheimtipp. Dennoch haben wir im Rahmen unserer Serie stadtUNbekannt verborgene Winkel für Sie entdeckt.

Dass die Messe Wien bestens für alle Fälle gerüstet ist, zeigt ein Blick unter die Halle A. Denn wer hätte gedacht, dass sich dort riesige Wasserbecken befinden? Die drei Bassins haben zusammen ein Fassungsvermögen von zirka 510 Kubikmeter Wasser, also von rund 5.100 Badewannen, die zu je hundert Litern gefüllt sind. Gut verborgen und geschützt sind sie im Keller untergebracht und Teil einer der größten Sprinkleranlagen Wiens. Zugang haben sonst nur die Haustechnikerinnen und Haustechniker sowie die Betriebsfeuerwehr.

Wenn irgendwo im Gebäude auch nur ein Mistkübel brennt, bersten die Glasröhrchen der Sprinkleranlage, konkret bei 68 Grad Celsius, und setzen umgehend Wasser aus den riesigen Becken frei. Um nichts dem Zufall zu überlassen, rückt zugleich auch die Feuerwehr aus. Sie ist es auch, die die Pumpe im Technikraum, der an ein U-Boot denken lässt, mit den großen knallroten Pumpen und Drehrädern, wieder zudreht. „Getestet wird jede Pumpe einmal im Monat“, versichert Karl Aicher, ein Mitarbeiter der Betriebstechnik. „Die vier Hallen und das Congresscenter sind an den Decken mit einem dichten Netz von Wasserleitungen durchzogen und in kleinen Sektoren eingeteilt, sodass punktuell gelöscht werden kann“, weiß der Techniker.

"Getestet wird jede Pumpe einmal im Monat", versichert Betriebstechniker Karl Aicher. © PID/Fürthner

Sechs Lüftungsanlagen geben kalt und warm

So eindrucksvoll eine leere Messehalle wirkt, so dicht ist das Gedränge bei beliebten Publikumsmessen wie zum Beispiel der "Vienna Autoshow" und der "Ferien-Messe Wien", die jedes Jahr im Jänner am Programm stehen. Zwischen Urlaubsträumen und den neuesten Boliden befindet sich eine unscheinbare Metalltür, die zum Stiegenhaus aus Beton führt. Lange Gänge beherbergen das ausgeklügelte Lüftungssystem für die Messehallen. Entlang der gleichmäßig angelegten Leitungen, die aussehen als hätte sie jemand in Stanniol verpackt, zeigt der Techniker durch ein Fenster, wo die Rohre in der Deckenhalle münden. "Auf diesem Weg kann gekühlt und geheizt werden, je nach Erfordernis. Die insgesamt sechs Lüftungsanlagen sind so konzipiert, dass die Halle in jeweils neun Sektionen geteilt ist, die unterschiedlich belüftet werden können, damit sich alle Messegäste möglichst wohl fühlen".

Ökozertifikat für Hallen und Messegelände

Die Messe Wien ist ökozertifiziert. "Das heißt zum Beispiel umweltfreundliches Abfallwirtschaftskonzept, Brauchwasser in den Toiletten, Energiesparlampen, Öffi-Anbindung und 23 E-Tankstellen für Elektrofahrzeuge in den Parkhäusern", erklärt Katharina Weishaupt, die Geschäftsführerin der Wiener Messe Besitz GmbH (MBG). Bestechend für internationale Veranstalter ist aber auch das System der flexiblen Wände im Congress Center und moderne Ausstattung. "Nur die Veranstaltungstechnik, wie Ton- oder Bildtechnik, wird immer neu angemietet, um das jeweils neueste Modell im Haus zu haben", sagt ein Mitarbeiter.

Blick über den zweiten Bezirk vom Messegebäude aus. © PID/Fürthner

So groß wie elf Fußballfelder

Der Blick vom Dachfenster macht die Dimension des Areals, mit insgesamt 73.000 Quadratmeter Gesamtnutzfläche, auf der elf Fußballfelder Platz hätten, deutlich. Die MBG ist eine Wien Holding Tochter und sorgt dafür, dass der rege Messe- und Kongressbetrieb auch künftig ein Topstandort bleibt. Und am sogenannten Messecarree wird nach wie vor gebaut, wie die beiden Kräne zeigen. Ein Stadtentwicklungsgebiet, das mit Büros und Geschäften direkt an der U-Bahnlinie 2 die Leopoldstadt weiter belebt.

Porträt von Johann Jungreithmair
Johann Jungreithmair, Direktor des Messebetreibers Reed Exhibitions Wien, war an der Planung des Gebäudes beteiligt. © PID/Fürthner

Gustav Peichls Schal im Foyer

Der renommierte Wiener Architekt Gustav Peichl zeichnet nicht nur als Ironimus seine Entwurfideen auf Papier, egal welches gerade zur Hand ist. Im Fall der Messe Wien war es eine Serviette, auf die um die Jahrtausendwende der erste Plan skizziert wurde. Mit dabei war damals auch Johann Jungreithmair, Direktor des Messebetreibers Reed Exhibitions Wien, der auf der Papierserviette kurzerhand mitplante. "Wir haben viel diskutiert, obwohl ich mich in die Architektur gar nicht eingemischt habe. Zum Schluss sind wir auf eine geniale Lösung gekommen", erzählt Jungreithmair über die intensive Zusammenarbeit mit dem Architektenteam. Und wer im Foyer die roten Elemente betrachtet, sollte an Gustav Peichls Schal erinnert sein. 


Übrigens: Von dort ein Blick Richtung Halle D und es ist, als würde man vom Stephansdom aus die Kärntner Straße, begradigt, entlang blicken. Die Distanz ist mit knapp einem halben Kilometer in etwa gleich. 

Ein Blick in das belebte Messehallengelände. © PID/Fürthner

Zeitgeist verlangt Social Media

Vor zehn Jahren wurde die Messe Wien eröffnet. Seither sind unzählige Publikums- und Fachmessen, Kongresse und Tagungen abgehalten worden. "Die erste Messe begann mit der Kombi aus 'Ferien-Messe Wien' und der Premiere der 'Vienna Autoshow'. Dabei konnten wir gleich mehr als 121.000 Besucherinnen und Besucher zählen. Die Doppelveranstaltung ist immer noch erfolgreich. Heute besuchen sie rund 150.000", so Direktor Jungreithmair. Geändert habe sich sehr viel in allen Belangen: bei der Messe-Infrastruktur, bei den Anforderungen der Veranstalter aus aller Welt und auch bei den Themen.

"Der Zeitgeist erfordert auch die Bereitstellung von Social-Media als Grundvoraussetzung. Auf diesem Sektor sind wir gut ausgestellt", weiß Jungreithmair, der die Innovationen und neuen Trends, aber auch die Internationalität der Messe Wien schätzt. "Heutzutage ist Bildung zum Beispiel ein so wesentliches Thema. Mit der 'Interpädagogica', die während unseres Besuchs in der Messe Wien stattfand, rücken wir diese Zukunftsthemen in den Mittelpunkt", so der Direktor. "Ich blicke auf 15 glückliche Jahre in Wien zurück", sagt Jungreithmair abschließend. Mit Jahresende geht er in Pension. Sein Nachfolger wird der 45-jährige Vorarlberger Martin Roy, der bereits seit 2002 als Geschäftsführer im Unternehmen tätig ist.

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