© PID/Christian Fürthner
Blick zur Chorempore. © PID/Christian Fürthner
Eine elektrische Orgel hält auch der Witterung stand. © PID/Christian Fürthner
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stadtUNbekannt Maria Grün: Prateridyll mit Ecken und Kanten

Die Serie stadtUNbekannt hat sich diesmal in den Prater begeben und der Kirche Maria Grün einen Besuch abgestattet.

Wie ein feuchter Schleier legt sich der Nieselregen über die kleine Kirche am Waldrand. Wir sind im Prater, fast schon an seinem Ende. Wer das Lusthaus erreicht und sich zur Donau hingewandt hat, ist hier vielleicht schon einmal vorbeigekommen. Die Kirche Maria Grün macht ihrem Namen auf den ersten Blick bereits alle Ehre. In eine künstlich geschaffene Lichtung eingebettet, scheint sie an diesem regnerischen Tag wohl noch mehr als sonst Glauben und Melancholie zu vereinen.

Den Weg von der Straße zur Kirche säumen unzählige meterhohe Bäume. Ihr Blätterdach ist über die Jahre so ineinander verwoben, dass es besser als erwartet vor dem unaufhörlich herabperlenden Nieselregen schützt.

Pater Clemens an seinem Arbeitsplatz. © PID/Christian Fürthner

Take me to church

Mit ein wenig Verspätung trifft dann auch unser Gastgeber ein. Pater Clemens ist seit über 20 Jahren in Maria Grün tätig. Auf den ersten Blick sieht Pater Clemens jedenfalls nicht wie ein "typischer" Pfarrer aus. Legere schwarze Hose mit Seitentaschen und ein passendes Poloshirt statt Talar und Albe.

"Kommen Sie nur herein. Der Hund tut ihnen nichts", bittet uns Pater Clemens Kriz in die Sakristei. Seine 16-jährige Hündin Ina ist schwarz, durchaus von respektabler Größe, entpuppt sich aber als ebenso angenehmer Zeitgenosse wie ihr "Herrl". "Wissen S', die ganze Zettelwirtschaft hier muss leider auch gemacht werden", seufzt Pater Clemens und deutet gleichzeitig auf einen Stapel ungeöffneter Kuverts.

Dank eines Spiegels hat auch der Organist den Pater stets im Blickfeld. © PID/Christian Fürthner

Zu ebener Erde und erster Stock

Pater Clemens führt uns sogleich durch sein Reich. "Erst seit 1924 steht an dieser Stelle eine Kirche. Einige Marienbilder und ein Holzkreuz hatten davor bereits viele Jahre für eine regelmäßige, stetig von mehr Menschen besuchte Waldandacht an selber Stelle gesorgt. Die Kirche selbst wurde indes ihrer Entstehungszeit angepasst. Reich verzierte Kunstgegenstände sucht man ebenso vergebens wie einen pompösen Altar. "Die Leute finden diese Schlichtheit positiv", berichtet Pater Clemens. "Selbst die Kirchenbänke sind secondhand." Sie stammen aus der aufgelassenen Kapelle des Armenhauses von Langenlois.

"Das Älteste an der Kirche sind eindeutig die Glocken. Die gab es schon mehrere 100 Jahre davor", erklärt Pater Clemens, während er uns einen Stock weiter nach oben führt. Eine enge Holztreppe bringt uns auf die Orgelempore. Früher sei sie klassisch aus Holz gewesen, doch die im Winter stetig hereinziehende Kälte und Feuchtigkeit hätte die ständigen, nicht billigen Besuche des Orgelbauers erfordert, um das Instrument nachzustimmen.

Eine weitere, von Spinnweben überzogene Holztreppe lässt uns den schmucklosen Dachstuhl erreichen. Die Highlights, die drei Glocken, sind allesamt über 300 Jahre alt und bieten zunächst einen eher unspektakulären Anblick. Doch wir haben die Zeit vergessen und pünktlich um zwölf beginnt der Technikkasten des Geläuts zu rattern und die größte der drei Glocken dröhnt über unseren Köpfen.

Das Holzkreuz in der Kerzenkapelle. © PID/Christian Fürthner

Maria im Prater

Wieder zurück auf ebener Erde gilt unsere nächste Frage dem Namen der Kirche. Namensgebend ist das Gnadenbild "Maria Grün" über dem Kirchenaltar. Es zeigt die "Himmelsmutter" mit dem Jesuskind auf dem Schoß vor der Kulisse des Wiener Praters. Die erste Version von Hans Jakubetz musste 1928 ob Feuchtigkeitsschäden ersetzt werden. Die heute sichtbare Version stammt vom Anka von Löwenthal.

Das Bild findet sich jedoch nicht nur in der Kirche selbst wieder. Direkt daneben steht eine kleine Kerzenkapelle, welche neben zahlreichen Kerzen auch eine ganze Reihe an Danksagungen von Gläubigen und noch mehr Marien-Memorabilien beherbergt. "Die Kapelle ist fast besser besucht als die Kirche. Und sie alle lassen etwas Persönliches zurück", scherzt Pater Clemens angesichts der unzähligen kleinen Marienfiguren.

Die Steine des Aids-Memorial sprechen für sich. © PID/Christian Fürthner

Dienst an den Hilfesuchenden

Pater Clemens ist Trinitarier. Ein im 12. Jahrhundert gegründeter Orden, welcher sich ganz der Hilfe für sozial Benachteiligte, Arme und Verfolgte verschrieben hat. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Pater Clemens seit mehr als 20 Jahren in der Aids-Seelsorge tätig ist. Seit dem Jahr 2000 ist Maria Grün Hauptsitz der Aids-Seelsorge.

Auf der anderen Seite der Kirche sticht sofort die rote, aus Blumen geformte Schleife ins Auge. Das 2007 enthüllte Aids-Memorial gedenkt all jener Menschen, die an HIV, Aids verstorben sind. Tritt man näher, so wird man unweigerlich von einer Nachdenklichkeit ergriffen, die durch die Kieselsteine auf dem Boden nur noch verstärkt wird. Auf jedem kleineren und größeren Stein steht ein Name. Ein Name einer oder eines Verstorbenen.

Gläubige haben eine Rose vor das Grab Christi gesteckt. © PID/Christian Fürthner

Pilgerziel

Direkt anschließend findet man den über die Grenzen Wiens hinaus bekannten Kreuzweg. Finanziert durch Spenden besinnen sich hier Pilgerinnen und Pilger an 14 Stationen ihrer Spiritualität.

Besonders ins Auge fällt jedoch die letzte Station. Hinter einer hölzernen Betbank befindet sich ein stilisiertes Grab Christi. Ob das für Kinder nicht zu explizit sei, wollen wir wissen. Pater Clemens kann jedoch entwarnen. "Nein, nein, im Gegenteil, selbst die Kleinsten erkennen bereits die Intention des Künstlers. 'Schau, wie friedlich er daliegt', höre ich immer wieder." Friedlich, so könnte man die Kirche inmitten des Praters wohl mit einem Wort bezeichnen. Eingebettet in die Freudenauer Wälder ist Maria Grün ein Zufluchtsort für alle jene, die Ruhe suchen.

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