Die Kuffner Sternwarte in Ottakring wurde 1886 fertiggestellt. Links das Haupthaus, rechts das Nebengebäude, in dem sich der Heliometer befindet. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um mehr zu erfahren. © PID/Christian Fürthner
Gründer Moritz von Kuffner war Besitzer der Ottakringer Brauerei. © PID/Christian Fürthner
Unter dieser Kuppel befindet sich das Heliometer. © PID/Christian Fürthner
Hier sieht man, dass das Stativ nicht mit dem umliegenden Gebäude verbunden ist. © PID/Christian Fürthner
Die Bibliothek ist eine Goldgrube für astronomisch Interessierte. © PID/Christian Fürthner
Das Heliometer befindet sich im Nebengebäude. Der Luftballon ist ein Überbleibsel eines Festes. © PID/Christian Fürthner
Die Rohre und Bauteile der Teleskope bestehen aus Messing und Gusseisen. © PID/Christian Fürthner
Wird das Vertikal-Teleskop nicht genutzt, ist es von dieser Ummantelung umschlossen. © PID/Christian Fürthner
Baupläne der Sternwarte. © PID/Christian Fürthner
Die Kuppel des Refraktor-Teleskops öffnet sich. © PID/Christian Fürthner
Markus Meixner-Schoretits richtet das Teleskop aus. © PID/Christian Fürthner
Durch das Refraktor-Teleskop kann man die Sonnenflecken sehr gut erkennen. © PID/Christian Fürthner
Im Erdgeschoß der Sternwarte befinden sich die Büroräume. © PID/Christian Fürthner

stadtUNbekannt: Sternderlschaun in der Kuffner Sternwarte

Entdecken Sie mit der Serie stadtUNbekannt die Kuffner Sternwarte in Ottakring. Früher war der Prachtbau ein Schauplatz astronomischer Entdeckungen. Heute dient das Objekt als Museum und Volksbildungsstandort.

Die Sonne brennt über Wiens 16. Bezirk. An einem heißen Sommertag verschwinden täglich Tausende Köpfe unter der Wasseroberfläche im Ottakringer Bad, um Erfrischung zu finden. Direkt gegenüber ist die Blickrichtung aber eine ganz andere. Statt nach unten Richtung kühlem Nass strebt man in der Kuffner Sternwarte nach oben, den endlosen Weiten des Universums entgegen. Die Sternwarte wurde zwischen 1884 und 1886 errichtet. Gegründet wurde sie von Moritz von Kuffner, dem damaligen Besitzer der Ottakringer Brauerei. Das Gebäude ist bis heute nahezu unverändert erhalten. Obwohl schon mehrfach saniert, sieht die Sternwarte heute genauso aus, wie im 19. Jahrhundert.

Bis rund 20 Jahre nach der Gründung fand hier Astronomie auf Weltniveau statt. Danach verlagerte sich die Sternbeobachtung jedoch an andere Standorte, in Europa heute etwa Teneriffa. Die Gründe dafür waren vor allem die zunehmende Helligkeit in der Metropole Wien, also die Lichtverschmutzung durch den stetigen Zuwachs an künstlichem Licht, und die rasend schnelle technologische Entwicklung an entlegeneren Standorten. Neben abgeschiedenen Teleskopen, etwa in der unbesiedelten Wüste Chiles, wird das All heute auch von Weltraumteleskopen, wie dem berühmten Hubble-Teleskop, erforscht.

Auf dem Nebengebäude sind die Namen verdienter Physiker eingraviert, unter anderen Galileo Galilei und Theodor von Oppolzer. Der Österreicher revolutionierte unter anderem die Bahnbestimmung von Kometen und Planeten. © PID/Christian Fürthner

Sternwarte mit Bildungsauftrag

Wer heute durch das Tor in das Areal marschiert, trifft keine Astronomen, sondern Kinder, die munter über das Gelände wuseln. Im Ziegelsteingebäude neben der Sternwarte befindet sich ein Kindergarten. Auch die Besucherinnen und Besucher der Sternwarte sind oft Kinder. Wie Planetarium und Urania ist auch die Kuffner Sternwarte Teil der Wiener Volkshochschulen. Den Bildungsauftrag erfüllt man mit Führungen und Workshops, in denen die hohe Wissenschaft der Astronomie anschaulich und verständlich erklärt wird.

Im Hof wartet Markus Meixner-Schoretits, der Sternwarten-Techniker. Er kennt "die alte Dame der Sternbeobachtung" wie seine Westentasche. Schon im Hof zeigt er einen der wichtigsten Wesenszüge der Kuffner Sternwarte. "Das Gebäude und die Teleskope sind in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Süden ist die Hauptbeobachtungsrichtung der Astronomie. Der Grund dafür ist, dass die Gestirne im Süden am höchsten stehen, wo es weniger atmosphärische Sichteinschränkungen gibt", sagt Meixner-Schoretits. "Früher lebten die Astronomen im Norden, also hinter dem Gebäude, damit Licht, die Wärme und der Rauch aus den Schornsteinen in ihren Wohnhäusern die Messungen nicht beeinträchtigten." Im Haupthaus befindet sich der Refraktor, das große Linsen-Teleskop, und zwei kleinere Teleskope, der Meridian und der Vertikal. Das zweite große Teleskop, das sogenannte Heliometer, befindet sich im Nebenhaus.

Das massive Stativ bildet den Kern des Nebengebäudes. Der Rest des Hauses ist baulich getrennt, um das Teleskop vor Erschütterungen zu bewahren. © PID/Christian Fürthner

Willkommen im Heliometer

Im Garten geht Meixner-Schoretits den Pfad entlang, biegt nach rechts Richtung Nebenhaus ab und vermeidet elegant die Sprinkleranlage. Eine Abkühlung gibt es an diesem heißen Tag ohnehin gleich. Im Turm, der vom Haupthaus durch den Kindergarten getrennt ist, herrscht eine angenehme Kühle, wie man sie von alten Wohnhäusern kennt. Im Inneren fällt sofort die ungewöhnliche Bauweise ins Auge. Im Zentrum des Gebäudes steht ein kegelförmiges Stativ, das ebenso hoch ist wie das Haus selbst. Dieses Stativ ist so massiv, dass es aus so vielen Ziegeln wie vier Einfamilienhäuser besteht. Flure, Treppen und Zimmer wurden um das Stativ herum gebaut und sind mit ihm nicht verbunden. "Das war für die Beobachtungen sehr wichtig, denn so wurden keinerlei Schwingungen auf das Stativ übertragen", sagt Meixner-Schoretits. Warum also ein tonnenschwerer Kegel mitten in der Sternwarte? Weil darauf das Heliometer thront, 57 enge Stufen weiter oben. Der Effekt ist derselbe wie bei einer Fernsehkamera: Damit das Bild der Linse nicht verwackelt, muss das Sternenteleskop auf einem möglichst ruhigen Untergrund stehen.

Markus Meixner-Schoretits richtet das Heliometer ein. © PID/Christian Fürthner

Auf dem Weg zum Heliometer liegt die Bibliothek der Sternwarte. Hier stehen neben diversen Fachbüchern auch die Beobachtungslogbücher der Anfangszeit und die diversen "Publikationen der von Kuffnerschen Sternwarte". Der Raum ist erfüllt vom Geruch alter Bücher und Holzschränke. Das Stativ bohrt sich durch die Raummitte seinen Weg nach oben, direkt unter die Kuppel. Gespickt ist es von diversen Löchern, die dem Feuchtigkeits- und Temperaturausgleich dienen. Einen Stock höher findet man das Heliometer, überdacht von einer gigantischen Kuppel. Unter der Decke schwebt ein einsamer Sponge-Bob-Ballon. Ein unerwarteter "Himmelskörper". "Der ist wohl ein Überbleibsel einer Feier. Die Sternwarte kann man für Veranstaltungen buchen, hier finden auch Hochzeiten statt." Das Jawort unter den Sternen ist beliebt bei romantischen Wissenschaftsfreundinnen und -freunden.

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Das Größte seiner Art

Ein Heliometer ist ein Linsenteleskop, bei dem die Hauptlinse in der Mitte durchgeschnitten ist. Beide Hälften kann man gegeneinander verschieben und bei fotografischen Aufnahmen mit Doppelbelichtung so die beiden Bilder mikrometergenau aufeinander abstimmen. Seine Hauptaufgabe war die Ermittlung der Entfernung von Fixsternen durch Messung ihrer Parallaxe, also des Winkelabstandes. Die Hauptbestandteile des Teleskops bestehen aus Gusseisen und Messing und sind übrigens im Original erhalten. Das Heliometer in der Sternwarte ist das größte seiner Art weltweit. Die Blütezeit des Geräts war relativ kurz und es wurden damals, am Ende des 19. Jahrhunderts, nicht viele davon gebaut.

Mit kräftigen Zügen öffnet Meixner-Schoretits die Kuppel des Heliometers. © PID/Christian Fürthner

Wer den Himmel sehen möchte, muss die Kuppel öffnen. Das geschieht mit Seilzügen. Meixner-Schoretits zieht kräftig an den Seilen und entringt der Kuppel Meter um Meter an Öffnung. Wie ein Glöckner springt er hoch und bringt den Zug in Bewegung.

Der Meridiankreis ist heute nur mehr ein Museumsstück. © PID/Christian Fürthner

Meridian und Vertikal

Vom Heliometer weg führt die Entdeckungsreise durch die Sternwarte weiter ins Haupthaus. Auch hier bildet ein Stativ das Herzstück des Gebäudes. Im Keller und Erdgeschoß befinden sich die Verwaltungsbereiche der Sternwarte. Viele Bücher und ein Bild von Albert Einstein an der Wand stimmen auf die wissenschaftlichen Geräte in den oberen Stockwerken ein. Die Treppe führt rund um das Stativ herum in den ersten Stock, wo der Meridiankreis zu sehen ist. Im 19. Jahrhundert war der Meridiankreis, ebenfalls ein Teleskop, so etwas wie das Kronjuwel der Sternwarte und trug seinen Teil zum Ruhm der Warte bei. Heute ist das Gerät hinter Glas zu besichtigen.

In der Astronomie durfte es auch ein bisserl gemütlich sein. Meixner-Schoretits demonstriert die Funktion der Sitzbänke und blickt durch das Vertikalkreis-Teleskop. © PID/Christian Fürthner

Der Meridiankreis ist ein Teleskop, das nur in Nord-Süd-Richtung, also entlang des örtlichen Meridians, geschwenkt werden kann. Durch die Erddrehung hat man hier Fixsterne ein Mal täglich jeweils rund zwei Minuten lang im Blick. Die Aufgabe der Astronomen war, zwei Dinge zu notieren, bevor sie sich am nächsten Tag an die aufwendigen Berechnungen machen konnten: die Höhe des Objekts über dem Horizont und den genauen Zeitpunkt, an dem das Objekt zu sehen war, der je nach Jahreszeit schwankte. Um sicherzugehen, dass das Teleskop ganz gerade eingestellt war, kalibrierte man es mithilfe eines Quecksilberbads. Das Bad ist heute aus gesundheitlichen Gründen leer, da Quecksilberdämpfe giftig sind. Der Meridian funktioniert in Einheit mit dem Vertikalkreis, einem Teleskop, das in Ost-West-Richtung ausgerichtet ist. Der Vertikalkreis diente dazu, die Polschwankungen zu messen. Die nach Jahreszeit auftretenden Schwankungen der geografischen Breite konnten so in die Messungen des Meridians einbezogen werden. Vertikale sind sehr selten und jenes der Kuffner Sternwarte ist eine echte Rarität.

Ein visuell interessanter Teil der Kuffner Sternwarte ist ein Rundgang, der direkt unter dem Refraktor-Teleskop liegt. Dieser kleine Balkon spannt sich kreisrund um das turmartige Haupthaus. Der enge Rundgang bietet einen fantastischen Ausblick über Wien. Der Rundgang spielt auch in der modernen Wissenschaft eine prominente Rolle. Von hier aus schickte der Quantenphysiker Anton Zeilinger, damals beim Institut für Experimentalphysik an der Universität Wien und bekannt für seine Teleportationsexperimente, Lichtteilchen quer durch Wien. Von der Kuffner Sternwarte bis zur Millennium City waren die Teilchen, die von einem Laser abgefeuert wurden, 7,8 Kilometer unterwegs.

Nicht nur die Sterne hat man von hier aus gut im Blick. Auch die Aussicht über Wien kann sich sehen lassen. © PID/Christian Fürthner

Unter der Kuppel

Vom Rundgang weg sind es nur noch wenige Stufen bis zum Dachgeschoß, wo sich der Refraktor befindet. Durch eine Luke, wie man sie vom Aufstieg in Dachböden kennt, erreicht man den Bereich direkt unter der Kuppel. Wie das Heliometer liegt auch das Refraktor-Teleskop auf einem riesigen Stativ. Mit einem Objektivdurchmesser von 27 Zentimetern und einer Länge von dreieinhalb Metern ist der Refraktor der drittgrößte Österreichs. Die beiden größeren befinden sich in der Universitätssternwarte Wien, dem Vienna Observatory. Das Besondere am Refraktor ist, dass man mit ihm den gesamten Himmel beobachten kann. Das Teleskop lässt sich über zwei Achsen beliebig ausrichten und die Kuppel-Öffnung kann in jede Himmelsrichtung gedreht werden. Der Refraktor bot den Astronomen auch Nachführung, also die Möglichkeit, das Teleskop unbemannt einem bestimmten Kurs folgen zu lassen. Ein mechanischer Uhrwerkantrieb glich die Erddrehung aus und das Teleskop folgte Gestirnen während der Nachtstunden. Heute funktioniert das elektronisch.

Der große Refraktor kann in jede beliebige Himmelsrichtung ausgerichtet werden. © PID/Christian Fürthner

Wiens Fenster ins Weltall

Die einzige Installation im Raum neben dem Teleskop ist eine Holztribüne mit Stühlen, die ebenfalls beweglich ist. Die Sessel wirken wie zwei Throne, auf denen einst die Astronomen saßen, um stundenlang die Gestirne zu beobachten. Meixner-Schoretits richtet das Teleskop mit geübten Handgriffen auf die Sonne aus. Beim Blick durch das Teleskop sieht man einige Sonnenflecken als schattige Punkte auf dem Stern. "Diese Sonnenflecken sind tatsächlich jeweils zwei bis drei Mal so groß wie unsere Erde und können auch noch viel größer werden. An diesen 'schattigen Plätzchen' ist es rund 1.000 Grad kühler als sonst auf der Sonnenoberfläche, wo es um die 5.500 Grad hat. Nur in diesem Kontrast wirken sie schwarz, obwohl sie selbst auch strahlend weiß sind." Die Sonne hat, im Gegensatz zur Erde, Dutzende magnetische Pole. Diese starken Magnetfelder treten in sogenannten Ausbrüchen aus der Sonne hervor und behindern den Hitzetransport an die Oberfläche. Die Flecken folgen einem elfjährigen Zyklus und sind der wichtigste Indikator für die Aktivität auf der Sonne. Das Teleskop, das zuletzt 2016 überholt wurde, gibt einen beeindruckenden Blick auf das 150 Millionen Kilometer entfernte Schauspiel.

Der Refraktor ist bei Führungen und Exkursionen die Hauptattraktion. Egal ob Jung oder Alt: Das Teleskop weckt bei allen Besucherinnen und Besuchern die Faszination für die Weiten des Alls und seinen unendlichen Mysterien. Was astronomische Entdeckungen betrifft, hat die Kuffner Sternwarte ausgedient. Als eines von Wiens Fenstern in das Universum erlebt das altehrwürdige Gebäude aber nach wie vor seine Blütezeit. Solange die Sterne am Himmel strahlen und die Kuffner Sternwarte in Ottakring steht, wird sich daran auch nichts ändern.

Video: Kuffner Sternwarte

Nach den Sternen greifen: In der Kuffner Sternwarte wird der Himmel vermessen. Wie das hinter den Kulissen abläuft, zeigt dieses Video. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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