Übergang
Schwindelfrei muss man sein – über einen Gitterrostgang geht es zum anderen Ufer. © PID/Christian Fürthner

stadtUNbekannt im Kraftwerk Freudenau

Wir stellen das Kraftwerk Freudenau vor und gehen dem Strom auf die Spur. Florian Seidl, der beim Verbund tätig ist, erzählt einiges zum Donaukraftwerk.

Wer sich dem Donaukraftwerk Freudenau nähert, wird von einem Denkmal in Form eines 90 Tonnen schweren Stator-Rings begrüßt. In diesem statischen Ring dreht sich ein weiterer Metallkern. Und durch dieses Drehen entsteht, sehr vereinfacht dargestellt, Elektrizität. Damit sich alles dreht, bedarf es eben des Donauwassers und der Kaplan-Rohrturbine. Sechs an der Zahl befinden sich unter der Maschinenhalle, dem Kernstück des Kraftwerks. Hier werden jährlich über 1.000 Gigawattstunden Strom produziert. Damit kann der Bedarf von einem Drittel aller Wiener Haushalte gedeckt werden.

In der über 200 Meter langen Halle geht es mitunter auch "sportlich" zu. "Es stehen Dienstfahrräder zur Verfügung, da schon lange Wege zurückgelegt werden, aber auch, um das Werkzeug, so es einmal am anderen Ende der Halle vergessen wurde, schnell zu holen", erzählt Florian Seidl, der beim Verbund tätig ist, augenzwinkernd. 

Maschinenhalle
Im Kernstück des Kraftwerks stehen die sechs Generatoren. © PID/Christian Fürthner

Lärm wie auf einer Start- und Landebahn

Im Turbinengang gibt es weniger zu sehen, dafür viel zu hören. Durch jede der sechs Turbinen fließen 500.000 Liter Wasser pro Sekunde. Durch den Donaukanal fließt während des gleichen Zeitraums von der Länge eines Wimperschlags gerade einmal ein Drittel dieser Wassermenge. Der Lärmpegel hier unter den Turbinen ist vergleichbar mit dem beim Starten eines Jumbojets.

Diensträder
Mitunter sind lange Wege zurückzulegen. Deshalb stehen Fahrräder zur Verfügung. © PID/Christian Fürthner

Einer der tiefsten begehbaren Punkte Wiens

An allen Ecken und Enden wird kontrolliert, ob das Bauwerk dem Druck standhält, ob die Pegel stimmen und es keinen übermäßigen Wassereintritt gibt und vieles mehr. "Der Kontrollgang ist einer der tiefsten begehbaren Punkte Wiens. Wir befinden uns hier gute 30 Meter unter dem sogenannten Wiener Normalnull-Niveau", erklärt Florian Seidl und setzt vertiefend hinzu, dass sich der genannte Kontrollpunkt am Schwedenplatz befinde. Ein gutes Zeichen hier unten ist, Häuselbauer hätten damit wohl ihre liebe Not, dass die Wände extrem feucht sind. Dank des Donauwassers verliert der Beton nicht an Volumen, somit hält das Bauwerk eine "Ewigkeit". Und verbaut wurde hier jede Menge Beton, damit könnte eine neue Autobahn von Wien nach Salzburg errichtet werden. 

Kontrollgang
Einer der tiefsten begehbaren Punkte Wiens. © PID/Christian Fürthner

Wehrfelder sorgen für Entlastung

Das Donaukraftwerk besteht aus drei Teilen: der Maschinenhalle, den Schleusen und den Wehrfeldern. Vier dieser Felder gibt es, jedes 24 Meter breit. Und deren einzige Aufgabe ist die „Entlastung“ der Turbinen. Sollte zu viel Wasser den Fluss herunterkommen, werden die Felder geöffnet, damit die Donau wieder abfließen kann und der Pegel im Stauraum des Kraftwerks nicht steigt. Neben der Wichtigkeit der Stromerzeugung wurde auch ein besonderes Augenmerk auf das ökologische Gleichgewicht gerichtet. Ein Drittel der Bausumme floss in Umweltmaßnahmen. "So wurde unter anderem eine Fischwanderhilfe mit 1,5 Kilometern Länge und 19 künstlich angelegten Teichen errichtet, damit die Fische am Kraftwerk vorbeischwimmen können. Diese Tümpel sind wahrlich sehr beliebt, denn so manch ein Fisch hat hier schon gelaicht", erzählt Florian Seidl abschließend. 

Wehranlage
Bei zu großen Wassermengen sorgen die Wehrfelder für Entlastung. © PID/Christian Fürthner

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