Klavier in der Werkstatt
In der Klavierwerkstatt Feliz Lenz wird alten Liebhaberstücken ... © PID/Christian Fürthner
Ein Klavier aus dunklem Holz.
... neuer Glanz verliehen. © PID/Christian Fürthner
Ein Klavier ohne Füße und eine Klaviermechanik lehnen an einer Wand.
Felix Lenz arbeitet an mehreren Klavieren gleichzeitig: "Während ich darauf warte, dass der Leim in einem Klavier trocknet, widme ich mich der Mechanik eines anderen." © PID/Christian Fürthner
Ein Lackier Gerüst mit Handschuhen und einer Maske. Daneben zahlreiche Eimer mit Farben und Pinseln.
Im Lackierraum müssen die Klaviere Farbe bekennen. Übrigens: Klassisches Schwarz ist in Wien die beliebteste Klavierfarbe. © PID/Christian Fürthner
Klavierfüße mit Rollen.
Um ein Klavier in die Werkstatt zu transportieren, müssen zuerst die sperrigen Füße abmontiert werden. © PID/Christian Fürthner
Keller mit Brettern, Musikinstrumenten und Klavierersatzteilen.
Unter dem Gewölbe des Kellers finden sich neben zahlreichen Klavierersatzteilen auch Kuriositäten wie etwa eine Theatersitzgarnitur. © PID/Christian Fürthner
Detailansicht der Klaviermechanik.
Die Mechanik eines Klaviere ist ausgeklügelt: Hinsichtlich der Bedienung ist das Klavier ein Tasteninstrument, hinsichtlich der Erregungsart ein Schlaginstrument und hinsichtlich des schwingenden Mediums ein Saiteninstrument. © PID/Christian Fürthner
Detailaufnahme von rostigen Stimmnägeln.
Der Zahn der Zeit nagt auch an den Stimmnägeln. © PID/Christian Fürthner
Goldener Gussrahmen.
Der Gussrahmen muss der enormen Zugkraft der Saiten stand halten. Lenz: "Man kann an einem Klavier fast alles Reparieren, aber ein Bruch des Gussrahmens ist ein Todesurteil." © PID/Christian Fürthner
Alte Maschine zum Herstellen von Klavierseiten.
Hier werden neue Saiten aufgezogen: An dieser alten Maschine sind unzählige Klavierseiten entstanden. © PID/Christian Fürthner
Klaviertasten Nahaufnahme.
Holz, Filz und Samt: Felix Lenz liebt die Arbeit mit den edlen Materialien des Klaviers. © PID/Christian Fürthner
Doppeladler auf einem schwarzen Klavier.
Auch den schmucken kleinen Details widmet Felix Lenz seine volle Aufmerksamkeit und bringt sie auf Hochglanz. © PID/Christian Fürthner

stadtUNbekannt in der Klavierwerkstatt: Hier werden alle Stücke gespielt

Die Serie stadtUNbekannt entdeckt einen von Wiens "stimmigsten" Orten: die Klavierwerkstatt Felix Lenz. In der letzten Wiener Traditionswerkstätte wird alles in Handarbeit gemacht, vom Ausheben des Gussrahmens bis zur Hochglanzpolitur.

Große Regentropfen hämmern gegen die Fenster der Klavierwerkstatt Felix Lenz. Reliefköpfe richten ihren steinernen Blick von Ziersäulen auf das Innere des Verkaufslokals. Der Schliff des gläsernen Lusters bricht und versprüht das elektrische Licht auf rußbedeckte und von Rissen durchzogene Wände. Auf einem hellen und weichen Teppich, in dem jeder Laut versinkt, steht ein matt schimmerndes Klavier. Seine durchsichtige Lackierung lässt die Holzmaserung erkennen.

Blonde lächelnde Frau in Schwarz.
Verde Lenz berät, organisiert und stellt Angebote für die Kundinnen und Kunden der Werkstatt zusammen. © PID/Christian Fürthner

Eine zierliche Frau in Schwarz kommt geräuschlos hinter einem hohen weißen Empfangstresen hervor: "Ich freu mich, dass Sie hier sind. Was kann ich für Sie tun?" Die Palette an Leistungen der Klavierwerkstatt ist breit: "Wir können Klaviere, Pianinos und Flügel reparieren, restaurieren, lackieren, schellack-handpolitieren oder neue anfertigen." Verde Lenz repräsentiert die Klavierwerkstatt nach außen. Sie betreut die Kundinnen und Kunden und übernimmt alle finanziellen und administrativen Tätigkeiten, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. "So kann sich Felix ganz auf die Instrumente konzentrieren", sagt sie und zeigt auf einen schweren grauen Vorhang. Zu dem Geräusch des Regens gesellt sich ein Klopfen, das immer wieder gedämpft durch den Stoff dringt.

Innenleben und Resonanz

Mann mit kurzem Bart vor Instrumenten.
Felix Lenz gehört zu den Meistern am Klavier. Der Klaviervirtuose restauriert, repariert und wartet Klaviere, Pianinos und Flügel. © PID/Christian Fürthner

Hinter dem Vorhang und einer Tür verbirgt sich die Werkstätte von Felix Lenz, die das eigentliche Herz des Familienbetriebs ist. In diesem hell erleuchteten und dicht verstellten Raum beugt sich der Klavierbaumeister über ein gedrungenes Klavier. Der Klavierdeckel fehlt, was einen Blick auf den goldenen Gussrahmen, die gespannten Saiten und die aus Holz und blauem Filz bestehende Mechanik ermöglicht. "Das hier ist ein Erbstück, das ich wieder zum Klingen bringe. Das Äußere soll unverändert bleiben, da das Klavier einen großen ideellen Wert für den Besitzer hat. Ich kann das verstehen, ich selbst finde es zum Knuddeln. Obwohl es nicht zu der höchsten Klavierklasse gehört, ist es wirklich reizend." Woran man das erkennt? "Es ist kompakt, was aber auf Kosten der Länge der Basssaiten geht, die so keinen Platz haben. Das kann durch dickere Saiten etwas ausgeglichen werden. Man merkt das aber trotzdem am Klang. Hören Sie zu!"

Alte und neue Klangwelt

Lenz zupft eine dicke Kupfersaite des gedrungenen Klaviers an und lässt sie ausklingen. "Und jetzt der Bösendorfer." Er spannt eine schon Rost ansetzende Saite eines danebenstehenden großen schwarzen Klaviers, schließt die Augen und lässt los. Der Ton ist voll, das Holz scheint der Saite zu antworten. Lenz ist begeistert: "Hören Sie, wie das schwingt? Klaviere, die vor der vorigen Jahrhundertwende gebaut wurden, sind darauf ausgelegt, dass alles mitschwingt. Jedes Einzelteilchen, jede Fläche sollte ein Resonanzkörper sein." 

Klavier von unten aufgenommen.
Wo steckt die Seele des Klaviers? "Es ist nicht nur so, dass jedes einzelne Teil den Charakter des Klaviers mitbestimmt, sondern auch ihr Zusammenspiel", so Felix Lenz. © PID/Christian Fürthner

Ist das heute anders? "An der Technologie hat sich seit 100 Jahren kaum etwas verändert. Die Klaviere sind nur lauter geworden und haben einen größeren Dynamikumfang. Dafür ist ihre Tonqualität gleichförmiger", erklärt Lenz. Früher, so erzählt er, haben die Klavierbauer mehr experimentiert. Mit der Zeit ist das Klaviergeschäft aber immer schwieriger geworden. Ein Klavier in Handarbeit zu erzeugen, dauert ein bis zwei Jahre. Heutzutage ist das eine unendlich lange Produktionsdauer. Deshalb haben Herstellerfirmen keine Ressourcen und auch keine Zeit für Experimente.

Moderne Maschinen

Klavier in Reparatur ohne Tasten.
Ein Klavier ist ein Resonanzkörper, alles an ihm muss mitschwingen. In der Regel gilt, je großzügiger es gebaut wurde, umso schöner klingt es. © PID/Christian Fürthner

Auch die Anforderungen der Berufspianistinnen und Berufspianisten haben sich laut Lenz verändert: "Sie brillieren mit Technik. Dafür brauchen sie moderne Maschinen, auf denen sie ihre Fähigkeiten präsentieren können, ohne dass ihre Instrumente ein Eigenleben entwickeln." Lenz schwärmt von alten Aufnahmen, in denen die Klaviere zwar nicht perfekt gestimmt waren, aber dafür unverwechselbaren Charakter hatten. Ein kleiner Makel wurde früher ins Spiel integriert, was jedes Vorspielen einzigartig und lebendig machte. "Heute muss das Konzert genau so klingen wie die CD", fasst Lenz zusammen. Trotzdem sind Klaviere mit Seele, wie er sie nennt, immer noch gefragt, etwa von Sammlerinnen und Sammlern. Manchmal leisten sich auch die Profis neben dem standardisierten Arbeitsklavier auch ein zweites Instrument mit Charakter. "Das ist etwa so wie bei den Menschen, die ein Auto haben und sich zusätzlich einen Oldtimer leisten. Aber Vergleiche mit Autos sind eigentlich immer blöd. Klaviere sind etwas völlig Eigenes."

Schlüssel zur Musik

Kupferne aufgezogene Klavierseiten.
Die glänzenden Basssaiten des Klaviers wurden von Felix Lenz in Handarbeit hergestellt, aufgezogen und gestimmt. © PID/Christian Fürthner

Felix Lenz legt seine Hand auf einen schwarzen Flügel: "Die Taste des Klaviers ist der Schlüssel zur Musik." Der Name des Klaviers leitet sich nämlich vom lateinischen Begriff "clavis" ab, der für Schlüssel steht. Das Besondere am Klavier ist, dass die Tonhöhe der Tasten nicht verändert werden kann. Was wie ein Nachteil klingt, wird vorteilhaft genutzt. Lenz: "Um das Jahr 1700 herum hat sich jemand hingesetzt, eine Taste gedrückt und genau den gewünschten Ton bekommen. Das war eine Sensation!" Ab diesem Augenblick konnten Hammerklaviere als Eichinstrumente beim Einstudieren von Musikstücken genutzt werden. Nicht umsonst spielt das Klavier auch so eine zentrale Rolle bei der Ausbildung von Dirigentinnen und Dirigenten. Sie müssen eben den Schlüssel zur Musik beherrschen.

Holz und Tasten

Ansicht der Werkstätte.
Auch die Wände der eigentlichen Werkstätte sind vom Brand gezeichnet und korrespondieren mit den Flügeln und Klavieren, die sich in verschiedenen Restaurierungsstadien befinden. © PID/Christian Fürthner

Den Schlüssel zur Musik beherrscht auch Felix Lenz, aber sein wahres Talent sieht er mehr im Reparieren und Restaurieren als im Klavierspiel. Durch seine Liebe zur Musik und zum Holz war ihm schon früh klar, dass er Klavierbaumeister werden wollte. Mit 15 Jahren begann er bei der Klavierbaufamilie Ehrbar seine Lehre. Er erinnert sich gut: "Damals waren wir 15 Mitarbeiter im Betrieb und jeder hatte sein eigenes Gebiet." Lenz nimmt ein altes Arbeits- und Kontrollbuch von einer schrammigen Werkbank und fährt mit seinem von 35 Jahren Arbeit gezeichneten Finger über seine Seiten. "Schauen Sie her, früher hat der Bodenmacher den Resonanzboden gerippt und eingeleimt, der Bezieher hat die Saiten eingebaut und die Nägel eingeschlagen, der Zusammensetzer hat die Mechanik zusammengebaut und der Putzer hat geschliffen. Heute mache ich das alles alleine. Es macht zwar mehr Spaß, weil es abwechslungsreicher ist, aber es ist gleichzeitig eine Knochenarbeit."

Knochenleim und Zahnräder

Ein alter Behälter für Knochenleim und ein altes Kontrollbuch.
Reliquien der Klavierreparatur: Ein Behälter für Knochenleim und ein altes Kontrollbuch. © PID/Christian Fürthner

Neben dem alten Kontrollbuch steht ein antiker Behälter, in dem Knochenleim aufgelöst werden kann. Die exotische Masse klebt noch an seinen Rändern. Auf dem Boden liegen rote Filzkreise wie Konfetti verstreut. In den Schränken ruhen Zangen und Hämmer neben kleineren Einzelteilen. Zwischen den Schränken und Flügeln liegen und lehnen ganze Klavierfüße und Notenhalter. An der Decke hängt ein Flaschenzug, mit dessen Hilfe der gusseiserne Rahmen aus den Klavieren gehievt werden kann. Tiefe Kerben im Parkett zeugen vom Gewicht der zahlreichen transportierten Klaviere. Ein Raum ist für das Lackieren reserviert, in einem weiteren steht eine über 100 Jahre alte Maschine, auf der die Basssaiten aufgezogen werden. Dabei werden, je nach Saite, verschieden starke Kupferdrähte um einen Basisdraht gewickelt. Die dick eingefetteten Zahnräder der Maschine und die geübten Hände von Felix Lenz lassen makellose Basssaiten entstehen. Die modernste Maschine in der Werkstätte ist wohl der bauchige Staubsauger, dessen Rüssel neben einem Klavier ruht. 

Alles hat eine Geschichte

Blick in einen Nebenraum, in dem die Klavierseiten hergestellt werden.
Überall in der Werkstätte stehen, lehnen und liegen Klaviere. Felix Lenz: "Für ihre Reparatur braucht man Geduld, Geschicklichkeit und viel Platz." © PID/Christian Fürthner

Am meisten Spaß hat Felix Lenz bei einer Aufgabe, für die er kaum Instrumente braucht. Beim Klavierstimmen verlässt er sich nämlich ganz auf sein Gehör. Dabei stimmt er 88 Töne und etwa 230 Saiten aufeinander ab, damit ein schöner runder Klang entsteht. Eine fast meditative Aufgabe. "Beim Stimmen nimmt man die Welt anders wahr. Man wird eins mit dem Klavier. Das Schlimmste, was in dieser Situation passieren kann, ist, dass eine Saite reißt. Da stöhnt das ganze Klavier auf. Das spürt man körperlich, bis in die Zähne", erklärt Lenz und verzieht das Gesicht.

Gezeichnet

Klavierspieler und Sängerin im Verkaufsraum der Werkstätte.
Das stimmungsvolle Verkaufslokal bietet Raum für Konzerte und Ausstellungen. © PID/Christian Fürthner

"Ein Klavier ist auch nur ein Mensch", pflegte der blinde Klavierstimmer zu sagen, von dem Felix Lenz sein Handwerk lernte. Dem kann sein Schüler heute nur zustimmen: "Jedes Klavier hat eine Geschichte. Ich muss sie erkennen und die Reparaturmaßnahmen daran anpassen." Wo ist das Klavier gestanden? Hat es gelitten? Gab es bereits Reparaturen? Das sind nur einige der Fragen, die sich Felix Lenz vor und während der Arbeit stellt. Er versucht die ihm anvertrauten Klaviere so schön wie möglich herzurichten und gleichzeitig möglichst authentisch zu erhalten. Diese Philosophie ist buchstäblich in den Wänden der Werkstätte festgeschrieben. Ein Kabelbrand hat vor eineinhalb Jahren die gesamte Werkstätte zerstört. Familie Lenz hat alles wieder aufgebaut, die schwarzen Brandspuren auf den verzierten Wänden aber belassen und konserviert. Lenz: "Sie erzeugen eine ganz besondere Stimmung. Genau wie unsere Klaviere hat auch die Werkstätte eine eigene Geschichte und eine eigene Seele."

Nur mehr wenige Fachkräfte besitzen das Können, historische Klaviere zu reparieren. Felix Lenz hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Er zählt in Wien zu den Letzten seiner Zunft. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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