Das Kahlenbergerdorf punktet mit engen Gassen, seiner Pfarrkirche und ganz viel Charme. © PID/Christian Fürthner

stadtUNbekannt: Das kleine Juwel am Stadtrand

Entdecken Sie mit unserer Serie stadtUNbekannt ein leicht abseits gelegenes Idyll: das Kahlenbergerdorf. Geschichte und Natur sind hier vereint wie an wenigen anderen Orten.

Die besten Teile sind nicht immer in der Mitte. Das beweist das Kahlenbergerdorf im 19. Bezirk. Ganz am Rande Wiens gelegen steht man mit einem Bein quasi schon in Klosterneuburg. Es ist nicht groß und es ist auch nicht viel los im Kahlenbergerdorf. Und doch ist es eine wienerische Institution. Das liegt zum einen an den malerischen Wanderwegen, den urigen Heurigen und dem seit 1.000 Jahren betriebenen Weinbau. Zum anderen aber auch an einigen kleinen und faszinierenden Orten, die einen Einblick in unsere Geschichte erlauben. Auch Filmgeschichte wurde hier geschrieben.

Im Kahlenbergerdorf fand eine historische Schlacht zum Ende der zweiten Türkenbelagerung statt. Dieses Gemälde erinnert daran. © PID/Christian Fürthner

Spuren der Türkenbelagerung

Der St.-Georg-Platz ist ein kleiner und etwas unscheinbarer Platz, der doch eine große Rolle in der Wiener Geschichte gespielt hat. Am 12. September 1683 beendete die Schlacht am Kahlenberg die zweite Wiener Türkenbelagerung. Hier, in diesem Dorf, fand die erste Feindberührung zwischen dem Entsatzheer des polnischen Königs und den Osmanen statt. Als Erinnerung an diese blutige Zeit entstand das Gemälde am St.-Georg-Platz, das die Türkenkriege darstellt.

Quasi direkt um die Ecke, in der Wigandgasse 37, finden Sie das Wappen des Chorherrenstifts Klosterneuburg. Und genau darüber steckt ein weiteres Überbleibsel der Belagerung: eine sogenannte Totmannkugel. Das ist eine reine Eisenkugel ohne Sprengstoff, die nur mit ihrem Gewicht Schaden anrichtete. Die Türken schossen die Kugel einst genau hier ins Dorfleben.

Die Statue vom Heiligen Johannes Nepomuk. © PID/Christian Fürthner

Zurück zum St.-Georg-Platz: Hier gibt's noch eine Bronzestatue der Donaunixe. Errichtet wurde diese vom Verein Freunde des Kahlenbergerdorfs in Kooperation mit dem Künstler Wolfgang Hutter. Der Legende nach war es Sitte der Nixe, hin und wieder einen Fischer in die Tiefen der Donau zu entführen. Doch keine Angst, der Besuch der Statue ist gefahrlos möglich. Der Verein erhält die Tradition und den Charakter des Dorfs schon seit 1983 und ist die erste Ansprechstation für alle Fragen rund um die Region.

Etwas dahinter findet sich eine weitere Statue. Die ist allerdings gut versteckt. In einem verwinkelten Weg durch die Weingärten gelegen sind auch wir nur durch einen glücklichen Zufall darauf gestoßen. Die Statue stellt den Heiligen Johannes Nepomuk dar. Solche Bildnisse waren im 16. und im 18. Jahrhundert enorm beliebt. Dieses wurde im Kahlenbergerdorf liebevoll restauriert und ist ein beliebtes Ziel, auch bei Palmweihen und als Altarstelle.

Franz Schubert liebte das Kahlenbergerdorf und fand hier reichlich Inspiration. © PID/Fürthner

Die Schubertlinde

Franz Schubert liebte das Kahlenbergerdorf. Hier fand er die Ruhe und das Idyll, die er für seine Arbeit brauchte. In der Zwillinggasse 1 wurde sein Lied "Leise flehen meine Lieder" uraufgeführt. Und das nicht einfach nur so: Er half damit seinem Freund Friedrich Kappus von Pichelstein, seine geliebte Caroline von Pernold zu werben. Direkt gegenüber des Ortes dieses Geschehens steht eine prächtige Linde, die heute darum den Namen Schubertlinde trägt. So schön romantisch kann Wiener Geschichte sein.

Am Kuchelauer Hafen © PID/Christian Fürthner

Kuchelauer Hafen

Heutzutage ist dieser Hafen ein Erholungsgebiet. Und nicht erst seit gestern. Schon 1898 gab es hier ein städtisches Badeschiff, ein sogenanntes Flossbad. Besonders den Radlerinnen und Radlern ist der Hafen vielleicht ein Begriff. Hier befindet sich Wiens erste Fahrradstraße sowie der Europa-Weitwander-Radweg von Passau nach Hainburg. Mit Karin's Radlertreff ist der Hafen auch Heimat der vielleicht kultigsten Radlerkneipe entlang der Donau, riesiger Schanigarten inklusive. Doch Vorsicht: So leiwand die Kuchelau zum Radfahren ist, das Kahlenbergerdorf und dessen Umgebung sind aufgrund ihrer Steilheit berüchtigt. Im Hafen gibt's rund 100 Badehütten und die friedliche Atmosphäre lädt dazu ein, die Batterien aufzuladen. Inmitten all dessen gibt es ganz unerwartet ein zugegeben kleines, aber feines Highlight der österreichischen Filmgeschichte. Hier wurden jene Szenen von "Hinterholz 8" gedreht, die sich im Schrebergarten von Roland Düringers Filmschwiegereltern abspielen.

Die berühmte Radstraße in der Kuchelau. © PID/Fürthner

Natur pur

Die Gegend kennt und liebt man für ihre zahlreichen Wander- und Radwege. Darunter befindet sich auch der Weinrundwanderweg, der durch das Weinbaugebiet führt. Seit dem 12. Jahrhundert wird hier Wein angebaut, dementsprechend ist der Themenweg ein Ausflug in ein Herzstück der Wiener Kulturlandschaft. Entlang des Weges hat der Verein Kahlenbergerdorf zahlreiche Infos arrangiert und es gibt mehrere Aussichtspunkte mit tollem Blick über unser Wien. Auch die Heurigen, teilweise nur zu Fuß zu erreichen, sind längst mehr als ein Geheimtipp. Der Weg ist ganzjährig begehbar.

Im Dorf sagt man uns, die dreieckigen Steine die man gelegentlich in Mauern findet sind Geheimzeichen der Illuminati. Ob das wohl stimmt? © PID/Christian Fürthner

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