1724: Grabstätte von Samson Wertheimer, Oberrabbiner und Finanzier der Habsburger © PID / David Bohman

stadtUNbekannt: Der Jüdische Friedhof in der Rossau

Entdecken Sie mit stadtUNbekannt den Jüdischen Friedhof in der Seegasse.

Betritt man den Hof des PensionistInnenheimes in der Seegasse, tut sich ein Kleinod auf. Es ist, eingekreist von Mauern und Häuserfronten, der jüdische Friedhof mit seinen unzähligen beeindruckenden Grabsteinen. Eines fällt sofort auf: Der Grabstein mit fischähnlichem Abschluss, allerdings ohne jegliche Inschrift. Die Legende besagt: An dieser Stelle ist ein Fisch begraben, der bei seiner Tötung Teile des jüdischen Glaubensbekenntnisses von sich gegeben hat.

Ältester erhaltener Friedhof 

Der jüdische Friedhof in der Rossau ist der älteste erhaltene Friedhof in Wien. Er wurde im 15. Jahrhundert errichtet, Beisetzungen erfolgten bis zum Jahr 1785. Die Besonderheit: Alle Inschriften sind in Hebräisch. Insgesamt hat der Friedhof in der Vergangenheit 800 Grabsteine beherbergt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden manche Grabsteine ausgehoben und in den Zentralfriedhof verlegt, andere bis zu ein Meter tief vergraben. Manche Gräber wurden erst durch Zufall wiederentdeckt. Viele Jahre später wurden die Gräber an ihrem ursprünglichen Platz wiederaufgestellt.

Grabstein mit Fisch-Abschluss: Grundlage für eine Sage © PID/David Bohmann

Renovierung seit 2008

Seit 2008 wird das gesamte Areal in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) und dem Bundesdenkmalamt renoviert. Bereits 1978 verpflichtete sich der damalige Bürgermeister Leopold Gratz, den Friedhof zu restaurieren. Im Oktober 2013 erhöhte die Stadt Wien ihren finanziellen Beitrag zur Pflege jüdischer Friedhöfe. Künftig wird die Israelitische Kultusgemeinde Wien jährlich bis zu 860.000 Euro für die Pflege erhalten.

Für die Ewigkeit erhalten

Die jüdische Tradition ist auf das Diesseits konzentriert, der Tod gehört zum Leben. Daher soll das Begräbnis bereits am Todestag stattfinden. Das jeweilige Grab gilt als Eigentum und muss für die Ewigkeit erhalten bleiben. 

Zwei Gräber haben eine besondere Geschichte: Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Samuel Oppenheimer am Friedhof in der Seegasse beigesetzt, einer der wichtigsten Finanziers der Habsburger. Im Jahr 1724 starb Samson Wertheimer, Oberrabbiner und ebenso Geldgeber. Wertheimers Haus in Eisenstadt ist heute das Österreichische Jüdische Museum.

Öffnungszeiten 

Der Jüdische Friedhof ist von Montag bis Freitag von 7 bis 15 Uhr geöffnet und über das PensionistInnenheim in der 9., Seegasse 9-11 zugänglich. 

Broschüre "Jüdisches Wien" 

Einen Wegweiser durch die Vielfalt jüdischen Lebens bietet die Broschüre "Jüdisches Wien - Erbe und Auftrag".

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