Schulgarten Kagran
Natur trifft auf Architektur: Der Baumschulbereich des Schulgartens Kagran mit Blick auf die Donau City. © PID/Alexandra Kromus
Auch im Friedhofsbereich wird gelehrt. © PID/Alexandra Kromus
Das südamerikanische Mammutblatt wächst im Monet-Garten. Seine Blätter werden bis zu eineinhalb Meter groß. © PID/Alexandra Kromus
Entlang eines Gewächshauses findet man die Duftpelargonien-Schau. Durch das Reiben der Blätter bekommt man verschiedene Aromen, von Minze- bis Zitronenduft, zu riechen. © PID/Alexandra Kromus
Die Arbeiterinnen und Arbeiter haben je nach Jahreszeit verschiedene Aufgaben. © PID/Alexandra Kromus
Im Steirischen Beerengarten gibt es auch die Blaue Heckenkirsche zu kosten. © PID/Alexandra Kromus

stadtUNbekannt im Schulgarten Kagran

Moderner Ausbildungsbetrieb und romantisches Gartenparadies: stadtUNbekannt hat sich im Schulgarten Kagran der Wiener Stadtgärten - Magistratsabteilung 42 umgesehen.

Es duftet nach Rosen, Sommerblumen schmücken mit ihren Blüten schon die Beete und Töpfe, Zitruspflanzen zeigen ihre teils skurrilen Früchte, Kirschen warten auf Naschkatzen: Wer den Schulgarten Kagran im Norden der Stadt am Donizettiweg 29 betritt, sollte unbedingt etwas Zeit mitbringen. Immerhin gilt es, eine Fläche von sechs Hektar zu entdecken. "Über 3.000 verschiedene Pflanzenarten finden bei uns ihr Zuhause", sagt Doris Demuth, Leiterin des Schulgartens Kagran. "Um den Garten ernsthaft zu erkunden, braucht man einige Stunden." Für die Bevölkerung ist der Schulgarten von April bis Oktober an jedem ersten Donnerstag im Monat jeweils von zehn bis 18 Uhr geöffnet. In den Sommerferien ist er von Montag bis Mittwoch zugänglich. 

Der Schulgarten ist jedoch nicht nur Erholungsgebiet für die Wienerinnen und Wiener, sondern auch Übungsgelände für die rund 700 Schülerinnen und Schüler der Berufsschule für Gartenbau und Floristik. Die verschiedenen Themengärten, Pflanzensammlungen und Anzuchtflächen des Gartens dienen dabei der Ausbildung der Berufsschülerinnen und -schüler sowie der Lehrlinge der MA 42.

Schulgarten Kagran
In der Berufsschule werden mehrere Lehrberufe unterrichtet: Garten- und Grünflächengestalterin und -gestalter, Landwirtschaftliche Gärtnerin und Landwirtschaftlicher Gärtner, Friedhofs- und Ziergärtnerin und -gärtner, Greenkeeping sowie Floristin und Florist. © PID/Alexandra Kromus

Lehrlinge aus ganz Österreich

Im Ausbildungsbereich des Schulgartens geht es übrigens vorwiegend darum, dass die Schülerinnen und Schüler breit gefächerte Kenntnisse rund um Pflanzenzucht und Pflanzenpflege erlangen. Insgesamt werden rund 700 Lehrlinge aus ganz Österreich - zum Teil geblockt im Acht-Wochen-Turnus - unterrichtet. Dazu kommen noch jene Lehrlinge, die ihren Ausbildungsplatz bei den Wiener Stadtgärten haben und die gesamten drei Jahre Lehrzeit zum Teil hier am Standort, zum Teil aber auch bei anderen Grünflächen Wiens, im Donaupark oder in den Blumengärten Hirschstetten verbringen. Diese besuchen die Berufsschule ein Mal wöchentlich.

Die Lehrlinge können sich übrigens zwischen fünf "grünen" Berufsgruppen entscheiden: der Landwirtschaftlichen Gärtnerei, der Landschaftsgärtnerei, der Friedhofsgärtnerei, dem Greenkeeping oder der Floristik.

Schulgarten Kagran
Doris Demuth ist Leiterin des Schulgartens. Sie liebt das Areal wie ihren eigenen Garten. © PID/Alexandra Kromus

Kombination aus Schau- und Lehrgarten

Vor allem die Vielfalt der Pflanzen und der alte Baumbestand sind am Schulgarten besonders. Immerhin ist der älteste Baum, eine Platane, rund 120 Jahre alt. "Aber auch Kuriositäten gedeihen auf unserem Gelände wie das sogenannte Mammutblatt mit Blättern, die bis zu eineinhalb Meter Durchmesser erreichen", sagt Demuth. "Und wir haben auch unsere zahlreichen Themengärten. In diesen zeigen wir den Lehrlingen unter anderem die unterschiedlichen Möglichkeiten der Pflanzenverwendung. Besucher kommen in den Claude Monet Garten, den Hexengarten, den Pannonischen Bauerngarten oder den Griechischen Garten, um sich für die Gestaltung des eigenen kleinen Grüns inspirieren zu lassen."

Schulgarten Kagran
Claude Monet würde "sein" Garten bestimmt gefallen. © PID/Alexandra Kromus

Garten im Stil von Claude Monet

Eine der romantischsten Anlagen ist der Claude Monet Garten. Er gleicht dem "Wassergarten", einem Teil des Originalgartens Monets, der in der französischen Gemeinde Giverny lag. Zu entdecken gibt es hier eine Brücke, eine Trauerweide, groß gewachsenen Bambus, eine gigantische Buche und im Teich eine Vielzahl unterschiedlicher Seerosen. Das Boot im Hintergrund soll ein Hinweis darauf sein, dass Monet sehr häufig vom Wasser aus gemalt hat.

Auf Leherbs Mosaik sind die Blumengöttin Flora und der Gärtnergott Vertumnus abgebildet. © PID/Alexandra Kromus

Originalmosaik von Helmut Leherb

Nicht unweit des Monet-Gartens entdecken Kunstfans ein weiteres Meisterwerk in Form eines prächtigen Originalmosaiks von Helmut Leherb. Leherb war ein österreichischer Künstler und Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die dem Surrealismus nahesteht. "Darauf sind wir sehr stolz", sagt Demuth. Auf dem Mosaik ist Lotte Profohs zu sehen, die Gattin des Künstlers. Links davon ist der Gärtnergott Vertumnus abgebildet. Die Darstellung zählt zu den Frühwerken des Meisters.

Orangerie Kagran
Die Orangerie Kagran wurde 1911 als Pflanzenüberwinterungshaus fertiggestellt. 1929 wurde sie in ein Schulgebäude umgebaut. © PID/Alexandra Kromus

Ältester Teil der Gartenanlage

Einer der ältesten Teile der Gartenanlage ist das historische Rosarium. Nur wenige Schritte vom Mosaik entfernt, im Schatten des Jugendstilbaus Orangerie Kagran gelegen, bietet es Heimat für duftende Rosen aller Art. Im Gebäude selbst sind heute übrigens das Österreichische Gartenbaumuseum und die Österreichische Gartenbau-Gesellschaft untergebracht. Demuth: "Besucherinnen und Besucher können in die größte Sammlung an Exponaten aus der Geschichte des heimischen Gartenbaus und Kleingartenwesens sowie der Floristik eindringen."

Im Pannonischen Bauerngarten gibt es sogar Bienenstöcke.
Im Pannonischen Bauerngarten wächst unter anderem auch die lila Nachtviole (vorne rechts), die in den Abendstunden ihren Duft entfaltet. © PID/Alexandra Kromus

Pannonisch und natürlich

Von seiner ganz natürlichen Seite zeigt sich der Pannonische Bauerngarten mit einer Bienenhütte und einer Tschardake, die früher zur Aufbewahrung von Kukuruz genutzt wurde. Im Garten wachsen Rosen, weiße Schwertlilien und rote Bartnelken. Auch Bienenstöcke sind aufgestellt, deren "Bewohner" die Pflanzen im Umfeld bestäuben. Demuth: "Wir haben Kontakt zu einem externen Imker, der die Stöcke nutzt und bei uns kostenlose Bienen-Workshops für Kindergruppen anbietet." Darüber hinaus gibt es Führungen durch die Themengärten und einige weitere Workshops vor allem für Kindergärten und Schulklassen. Unter anderem zu den Themen Obst sowie Kräuter.

Der Shakespeare Garden Vienna wird auch gerne von der Berufsschulen im Rahmen des Englisch-Unterrichts genutzt. © PID/Alexandra Kromus

Shakespeare Garden Vienna

Im Shakespeare Garden Vienna wachsen jene Pflanzen, die in vielen Werken des Poeten "Nebenrollen" einnehmen. So wuchern hier etwa Thymian und Schlüsselblumen, die im "Sommernachtstraum" vorkommen. "Dieser Teil unseres Gartens wird auch gerne von den Englisch-Lehrkräften der Berufsschule für Gartenbau und Floristik für den Unterricht genutzt, da die Pflanzen nicht nur mit dem botanischen Namen, sondern auch mit der englischen Bezeichnung gekennzeichnet sind", sagt Demuth.

Griechisch in den Farben Blau und Weiß

In markantem Blau und Weiß gehalten, präsentiert sich der Griechische Garten. Eine kleine Sitzgruppe lädt zum Verweilen unter einer mit Palmwedeln und Feigen bedeckten Pergola ein. Auch eine baumförmig gewachsene Kräuselmyrte ist zu entdecken, die den Garten im Sommer mit wunderschönen purpurfarbenen Blüten schmückt. Im Winter muss sie mit Vlies umwickelt werden, da sie nicht vollständig winterhart ist.

Von Amerika bis nach Asien

Weitere Bereiche des Areals widmen sich unter anderem der nordamerikanischen Prärie mit ihrer aus Western bekannten weiten Graslandschaft. Auch ein eigenes Wäldchen, der Woodland Garden mit altem Baumbestand, ist hier zu finden. Oder ein eigener Musterfriedhof als Übungsfläche für künftige Friedhofsgärtnerinnen und -gärtner. Ebenfalls interessant ist der Asiagarten mit zahlreichen Elementen der japanischen Gartenkultur. So finden sich hier ein Quellstein mit Wasserlauf zu einem kleinen Teich, ein Zen-Garten und typische Pflanzen wie der japanische Ahorn oder die Iris.

Der Schulgarten wartet auch mit einem Palmenhaus auf. Müssen die Schülerinnen und Schüler doch ebenso über tropische Pflanzen Wissen erlangen. Kulturpflanzen wie die Banane und die echte Vanille - eine Orchidee -, Geweihfarne, Gummibäume und viele mehr sind im Dunst der Luftfeuchtigkeit spendenden Nebelanlage zu erspähen. Es plätschert, Brücken führen über einen kleinen Bachlauf: Fast fühlt man sich wie im Regenwald.

Video: Traumhochzeit im Grünen

Sagen Sie "Ja"

Bei all der Romantik wundert es nicht, dass der Schulgarten Kagran auch einer der städtischen Orte für eine Traumhochzeit ist. Dabei können sich Verliebte vielerorts das Jawort geben. Das Umfeld beziehungsweise den Themengarten, griechisch, französisch oder asiatisch, in dem sie in den Hafen der Ehe einlaufen, können die Pärchen selbst bestimmen. "Der Schulgarten ist ein Ort mit vielen Nutzungsmöglichkeiten", sagt Demuth. "Neben seiner Hauptaufgabe als Ausbildungsort für Gärtnerinnen- und Gärtner- sowie Floristinnen- und Floristenlehrlinge kann er auch für die Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Dies ist gerade in einer Großstadt wie Wien besonders wichtig."

Schulgarten Kagran
Vom Dach der Berufsschule aus hat man einen herrlichen Ausblick auf das gesamte Areal des Schulgartens Kagran. © PID/Alexandra Kromus

Begrüntes Dach des Schulgebäudes

Auf dem Gelände des Schulgartens beschäftigt sind neben den Lehrlingen sowie Ausbilderinnen und Ausbildern unter anderem auch ein Team aus Gartenfachkräften sowie Gärtnereimeisterinnen und -meister. "Viele Kolleginnen und Kollegen sind schon seit Jahrzehnten bei uns. Die haben sich im Laufe der Zeit ein breites Wissen angeeignet, auch wenn sie ursprünglich aus ganz anderen Bereichen kamen", sagt Demuth, selbst gelernter Pflanzenprofi. Übrigens: Nicht nur im Garten, sondern auch auf dem begrünten Dach des Schulgebäudes gibt es einiges an Garten- und Ausgestaltungsarbeiten zu verrichten. Zudem eröffnet sich hier oben ein wunderbarer Blick über das gesamte Areal, von den Themengärten bis zum ältesten Gebäude auf dem Grundstück, der Orangerie Kagran, den Folientunneln oder Gewächshäusern, den Anzuchtflächen, Materiallagern oder etwa einem romantischen Gartenpavillon, der einst bei der Weltausstellung von 1873 präsentiert wurde.

Im Hexengarten heißt es aufgepasst: Hier werden giftige Pflanzen präsentiert.
Im Hexengarten heißt es aufgepasst: Hier präsentieren sich giftige Pflanzen. © PID/Alexandra Kromus

Jetzt geht's ans Naschen

Im Schulgarten gibt es übrigens nicht nur was fürs Auge, sondern auch für den Genuss. So können Besucherinnen und Besucher bei der Kräuterspirale verschiedenste, auch nicht ganz so klassische Gewürze von Zitronenverbene bis Sauerampfer probieren. Und im Steirischen Beerengarten warten Maibeeren oder Erdbeeren sowie Kiwis, die auch zu den Beerenfrüchten gehören, auf Naschkatzen jeden Alters. Die Naschgärten kommen natürlich besonders gut bei Kindern an, die endlich einmal sehen können, wie Himbeeren, "Kleinfruchtige Kiwis" oder auch Weintrauben wachsen.

Etwas vorsichtiger zu genießen ist der "Garten der Hexen". Hier leben nämlich ausschließlich giftige Pflanzen. Einige davon sind tödlich, andere "nur" extrem gesundheitsgefährdend, manche tragen hautätzende Säfte in sich. Die sogenannte Europäische Eibe wächst beispielsweise hier, deren Rinde, Nadeln und Samen toxische Stoffe enthalten. Ebenfalls zu finden ist die krautige Pflanze Riesenbeerenklau, die 2008 zur Giftpflanze des Jahres gekürt wurde. Sie bildet bei Sonnenlicht phototoxische Substanzen, die bei Berührungen schmerzhafte Blasen auf der menschlichen Haut verursachen, schwer heilen und wie Verbrennungen aussehen. "Ich kann nur dringend empfehlen, im Umgang mit der Pflanze vollständige Schutzkleidung zu tragen", sagt Demuth.

Arbeiter im Schulgarten Kagran
Im Zentrum einer freien Wiesenfläche wird von Saisonfacharbeiter Patrick Stani (links) und Marcel Lüftner, Lehrling im dritten Jahr, aus verschiedenen Blumenarten ein dekoratives Blumenbeet in Form einer Sonnenblume ausgestaltet. © PID/Alexandra Kromus

Vielfalt an Aufgaben

Je nach Jahreszeit haben die Lehrlinge und alle Beschäftigten viele verschiedene Aufgaben zu erledigen. Nach den Eisheiligen im Mai starten beispielsweise die Arbeiten rund ums Auspflanzen sowie Tätigkeiten wie Unkraut entfernen, was weniger beliebt, aber sehr wichtig ist. Ohne das würden viele Kulturpflanzen in den Beeten nicht überleben. In den Pausen kommt im Schulgarten jedoch auch der Genuss nicht zu kurz. So entspannen die Lehrlinge ihre "rauchenden" Köpfe vor allem im Sommer gerne an einem der schattigen Plätzchen. Dabei gilt es auch die eine oder andere Beere zu naschen und sich somit an den Früchten der Arbeit zu erfreuen.

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