Auf vier Etagen dreht sich im Haus der Musik alles um, richtig, Musik. Musikvermittlerin Elisabeth Bauer und Techniker Thomas Wilfart kümmern sich darum, dass für die Besucherinnen und Besucher alles reibungslos abläuft. © PID/Christian Jobst

stadtUNbekannt im Haus der Musik: Eine Welt aus Klängen und Tönen

Seinem Namen entsprechend hat sich das Haus der Musik ganz der Vermittlung von Musik verschrieben. Doch damit die optisch ansprechenden Installationen auch klingen und tönen, bedarf es einigen Aufwands. stadtUNbekannt hat hinter die Kulissen geschaut.

Instrumente in Übergröße bestaunen und spielen. Selbst die Philharmoniker dirigieren. Hören und fühlen wie ein Baby im Mutterleib. Daneben allerlei Wissenswertes über die Wiener Philharmoniker, über Komponisten wie Mozart, Haydn und Co erfahren. All das lässt sich im Haus der Musik in der Seilerstätte in der Inneren Stadt machen und erleben. Seit dem Jahr 2000 widmet sich das Klangmuseum auf vier Etagen der Vermittlung von Akustik, Klängen und Musik. Doch wie geht es hinter den Kulissen zu? Wie funktioniert das alles?

Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stationen und Installationen erhalten kleine und große Besucherinnen und Besucher von Musikvermittlerin Elisabeth Bauer. Dass auf der technischen Seite alles rund läuft, dafür sorgt wiederum Thomas Wilfart aus dem Technikteam.

Klingendes Treppenhaus

"Das Haus ist vom Konzept her selbsterklärend, der Einstieg in die Musikvermittlung startet sofort", sagt Musikvermittlerin Bauer. Das beginnt beim Treppenaufgang. Die Feststiege des historischen Palais ist zugleich ein interaktives Piano. Wird eine Stufe betreten, wird ein Ton erzeugt. "Unter den Paneelen befinden sich Sensoren, die den Widerstand messen", erklärt Techniker Wilfart. "Wenn man draufgreift oder -tritt, verringert sich der Widerstand, Strom kann durch die Leitungen fließen. Und wenn der Strom eine gewisse Größe erreicht, wird ein Signal in der Steuerung ausgelöst und erzeugt einen Ton."

Haben die Besucherinnen und Besucher den ersten Stock erreicht, befinden sie sich schon mitten in der Ausstellung über die Wiener Philharmoniker. Deren Gründer Otto Nikolai wohnte von 1841 bis 1847 im Gebäude, in dem heute das Haus der Musik untergebracht ist. Ein erster Höhepunkt ist im Philharmoniker-Raum das Walzer-Würfel-Spiel: "Wir können durch Würfeln Musik komponieren", so Bauer. "Das ist eine sehr alte Idee, die wir uns von Haydn und Mozart abgeschaut haben. Die Grundidee, dass der Zufall entscheidet, wie die Musik klingt, haben wir hier in einer modernen Version aufgegriffen." 

Computer steuert Würfel

Dabei gibt es vier Instrumentengruppen mit verschiedenen Melodieabfolgen, die virtuell erwürfelt werden können. Jede Zahl von eins bis sechs steht für eine eigene Tonfolge. So entsteht jedes Mal eine neue und einzigartige Melodie. Hinter der Leinwand, auf der das Würfelspiel abläuft, befindet sich eine kleine Kammer mit Computer, kabelloser Tastatur und Maus. Kabellos, damit die Techniker nicht in den engen Raum klettern müssen, sollte etwas zu warten sein. "Ich habe hier einen Rechner, in dem vier weitere Rechner laufen. Jede virtuelle Maschine hat ihren eigenen Würfel", erläutert Thomas Wilfart das technische Prinzip. 

Bei der Musikvermittlung wird darauf geachtet, wie die jeweilige Gruppe zusammengesetzt ist. Auf Kindergartenkinder, Volksschulkinder, Oberstufenschülerinnen und -schüler, Seniorinnen- und Seniorengruppen oder Sehbehinderte und Blinde wird unterschiedlich eingegangen. "Ich lasse die Personen, die an einer Führung für Sehbehinderte teilnehmen, hinter die Absperrung gehen und die Wachsfigur von Otto Nikolai ertasten", erzählt Bauer. "Der hat einen Frack an und sie ertasten seinen Oberlippenbart."

Jeden Tag ein Neujahrskonzert im Kino

Ebenfalls im ersten Stock befindet sich ein Kinosaal, in dem man die Höhepunkte der jeweils aktuellen Neujahrs- und Sommerkonzerte auf einer raumgroßen Leinwand ansehen und vor allem in höchster Klangqualität anhören kann. Für die Übertragung sorgen zwei Rechner, die in einem kleinen Balkonzimmer hinter dem Saal untergebracht sind. "Auffällig ist in diesem Kammerl der Ventilator", weist Wilfart auf ein Gerät am Boden hin. "Alle anderen Räume im Haus sind klimatisiert. Hier gibt es aber keine Klimaanlage, deswegen kühlen wir wegen der Hitzeentwicklung mit dem Ventilator - aber nur im Sommer." Dann wird es wegen der Sonneneinstrahlung nämlich übermäßig warm in dem kleinen Zimmer.

Im zweiten Stockwerk, der "Sonosphere", dreht sich alles um Klänge und das Hören. Im ersten Raum, "Pränatales Sinnesrauschen", wird der Klang des Mutterleibs simuliert, so Elisabeth Bauer: "Wir haben hier Originalaufnahmen aus dem AKH Wien, was ein Baby im Mutterleib hört. Am Ende des sechsten Monats ist das Gehör eines Babys bereits vollständig ausgebildet. Der Boden pulsiert mit, wie der Herzschlag, der von der Mutter zu hören ist." Thomas Wilfart ergänzt: "Technisch gesehen sind in dem Raum in Decke, Boden und den Wänden zwischen 24 Lautsprecher verbaut. Die erzeugen das Erlebnis der Vibration und des Sounds." Erreicht wird das mit acht Verstärkern mit je 600 Watt Leistung.

Tiroler Stier für Riesentrommel

Im nächsten Raum, dem sogenannten "Instrumentarium", befinden sich überdimensionierte Musikinstrumente: riesige, an der Decke montierte Xylophonplatten, ein gewaltiges Saiteninstrument, eine begehbare Pfeife. Absoluter Hingucker ist eine Riesentrommel. "Das ist eine der größten Naturfelltrommeln, bespannt mit der Haut eines Tiroler Stiers", so Bauer. Wilfart fügt hinzu: "Dabei ist es schon eine Herausforderung, wegen der Größe des Fells den richtigen Stier zu finden. Die Trommel ist erst unlängst bespannt worden und es war wirklich am Limit, das Fell wäre fast zu klein gewesen. Der ganze Ring wird abgebaut und hier bei uns in einem Extraraum vom Trommelbauer bespannt."

Ebenfalls im zweiten Stock befindet sich die Klanggalerie: Hier lassen sich in vier Bereichen von tönenden Körperfunktionen bis hin zu Weltraumklängen jede Menge Geräusche erlauschen. Von der Mikro- in die Makrosphäre quasi. Am häufigsten ausgetauscht werden übrigens nicht etwa Glühbirnen, sondern Kopfhörer und Headsets, wie Wilfart erklärt: "Es passiert oft, dass Kinder Kopfhörer aufhaben und dann zu ihrer Mama laufen. Dabei werden Stecker ausgerissen, es gibt aber auch Kontaktfehler durch ständige Benutzung." Auf Herz und Nieren geprüft werden alle Stationen und Installationen täglich. "In jede Ohrmuschel wird hineingehört, jeder Bildschirm wird verwendet, jedes Programm wird gestartet, es werden Kopfhörer aufgesetzt und Mikrofone getestet", verrät Wilfart.

Vertontes Alphabet

Bevor in der vierten Etage unter anderem ein Mitmachmärchen, bei dem Kinder Musikinstrumente kennenlernen, den Abschluss bildet, widmet sich der dritte Stock den großen Meistern. Großer Beliebtheit erfreut sich hier der "Namadeus", weiß Bauer: "Wolfgang Amadeus Mozart hat das Alphabet vertont. Jeder Buchstabe hat von Mozart zwei Takte bekommen. Er hat ursprünglich den Vornamen einer Schülerin musikalisch vertont, von Franziska von Jacquin. Warum, weiß man heute nicht." Auch der Virtuelle Dirigent gehört zu den Publikumsattraktionen. Dabei können die Wiener Philharmoniker dirigiert werden - zumindest virtuell. Thomas Wilfart gewährt einen Blick hinter die Leinwand und erklärt die Funktionsweise: "Das Bild wird via Projektor auf einen Spiegel projiziert und über den Spiegel auf die Leinwand. Die Kamera erkennt mit einer bestimmten Software den speziell beschichteten Stab und nimmt so die Bewegungen auf."

Eine weitere Besonderheit gibt es im dritten Stockwerk: Alle drei bis fünf Jahre wird hier der Teppich gewechselt. Dieser wird von einer österreichischen Künstlerin oder einem Künstler kreiert, der sich von Musik und Wien inspirieren lassen hat. "Der letzte stammt von Tobias Hermeling, den aktuellen hat Johannes Deutsch entworfen", erläutert Elisabeth Bauer.

Bei einem Besuch im Haus der Musik lässt sich viel entdecken, egal welche Vorbildung man hat, erzählt Elisabeth Bauer: "Man muss nichts über Musik wissen, um hier Spaß zu haben. Aber wenn man mehr Einblick hat, vielleicht auch selbst Musik macht, nimmt man was anderes mit."

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