Mit der Großwärmepumpe im Kraftwerk Simmering können 25.000 Wiener Haushalte versorgt werden. © PID/Markus Wache

 

stadtUNbekannt bei der Großwärmepumpe: Fernwärme für 25.000 Haushalte

Seit Anfang des Jahres versieht im Kraftwerk Simmering die leistungsstärkste Großwärmepumpe Mitteleuropas ihren Dienst. Ihre Aufgabe: umweltfreundliche Fernwärme für 25.000 Wiener Haushalte produzieren. stadtUNbekannt hat sich die Anlage angesehen.

Es ist laut. Unbeschreiblich laut. Nicht zuletzt deshalb befindet sich gleich beim Eingang zur Halle vorsorglich ein Automat, aus dem Ohrstöpsel gezogen werden können. Wer den Bau am Kraftwerksstandort Simmering betritt, tut auch gut daran, von den kleinen gelben Kunststoffpfropfen Gebrauch zu machen. Denn die Maschine, die den gesamten Raum einnimmt, verursacht im Inneren der Halle einen gehörigen Lärm, sobald sie in Betrieb ist. Und das ist sie seit Anfang des Jahres bis zu 20 Stunden am Stück - je nach Wärmebedarf. Konzipiert ist sie für einen dauerhaften, durchgehenden Betrieb.

 

Dieses Wunderwerk der Technik, von dem die Rede ist: die leistungsstärkste Großwärmepumpe Mitteleuropas. Nach einer mehrjährigen Vorlaufphase nahm das Projekt Anfang 2017 seinen Lauf, 2018 war Bauende, in der Saison Herbst/Winter 2018 wurde sie das erste Mal testweise in Betrieb genommen. Sie ist imstande, bis zu 40 Megawatt thermische Leistung zu erzeugen. Das ist umgerechnet Fernwärme für 25.000 Wiener Haushalte. Aufgrund ihres Prinzips und ihrer Konstruktion ist sie dabei besonders umweltfreundlich und spart um die 40.000 Tonnen CO2 im Jahr ein.

Wie ein 400 Tonnen schwerer Kühlschrank

Doch was ist eine Großwärmepumpe überhaupt? "Eine Wärmepumpe ist eine Maschine, die ermöglicht, Wärme von einem niedrigen auf ein hohes Temperaturniveau zu bringen", erklärt Christoph Segalla, Gesamtprojektleiter von Wien Energie. Von der Funktionsweise her arbeitet das 400 Tonnen schwere und eine ganze Halle einnehmende Gerät wie ein Kühlschrank - nur eben umgekehrt. Während beim Eiskasten die sogenannte Abwärme durch den Kühlprozess entsteht, ist bei der Wärmepumpe besagte Abwärme das gewünschte Endprodukt.

In Simmering wird als Wärmequelle das Kühlwasser der dort befindlichen Kraftwerksanlagen genutzt. "Die Restwärme, die ein Kraftwerk abgibt, geht sonst verloren", so Segalla. "Und mit der Wärmepumpe nehmen wir diese Restwärme auf, die bei zehn bis 20 Grad liegt. Jene Verdichter, die man laut hört, sorgen für Druck, und damit erzeugen wir Wärme mit einer Temperatur von maximal 95 Grad." Auch die Umgebungswärme des in unmittelbarer Nähe liegenden Donaukanals wird bei Bedarf als Wärmequelle herangezogen. So kann unterm Strich bereits eine Temperatur von minimal sechs Grad genutzt und damit Heißwasser auf über 90 Grad erwärmt werden. Dabei spricht man vom Temperaturhub.

Die Anlage besteht aus zwei baugleichen Wärmepumpen mit jeweils in sich geschlossenen Kältemittelkreisläufen. Dieses Kältemittel nimmt die Abwärme über einen Wärmetauscher auf und wird durch einen mit Strom betriebenen Kompressor verdichtet und erwärmt. Danach wird das Kältemittel wieder verflüssigt. Die dabei entstandene Abwärme wird über 500 Meter lange Verbindungsrohre direkt ins Wiener Fernwärme-Netz eingespeist.

Wärmetauscher in Silber und Schwarz

Herzstück der Maschine sind riesige Röhren, die erwähnten Wärmetauscher. Das sind zum einen die silberfarbenen Kondensatoren, die eine Temperatur von 90 bis 95 Grad aufweisen. Eine Isolierung sorgt dafür, dass die Wärme nicht verloren geht. Zum anderen sind die schwarzen Verdampfer mit einer Länge von zwölf Metern, einem Durchmesser von zwei Metern und 2.200 Rohren in ihrem Inneren besonders imposant. "Hier wird das flüssige Kältemittel durch die Abwärme in Dampf umgewandelt, und das bereits bei sechs Grad", erklärt Segalla. Die schwarze Farbe ist in diesem Fall eine Kälteisolierung.

Gewählt wurde der Standort Simmering einerseits aufgrund der Nähe zu anderen Kraftwerken, deren Abwärme genutzt wird. Andererseits musste mit der Halle, in der sich die Großwärmepumpe befindet, nicht extra ein neues Gebäude errichtet, sondern lediglich um einen Zubau erweitert werden. "Hier war in den Siebziger-, Achtzigerjahren eine Dampfturbine untergebracht", verrät Gesamtprojektleiter Segalla. Umweltfreundliche Fernwärme wird dank der Großwärmepumpe in Simmering lange erzeugt werden können, so Segalla: "Die Lebensdauer so einer Anlage beträgt mehrere Jahrzehnte." Für die Wienerinnen und Wiener eine gute Sache, die noch dazu der Umwelt zugutekommt.