Die Einwölbung des Alsbaches bei Neuwaldegg beim Bau im Jahr 1884.
Vom Bach zum Bachkanal: Die Einwölbung des Alsbaches bei Neuwaldegg beim Bau im Jahr 1884. © Christian Gantner/MA 30

stadtUNbekannt: Verschwundene Wienerwaldbäche

Einstmals flossen die Wienerwaldbäche in die großen Gewässer Donaukanal und Donau. Die meisten von ihnen sind nur noch im Wienerwald sichtbar und sonst im Untergrund verschwunden. "stadtUNbekannt" begibt sich auf Spurensuche.

Straßennamen wie Krottenbachstraße und Alserbachstraße zeugen von den verschwundenen Bächen. Gab es einstmals rund 50 Wienerwaldbäche, fließen zwei Drittel von ihnen nun unter der Erde, und das aus einem guten Grund: Die Menschen kippten Abwässer und allen Unrat, inklusive Tierkadaver, in die Bäche, die teilweise austrockneten, sodass die Abfälle zu faulen begannen. War zunächst nur bestialischer Gestank die Folge, führte das Hygiene-Dilemma Anfang der 1830er-Jahre zu einer Cholera-Epidemie. Diese war der Auslöser für die große Kanalisierungswelle des 19. Jahrhunderts.

Hygienemaßnahmen: Einwölben und verrohren

Um die Seuche zu bekämpfen, wurden große Bäche wie der Wienfluss eingewölbt und kleine Bäche verrohrt. Wien war bei dieser Hygienemaßnahme Nummer eins ganz vorne dabei, die technische Umsetzung war sehr fortschrittlich und äußerst aufwendig. Es dauerte bis nach 1900, bis das Projekt abgeschlossen war.

Einlauf des Schreiberbaches im 19. Bezirk in die Kanalisation.
Einlauf des Schreiberbaches im 19. Bezirk in die Kanalisation. © MA 45 – Wiener Gewässer

Bäche zur Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung

Spielten die Wienerwaldbäche einstmals sowohl für die Trinkwasserversorgung als auch die Abwasserentsorgung eine große Rolle, sank ihre Bedeutung durch den Ausbau der Kanalisation.

Einleitung des Rosenbaches in die Kanalisation.
Einleitung des Rosenbaches in die Kanalisation. © MA 45 – Wiener Gewässer

Durch den Bau der ersten Wiener Hochquellenwasserleitung, die 1866 vom Wiener Gemeinderat beschlossen wurde, wurde die Trinkwasserversorgung grundlegend neu geregelt und gesichert. Die 95 Kilometer lange Leitung wurde 1873 fertiggestellt und liefert Wasser aus dem Rax- und Schneeberggebiet.

Spülbecken zum Durchschwemmen der Kanäle

Spülbecken, etwa in Neuwaldegg bei der Marswiese, in denen Wasser aufgestaut wird, dienten bei Bedarf zum Durchspülen der Kanalisation. Durch den kontinuierlich angestiegenen Wasserverbrauch ist in den Betrieben und Haushalten inzwischen jedoch eine permanente und ausreichende Wassermenge zur Spülung der Kanäle gewährleistet, sodass das Bachwasser dafür nicht mehr notwendig wäre.

Nesselbach-Spülbecken bei der Cobenzlgasse
Nach einem kurzen oberirdischen Verlauf mündet der eingewölbte Nesselbach am Cobenzl in ein Spülbecken, das 1900 bis 1903 gebaut wurde. © MA 45 – Wiener Gewässer

Derzeit fließt das Bachwasser im Regelfall über die unterirdische Kanalisation und die Hauptkläranlage Wien in den Donaukanal. Im 23. Bezirk werden Bäche zum Teil über bestehende Regenwasserkanäle direkt in den Liesingbach geleitet. Die Hochwasserschutzanlagen des Wienflusses bewahren innerstädtisch auch vor einem tausendjährlichen Hochwasser. Das Wasser kann direkt in den Donaukanal fließen. Auch der ursprüngliche Ottakringer Bach, der heute eingewölbt ist und zum Bachkanal wurde, entlastet im Hochwasserfall den Wienfluss.

In Studien wurde geprüft, inwieweit eine Öffnung von verrohrten Bächen und die Einleitung von sauberem Bachwasser in größere Gewässer, wie etwa den Wienfluss, möglich und sinnvoll ist. Es zeigte sich jedoch, dass diese Projekte aufgrund der extrem hohen Kosten durch dichte Siedlungsbebauung und unterirdische Einbauten wie Strom- und Telefonleitungen nicht realisierbar sind.

Erhaltene Bäche dienen der Erholung

Nicht eingewölbt und ursprünglich erhalten wurden Bäche am Wiener Stadtrand, den ehemaligen Sommerfrische-Gebieten der Wiener Bevölkerung, die kaum besiedelt waren und deshalb nicht verschmutzt wurden. Etwa Halterbach und Mauerbach in Penzing sowie Liesingbach und Gütenbach in Liesing.

Naturnahe Gestaltung am Gütenbach in Liesing.
Naturnahe Gestaltung am Gütenbach in Liesing. © MA 45 – Wiener Gewässer

Sie sind ökologisch wertvoll und für Fauna und Flora wichtig und dienen heute wie damals den Wienerinnen und Wienern zur Erholung und Freizeitnutzung.
 

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