Das Demontage- und Recyclingzentrum ist ein sozialökonomischer Betrieb. Alte Elektrogeräte wie dieser Staubsauger werden hier zu neuen Produkten oder Rohstoffen. © PID/Fürthner

stadtUNbekannt: Ein neues Leben für alte Elektrogeräte

Entdecken Sie mit unserer Serie stadtUNbekannt das Demontage- und Recycling-Zentrum. Hier werden nicht nur alte Elektrogeräte repariert und Rohstoffe gewonnen, man gibt auch Menschen die Chance, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Fast versteckt liegt das Demontage- und Recycling-Zentrum der Wiener Volkshochschulen in der Penzinger Vogtgasse. Pünktlich um neun Uhr morgens biegt ein mit Waschmaschinen und Geschirrspülern beladener Lkw durch die enge Gasse in den Innenhof des DRZ ein.

Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt

Dieser und alle anderen Lkws kommen von den Wiener Mistplätzen, die Hauptvertragspartner des DRZ sind. "Hier im DRZ werden Altelektrogeräte entweder repariert, recycelt oder zu neuen Produkten wie Schmuck oder Notizblöcken verarbeitet", sagt Katharina Lenz, Forschung und Entwicklung. Das DRZ gibt es seit 2003 und es ist ein sozialökonomischer Betrieb. Unser Hauptdaseinszweck ist die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Menschen, die längere Zeit ohne Arbeit waren, haben hier auch die Chance, sich wieder an einen regelmäßigen Arbeitsalltag zu gewöhnen. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter betreuen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei allen möglichen Problemen, Herausforderungen und Schwierigkeiten, von Obdachlosigkeit über Zahnregulierung bis hin zu Schulden und Kindergeld. Wir bieten auch Unterstützung bei Behördengängen und Deutschkurse an", sagt Lenz.

Umweltfreundlich und sozial

Jeden Tag werden hier sechs Tonnen an Material verarbeitet, insgesamt 1.500 Tonnen im Jahr. 95 Prozent davon werden recycelt. Verantwortlich dafür sind 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 18 davon sind fix angestellt, wie zum Beispiel Katharina Lenz, die Shopleiterin Sabine Reinprecht, die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie die Geschäftsführerin Elisabeth Smith. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Werkstätten und im Demontagebereich starten mit einem achtwöchigen Arbeitstraining. Wenn es danach für beide Seiten passt, bleiben die Arbeitskräfte für sechs Monate im DRZ. Diesen Status haben die meisten, von den Fahrerinnen und Fahrern bis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den diversen Werkstätten. Bei der Suche nach einem fixen Arbeitsplatz werden sie alle durch Sozialarbeit und Outplacement im DRZ unterstützt.

Lieferung vom Mistplatz

"Wir holen selbst jeden Tag die Elektrogeräte bei den Wiener Mistplätzen ab", sagt Lenz. Kleinere Geräte wie Laptops oder DVD-Spieler werden in Gitterboxen geschlichtet, große, wie etwa Waschmaschinen, auf Paletten. Die Ladung der beiden Lkws ist bunt gemischt. Neben Geschirrspülern und Großkopierern wie man sie aus Büros kennt sieht man Boiler, alte Telefone, aber auch Flachbildfernseher. Abgeladen wird mithilfe eines Hubwagens, der Weitertransport in die Halle erfolgt dann mit Gabelstaplern.

"Wir arbeiten mit sämtlichen Elektrogeräten", erklärt Lenz. "Einzige Ausnahme sind Röhrenbildschirme und Kühlschränke. Aufgrund der speziellen Schadstoffe und Gase werden diese nur in eigenen Anlagen recycelt. Dafür haben wir hier nicht die Voraussetzungen."

Jede Palette und jede Gitterbox wird gewogen, um einen Überblick über die Gesamtmenge zu haben. Danach startet die erste Abteilung ihre Arbeit: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterziehen jedes einzelne Gerät einem Check. Zuerst wird geschaut, ob Geräte noch zu reparieren sind. Falls ja, kommen sie in die "ReUse"-Abteilung, so heißt die Reparaturwerkstatt. Falls nicht, geht es für Waschmaschine, VHS-Recorder oder Mikrowelle weiter zur Demontage. Bei der Selektion werden außerdem sämtliche Kabel abgezwickt. Sowohl Kabel als auch Stecker werden aufbewahrt und später recycelt.

Schadstoffe werden aussortiert

In der Demontage geht es darum, Geräte in ihre Einzelteile zu zerlegen. Diese werden dann als Rohstoffe verkauft. Es gibt Eisen, Nichteisenmetalle wie Aluminium und Kupfer, Plastikschrott sowie Misch-Schrott. Auch Leiterplatten werden ausgebaut und weiterverkauft. Eine Hauptaufgabe der Demontage ist der Ausbau von Schadstoffen. Kondensatoren, Batterien, Lampen, LCD-Displays und alle weiteren Einzelteile, die Stoffe beinhalten, die gesundheits- oder umweltschädlich sind, werden in speziellen Boxen gelagert und Recyclingfabriken übergeben. Der Ausbau der Schadstoffe erhöht übrigens auch den Wiederverkaufswert der restlichen Teile.

In der "ReUse"-Abteilung wird repariert. "Alle Geräte, die wieder funktionstüchtig gemacht werden können, werden entweder hier im hauseigenen Shop, beim 48er-Tandler oder auf Internetplattformen verkauft", sagt Lenz. Die Werkstatt im zweiten Stock arbeitet auf Hochtouren an kleineren Druckern, Laptops, Kameras, Autoradios und vielem mehr. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat ihre beziehungsweise seine eigene Arbeitsstation. Marian Jezewski werkt gerade an einem Plattenspieler mit Kassettendeck und Radio. "Das ist ein wunderschönes altes Gerät", sagt Jezewski. Wenn er die Reparatur fertig hat, kann das Stück wieder verkauft werden. Falls die Reparatur nicht gelingt, werden nützliche Teile wie Nadeln oder Spulen aufgehoben, der Rest wird entsorgt.

Design aus Schrott kommt gut an

Ein Stockwerk tiefer befindet sich die hausinterne Kreativabteilung, das sogenannte "trash_design". Hier landen all jene Teile, mit denen das DRZ kreativ werden kann. "Upcycling" nennt man das Herstellen neuer Produkte, die aus Altwaren produziert werden. Aus Waschmaschinenbullaugen werden hier Schüsseln gemacht, aus Kabeln Halsketten, aus den Buchstaben aussortierter Tastaturen Schlüsselanhänger und aus alten Vinylplatten zaubern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei "trash_design" Wanduhren.

Der Produktpalette sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Aktuell arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Notizbüchern, die aus alten Acht-Zoll-Disketten gebastelt werden. An einer Arbeitsstation werden Löcher in die Disketten gebohrt. Auf den Werkbänken werden sie dann geputzt und anschließend werden das Papier und die Spiralen, die alles zusammenhalten, eingezogen.

Die fertigen Entwürfe haben es nicht weit bis zum Shop, der sich ebenfalls im DRZ-Haus in der Vogtgasse befindet. "Die Notizbücher laufen sehr gut bei uns", sagt Sabine Reinprecht, Leiterin im Shop. "Der große Verkaufsschlager sind wahrscheinlich die Schüsseln aus Bullaugen. Die kommen sehr gut an." Im Shop finden sich außerdem Manschettenknöpfe aus Leiterplatten und Handyhalterungen, ebenfalls aus alten Disketten gebaut. Auch die Wanduhren aus Schallplatten sind beliebt. Verkauft werden diese in unbenutzten Pizzakartons, die das nachhaltige Shopkonzept vervollständigen.

Demontage- und Recycling-Zentrum in Wien