Die Ankeruhr ist eines der vielen Wiener-Merkmale. © PID/Christian Fürthner
Die weniger bekannte Rückseite der Uhr. © PID/Christian Fürthner
Die Brüder Kalivoda - seit über 20 Jahren für die Uhr verantwortlich. © PID/Christian Fürthner
Das Gitter schützt vor eindringenden Vögeln. © PID/Christian Fürthner
Helvetia-Vorstand Thomas Neusiedler mit "seiner" Uhr. © PID/Christian Fürthner
Ein Blick durch die Rückseite der Uhr. © PID/Christian Fürthner
Die Zeitanzeige in der Nahaufnahme. © PID/Christian Fürthner
Der Erbauer Franz von Matsch bei der Besichtigung seines Werkes. © Helvetia Versicherung
Bilder der Sanierung. © Helvetia Versicherung
So sah das Gebäude der Anker Versicherung nach Kriegsende aus. © Helvetia Versicherung

stadtUNbekannt Ankeruhr: Ein Symbol der Vergänglichkeit

Als die Ankeruhr vor über 100 Jahren erbaut wurde, war sie als Werbung und nicht als TouristInnenattraktion gedacht. Für die Serie "stadtUNbekannt" wurde ein Blick hinter die zwölf historischen Metallfiguren am Hohen Markt gewährt.

Zwei Glasschiebetüren, dunkler, steinerner Fußboden, eine Skulptur, eine Raumhöhe, die durch Fenster an der Decke noch imposanter erscheint, ein gläserner Lift und das Firmen-Logo als 3-D-Plastik: Das Gebäude der ehemaligen Anker-Versicherung empfängt uns in modernem Ambiente. Heute residiert hier die Helvetia Versicherung.

Im richtigen Stockwerk angekommen, werden wir in dem großzügigen Konferenzzimmer bereits erwartet. Zwar ist die Helvetia aus dem Jahr 2014, dem 100. Jubiläumsjahr der Ankeruhr, noch einiges an medialem Trubel gewohnt, ein Blick hinter die Kulissen wird trotzdem nur selten gewährt.

Ein Blick direkt hinter die Ankeruhr. © PID/Christian Fürthner

Nachhaltig

Am hinteren Ende öffnet sich eine unscheinbare Tür und gibt den Blick auf das "Allerheiligste" frei. Die Schienen, Figuren und Kette der weit über die Stadtgrenzen bekannten Ankeruhr. "Seit 2005 steht die Uhr unter Denkmalschutz. Wir sind stolz und froh, in so einem geschichtsträchtigen Haus zu residieren", erklärt Helvetia-Vorstand Thomas Neusiedler. Als ältestes Haus am Platz habe man natürlich eine gewisse Verpflichtung und deshalb zwischen 2003 und 2005 eine Generalsanierung realisiert.

Wir wollen wissen, ob und wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Ankeruhr überhaupt wahrnehmen, wenn sie täglich daran vorbeikommen. Die Antwort erstaunt wenig. "Natürlich, immerhin hört man sie in knapp zwei Drittel der Büros. Und wenn man morgens ins Büro kommt, stehen fast immer schon Menschen auf dem kleinen Vorplatz und blicken zur Uhr hinauf", lässt uns Gerald Sabath, Facility Manager des Hauses und damit für die Uhr verantwortlich, wissen.

Im Nachsatz verrät er uns auch sogleich das erste Geheimnis: So richtig richtig tickt die Uhr nämlich nicht. Sie ist zwar pünktlich, allerdings pünktlich sieben Minuten zu früh oder zu spät. Schuld daran ist die Kette.

Seit über 100 Jahren im Dauereinsatz - die Kette. © PID/Christian Fürthner

100 Jahre alt

Denn die Kette ist eines jener Teile, welches seit der Fertigstellung der Ankeruhr 1914 noch nicht ausgetauscht worden ist. Ein "Wiener Original" sozusagen. Ihre Länge wird eigentlich mit 24 Metern angegeben. Eigentlich, denn abhängig vom Wetter und der Temperatur kann die Länge zwischen sieben und zehn Zentimetern schwanken. "Heute würde man die Uhr wohl ohne Kette bauen und die Figuren einzeln ansteuern. Damals jedoch war sie sicher State of the art", erklärt Arno Kalivoda, seines Zeichens Uhrmachermeister und seit über 20 Jahren für die Ankeruhr verantwortlich.

Vor allem die Mischung der einzelnen Handwerke, die benötigt werden, um sie am Laufen zu halten, mache die Uhr interessant. Gefragt sei eine Mischung aus "Uhrmacher, Schlosser und Mechaniker", erklärt Kalivoda, der durch seine Vorbildung in einer HTL alle Voraussetzungen mitbringt.

Es rattert kurz im Hintergrund. Wenn sich die Kette einen Zahn weiterbewegt, hört man stets die Bewegung der Kette. Der "Klack" signalisiert, dass die richtige Position gefunden und die Figuren in ihren Positionen eingerastet sind.

Die ursprüngliche Dampforgel ist nicht mehr erhalten. © Helvetia Versicherung

Die Moderne hält Einzug

Nicht minder bekannt ist die Ankeruhr für die zwölf Lieder, die immer pünktlich zur Mittagsstunde ihre zugeordneten Figuren musikalisch begleiten.

Seit dem Jahr 2000 kommen die 1978 aufgenommenen Musikstücke von der Speicherkarte. Davor gab es ab 1958 eine Musikanlage mit Tonband. Ursprünglich jedoch fanden im Raum über der Uhren-Mechanik 1.000 Orgelpfeifen Platz. Damals lieferte die größte Dampforgel Europas in der sogenannten Orgelstube selbstständig Ton für Ton. Falls zu speziellen Anlässen doch einmal andere Musikstücke gespielt werden sollten, war die Orgel auch manuell bedienbar.

Dass die Dampforgel in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr existiert, ist allerdings hauptsächlich den Wirren des Kriegsendes 1945 geschuldet. So vermutet man, dass Sprengungen der Tresorräume durch russische Truppen dafür verantwortlich waren, dass es zu einem Großbrand kam, welcher das Gebäude nahezu komplett in Schutt und Asche legte. Erst 13 Jahre später wurde die Uhr dann wieder restauriert und funktionstüchtig, erzählt Gerald Sabath mit jener Leidenschaft, die sich nicht zuletzt im tadellosen Zustand der Ankeruhr widerspiegelt.

Die Ankeruhr ist eines der meistfotografierten Bauwerke Wiens. © PID/Christian Fürthner

Symbolkraft

Als vor mehr als 100 Jahren Professor Franz von Matsch den Zuschlag erhielt, eine Kunstuhr im Ankerhof zu gestalten, war dies beileibe kein Zufall. Matschs Entwurf traf sowohl den damaligen Zeitgeist als auch die Intention seines Auftraggebers, der Anker Versicherung.

Neben den heute noch sichtbaren "Hinweisen" wie die Bilder eines Kindes oder eines Totenkopfs steht die Uhr an sich bereits für das Wesen einer Versicherung. Denn eine Uhr ist ein sichtbares Zeichen der Vergänglichkeit: Zeit als begrenzt zur Verfügung stehendes Gut vermittelt unterschwellig eine Notwendigkeit zur Vorsorge. Vorsorge in Form einer Versicherung.

So schuf Franz von Matsch nicht nur eines der bekanntesten Wiener Wahrzeichen, sondern gleichzeitig eine zeitloses "Werbemittel" von unschätzbarem Wert. Bester Beweis: Unmittelbar nachdem wir das Haus verlassen haben, hören wir am anderen Ende des Platzes ein Klicken und Surren. Diese Geräusche gehören zu den unzähligen Kameras und Smartphones der Touristinnen und Touristen, die Bilder der Ankeruhr quer über den Globus verteilen.

Video: Ankeruhr

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