Das neue Allianz Stadion in Hütteldorf. Die Bauzeit betrug 17 Monate. © SK Rapid

Rapids neue Fußball-Kathedrale

Glaube. Hoffnung. Liebe. Dafür brauchen Fußball-Fans Stätten der Hingabe. Sankt Hanappi war eine und das neue Allianz Stadion ist es noch mehr. stadtUNbekannt war mit Stadion-Manager Harry Gartler auf Entdeckungstour.

Stadionmanager Harry Gartler
Für Harry Gartler war der Stadionbau der Höhepunkt seiner Karriere. © A. Wiklund

Harry Gartler tritt hinaus auf den grünen Rasen des Allianz Stadions und zeigt auf einen einsamen Flutlichtmast gegenüber. Er ist die einzige Erinnerung an die legendäre Spielstätte "Sankt Hanappi". Eine Reliquie sozusagen. Er fungiert nicht mehr als Lichtquelle. Auf ihm ist, hoch oben, eine Webcam montiert, die tagsüber alle fünf Minuten ein Bild von der neuen Fußball-Kathedrale liefert.

Die neue Rapid-Arena entstand direkt an der alten Spielstätte. Die Adresse daher: "Gerhard-Hanappi-Platz 1". Harry Gartler war Projektleiter des Neubaus, der in nur 17 Monaten mit einem finalen Gesamtbudget von rund 54,5 Millionen Euro über die Bühne ging. Er ist in Rapids Vereinsfarben Grün und Weiß gehalten und ein Stadion der UEFA-Stadionkategorie 4. Damit dürfte Rapid sogar das Champions League Finale durchführen.

Baustelle Allianz Stadion
Auf der Baustelle arbeiteten an Spitzentagen bis zu 470 Mann. Insgesamt waren es eine Million Arbeitsstunden. © SK Rapid

"Die neue Arena steht endlich so, wie das Weststadion immer hätte stehen sollen." Um 180 Grad gedreht. Die Spielachse Nord-Süd. "Im Hanappi-Stadion wurde der Tormann von der im Westen untergehenden Sonne stets geblendet. Das war übrigens meistens der Rapid-Keeper! Da Rapid traditionell die zweite Halbzeit auf die Westtribüne gespielt hat."

Moderner Hexenkessel

Das Allianz Stadion bietet Platz für bis zu 28.000 Fans. Das sind rund 11.000 Plätze mehr als im Gerhard-Hanappi-Stadion. Es ist ein geschlossenes Ein-Rang-Stadion. Das ermöglicht eine größere Zuschauerinnen- und Zuschauerkapazität und eine stark verbesserte Akustik. Das Hanappi-Stadion hatte offene Ecken. Ein Teil der Stadionatmosphäre verpuffte ungehindert nach draußen. Für manche Anrainerinnen und Anrainer eine Lärmbelastung. Apropos Getöse: die Stadiondurchsagen erschallen aus 1.100 Lautsprechern.

Die Heimtribüne Block West bietet 8.000 Stehplätze. © Ecker und Partner/APAFotoservice/Schedl

Die 20 Meter hohen Tribünen fallen relativ steil zum Spielfeld ab. Die Fans sind damit nahe am Geschehen, viel näher als etwa im Ernst-Happel-Stadion, wo eine Laufbahn Spielfeld und Fansektoren trennt. Der "Block West" ist die Heimtribüne. Sie hat 8.000 Stehplätze. Doch bei internationalen Spielen dürfen nur 4.500 Fans auf die Ränge. "Bei internationalen Spielen sind keine Stehplätze erlaubt. Daher sind beim 'Block West' in Eisenkästen Sitze eingelassen, die nach oben aufklappbar sind."

luftaufnahme Allianz Stadion
Die 100 Meter lange Röhre unter der Haupttribüne macht das Stadion architektonisch einzigartig. © SK Rapid

Es geht weiter zur Haupttribüne, die über einer gewaltigen Betonröhre liegt. Sie hat einen Durchmesser von 20 Metern. Auf mehreren Ebenen beherbergt sie Verwaltung, Museum und Fanshop des Vereins, 41 VIP-Logen, Flash-Zone, Catering-Räume und die Spielerkabinen. Die Fassade der Röhre hin zur Keißlergasse macht das Stadion unverwechselbar. Denn sie ist dem Wappen von Rapid nachempfunden.

Rapid-Logo auf der Fassade
Das Logo auf der Fassade der Röhre hat vier Meter hohe Buchstaben. © A. Wiklund

Das entstand bereits 1899, als der "1. Wiener Arbeiter Fußball-Club" in "Sportklub Rapid" umbenannt wurde. Die ursprünglichen Vereinsfarben Rot und Blau wurden damals in das neue, grün-weiße Wappen integriert. Auf dem 300 Quadratmeter großen Logo sticht der 15 Meter lange, rote Rapid-Schriftzug heraus.

Stiller Ort der Andacht

Das Allianz Stadion hat noch weitere Besonderheiten: Zum Beispiel einen Andachtsraum für alle Konfessionen und eine Innovation für Dopingkontrollen.

Rapid Kapelle
Die "Rapid Kapelle": eine Stätte der Besinnung unter der Haupttribüne. © A. Wiklund

Harry Gartler nimmt den Gang Richtung Spielerkabinen. "Viele sagen, Rapid sei für sie eine Religion. Eine Glaubensgemeinschaft. Eine große Familie." Ein Andachtsraum ist da wohl die logische Antwort darauf.
Die Rapid-Kapelle ist ein schlichter Raum, der in verschiedene Farben getaucht werden kann. In einem Eck steht eine kleine Figur von Luigi Scrosoppi. Er ist der "Schutzheilige der Fußballer". Sein Name startet mit den Buchstaben SCR. Für Rapid-Fans so etwas wie Fügung.

Figur von Luigi Scrosoppi
Himmlischer Beistand: Luigi Scrosoppi ist seit 2001 ein Heiliger und seit 2010 "Schutzheiliger der Fußballer". © A. Wiklund

Pro Woche erreichen den Verein rund fünf Anfragen von Fans, die im Stadion eine Taufe oder Hochzeit samt Festessen zelebrieren wollen. Harry Gartler: "Das ist aus organisatorischen Gründen aber nur an spielfreien Tagen möglich."

Auf derselben Stadion-Ebene befindet sich die Dopingkontrolle. Ein Arzt überwacht dabei zwei in der Pause ausgeloste Spieler bei der Abgabe der Urinprobe, um Manipulation auszuschließen. "Das Über-die-Schulter-Schauen ist für die Spieler äußerst unangenehm. Daher haben wir eine Toilette mit Glaswand gemacht. Der Mediziner wahrt einen gewissen Respektabstand. Das gibt es meines Wissens in keinem anderen Stadion der Welt."

Klo für Dopingkontrolle
Rapids transparente und innovative Lösung für stressige Dopingkontrollen. © A. Wiklund

Im Vorraum hängt ein Flachbildschirm. "Er soll die emotional noch aufgewühlten Spieler von der Dopingkontrolle ablenken. Wir zeigen Bilder vom Match und die Nachberichterstattung."

Heiligtum Mannschaftskabine

Gleich ums Eck sind die geräumigen, aber schlicht eingerichteten Mannschaftskabinen. An der Wand prangt: "Rapid ist Geschichte, werde ein Teil von ihr." Jeder Spieler hat am Umkleideplatz einen Mini-Safe für Wertgegenstände. Hofmann hat einen Eckplatz. An seiner Seite sind Schaub und Jelic. Die Mannschaft nutzt den Raum nur an den rund 25 Match-Tagen. Denn alle Teams des Vereins trainieren im Rapid-Trainingszentrum beim Ernst-Happel-Stadion. Für seine Errichtung war Harry Gartler zuständig. "Die beiden Trainingsplätze beim Allianz Stadion verwenden die Nachwuchsteams für ihre Heimspiele."

Spielerkabine im Allianz Stadion
Die Spielerkabinen sind überraschend schlicht eingerichtet. © Osram

Der einzige Luxus für die Spieler ist ein Whirlpool und eine Soundanlage. Beide Spielerkabinen haben TV-Flachbildschirme und Klimaanlage. "Die für den Gegner haben wir aber bislang noch nie eingeschaltet", scherzt Gartler.

Im Dienste der Sicherheit

Ständig in Betrieb ist die Sicherheitszentrale. Der Video-Operator hat Zugriff auf 126 Kameras, davon sind 106 im Innen- und 22 im Außenbereich.

Videoüberwachung: Zugriff auf 126 Kameras in und vor dem Stadion. © A. Wiklund

"Wir sehen damit alles, was sich im und rund um das Stadion abspielt. Das IT-Netzwerk des Stadions kann aber mehr. 220 WLAN Access Points machen möglich, dass alle Fans gleichzeitig ins Netz könnten. "Ich bin an Spieltagen für die Stadionsicherheit verantwortlich.

Für den Notfall haben wir ein dynamisches Entfluchtungskonzept entwickelt. Damit können wir das Stadion in 15 Minuten räumen." Der technische Leiter kann auch die Rasenheizung und die Bewässerungsanlage steuern. "Unter dem Hauptspielfeld ist eine Zisterne, die große Mengen an Regenwasser sammelt. Damit gießen wir das 88 mal 105 Meter große Spielfeld. Somit kostet uns der Wasserverbrauch nichts."

Techniker werkt an Halogenscheinwerfer
Perfekte Lichtverhältnisse mit 188 Halogenscheinwerfern. © Osram

Auch die neue Flutlichtanlage von Osram am Dach wird am Laptop eingeschaltet. Es sind 188 Halogenscheinwerfer mit einer Stärke von je 2.000 Watt. Spezielle elektronische Vorschaltgeräte sorgen für "flickerfreies Licht". Diese Technologie wird erstmalig in einem Stadion in Österreich eingesetzt.
"Früher haben wir durch die Höhe der Masten immer den halben 14. Bezirk bestrahlt. Heute ist nur mehr das Spielfeld ausgeleuchtet. Die Lichtemissionen bleiben im Stadion."

Bei der Planung war auch die energiesparende LED-Technik im Gespräch. Doch sie kostet rund das Fünffache des konventionellen Flutlichts. "Wir haben pro Saison maximal 25 Spiele. Dabei ist das Licht vier Stunden aufgedreht. Wir haben uns das durchgerechnet, es hätte sich erst in rund 110 Jahren amortisiert."

Stadion innen
Das Flutlicht ist insgesamt rund 100 Stunden im Jahr in Betrieb. © SK Rapid

Auf Innovation setzt Rapid lieber beim kulinarischen Angebot. An den 21 Kiosken sorgt das bargeldlose Bezahlsystem Rapid-Mari€ für raschere Abwicklung. Auch der Bier-Jet beim "Block West" ist eine einfallsreiche Lösung. Der Automat kann in sieben Sekunden sechs Krügerl abzapfen. Mit Alkohol beim Ligaspiel, ohne im Europacup. Nicht alle Fans sind vom Computer überzeugt. Vom neuen Stadion aber schon. 

Video: stadtUNbekannt Allianz Stadion

Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde das einstige Hanappi-Stadion wieder eröffnet. Die Allianz ist neuer Namensgeber und Tausende Fans bekamen eine moderne Sportstätte fürs runde Leder. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Nicht nur für Rapid-Fans spannend ;-) © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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