Nadja Lukavsky macht ihren Job in der Rudolfstiftung mit Leidenschaft und Einfühlungsvermögen. © PID/David Bohmann

 

Zu jedem Notfall eine Idee

In der Anästhesie und Intensivmedizin ist schnelles Handeln gefragt. Das kann stressig sein, rettet aber Leben. Ärztin Nadja Lukavsky (48) macht ihren Job in der Rudolfstiftung mit Leidenschaft und Einfühlungsvermögen.

CLUB WIEN: In der Intensivstation ist eine Menge los. Wie schaffen Sie es, ruhig zu bleiben?

Nadja Lukavsky: Das ist in meinem Bereich, der Anästhesie und Intensivmedizin, eine Voraussetzung. Wer schreckhaft ist, sollte sich ein anderes Fach suchen. "Hands on" lautet die Devise. Im Ernstfall kommt es auf die schnelle und natürlich richtige Reaktion an. Schnell handeln ist gefragt, man muss zu jedem Notfall eine Idee haben.  

Welche Fälle sind das hier?

Wir führen sehr oft neurochirurgische Operationen durch – vom Bandscheibenvorfall bis zur Schädel-OP. Nach einer Operation bleiben die Patientinnen und Patienten bei uns, bis sie wieder stabil sind. Das kann bei einem zehnstündigen Eingriff am Gehirn schon ein paar Tage dauern. Auch nach großen Bauch-Operationen, wenn wir zum Beispiel Tumore entfernen, bleiben die Operierten eine Zeit lang hier. Und natürlich gibt es auch Fälle, wo wir über viele Wochen beatmen müssen und nicht klar ist, ob wir Erfolg haben werden. Das sind belastende Situationen für die Angehörigen.

Wie können Sie da helfen?

Ich versuche immer ehrlich zu sein. Von einem "Das wird schon wieder" hat niemand etwas, wenn es nicht stimmt. Und es gibt Fälle, da weiß man schon, dass die oder der Kranke nie mehr selbst atmen, aufwachen oder gar sprechen wird. Da haben wir im Team und in Absprache mit den Angehörigen die schwierige Aufgabe, die weitere Behandlung anzupassen. Das kann auch sein, dass wir das Therapieziel ändern und sie oder ihn langsam gehen lassen müssen. So wie es zu Hause auch passiert wäre – im Beisein der Familie und ganz friedlich. Es gibt kein Leben ohne den Tod.

Können Sie mit neuen technischen Möglichkeiten mehr ausrichten?

Die Medizin entwickelt sich rasant. Gerade die Anästhesie ist ja ein sehr junges Fach, da hat sich viel getan. Wer schon einmal eine Narkose mit Äther hatte, kennt den Unterschied zu den niedrig dosierten und gut steuerbaren Mitteln von heute. Die Narkosen werden als angenehme Traumphasen empfunden. Moderne Beatmungshilfen und bessere Überwachung sind gut in der Handhabung für die Ärztinnen und Ärzte, verbessern die Sicherheit und sind angenehmer für die Patientinnen und Patienten. Aber Wunder gibt es trotz modernster Technik und bester ärztlicher Hilfe auch in der Medizin nicht.   

Was ist das Spannende an der Anästhesie?

Man muss einem Menschen helfen, der gerade nicht sagen kann, was ihm fehlt und ob er Schmerzen hat. Das ist eine Herausforderung. Ursprünglich wollte ich mit alten Menschen arbeiten. Ich war als Kind oft bei meinen Großeltern, das hat mich geprägt. Im Turnus war ich dann auf einer Intensivstation und wusste schnell: Da bin ich richtig. Ich habe Freude bei der Arbeit, ein tolles Team und immer wieder lustige Momente mit Patientinnen und Patienten. Wenn jemand mit einem breiten Grinsen aus der Narkose aufwacht, habe ich alles richtig gemacht. Und ich habe in der Aufwachstation auch schon Heiratsanträge bekommen. Ob aus Erleichterung oder wegen der Narkosemittel? Egal!