Marco David hat Freude daran, wenn er die BewohnerInnen des Pflegeheims aktiv unterstützen kann. Hier bastelt er zusammen mit Eleonore Herbster. © PID/David Bohmann

 

Beruf mit Zukunft

Wenn sich Marco David (38) am frühen Morgen auf sein Motorrad schwingt, liegt die Stadt noch in tiefem Schlaf. Für den stellvertretenden Leiter der Demenzstation "Altes Landgut" im Pflegewohnhaus Innerfavoriten beginnt bereits der vielfältige Arbeitstag.

CLUB WIEN: Warum haben Sie sich für den Beruf als Gesundheits- und Krankenpfleger entschieden?

Marco David: Tatsächlich habe ich mich erst im zweiten Anlauf dafür entschieden. Ich habe Gärtner gelernt, konnte mich mit meiner Berufswahl aber nicht vollends identifizieren. Meine Mutter hat zu dieser Zeit selbst als Kinderkrankenschwester gearbeitet, also lag die Entscheidung zur zweiten Ausbildung wohl recht nahe. Ich habe rasch bemerkt: Diese Arbeit liegt mir sehr. Ich sehe es als große und spannende Aufgabe, mit betagten Menschen zu arbeiten, die jeweils ihre ganz eigene Geschichte mit sich bringen.

Ist die Arbeit mit dementen Menschen eine besondere Herausforderung?

Gerade bei Menschen mit Demenz sind die professionelle Pflege und Betreuung sehr wichtig. Mit Methoden wie der Validation, das heißt der positiven Wahrnehmung und Akzeptanz der Vorstellungswelt der Menschen, kann man viel erreichen. So kann ich den Betroffenen dabei helfen, ihren neuen Lebensabschnitt besser zu meistern. Biografiearbeit, Physiotherapie, Bewegungsangebote und Gedächtnisübungen unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner geistig und körperlich. In unserem Haus hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit einen sehr hohen Stellenwert.

Was mögen Sie an Ihrem Job ganz besonders?

Das ist definitiv der Kontakt mit Menschen. Jeder Tag hält neue Herausforderungen bereit: Da geht es einerseits um pflegerische Themen unserer 24 Bewohnerinnen und Bewohner, andererseits um administrative Aufgaben. Es gilt, Dienstpläne zu verwalten, Krankenstände auszugleichen und technische Probleme zu lösen. Als stellvertretender Leiter bin ich auch eine Ansprechperson für Kolleginnen und Kollegen sowie Angehörige, die einen lösungsorientierten Gesprächspartner suchen. Unsere Arbeit kann in vielerlei Hinsicht belastend sein.

Das heißt, eine gewisse Belastbarkeit ist eine Grundvoraussetzung?

Ja, aber das ist wohl in den meisten Berufen so. Da es sich im Pflegeberuf oft um einen Schichtdienst handelt, gilt es auch, das persönliche Umfeld und die Dienstzeiten miteinander in Einklang zu bringen. Was im Pflegewohnhaus noch hinzukommt: Man betreut Menschen oft über Jahre hinweg. Da gilt es, die Balance zwischen menschlicher Nähe und professioneller Distanz zu finden. Es ist immer schwer, Menschen gehen zu lassen.

Würden Sie Ihrem Kind raten, diesen beruflichen Weg einzuschlagen?

Wenn es empathisch ist, Geduld hat und wissbegierig ist: ja. Die Pflege ist ein Beruf mit Zukunft, der viel Verantwortung mit sich bringt. Es ist ein sicherer Job und es gibt tolle Weiterbildungsmöglichkeiten. Aber vor allem: Es ist ein Beruf mit Sinn.