18.DEZEMBER 2019 
Specials
Radiologietechnologin Elisabeth Hinterleitner hegt seit Ihrer Kindheit großes Interesse an der Medizin. © PID/David Bohmann

Die Kraft der Strahlen

Radioaktiv markierte Arzneimittel liefern Daten, um Tumore oder Entzündungen im Körper zu finden. Elisabeth Hinterleitner (29) hat als Radiologietechnologin die Aufgabe, die Substanzen zu mischen und die nuklearmedizinische Untersuchung durchzuführen.

CLUB WIEN: Sie arbeiten mit Strahlung. Ist das gefährlich?

Elisabeth Hinterleitner: Nein, wir haben eine ganze Menge Sicherheitsvorkehrungen. Zum Beispiel trage ich ein Ringdosimeter und ein Rumpfdosimeter, die die Strahlung messen, der ich ausgesetzt bin. Die Strahlungsmengen sind grundsätzlich sehr gering und wir arbeiten bei der Anreicherung der Substanzen in einer sogenannten „Heißen Zelle“, die die Radioaktivität abschirmt. Trotzdem muss ich natürlich vorsichtig sein und genau arbeiten. Wichtig ist, die Patientinnen und Patienten gut aufzuklären: darüber, wie die Untersuchung abläuft, und dass sie zum Beispiel nach der Untersuchung einen Tag lang von Schwangeren und Kindern Abstand halten sollen.

Welche sind Ihre Aufgaben als Radiologietechnologin?

Zuerst werden die Substanzen für jede Untersuchung individuell vorbereitet. Um Tumore zum Beispiel bei Lungenkrebs sichtbar zu machen, wird ein radioaktiv markierter Zucker verwendet. Diese Mischung fülle ich in eine Spritze und bereite sie für die Patientin oder den Patienten vor. Nachdem die Flüssigkeit gespritzt wurde, müssen die Patientinnen und Patienten in vielen Fällen rund eine Stunde warten und ruhig liegen, bis sich alles im Körper gut verteilt hat. Dann werden sie in den PT-CT geschoben, wo die Bilder gemacht werden. Das dauert rund 20 Minuten. Zum Schluss bearbeite ich die Bilder, damit die Ärztinnen und Ärzte eine Diagnose stellen können.

Das klingt alles sehr technisch …

Ja, ein gewisses technisches und physikalisches Verständnis braucht es schon. Außerdem dreidimensionale Vorstellungskraft. Trotzdem ist auch in diesem Beruf wichtig, gut mit Menschen umgehen zu können. Ich gehe so auf die Leute zu, wie ich es mir selbst wünschen würde. Wer positiv ist, bekommt das auch zurück.

Wie kam es zu Ihrer Berufsentscheidung?

Grundsätzlich hatte ich zwei große Interessen: Reisen und Medizin. Ich habe eine Zeit lang am Flughafen gearbeitet, später bei einem medizinischen Fachverlag. Ausschlaggebend für das Studium war dann eine Krebserkrankung in der Familie. Wir haben viel darüber geredet, auch über die Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung. Da war immer wieder die Rede von Radiologie. Ich habe die Aufnahmeprüfung geschafft, drei Jahre an der Fachhochschule studiert und gleich anschließend hier im Wilhelminenspital begonnen.

Fragen Sie die Patientinnen und Patienten, was Sie auf den Bildern sehen?

Ja, einige wollen das natürlich gleich wissen. Und das verstehe ich, sie wollen Klarheit über ihre Krankheit. Und natürlich kann ich ungefähr abschätzen, was da auf den Bildern aufleuchtet oder eben nicht. Aber ich bin keine Ärztin, darum kann und darf ich keine Diagnosen stellen.