18.DEZEMBER 2019 
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Intensivpflegerin Bettina Wachabauer hält dem hohen Stress jederzeit stand. © PID/David Bohmann

Jeden Tag Leben retten

In der Notaufnahme des AKH Wien geht es um Leben und Tod. Schlaganfälle, Herzinfarkte, Vergiftungen. Intensivpflegerin Bettina Wachabauer (30) liebt ihren Job. Und sie appelliert an die Patientinnen und Patienten: Die Notaufnahme ist für Notfälle da.

CLUB WIEN: Geht es in der Notaufnahme wirklich so dramatisch zu wie im Fernsehen?

Bettina Wachabauer: Über die medizinische Richtigkeit in den Serien lässt sich streiten. Aber was stimmt: Zu uns kommen Menschen in Notlagen, mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Vergiftung. Da gilt es, schnell und richtig zu reagieren. Du weißt nie, was während einem Dienst auf dich zukommt. Es gibt dramatische Situationen. Wenn ganz junge Menschen plötzlich eine Hirnblutung haben zum Beispiel. Wenn trotz erfolgreicher Reanimation das Gehirn bleibende Schäden behält. In solchen Fällen setzen wir uns alle im Team zusammen und reden darüber. Das hilft. 

Haben Sie durch Ihren Job ein entspanntes Verhältnis zum Tod?

Man schätzt es noch einmal mehr, gesund zu sein. Das kann sich schnell ändern, das sehe ich täglich auf der Station. Ich wünsche jedem Menschen, dass ihm langes Leid und Schmerz erspart bleiben. 

Wie gehen Sie mit Stress um?

Ein Stück weit wird Stress natürlich zur Gewohnheit. Notfälle vom Hubschrauberlandeplatz abholen, zu einem Herzalarm im Haus laufen, auf der Station reanimieren – manchmal komme ich kaum dazu, ein Glas Wasser zu trinken. Aber wahrscheinlich brauche ich die Action, das mag ich ja auch an meinem Job. Und natürlich gibt es auch ruhigere Tage. In meiner Freizeit gehe ich gern laufen in Schönbrunn oder im Prater. Das gibt mir die Ausdauer, die ich auch im Job brauche. 

Warum haben Sie diesen beruflichen Weg eingeschlagen?

Schon meine Puppen waren immer krank, das hat mir meine Mutter einmal erzählt. Bereits als Kind war für mich also klar: Ich gehe in die Krankenpflege. Besonders spannend ist für mich der Bereich der Intensivpflege und Anästhesie, für den ich die einjährige Zusatzausbildung gemacht habe. Reanimation ist überhaupt mein Schwerpunkt. Ich schule hier im AKH Wien auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Abteilungen in diesem Bereich.    

Gibt es etwas an Ihrem Job, das Sie gerne ändern würden?

Es ist wunderschön, dazu beitragen zu können, Leben zu retten. Zu sehen, wie glücklich die Angehörigen sind, wenn ihre Lieben alles gut überstanden haben. Was mich ärgert, ist Ressourcenverschwendung. Die Notaufnahme ist für Notfälle da, nicht für einen verschleppten Schnupfen. Ich würde mir wünschen, dass die Leute kurz nachdenken, wo sie mit ihrem Problem richtig sind: zum Beispiel bei der Hausärztin oder beim Hausarzt, in der Apotheke oder beim Ärztefunkdienst. Die telefonische Gesundheitsberatung unter 1450 kann da helfen. Das würde auch dazu beitragen, unnötige Wartezeiten in der Notaufnahme zu verhindern; und unserem Team helfen, damit es sich auf die echten Notfälle konzentrieren kann.