OP-Assistent Adrian Lucescu spricht immer mit ruhiger Stimme mit seinen Patientinnen und Patienten. © PID/David Bohmann

 

"Nur nicht aufhören zu lernen"

Mit seiner ruhigen Ausstrahlung sorgt OP-Assistent Adrian Lucescu (48) auch in Notfällen dafür, dass sich die Patientinnen und Patienten sicher fühlen. Jetzt macht der vierfache Familienvater noch eine weitere Ausbildung zum Röntgenassistenten.

CLUB WIEN: Warum haben Sie sich entschlossen, noch eine Ausbildung zu machen?

Adrian Lucescu: Ständig gibt es neue Techniken und Technologien, die uns dabei helfen, die Menschen auf ihrem Behandlungsweg zu begleiten und zu unterstützen. Ich bin mit Leib und Seele dabei und freue mich, wenn ich mich beruflich weiterentwickeln kann. Nur nicht aufhören zu lernen. Ich schätze die Möglichkeit der Weiterbildung sehr.

Wie lässt sich das mit dem Beruf vereinbaren?

Ich habe die großartige Möglichkeit, die Ausbildung in meiner Arbeitszeit zu machen. Bin also derzeit freigestellt, kann die Kurse besuchen und die Praktika absolvieren. Übrigens zeitgleich mit meinem Sohn, der sich gerade zum Gipsassistenten weiterbildet. Insgesamt gibt es sieben medizinische Assistenzberufe, für die die Ausbildung acht bis zehn Monate dauert.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Genauigkeit, Schnelligkeit, Empathie und physische Belastbarkeit sind schon sehr wichtig, wie auch die richtige ergonomische Technik, zum Beispiel beim Umbetten. Stress gibt es alltäglich und daher ist es nötig, Ruhe zu bewahren. Wenn du einer Patientin oder einem Patienten vor der Operation in die Augen siehst, ruhig mit ihr oder ihm sprichst, ist schon viel gewonnen. Durch den Augenkontakt und die Berührung bekommt der Mensch Sicherheit. Ich habe einen Grundsatz: Ich behandle alle Patientinnen und Patienten so, als wären sie Teil meiner Familie.

Wann haben Sie erkannt, dass Sie in diesem Job richtig sind?

Der späte Zivildienst beim Roten Kreuz – ich war schon 35 Jahre alt – hat mein Interesse geweckt. Eigentlich hatte ich Elektromechaniker gelernt und nach der Lehre dann als Kraftfahrer gearbeitet. Die Medizin war immer mein Traumberuf, ich habe aber keine Möglichkeit gesehen, diesen Wunsch umzusetzen. Die medizinischen Assistenzberufe sind eine gute Möglichkeit, auch für Spätberufene wie mich.

Was ist herausfordernd in Ihrem Beruf?

Ich bin Perfektionist – und es geht um viel bei einer Operation. Die Vorbereitung muss fehlerlos sein, damit die Ärztin oder der Arzt gut arbeiten kann. Spüllösungen und Desinfektionsmittel kommen in die sterilen Schalen, der Körper muss richtig gelagert sein, das Licht muss genau auf das Operationsgebiet fokussiert sein und alle medizinisch-technischen Geräte müssen angeschlossen werden. Vor dem Hautschnitt werden alle Geräte ein weiteres Mal kontrolliert. Das erfordert höchste Konzentration. Um meine Arbeit möglichst gut machen zu können, achte ich auf meinen Körper, betreibe Sport, esse gesund und schlafe ausreichend. Ich habe einen sehr geregelten Tagesablauf. Das hilft mir auch, den Schichtdienst gut durchzuhalten.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Jeder Tag, jede Operation ist anders. Ich hatte noch keinen Arbeitstag, der mir keine Freude gemacht hat. Ich stehe früh auf und habe eine recht lange Anfahrt aus dem Burgenland – die Zeit im Zug nutze ich zum Lesen. Auto gefahren bin ich lange genug.