Alte Steinmauern, ein ruhiger, besinnlicher Ort: Klicken Sie sich durch unsere Impressionen. © PID/Christian Jobst
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stadtUNbekannt Friedhof der Namenlosen: Ruhet in Frieden, Unbekannte

Entdecken Sie mit unserer Serie stadtUNbekannt einen von Wiens atmosphärischsten Orten: den Alberner Hafen mit dem Friedhof der Namenlosen.

Nur die Spinne war Zeuge. Bei unserem Besuch des Friedhofs der Namenlosen im Alberner Hafen herrscht eine beeindruckende Stille. Keine Seele weit und breit und totale Windstille geben dem Friedhof eine Aura der Ruhe. Nur eine erstaunlich große Spinne wartet geduldig in ihrem Netz, um dem Ort ein weiteres Opfer hinzuzufügen. Das einzige hörbare Geräusch verstärkt diesen Eindruck noch: Es ist das hypnotische Brummen der nahen Getreidesilos.

Der Friedhof der Namenlosen liegt inmitten des Albener Hafens, im 11. Bezirk, Stromkilometer 1.918, dort wo der Donaukanal in die Donau mündet. Einstige Ruhestätte von Gesichtslosen, Unbekannten und einsamen Seelen.

Die kleine Kapelle ist das einzige Bauwerk am Friedhof der Namenlosen. © PID/Christian Jobst

Die erbarmungslose Donau

Der Friedhof der Namenlosen besteht aus einer kleinen Kapelle und ein paar Dutzend Grabsteinen. Dass genau hier, inmitten des Alberner Hafens, eine Ruhestätte ist, haben nicht die Menschen, sondern die Gezeiten entschieden. Viele Jahre lang schwemmte die gnadenlose Strömung der Donau an diesem Platz Wasserleichen an. Heute ist das aufgrund generell erhöhter Sicherheit und den vielen künstlichen Veränderungen an der Donau nicht mehr so. Damals aber fand man etliche Leichen vor, die niemand kannte und deren Herkunftsort oft rätselhaft war, was dem Friedhof auch seinen Namen verlieh.

Mehr als 600 Personen fanden am Friedhof der Namenlosen ihre letzte Ruhestätte. © PID/Christian Jobst

Geister der Vergangenheit

Da auch Unbekannte einen würdigen Ruheplatz verdienen, wurden sie anonym beerdigt. Heute sind über 600 Personen hier zur Ruhe gebettet. Obwohl die letzte Bestattung in den 1930ern stattfand, pflegt der Hafen Wien den Ort noch heute. Jährlich wird zu Allerseelen ein Blumenstrauß zu Ehren der Toten die Donau entlanggeschickt. Doch ganz einsam sind die Ruhenden nicht. Zum einen gibt's immer wieder Schaulustige, die vorbeikommen, um diesen einzigartigen Ort zu sehen. Zum anderen gibt es Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Toten zu identifizieren. Einige der Gräber tragen heute Namen, etwa jenes von Karl Leeb, der 1939 beim Hafenbau sein nasses Ende fand. Man kann heute durch die Reihen gehen und den Matrosen, Bauarbeitern und ja, auch Mordopfern, Respekt zollen. Zu verdanken ist dies vor allem dem bereits verstorbene Totengräber Josef Fuchs. Er betreute den Friedhof mit großer Sorgfalt. Während seiner Zeit als Totengräber recherchierte er nach vielen Identitäten angeschwemmter Wasserleichen und konnte so einigen Namenlosen ihren Namen zurück geben. Er wurde für seine ehrenamtlichen Dienste von der Stadt Wien mit dem Goldenen Verdienstzeichen geehrt. Seit dessen Tod im Jahr 1996 kümmert sich sein Enkelsohn mit ebenso großer Sorgfalt um den Friedhof.

Ein Gedicht das die Art des Friedhofs beschreibt findet man auf einer Gedenktafel. © PID/Christian Jobst

Stimmung ohnegleichen

Interessant ist der Ort übrigens auch für Fotografinnen und Fotografen. Jene mit einer leichten Vorliebe für das Makabre werden hier, auf diesem winzigen Friedhof, mit stimmungsvollen Schnappschüssen belohnt. Und ein bisschen makaber darf's bei uns Wienerinnen und Wienern ja bekanntermaßen gerne sein. Wieder andere wollen vielleicht einfach nur in Ruhe meditieren. Einen Ort, der besser dafür geeignet ist, der Welt zu entkommen und über die eigene Existenz zu sinnieren, gibt's wohl nicht so schnell. Ein kleines Gedicht auf einer Gedenktafel am Eingang fasst die Stimmung hier gut zusammen:

"Still ist's in den weiten Auen,
selbst die Donau ihre blauen Wogen hemmt.
Denn sie schlafen hier gemeinsam,
die, die Fluten still und einsam,
angeschwemmt."

Nebenan: Wiens Kornkammer

Rund um den Friedhof geht die Welt ihren gewohnten Gang. Der Alberner Hafen ist bekannt dafür, Wiens Getreidekammer zu sein. Hier gibt es vier große Silos und fünf Getreidespeicher, die eine Kapazität von 90.000 Tonnen haben. Die Chancen, dass auch Ihr Mohnweckerl irgendwie hier durchkam, sind also sehr groß. In der Tat hat auch die Arbeit an den Silos etwas Gespenstisches. Mitunter staubt es dort so stark, dass man aus der Entfernung die Arbeiter nur schemenhaft wahrnehmen kann. Vom Lärm der Silos abgesehen ist es auch hier viel ruhiger, als man erwarten würde. Vielleicht liegt es nur an der Uhrzeit, aber wäre man poetisch geneigt, könnte man meinen, sogar die Arbeiterinnen und Arbeiter zollen den Namenlosen auf der kleinen Anhöhe nebenan unbewusst ihren Respekt. Alle anderen bringen Blumen und gelegentliche Besucherinnen und Besucher müssen sich keine Sorgen machen, die Ruhe auf dem Friedhof zu stören.

Denn so oder so, die Toten interessiert das freilich nimmermehr.

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