Christian Rupp im Strahlenschutzlabor im Wiener AKH. Der 46-jährige Strahlenphysiker verwendet ein Messgerät, um sicherzustellen, dass ÄrztInnen sowie PatientInnen keiner zu hohen Strahlenbelastung ausgesetzt sind. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Strahlenphysikern: Strahlenschutz im Auftrag der Stadt

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Die Verwaltung sorgt nicht nur dafür, dass der Müll abgeholt wird und die Öffis pünktlich fahren, auch promovierte Strahlenphysiker sind für Wien im Einsatz.

Ob beim Telefonieren mit dem Handy, beim Aufwärmen von Essen in der Mikrowelle oder beim Röntgen. Jede und jeder von uns ist schon einmal mit Strahlung in Berührung gekommen. Nicht jede Art von Strahlung ist schädlich, aber eine zu hohe Belastung durch ionisierende Strahlung kann dem Körper schaden. Röntgenstrahlen etwa können Zellen töten und die DNA schädigen. Strahlenphysiker Christian Rupp von der MA 39 - Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien kümmert sich darum, dass alle Wienerinnen und Wiener vor Strahlung geschützt sind.

In der Leitstelle 4B im Wiener AKH befindet sich das Labor für Strahlenschutz der MA 39. Rupp koordiniert von hier aus Überprüfungen in Krankenhäusern und Ordinationen. © PID/Christian Jobst

Auch Baumaterial kann strahlen

Rupps Büro liegt im AKH auf Ebene 4 im Strahlenschutzlabor. Dort untersucht er unter anderem Baumaterialien, wie sie zum Beispiel beim Hausbau zum Einsatz kommen, auf Radioaktivität. Dazu befüllt der Strahlenphysiker am Messplatz für Gammaspektrometrie ein Reagenzglas mit einer Probe eines Ziegelsteines und legt es in den Gammadetektor. Hier muss es einige Stunden bleiben, damit es "strahlen" kann. Der Detektor wird für die Analyse mithilfe von flüssigem Stickstoff auf minus 200 Grad Celsius herabgekühlt, weil er so erst "ausreichend empfindlich ist und hochgenaue Daten liefert", erklärt Rupp. Während der Analyse übermittelt der Detektor die Daten an den Computer, woraus man dann die radioaktive Belastung des Ziegels berechnen kann. "Daran erkennt man, ob das Material als Baustoff geeignet ist oder nicht", sagt Rupp.

Am "Messplatz für Gammaspektrometrie" untersucht Rupp eine Ziegelstein-Probe mittels eines "Detektors" auf Radioaktivität (l.). Die Ergebnisse leitet der Detektor an den Computer weiter, der entdeckte Radioaktivität mit roten Balken anzeigt (r.). © PID/Christian Jobst

Selbstschutz vor Strahlung

Im Strahlenschutzlabor des AKH arbeiten 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Physikerinnen und Physiker, Radiologietechnologinnen und -technologen sowie in Technik- und Verwaltungsberufen. Auch sie müssen vor Strahlung geschützt werden. Deshalb trägt jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter, die beziehungsweise der mit Strahlung in Kontakt kommt, ein sogenanntes Personendosimeter am Körper. Dieses Messgerät erfasst über einen Zeitraum von einem Monat die Strahlenbelastung, der die Bediensteten im Labor ausgesetzt sind. Am Ende des Monats werden die Dosimeter in der eignen Abteilung für Dosimetrie ausgewertet.

Insgesamt kommen dabei monatlich mehr als 10.000 Dosimeter zur Auswertung, die von Bediensteten der Stadt Wien und externen Kundinnen und Kunden aus ganz Österreich getragen werden. Wenn dabei herauskommt, dass jemand zu hohe Strahlenwerte erhalten hat, wird zunächst nach der Ursache gesucht und in weiterer Folge werden Gegenmaßnahmen gesetzt. "Es könnte zum Beispiel sein, dass die Ursache auf eine defekte Bleischürze oder auf mangelnde Sorgfalt im Umgang mit radioaktiven Stoffen zurückzuführen ist", sagt Rupp.

Das "Personendosimeter" misst die Strahlung am Körper der Bediensteten im Strahlenschutzlabor. Eine Auswertung findet monatlich statt. © PID/Christian Jobst

 

Die Bevölkerung vor Strahlung schützen

Seine Arbeit führt Rupp regelmäßig auch in Krankenhäuser und in Ordinationen von Ärztinnen und Ärzten. Er kontrolliert vor Ort mit Messgeräten die Dosisbelastung durch Strahlung, der das Personal sowie Patientinnen und Patienten ausgesetzt sind. Aber nicht nur Personen, die mit Geräten arbeiten, die Strahlung abgeben, sind potenziell gefährdet: "Zahnärztinnen und Zahnärzte haben ihre Ordinationen oft in Wohnhäusern. Und weil die Röntgengeräte Strahlung abgeben, prüfe ich, wie hoch die Belastung im Röntgenraum und in den daran angrenzenden Räumen ist", sagt Rupp. Bleifolien an Wänden oder Fenster aus Bleiglas sind notwendig, damit die Strahlung von Röntgengeräten weder das Personal noch die Anrainerinnen und Anrainer gefährden kann.

Die Physik ist kein Märchen

Rupp hat Theoretische Physik an der Uni Wien und an der Uni Leipzig studiert. Bevor der promovierte Wissenschafter bei der Stadt Wien anfing, hatte Rupp bei einem Schulbuchverlag gearbeitet und dort Physik-, Chemie- und Mathematikbücher lektoriert. Im Strahlenschutzlabor arbeitet er seit nunmehr zehn Jahren. Dem Schulwesen ist er aber bis heute treu geblieben. "Anderen Wissen zu vermitteln, ist mir sehr wichtig. Deswegen habe ich mehrere Bücher geschrieben, in denen ich die Physik zum Beispiel mit Märchen verbinde und sie damit jungen Menschen leichter verständlich mache", so Rupp. Seine Bücher hat er mit der Physikerin Natascha Riahi und dem Experimentalphysiker, "Ex-Science Buster" und Direktor des Planetariums Wien, Werner Gruber, verfasst. "Werner Gruber ist ein guter Freund von mir. Mit ihm teile ich meine Leidenschaft für das Unterrichten", so Rupp.

Unterrichten ist auch ein wesentlicher Bestandteil von Rupps Job bei der MA 39: "Wir bilden Medizinerinnen und Mediziner sowie Technikerinnen und Techniker, die mit Strahlung arbeiten, zu Strahlenschutzbeauftragten aus. Diese Ausbildung ist gesetzlich verpflichtend und muss regelmäßig aufgefrischt werden."

MedizinerInnen zu Strahlenschutzbeauftragten auszubilden, gehört zu den Hauptaufgaben von Rupp. Die MA 39 bietet die Ausbildung seit fünf Jahren an. © PID/Christian Jobst

 

ÄrztInnen über die Kraft der Strahlung aufklären

Die Ausbildung zum Strahlenschutzbeauftragten bietet die MA 39 seit nunmehr fünf Jahren an. Die Medizinerinnen und Mediziner lernen dabei über potenzielle Gefahrenquellen für Patientinnen und Patienten und für sie selbst. Den Ärztinnen und Ärzten sei zwar durchaus bewusst, dass medizinische Geräte Strahlung abgeben, sagt Rupp. Bei der Schulung würden sie aber oft erstmals sehen, wie hoch die Dosis tatsächlich sein kann. Um das zu demonstrieren, führt Rupp die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Röntgenraum. Dort nimmt er das Röntgengerät in Betrieb und eine Strahlungsmessung vor. Und zwar nicht nur am Gerät selbst, sondern auch an der Position der Ärztin und des Arztes, an der sie sich bei medizinischen Eingriffen neben dem Apparat aufhalten müssen.

"Sinn dieser Übung ist, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bewusst zu machen, wie wichtig Schutzvorkehrungen wie Bleischürzen oder ein ausreichender Abstand zur Strahlenquelle sind", erklärt Rupp. Das Konzept dürfte aufgehen, denn "die Medizinerinnen und Mediziner sind immer wieder überrascht, wie sehr sie damit ihre Dosisbelastung reduzieren können."

Rupp misst mit einem Strahlenmessgerät die Strahlung, die vom Röntgenapparat ausgeht. Der durchsichtige Block in der Mitte des Bildes ist mit Wasser gefüllt und simuliert einen menschlichen Körper. © PID/Christian Jobst

Rupps Arbeitstag endet für gewöhnlich um 16 Uhr. "Ich bin zwar Vollblutphysiker und beschäftige mich auch in meiner Freizeit mit Physik. Nach Dienstschluss greife ich aber gerne zur Gitarre. Denn auch Musik hat eine gewisse Ausstrahlung", sagt er lachend.

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