Ronald Frauenberger ist seit 35 Jahren Steinmetz bei den Friedhöfen Wien. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Steinmetzen: "Wir machen aus Grabsteinen Kunstwerke"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Ronald Frauenberger einen Tag lang bei seiner Arbeit. Er und seine Kollegen von den Friedhöfen Wien kreieren mit ihren Inschriften und Zeichnungen kleine Denkmäler.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wer für die kunstvollen Gravuren und Zeichnungen auf den Wiener Friedhöfen verantwortlich ist? Die Steinmetze im Dienst der Friedhöfe Wien. Ronald Frauenberger ist Steinmetz und seit über 30 Jahren im Beruf. 1985 begann er seine Lehre bei der Stadt Wien. Inspiriert wurde er von einem Onkel aus Kanada, der ebenfalls Steinmetz gelernt hat. "Ich hatte das Glück, bei der Stadt Wien einen Job zu finden, der mich auch nach so vielen Jahren noch bewegt und motiviert", sagt Ronald.

Dabei ist der Job nicht immer leicht. "Wir spüren einfach, wie viel die Grabsteine den Menschen bedeuten und sind nahe an der Trauer. Manchmal ist das wirklich nicht so einfach." Für ihn und seine Kollegen ist die Arbeit eine große Verantwortung. Schließlich ist jeder Grabstein ein kleines Denkmal für einen geliebten Menschen. Und darum gibt das Team immer sein Bestes.

Um die 300-Kilo-Steine zu bewegen, braucht man die Unterstützung des Gabelstaplers. © PID/Christian Jobst

Kunst auf Granit

Am Beginn jedes Gravurprozesses steht ein Stein. Dieser wird direkt zur Werkstatt beim Zentralfriedhof gebracht. Bereits fertig für die Gravur. Die häufigsten Steinarten sind Granit, Marmor und Sandstein. "Heute ist Granit am beliebtesten, im Gegensatz zu Marmor früher. Marmor wittert mit der Zeit, das passiert bei Granit nicht." Was auf dem Grabstein steht, ist Sache der Kundinnen und Kunden. Ronald kann so ziemlich alle Wünsche erfüllen. Er überträgt Zeichnungen, zum Beispiel Porträts, auf den Stein und kann auch Fantasieschriften, die Kundinnen oder Kunden selbst entworfen haben, umsetzen. "Kürzlich habe ich etwa eine ägyptische Gottheit auf einen Grabstein geritzt, auch Jesus auf dem Ölberg kam als Motiv schon vor."

Sämtliche Ritzungen macht Ronald mit diesem Industriediamant. Die Fassung sieht wie ein Kugelschreiber aus. © PID/Christian Jobst

Im Gegensatz zu den Schriften werden die Zeichnungen nur eingeritzt. Das macht Ronald mit einem Industriediamanten, der in einen kugelschreiberähnlichen Stift eingefasst ist. Mit Lineal und Schablone ist ihm kein Motiv zu schwierig. Nachdem er die Motive geritzt hat, trägt er noch Farbe auf, um die Konturen besser hervorzuheben. Das ist wahres Kunsthandwerk. "Ich war schon immer künstlerisch interessiert, das hilft mir. Diese Zeichnungen kann nicht jede und jeder machen, dafür braucht man schon Talent", sagt Ronald. Die Werkstatt der Steinmetze ist Schauraum seiner Leidenschaft. Die Wände sind mit Kunstwerken von Ronald behängt. Etwa mit einer Zeichnung von Falco, die er für den Stand der Friedhöfe Wien beim Donauinselfest angefertigt hat.

Die Schablonen für seine Arbeit zeichnet Ronald auf die weiße Farbe auf, da der Bleistift auf dem Granit sonst unsichtbar wäre. © PID/Christian Jobst

Ein Mann, viele Schriften

Seine wichtigsten Werkzeuge neben dem Diamanten sind Hammer, Meißel und Lineal. Die Namen in den Grabstein zu gravieren, ist ein mehrstufiger Prozess. Heute arbeitet Ronald in der Werkstatt. Wenn das Wetter passt, macht er aber auch Gravuren direkt am Grab. Die Steine zu bewegen, ist recht aufwendig, schließlich wiegt jeder gut und gerne 300 Kilogramm. Der erste Schritt besteht darin, eine Schablone aufzutragen. Dazu nutzt er eine weiße Farbe. "Die Farbe brauchen wir, da der Bleistift auf dem Granit ohne sie nicht zu sehen wäre." Mit dem Lineal und diversen Schablonen zeichnet Ronald darauf die Schrift vor.

Sind die Umrisse fertig eingeritzt, kann die Farbe ganz leicht mit einem Schwamm entfernt werden. © PID/Christian Jobst

Die Kalligrafie, also die Kunst des schönen Schreibens und der Schriftarten, ist ein wichtiger Teil seines Jobs. Ronald beherrscht mehrere Schriftarten, die gefragtesten sind Antiqua und Gotik. Er kann aber auch für ihn völlig neue Schriftarten umsetzen, solange er dafür eine Vorlage hat. "Das ist eine meiner Lieblingsaufgaben, einfach weil es sehr herausfordernd und spannend ist."

Die größten Herausforderungen eines Steinmetzes sind Genauigkeit und Konzentration. Für einen Grabstein braucht Ronald einen ganzen Arbeitstag. © PID/Christian Jobst

Unverwechselbarer Stil

Jeder Graveur hat übrigens eine ganz spezielle Handschrift. "Wenn ich über den Friedhof spaziere, sehe ich bei den Gräbern sofort, ob das ein mir bekannter Kollege gemacht hat. Auch wenn es exakt dieselbe Schriftart ist, macht jeder von uns das ein bisschen anders. Der eine macht die Buchstaben einen Hauch schmäler, der andere lässt mehr Abstand zwischen den Lettern." Wenn er einen bestehenden Grabstein um Namen erweitert oder restauriert, muss sich Ronald immer millimetergenau an die Stile der Kollegen anpassen. Die heute noch jungen Kollegen werden in 20 Jahren auch noch Grabsteine erblicken und sich denken: "Das ist ein echter Ronnie!"

Ronalds Werke kann man nicht nur auf den Grabsteinen bewundern. Die Werkstatt ist mit diversen Arbeiten von ihm geschmückt. © PID/Christian Jobst

Nachdem die Schrift vorgezeichnet worden ist, nimmt Ronald den Industriediamanten und ritzt die Umrisse ein. Er kreiert so den Rahmen, in dem er gleich gravieren wird. Damit sind die Ritzungen abgeschlossen und Ronald beginnt mit der eigentlichen Gravur. Mit Hammer und Meißel graviert er die Buchstaben ein. Alle werden keilförmig in den Stein gehauen. Für eine Inschrift braucht Ronald einen ganzen Tag. Es ist ein langsamer und sehr genauer Prozess. Jeder Fehler hätte unangenehme Konsequenzen. Der Stein müsste dann abgeschliffen werden und Ronald wäre gezwungen, von vorne zu beginnen. Wer Ronald dabei zusieht, wie er jeden Schwung und jedes Eck der Schrift mit Präzision in den Granit meißelt, weiß, dass hier ein Künstler bei der Arbeit ist. Jeden Monat arbeitet er an rund 25 Grabsteinen.

Eine alternative Art der Eingravierung ist die Feldgravur. Dabei wird nicht die Schrift eingraviert, sondern der Bereich rund um die Schrift. Die Buchstaben bleiben dabei erhaben.

Das Blattgold wird aufgetragen und eingepinselt. Später wird alles über der Gravur weggespachtelt, sodass eine goldene Schrift zurückbleibt. © PID/Christian Jobst

Blattgold vollendet Ronalds Werk

Ist die Gravur fertig, fehlt nur noch ein Arbeitsschritt: Die Schrift wird veredelt. Das kann mit Farbe, meistens Weiß, geschehen oder mit Blattgold. Der Kunde hat für diesen Grabstein Blattgold bestellt. Damit das auf dem Grabstein gut haftet, wird ein spezielles Anlegeöl aufgetragen. Das heißt Mixtion und ist auch als "französischer Lack" bekannt. Auch das Auftragen desselben ist eine Kunst für sich.

Der Lack braucht mehrere Stunden, bis man das Blattgold aufkleben kann. Geschieht das zu früh, gibt es keinen Glanz mehr, da der Lack noch zu feucht ist. Trägt man es zu spät auf, haftet das Gold nicht mehr so gut. "Man muss den perfekten Moment erwischen. Je länger man wartet, desto besser ist der Glanz. Gleichzeitig darf man auf keinen Fall zu lange warten. Es ist eine Gratwanderung, aber wir haben ja dann doch schon ein bisschen Erfahrung damit", sagt Ronald. Er legt das Blattgold vorsichtig auf einen Buchstaben und drückt es in die Mixtion. Danach spachtelt er den Lack ab. Rund um den Buchstaben wird der Lack und mit ihm das Blattgold entfernt. In der Gravur bleibt beides bestehen. Fertig ist die charakteristische Vergoldung und der Glanz stellt den anspruchsvollen Steinmetz zufrieden.

Nun ist der Grabstein fertig. Ronald bringt ihn auf einem Rollwagen nach draußen. Mit einem Naturschwamm geht er noch einmal über seine Arbeit und sorgt für die Endpolitur. "Wir nehmen nur Naturschwämme, weil jede Art von Fetzen den Glanz oder die Farbe beeinträchtigen könnte." Ein intensiver Arbeitstag neigt sich damit dem Ende zu. Die Genauigkeit und Konzentration, mit der Ronald arbeitet, fordern ihn jeden Tag aufs Neue heraus.

Die Gravur ist fertig, das Blattgold glänzt. Zum Abschluss poliert Ronald sie noch einmal mit einem zarten Naturschwamm, dann ist die Bearbeitung des Grabsteins abgeschlossen. © PID/Christian Jobst

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