Ob Arbeitskleidung oder Anzug, ob lange Ansprache oder kurze: Standesbeamter René Thabet richtet sich ganz nach den Wünschen seiner KundInnen. © PID/Alexandra Kromus

Ein Tag unter StandesbeamtInnen: "Sag niemals nie!"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten den leitenden Standesbeamten René Thabet bei seiner Arbeit. Er schließt im Jahr rund 700 Ehen. Jede einzelne Trauung ist für ihn etwas ganz Besonderes.

Die große Flügeltüre öffnet sich. Celine Dions Stimme, abgespielt von einem CD-Player, erfüllt den Raum. Dann ist es so weit. Langsam und mit strahlendem Lächeln schreitet das Paar herein. Sie ganz in Gold und einen herrlichen Blumenstrauß in der Hand haltend, er in einem schicken Zweiteiler. Es ist ein großer Tag für die beiden. Der 21-jährige Bojan Gnjatović und seine um ein Jahr jüngere Braut, Dejana Čolic, werden gleich am Standesamt Wien Innere Stadt (zuständig für die Bezirke 1, 6, 7, 8 und 9) den ewigen Bund fürs Leben eingehen.

Sie haben sich für einen kurzen Trau-Akt entschieden, ohne Ringe oder Trauzeuginnen beziehungsweise Trauzeugen. Einzig Dejanas Schwester ist anwesend. Die große Feier mit vielen Gästen ist erst im Sommer geplant. Heute schifft René Thabet die Brautleute in den Hafen der Ehe. Er ist der leitende Standesbeamte am Schlesingerplatz 4 im achten Bezirk. Dem Anlass zur Ehre trägt er seinen rot-schwarzen Talar, wie seine Arbeitskleidung korrekt bezeichnet wird.

Nach der Hochzeit überreicht René dem Paar die Trau-Urkunde. © PID/Alexandra Kromus

Freier Wille, fester Entschluss

"Nach alter Tradition darf ich Sie zuerst fragen, Herr Gnjatović", beginnt René, als das Brautpaar schließlich vor ihm Platz genommen hat. "Ist es Ihr freier Wille und fester Entschluss, die hier anwesende Dejana Čolic zu Ihrer rechtmäßigen Frau zu nehmen?" Wenige Minuten und einige mit dem Handy aufgenommene Bilder später ist es vorbei. René hat seine erste Vermählung des Tages vollzogen. Es ist zehn Uhr und fünf Minuten am Vormittag.

Kein Tag in Renés Arbeitsleben startet ohne Kaffee. © PID/Alexandra Kromus

"Guten Morgen Sonnenschein"

René ist bereits seit dreieinhalb Stunden im Dienst. Er kommt meist als einer der Ersten an seinen Arbeitsplatz. Unterwegs ist dabei Musik sein Begleiter. Am liebsten hört er positive Songs wie Nana Mouskouris "Guten Morgen Sonnenschein". Als seine "Motivationssongs" bezeichnet er sie. "So komme ich frisch und energiegeladen im Büro an, gönne mir einen gemütlichen Kaffee und kann mich, weil es die ruhigste Zeit des Tages ist, perfekt und stressfrei auf den Tag vorbereiten, Liegengebliebenes abarbeiten und Administratives erledigen. Ab acht Uhr erscheinen die ersten Kundinnen und Kunden", erklärt er. 

René holt seine KundInnen von der Anmeldung ab. Trauerfälle werden dabei vorgezogen. © PID/Alexandra Kromus

Dem Tod Respekt zollen

Dann ist es so weit und der Empfangsschalter öffnet. Im Eingangsbereich warten bereits einige neue Kundinnen und Kunden, um ihre Anliegen vorzubringen. René und seine 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen nie, wie der Tag genau ablaufen wird. "Da schwebt immer eine kleine positive Aufgeregtheit mit. Selbst nach sechs Jahren als Standesbeamter." An diesem Dienstag möchte ein Pärchen sein Aufgebot bestellen, ein frischgebackener Vater sein Kind anmelden und eine Mutter mit Kinderwagen eine Kopie ihres verloren gegangenen Trauscheins besorgen.

Als René am Eingangsschalter die ersten Kundinnen und Kunden zu sich in sein Zimmer bitten möchte, betritt außerdem eine Dame mittleren Alters und ganz in Schwarz gekleidet den Raum. Sie muss den Tod ihres Vaters bekannt geben und um eine Sterbeurkunde ansuchen. René nimmt sich ihrer zuerst an, selbst wenn sie eigentlich zuletzt gekommen ist. René: "Diese Vorgehensweise ist insbesondere aus Pietätsgründen auf allen Wiener Standesämtern üblich. Zudem ist die Beurkundung eines Todesfalls innerhalb weniger Minuten abgeschlossen. Auch deshalb zeigen sich die zuvor erschienenen Kundinnen und Kunden meist verständnisvoll."

Die Anliegen aller KundInnen werden mit der gleichen Aufmerksamkeit und Professionalität behandelt. © PID/Alexandra Kromus

Multikulti, kunterbunt

Renés Kundschaft ist vielfältig. Sie entstammt unterschiedlichen Kulturen, Bildungsschichten und Altersklassen. Die einen kommen im Anzug, die anderen in der Jogginghose. Für René und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das normal. Alle werden gleich freundlich, zuvorkommend und professionell behandelt. Bei der Ehefähigkeitsfeststellung ist zu ermitteln, ob die Heiratswilligen nicht bereits anderweitig verheiratet sind. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass auch die vermeintliche Spaßhochzeit in Las Vegas nach österreichischem Recht gültig ist und für eine weitere Eheschließung ein Hindernis darstellt.    

René, sein Vertreter Michael Lechner sowie die anderen MitarbeiterInnen bilden ein gutes Team. © PID/Alexandra Kromus

Verwaltungsakademie der Stadt

Wenn René auch noch so hilfsbereit ist, an manchen Punkten kann er nicht rütteln. Es geht um die Einhaltung des Gesetzes. Das steht voran. Und meist haben die Kundinnen und Kunden auch ein Einsehen. Sollte das einmal weniger der Fall sein und ungute Worte fallen, hilft sich René mit seinem Wissen um Konfliktmanagement. Angeeignet hat er sich das in unzähligen Weiterbildungslehrgängen unter anderem auf der Verwaltungsakademie der Stadt. Auch bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fördert René die Aneignung von zusätzlichen Qualifikationen oder Interessen.

Vielleicht mal in Las Vegas

Nicht nur im Standesamt selbst, sondern auch extern ist René im Einsatz: im AKH Wien, in der Justizanstalt oder in einer der Wiener Traumhochzeits-Locations von Rathaus bis Riesenrad. Besonders gerne erfüllt er jedoch seine "Pflicht" im sonnigen Grün der Blumengärten Hirschstetten, wo auch er selbst vor vielen Jahren geheiratet hat. "Die damalige Standesbeamtin ist seit einigen Monaten eine Mitarbeiterin von mir", erzählt René schmunzelnd. "Ein lustiger Zufall. Und wir verstehen uns sehr gut, selbst wenn die Ehe nicht gehalten hat."

Seine Partnerin hat der 33-jährige Beamte mit tunesischen Wurzeln übrigens auch im Rahmen der Ausübung seines Berufs kennengelernt. Sie wurde ihm als Assistentin bei einer Trauung, die er in Vertretung hielt, zur Seite gestellt. Das ist nun fünf Jahre und zwei kleine Kinder her. Dass René noch einmal heiraten würde, schließt er nach heutigem Stand eher aus. "Aber sag niemals nie! Vielleicht mal in Las Vegas."

Erste Anlaufstelle, um herauszufinden, ob ein Name vergeben werden darf oder nicht, ist das "Internationale Handbuch der Vornamen". © PID/Alexandra Kromus

Pumuckl oder Winnie Puuh gehen nicht

Nach dem Mittagessen, das die 25 Bediensteten im Haus gerne in der gemütlichen Runde des Sozialraumes miteinander einnehmen, findet die wöchentliche Besprechung statt. "Bei der Sitzung ist Teilnahme-Pflicht. Das ist wichtig, damit wir alle auf dem gleichen Wissensstand stehen, Erfahrungen durch die verschiedenen Fälle sammeln und damit auch referatsinterne Standards definieren. Wenn wir ein Anliegen ablehnen, dann muss es aus gutem Grund passieren. Dass die rechtlichen Beweggründe dafür den Kundinnen und Kunden transparent dargelegt werden, ist René besonders wichtig.

Bei der Vergabe des Vornamens für Neugeborene gibt es manchmal Probleme, weil die Eltern einen Namen wählen wollen, der nach österreichischem Recht nicht erlaubt ist. "Wir können nur Namen vergeben, die irgendwo auf der Welt gebräuchlich sind. Im Sinne der Eltern recherchieren wir da viel nach. Aber was nicht geht, geht nicht." Bezeichnungen wie Pumuckl oder Winnie Puuh wird man in Österreich aus heutiger Sicht also nie angeben dürfen. Vienna, einen typisch englischen Namen, hingegen schon. 

René steht weltweit mit KollegInnen in Kontakt. Datensätze werden digital abgespeichert und können von den internationalen Vertretungsbehörden abgerufen werden. © PID/Alexandra Kromus

Vernetzung als A und O

Kommunikation und Vernetzung sind für René das A und O, um seinen Job bestmöglich machen zu können. Nicht nur am Schlesingerplatz 4, sondern generell. So finden in den zehn Wiener Standesämtern wechselnd Treffen zum Austausch statt. Darüber hinaus wird auch international auf regen Dialog mit den Vertretungsbehörden Wert gelegt. "Seit Ende 2014 digitalisieren wir laufend unsere Daten in einem zentralen System, dem 'Zentralen Personenstandsregister'. Dadurch werden administrative Abläufe für unsere Kundinnen und Kunden im In- und Ausland noch effizienter gestaltet. Sogar weltweit können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der österreichischen Vertretungsbehörden dadurch ihren Service optimieren. Da geht es um Millionen von Daten. Wenn früher jemand im Ausland heiraten wollte, war das manchmal ein großer Aufwand. Heute sind die bürokratischen Wege für die Brautpaare wesentlich vereinfacht."

19 Jahre im Dienst der Stadt

Vier der sechs Jahre ist René in leitender Funktion am Standesamt tätig, allerdings bereits seit 19 Jahren im Dienste der Stadt. Ursprünglich hat er eine Lehre als Bürokaufmann absolviert und im Rahmen der in der Ausbildung vorgesehenen Dienststellenrotation festgestellt, dass ihm die direkte Arbeit mit Menschen besonders am Herzen liegt. Nach Jahren zahlreicher und intensiver privater sowie dienstlicher Weiterbildungen hat sich für ihn die Möglichkeit ergeben, als Standesbeamter den Menschen ganz nahe zu sein.

2016 wurden von den zehn Wiener Standesämtern 21.699 Geburten beurkundet und 6.381 Partnerschaften oder Ehen geschlossen. © PID/Alexandra Kromus

Wöchentlich 20 Hochzeitsreden

Am späten Nachmittag hat René Dienstschluss. Dennoch bleibt genügend Zeit, um Kurse und Lehrgänge in privatem Rahmen zu besuchen oder sich als Familienvater einzubringen. Erst morgen wird er wieder eine der wöchentlich 20 Hochzeitsreden seines Referats halten. "Ich bin ein glücklicher Mensch und lebe ein ausgefülltes Leben. Ich freue mich, noch viele besondere Momente mit Menschen teilen und mitgestalten zu können."    

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