Julia Girardi-Hoog ist Projektleiterin von "Smarter Together - gemeinsam g'scheiter in Simmering". Sie verbringt so viel Zeit wie möglich bei den Menschen vor Ort. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter StadterneuerInnen: "Zusammen machen wir unsere Stadt zukunftsfit!"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. club.wien.at begleitet die "Smarter Together" Projektleiterin Julia Girardi-Hoog einen Tag lang bei ihrer Arbeit. Ihr Team gestaltet gemeinsam mit der Bevölkerung das Wien der Zukunft.

"Hier gleich ums Eck, im Herzen von Simmering, steht heute unser SIMmobil", sagt Julia Girardi-Hoog, während sie die Rolltreppe der U3-Station Enkplatz hinauffährt. Auf dem Enkplatz herrscht reges Treiben. Die einen laufen zu Bim und U-Bahn, während die anderen einen Kaffee in einer Bäckerei genießen. Ein paar Jugendliche sitzen auf einer schattigen Parkbank. "Gutes Wetter ist auch für unsere Arbeit mit dem SIMmobil hilfreich. Und wie es der Zufall so will, haben wir meistens Glück und stehen nicht im Regen", freut sich Julia. Das SIMmobil steht heute vor der Neuen Mittelschule am Enkplatz. Und das ist kein Zufall. Die Schule wird nämlich gerade im großen Stil umgebaut: Sie bekommt einen Zubau mit 13 neuen Klassen. Die veralteten Turnsäle werden abgerissen und durch vier neue ersetzt. Sie werden künftig mittels Solarkollektoren selbst Energie erzeugen. Außerdem wird der Schulhof umgestaltet und auf den Dächern des Gebäudes entsteht ein 500 Quadratmeter großer Sportplatz.

Julia Girardi-Hoog im Gespräch mit dem Schulwart der Neuen Mittelschule Enkplatz. Niemand weiß besser als die Menschen vor Ort, wo der Schuh drückt. © PID/Christian Jobst

Julia Girardi-Hoog von der Magistratsabteilung 25 (Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser) ist mit dem SIMmobil am Enkplatz und informiert die Passantinnen und Passanten über die Details des Umbaus. Noch bevor das SIMmobil seinen Betrieb aufnimmt, kommt schon der erste Passant vorbei. Wie es der Zufall so will, ist es der Schulwart. Er interessiert sich für den Umbau "seiner" Schule. Im Schulhof soll es künftig nämlich neue "Smart-Möbel" geben: Das sind Sitzbänke und Tische, die mit einem Solarpanel ausgestattet sind und damit Energie produzieren. Man kann Smartphones, Tablets und andere elektronische Geräte direkt am Möbel anschließen und mittels Sonnenstrom aufladen. Diese Idee haben Schülerinnen und Schüler der NMS Enkplatz eingebracht, sie macht dem Schulwart aber Sorgen. Er befürchtet, dass durch das neue Mobiliar auch mehr Schmutz im Schulhof anfallen wird. Sein Vorschlag: Neue und mehr Mistkübel für das Schulareal. Julia findet das gut und lässt sich von seinem Job in der Schule erzählen. "Ein feines Gespräch und ein guter Start in unseren Tag hier am Enkplatz mit dem SIMmobil", meint Julia danach.

Ihr Kommunikationstalent verdankt sie ihrer Ausbildung, sie hat Psychologie und Soziologie studiert. Was ihr in ihrer Arbeit außerdem zugute kommt, ist ihr Interesse für Architektur. Bevor sie selbst zur MA 25 kam, leitete Julia fünf Jahre lang bei der Menschenrechtsorganisation Women Against Violence Europe (WAVE) internationale Projekte. Danach war sie ab 2012 drei Jahre lang Teil des Koordinationsteams der Gebietsbetreuung Stadterneuerung.

"Smarter Together" bedeutet, Menschen in Projekte einzubeziehen

Das Projekt der Stadt Wien "Smarter Together" hat das Ziel, Grätzel zu erneuern, sie zu verschönern und die Lebensqualität zu erhöhen. Dazu setzt die Stadt etwa gezielt Maßnahmen zum Klimaschutz: Sie fördert die Elektro-Mobilität sowie nachhaltige Energiesysteme wie Photovoltaik und Solarenergie. Wesentlicher Eckpfeiler von "Smarter Together" ist, dass die Bezirksbewohnerinnen und -bewohner über die Projekte eingehend informiert werden und auch ihre Ideen einbringen können. "Insgesamt arbeiten mehr als 70 Leute an den 41 Wiener 'Smarter Together'-Projekten mit", erzählt Julia, "dazu kommen Partner wie die Wiener Stadtwerke, die Post und die Volkshochschulen, mit denen wir als Magistratsabteilung 25 zusammenarbeiten."

Gerade hier am Enkplatz mit seinen Altbauten ist auch Gebäudesanierung ein Thema. Kann man ein bestehendes Haus mit einer Wärmepumpe effizienter und nachhaltiger machen? Genau solche Fragen beantwortet Julia. "Smarter Together­" wird von der EU gefördert. Mehrere Millionen Euro fließen dafür nach Wien - und auch nach Lyon und München, die ebenfalls als Pilotstädte an dem Vorhaben teilnehmen.

Julia und das GB*-Team für den 3. und 11. Bezirk stehen am Enkplatz bereit, um die Bevölkerung über die Umbauten der dortigen Neuen Mittelschule und andere geplante Projekte im Bezirk zu informieren. © PID/Christian Jobst

Eine Schule macht Schule

"Die Sanierung der Neuen Mittelschule am Enkplatz ist eines der ersten Projekte unter der Dachmarke Smarter Together. Heute sind wir hier, um den Leuten zu zeigen, was hier demnächst passieren wird", erklärt Julia. Im Gepäck des SIMmobils befindet sich auch Infomaterial zu sämtlichen anderen "Smarter Together"-Projekten in Simmering, etwa zu neuen Ladestationen für E-Bikes, die der Bezirk bekommen soll. Mit dabei ist auch ein Generator-Fahrrad, das Strom erzeugt, wenn man in die Pedale tritt.

Julia heftet gerade Infozettel über die geplante Schulerweiterung auf das SIMmobil. Am Enkplatz herrscht wie immer Hochbetrieb. Viele Passantinnen und Passanten bleiben beim SIMmobil stehen und erkundigen sich über die laufenden Projekte im Bezirk. Julia freut sich über das rege Interesse: "Dafür bin ich ja schließlich da. Mein Job ist, unsere Ideen greifbar zu machen." Eine Dame erkundigt sich, wie genau Solarthermie funktioniert und wie damit die Turnsäle mit Energie versorgt werden. Julia bittet die Dame zur Infotafel. Dort veranschaulichen Modelle und Skizzen die komplexe technische Materie. Julia erklärt, wieso es notwendig ist, die Turnsäle komplett neu zu bauen. Nämlich weil die alten Gebäude die baulichen Voraussetzungen für Solartechnik nicht mitbringen. Die Dame hört Julia interessiert zu und fragt nach dem Gespräch nach weiteren Informationsmaterialien, weil sie sich zu Hause näher mit dem Thema beschäftigen möchte.

Infotafeln zeigen, wie die Schule dank moderner Solar- und Photovoltaiktechnik energieautark sein wird. © PID/Christian Jobst

Veränderung mit Partizipation

"Wenn wir im Bezirk etwas verändern wollen, beziehen wir die Grätzelbewohnerinnen und -bewohner stets mit ein. Das ist der Sinn der 'Smarter Together'-Idee", sagt Julia. Miteinbeziehen bedeutet, die Menschen über Vorhaben in Kenntnis zu setzen sowie sich ihre Ideen, aber auch ihre Sorgen anzuhören. Schülerinnen und Schüler der NMS Enkplatz etwa haben ihre Vorschläge für die Neugestaltung des Schulhofes eingebracht. Sie waren es auch, die die Idee hatten, "smarte Möbel" anzuschaffen.

Die Simmeringerinnen und Simmeringer haben auch beim Ausbau der E-Mobilität mitgeredet. Gemeinsam mit "Smarter Together" wurde etwa besprochen, wie groß die E-Bikes sein sollen und ob sie vorne einen Korb haben sollen oder nicht. "Wer könnte das besser entscheiden als die Betroffenen selbst?", sagt Julia.

Mit Kindern Simmering zukunftsfit machen

Generell ist es Julia ein Anliegen, Kinder und Jugendliche für Themen wie Alternative Energie und E-Mobilität zu begeistern. "Smart City und Co sind für uns interne Arbeitsbegriffe. Aber wenn wir mit dem SIMmobil die Bevölkerung informieren, brauchen wir etwas Greifbares", sagt Julia. "Mit Begriffen wie 'Photovoltaik' können nicht alle etwas anfangen. Wenn ich mir aber die Zeit nehme, den jungen Menschen zu erklären, was damit gemeint ist, kann ich ihre Begeisterung wecken. Wenn mir das gelingt, ist das ein wundervolles Gefühl."

Eine Schülerin der NMS Enkplatz erzeugt mit dem E-Bike Energie. Kinder und Jugendliche erfahren beim SIMmobil, dass es viele umwelt- und ressourcenschonende Wege gibt, Energie zu erzeugen. © PID/Christian Jobst

Es ist inzwischen Mittagszeit. Die Schulglocke läutet, die Türen der Schule öffnen sich und eine Traube an Schülerinnen und Schülern bahnt sich ihren Weg ins Freie. "Oida! Schau das Fahrrad an!", ruft eine Schülerin ihrer Freundin zu. Gemeinsam laufen sie zum SIMmobil, wo das Generator-Fahrrad steht. Julia geht auf die Jugendlichen zu und erklärt ihnen, dass man mit dem Bike sogar Energie erzeugen kann. "Damit könnt ihr selber Strom für eure Handys erzeugen", erklärt Julia. Die Mädchen wollen das ausprobieren, eines von ihnen steigt aufs Fahrrad und strampelt los.

Julia und ihr Kollege zeigen den interessierten SchülerInnen auf dem Stadtplan, wo in Simmering "Smarter Together"-Projekte laufen. © PID/Christian Jobst

Andere Schülerinnen und Schüler wollen wissen, wie ihre Schule aussehen wird, wenn die Bagger weg sind. Julia erzählt ihnen von der geplanten Fassadenbegrünung, dem Sportplatz auf dem Dach und dem neuen Schulhof. "Wusstet ihr, dass die Fassadenbegrünung die Stadt auch kühler macht? Durch die grüne Fassade heizt sich ein Gebäude nicht so stark auf", sagt Julia. "Und es sieht auch noch gut aus." Für die Kinder und Jugendlichen hat Julia auch immer ein paar kleine Goodies dabei. Heute gibt's zum Beispiel eine Taschenlampe, die Energie erzeugt, wenn man sie schüttelt.

Ideen, Beschwerden, Anregungen - alles ist willkommen, denn nur so können Julia Girardi-Hoog und das Team der Gebietsbetreuung herausfinden, was die Menschen bewegt. © PID/Christian Jobst

Ein langer Tag geht zu Ende

Langsam gehen die Jugendlichen nach Hause oder kehren in die Schule zurück. Am Enkplatz wimmelt es jetzt zwar nicht mehr vor Jugendlichen und Kindern, das Interesse am SIMmobil reißt dennoch nicht ab. Am Nachmittag besuchen Passantinnen und Passanten den Enkplatz, um sich über Projekte im Bezirk zu informieren. "Das ist das Schöne an meinem Beruf", sagt Julia zufrieden. "Ich spreche sehr gerne mit Menschen, egal ob es Kinder oder Erwachsene sind. Und es freut mich, dass sich so viele Menschen für ihren Bezirk interessieren." Um 18 Uhr schließt das SIMmobil. Bevor Julia ins Büro in der Lorystraße zurückkehrt, leert sie den Ideenbriefkasten. Bewohnerinnen und Bewohner können darin ihre Anliegen, Fragen und Ideen deponieren. "Das ist ein schöner Ausklang für meinen Arbeitstag. Ich freue mich immer darauf, im Büro die spannenden Ideen und Anregungen zu lesen, die unseren Bezirk noch schöner machen."

Für heute schließt das SIMmobil am Enkplatz. Es wird aber noch den ganzen Sommer über die Menschen über die Projekte im Grätzel informieren. © PID/Christian Jobst

Vorteilspartner CLUB WIEN

Donau Touristik

Seniorenaktion: CLUB WIEN-Mitglieder ab 60 Jahren erhalten 20 Prozent Ermäßigung bei der Tagesfahrt in die Wachau mit der MS Kaiserin Elisabeth!

Erfahren Sie mehr 31044

Kabarett Niedermair

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten im Kabarett Niedermair die 2 Euro Vorverkaufsermäßigung auch an der Abendkassa.

Erfahren Sie mehr 31189

Vienna Comix

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten bei der Vienna Comix ermäßigten Eintritt!

Erfahren Sie mehr 33974

Freie Bühne Wieden

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 3 Euro Ermäßigung bei der Freien Bühne Wieden!

Alle Vorteilspartner