Ferry Toghrol ist seit 25 Jahren Schwimmlehrer bei der MA 44. © PID/Votava

Ein Tag unter SportbadewartInnen: "Uns steht das Wasser nie bis zum Hals"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN begleitet Ferry Toghrol einen Tag lang bei seiner Arbeit. Ferry und seine KollegInnen sorgen auch für die Sicherheit und Sauberkeit im Bad und bringen Menschen das Schwimmen bei.

Ferry Toghrol ist die Institution im Simmeringer Bad. Seit 30 Jahren arbeitet er hier im elften Bezirk, seit 25 Jahren ist er Sportbadewart und außerdem bei der MA 44 - Wiener Bäder staatlich geprüfter Schwimmlehrer. In der Zeit hat sich viel geändert, eines ist aber immer gleich geblieben: Sicherheit und Hygiene stehen an erster Stelle. Ferry ist für die Aufsicht, Organisation sowie Reinigung des Bades zuständig und gibt zusätzlich Schwimmunterricht.

Reinlichkeit ist oberstes Gebot

Los geht's heute mit der Reinigung. Das Bad sperrt montags um 12.30 Uhr auf. "Ich und ein Kollege kümmern uns am Vormittag um die Komplettreinigung", sagt Ferry. Dabei müssen die beiden Gas geben, denn wenn die ersten Besucherinnen und Besucher um halb eins in der Wartehalle stehen und sich in der Umkleide für die ersten Längen umziehen, muss alles fertig sein.

Die Reinigung beginnt eigentlich schon am Sonntag, nach Badeschluss. "Dann kommt unser Unterwasserbodensauger in das große Becken. Der fährt das Becken ab und saugt alles, was sich am Boden abgelegt hat, durch einen Filter ab. Das dauert vier bis fünf Stunden, danach schaltet sich der Sauger ab", sagt Ferry. Am Montag holt Ferry den Sauger aus dem großen Becken und stellt ihn in das kleinere, um auch das gründlich zu reinigen.

Die Böden wiederum werden mit einer speziellen Bürste geputzt, die auch ein Reinigungsmittel aufträgt. "Dieses Mittel reinigt und desinfiziert gleichzeitig", sagt Ferry. Darum kommt es nicht nur auf den Böden zum Einsatz, sondern auch auf den anderen Flächen sowie bei den Liegen. Ist das Mittel aufgetragen, lässt Ferry es einige Minuten einwirken, danach wird es mit dem Schlauch weggespritzt. Nach 30 Jahren kennt Ferry jeden Winkel des Hallenbads und etliche Tricks, mit denen er seine Arbeit effektiver gestaltet. Von der richtigen Methode, den Schlauch aufzurollen, bis zur Technik, mit der Bürste auch die letzten Ecken zu erreichen, Ferry hat für alles so seine Kniffe.

Die Arbeit des Teams im Simmeringer Bad kommt gut an: 2017 waren 84.269 Besucherinnen und Besucher in der Schwimmhalle, 132.334 im Sommerbad und zusätzlich 13.782 in der Sauna.

Gemeinschaft im Hallenbad

Pünktlich um halb eins warten bereits einige Stammgäste, die Ferry seit Jahren kennt. "Wir sind hier eine richtige Gemeinschaft mit unseren langjährigen Gästen. Die Leute erzählen uns auch viel über ihr Leben, teilen mitunter auch ihre Sorgen mit uns", sagt Ferry. Immer positiv sein ist sein Motto. Eine ältere Dame erzählt, dass sie erst vor zwei Wochen eine Knieoperation hatte. "Und jetzt schwimmen sie schon wieder, super!", entlockt Ferry der Dame ein Lächeln.

Langsam, aber sicher füllt sich das Becken. Für Ferry heißt das: Aufsichtspflicht. Vom Rand aus hat er alles im Blick. Dass er eingreifen muss, kommt durchaus vor. "Gerade wenn ältere Menschen, für die Schwimmen anstrengend sein kann, oder Nichtschwimmerinnen oder Nichtschwimmer in den tiefen Bereich kommen, muss ich schon einmal helfen", sagt Ferry. Auch dafür gibt's die richtige Technik. Im Notfall geht Ferry mit einem Kopfsprung à la Baywatch ins Wasser, um schnell zu den Menschen zu kommen. Ist die oder der Ertrinkende weiter vom Rand weg, springt er mit weit ausgestreckten Beinen zuerst ins Becken. So schafft er es, wenig bis gar nicht unterzutauchen, um die Person stets im Blick zu haben.

Auch auf die Einhaltung der Baderegeln hat Ferry ein Auge. Kein Laufen, keine Randsprünge sind zwei solche Vorschriften. Wenn Kinder und Jugendliche im Bad sind, wird naturgemäß öfter dagegen verstoßen. Keine Ausreden gibt es, was den Gang ins Becken ohne vorherige Dusche anbelangt. "Das ist eine Sache der Hygiene und da gibt es keine Ausreden."

Wenn jemand Unterstützung braucht, ist Ferry immer ansprechbar, egal um welches Anliegen es sich handelt. Ein Herr im Rollstuhl kommt ins Bad und Ferry holt ihn gleich beim Eingang ab. Im Simmeringer Bad gibt es einen hydraulischen Lift, mit dem Menschen mit Behinderung ins Becken gelangen können. Ferry hilft dem Mann dabei, vom Rollstuhl in den Sitz des Lifts zu wechseln. "Der Lift funktioniert ganz einfach: Wenn die Schläuche mit Wasser volllaufen, dreht er sich automatisch zum Wasser und senkt sich ins Wasser. Lassen wir das Wasser ab, geht's retour", sagt Ferry.

Ein Job, der etwas bewirkt

Am Nachmittag steht dann ein Schwimmkurs an. Eine Gruppe von Kindern, allesamt fünf bis sieben Jahre alt, kommt vorbei. Gruppenschwimmkurse gibt es bei den Wiener Bädern seit Mai 2018, bis jetzt nahmen mehr als 200 Kinder daran teil. Ferry bereitet die Schwimmgurte und Schwimmnudeln vor. Die Gurte sind mit abnehmbaren Styroporteilen versehen, die für Auftrieb sorgen. Je weniger Teile drauf sind, desto mehr muss das Kind selbst schwimmen.

Während Ferry in seinen Neoprenanzug schlüpft, erzählt er, dass er vor 30 Jahren eigentlich in anderen Funktionen gearbeitet hat. Doch schon damals hat der begeisterte Schwimmer die Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer bewundert und beschlossen, selbst einer zu werden. "Ich liebe diesen Job, denn ich kann etwas Positives weitergeben", sagt Ferry. "Ich finde Schwimmen ist sehr wichtig für Kinder. Und wenn ich sehe, dass sie nach dem Kurs ganz alleine im Wasser unterwegs sind, weiß ich, dass wir etwas bewirkt haben." Den Neoprenanzug trägt er immer. "Ich bin sehr lange im Wasser und mit dem Anzug ist es dann einfach angenehmer und er schützt die Nieren", sagt Ferry.

SchwimmlehrerInnen brauchen vor allem Geduld

Die Schwimmkurse beginnen immer mit dem Brustschwimmen. Zuallererst versucht Ferry aber ein Gefühl dafür zu bekommen, ob die Kinder Angst vor dem Wasser haben oder nicht. "Manche trauen sich anfangs zum Beispiel nicht, das Gesicht ins Wasser zu geben. Da muss man Geduld und Einfühlungsvermögen haben. Mit spielerischer Wassergewöhnung lassen sich Ängste nehmen." Die Nachwuchsschwimmerinnen und –schwimmer gehen behutsam ins Wasser, halten die Nase zu und tauchen leicht das Gesicht unter.

Wenn die ersten Bedenken vor dem Wasser weg sind, macht Ferry ein paar Trockenübungen. Er zeigt den Kindern vor, wie man unter Wasser die Beine bewegen muss, und führt ein paar Atemübungen vor. Anschließend holt er die Schwimmgurte und es geht wieder ins Becken. Die Kinder lernen, wie man die Brust ins Wasser legt und wie die Arme fürs Vorankommen eingesetzt werden. Schritt für Schritt nähern sie sich dem echten Brustschwimmen an. Bei manchen läuft es so gut, dass Ferry sogar früher ein paar Styroporteile abnimmt. Die anfängliche Scheu ist verflogen und die Kinder sind begeistert.

Nach dem Schwimmkurs räumt Ferry die Utensilien wieder weg und widmet sich organisatorischen Aufgaben. Er plant die Schwimmkurse für Schulklassen und auch die Zeiten, in denen Vereine das Becken nutzen. "Dafür werden auch einzelne Bereiche abgesperrt, man muss das also gut durchplanen", sagt Ferry. Seinen Job würde er auf keinen Fall tauschen. "Mein Job fasziniert mich heute noch genauso wie vor 30 Jahren."