Claudia Derflinger ist seit fünf Jahren Schulwartin in der Simmeringer Volksschule Herderplatz. Ihre Werkzeuge für Reparaturen und gegen den größten Schmutz sind Schraubezieher, Lappen, gute Laune und bei Bedarf auch eine Leiter. © PID / Christian Jobst

Ein Tag unter SchulwartInnen: "Ersatzmama und Hobbypsychologin"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten eine Schulwartin einen Tag lang zwischen Dachboden und Kellergeschoß.

Die ersten Schritte am Morgen führen sie in den zweiten Stock der Simmeringer Volksschule Herderplatz 1 zum Zimmer der Direktorin. Der Unterricht hat bereits vor etwas mehr als zwei Stunden begonnen. In den Gängen ist es ruhig. Leises Murmeln dringt aus den Klassenzimmern, ein achtjähriges Mädchen läuft geschäftig an ihr vorbei in Richtung Toilette. "Guten Morgen, Claudia", ruft es. "Guten Morgen, Larissa", ruft Claudia Derflinger zurück. Claudia Derflinger ist eine von 25 weiblichen Schulwartinnen in Wiens öffentlichen Schulen, 555 gibt es insgesamt. Sie ist seit fünf Jahren die gute Seele des Hauses, kennt jeden Winkel und fast alle Schülerinnen und Schüler beim Namen: "Ob Lehrkraft, Kind oder Eltern: Alle wissen, dass sie mit jedem Anliegen zu mir kommen können. Ich bin Ersatzmama, gute Freundin, Kuschelmaus und Hobbypsychologin. Wenn ein Kind weint, tröste ich es, wenn es um Streit geht, schlichte ich und ich besänftige, wenn es um Ängste vor Tests geht. Und ich bin auch gerne bei jedem Schabernack dabei, solange nichts im Schulgebäude kaputt gemacht wird. Denn über das wache ich mit ganzer Leidenschaft, bin ich doch für 175 Fenster, zwölf Unterrichtsräume, einen Turnsaal, diverse Sanitäranlagen, Gänge und Stiegenhäuser verantwortlich." 

Da ein Schrauberl nachziehen, dort eine lockere Steckdose fixieren: Claudia hält das Haus in Schuss. © PID / Christian Jobst

Von Mensch zu Mensch

Bei der Direktorin angekommen, werden der Tagesplan beziehungsweise individuelle Tätigkeiten, die darüber hinaus zu erledigen sind, durchgegangen. Und natürlich es wird auch ein bisschen geplaudert, versteht man sich doch gut und begegnet einander im Haus mit Respekt. Gibt es untertags spontan etwas zu erledigen, das nicht morgens besprochen wurde, ist das auch kein Problem. Claudia erzählt: "Alle Lehrkräfte und die Direktorin haben meine Diensthandynummer. So bin ich immer erreichbar und kann zum Beispiel ausgefallene Sicherungen, lockere Steckdosen, lose Schrauben oder verstopfte Klos rasch wieder in Ordnung bringen."

Weil es im Haus keinen Lift gibt, hat Claudia in jedem Stock ein eigenes Putzwagerl. © PID / Christian Jobst

Jedem Stock sein Reinigungswagerl

Nach dem Briefing bei der Direktorin richtet Claudia in jedem der vier Stöcke ihre Reinigungswagerln her und prüft sie auf vollständige Ausstattung. Fehlt ein Putzmittel oder ein sauberer Fetzen, wird nachgerüstet. "Ich bin in der glücklichen Lage, in jedem Stock ein eigenes Wagerl zu haben. Damit erspare ich mir viel Schlepperei. Das Haus hat doch einige Stockwerke und keinen Lift. Fit halten muss ich mich aber trotzdem und gehe privat häufig ins Fitnesscenter. Kraftsport mag ich besonders gerne. Immerhin war ich vor 15 Jahren sogar ganz kurz als professionelle Bodybuilderin tätig."

Erst wenn die Schülerinnen und Schüler außer Haus sind, reinigt Claudia die Klassenräume. © PID / Christian Jobst

"Ich schwöre auf meinen Werkzeug-Gürtel"

Waschen, moppen, putzen, schrubben, wischen, saugen oder bürsten: Gereinigt wird das 104 Jahre alte Schulgebäude, das anno dazumal als Internat geführt wurde, von oben nach unten. Der Dachboden kommt als erster dran. Claudia: "Ich reinige alles sehr gründlich. Also auch dort." Am Ende kommen alle Böden und der Keller dran, in dem sich die Heizräume befinden. Klassenräume und laute Arbeiten erledigt Claudia nach dem Unterricht und manche Orte wie den Turnsaal oder die Zentralgarderobe mehrfach am Tag. Claudia hat dabei nicht nur Wischmop und Besen dabei, sondern auch Schraubenzieher und Co. "Ich bin nicht nur Reinigungskraft, sondern gleichzeitig Elektrikerin oder Installateurin", sagt Claudia.
Claudia hat ursprünglich 14 Jahre als Zuckerbäckerin gearbeitet. "Die meisten erwarten bei einer Schulwartin wohl eher eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf. Aber da mein Vater Tischler und mein Bruder Fliesenleger ist und ich aus einer Familie komme, in der man viel selber macht, konnte ich mir schon immer viele Fertigkeiten abschauen.

Claudia ist den ganzen Tag im Gebäude unterwegs und wischt im Vorbeigehen auch mal eine staubige Lampe. Lehrkräfte und Direktorin haben übrigens Claudias mobile Nummer und können sie immer erreichen. © PID / Christian Jobst

1.600 Luftballons zum Geburtstag

Claudia nutzt jeden ihrer Wege im Schulhaus auch als Kontrollgang, prüft quasi im Vorbeigehen, ob Glühbirnen auszutauschen, Seifenspender nachzufüllen, Sesselleisten neu zu montieren oder Schrauben nachzuziehen sind. "Vor allem bei den Spielgeräten prüfe ich besonders genau. Was die Sicherheit der Kinder angeht, verstehe ich keinen Spaß. Sonst mache ich gerne bei jedem Scherz mit", erklärt die Schulwartin, die gerne jeden Spaß mitmacht oder bei Sonderwünschen unterstützt. So verkleidete sie auf Wunsch einer Lehrerin die Pinnwände mit buntem Filz, lässt "ihre" Kinder an heißen Sommertagen durch die Wasserstrahlen des Wassersprinklers im Hof hüpfen oder füllt mit Schülerinnen und Schülern als Geburtstagsüberraschung für eine Lehrerin ein Klasse mit 1.600 Luftballons an. Weniger Ballons waren nicht möglich, da die Klasse relativ groß ist. "Wenn ich meinem Sohn, dem achtjährigen Manuel, von unserem Alltag in der Schule erzähle, ist er ganz begeistert. Ich denke, er würde gerne in meine Schule gehen, von der er schon so viel gehört hat und viele der Lehrkräfte auch persönlich kennt", sagt Claudia. "Das wollte ich jedoch nicht zum Wohle seiner selbstständigen Entwicklung!"

Putzmittel werden ein Mal im Jahr vor Weihnachten geordert. Aus Erfahrung weiß Claudia, wie viel sie wovon braucht. © PID / Christian Jobst

Sehnsucht nach fixem Standort

Das Putzmittellager befindet sich im Keller des Hauses. Ein Mal im Jahr, knapp vor Weihnachten, bestellt Claudia passende Mengen an Reinigungsmitteln - von Handseife bis Essigreiniger -, die schließlich vor Ostern geliefert werden. Es werden alle Putzmittel für alle Wiener Schulen zeitgleich geordert. Bei diesen Mengen dauert die Anlieferung einfach etwas länger.

Woher Claudia übrigens weiß, wie viel sie wovon braucht? "Das macht die Erfahrung. Ich bin ja schon seit 2004 als Schulwartin bei der Stadt. Bevor ich am Herderplatz einer fixen Schule zugeteilt wurde, habe ich als Springerin gearbeitet. Ich war immer dort im Einsatz, wo ich gerade gebraucht wurde. Dann, wenn zum Beispiel eine Kollegin oder ein Kollege erkrankt ist. Dabei lernt man mit den unterschiedlichsten Gegebenheiten umzugehen", erzählt Claudia. Holz-, Stein-, Fliesen- oder Linoleumboden, Alt-, Neu- oder Umbau, Alltagsreinigungsarbeiten oder Grundreinigung im Sommer, 1. oder 23. Bezirk: Claudia ist kaum etwas fremd. "Die ersten Jahre meiner Tätigkeit waren eine spannende, lehrreiche Zeit. Aber nach einigen Jahren und meiner Babyauszeit habe ich mich schließlich nach einem fixen Standort gesehnt", sagt Claudia. Nach einem Gespräch mit der MA 56 - Wiener Schulen, wurden ihr mehrere Schulen vorgeschlagen, in denen jemand gebraucht wurde. "Eine der Schulen war die Volksschule Herderplatz, die ich schon aus meiner Springerzeit kannte. Da ist der alte Schulwart in Pension gegangen. Zudem stand eine Generalsanierung des Gebäudes bei Vollbetrieb an. Dieser Herausforderung wollte ich mich gerne stellen", sagt Claudia, die in den darauffolgenden Monaten Handwerkszünfte aller Art antrieb, bei Bedarf nachbessern ließ, laufend kontrollierte, ob alles nach ihrer Zufriedenheit passiert, und Lehrkräfte wie auch Eltern besänftigte.

Übrigens wurden in den vergangenen zehn Jahren an 242 Allgemeinbildenden Pflichtschulen substanzerhaltende Maßnahmen durchgeführt. Die Stadt investierte 570 Millionen Euro in das Jahrhundertprojekt. Dieses wurde kürzlich bis 2023 verlängert, um weiterhin dem Bedarf an Schulplätzen in einer wachsenden Stadt gerecht zu werden.

Dass sie selber eigentlich im 21. Bezirk und daher relativ weit entfernt wohnt, macht ihr nichts aus: "Das Arbeitsklima hier ist klasse und das Haus gut öffentlich erreichbar. Das passt schon so. Zudem bin ich richtiggehend stolz, wenn ich durch mein Haus gehe und alles ist picobello sauber. Scheinen die Sonnenstrahlen durch die geputzten Fenster und bringen den Raum wieder in aller Helligkeit zum Leuchten, sieht man richtig, was man geschafft hat."

Handwerkliches Geschick erleichtert Claudia ihren Alltag als Schulwartin. © PID / Christian Jobst

Abgeschlossene Lehre ist Grundvoraussetzung

Eine abgeschlossene Lehre ist eine der Grundvoraussetzungen für den Job als Schulwartin. Als ich mich dann beruflich verändern wollte, hat mich eine Freundin, ebenfalls Schulwartin, darauf aufmerksam gemacht, dass die MA 56 Personal sucht." Juli 2004 war ihr erster Arbeitsmonat. Es ging nach einer kurzen Einschulung um die rund dreiwöchige Grundreinigung eines Schulstandortes mit 200 Fenstern im 4. Bezirk. "Ich bringe ein paar Fähigkeiten mit, durch die mir mein Beruf leicht fällt. Ich habe Hand- und Fingergeschicklichkeit und technisches Verständnis, bin physisch belastbar, selbstständig und sehr kontaktfähig. Das lässt mich aufleben", sagt Claudia. Ich erfreue mich an meinen 300 Kindern. Ich gehe täglich in meinem Tun auf. Es fühlt sich richtig und sinnvoll an!"

In Wien ist Claudia eine von 25 weiblichen Schulwartinnen. Ihre männlichen Kollegen sind in der großen Überzahl. © PID / Christian Jobst

Feierabend

Um 18 Uhr endet Claudias Arbeitstag. Was morgen auf dem Programm steht? Claudia lässt sich überraschen und freut sich auf einen gemütlichen Feierabend. Volksschuldirektorin Brigitte Stiebitz: "Wir sind stolz, eine so engagierte Kraft im Haus zu haben. Claudia ist eine Perle!"

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