Helmut Weigmann ist seit sieben Jahren bei der Rathauswache. Sein Job beinhaltet mehr als nur vor dem Rathaus Wache zu halten. Er ist auch ausgebildeter Feuerwehrmann. @ PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Rathauswachen: "Ich habe schon David Alaba durchs Haus geleitet"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten die Rathauswache bei ihrem Dienst und zeigt, dass sie viel mehr ist, als bloß Türsteher.

Wenn Sie schon einmal im Rathaus waren oder daran vorbei gegangen sind, haben Sie sie bestimmt schon gesehen: Die Rathauswache. Die Herren in blau bewachen rund um die Uhr Wiens Regierungssitz und weitere 649 Gebäude der Gemeinde Wien. Helmut Weigmann (27) ist einer von ihnen. Seit Dienstbeginn um 7.45 Uhr steht er bei strömendem Regen vor dem Eingangstor des Rathauses.

Auch der Dienst in der Alarmzentrale gehört zu Helmuts Aufgaben. Die Technik ist sehr komplex, alle Bediensteten müssen umfangreiche Schulungen absolvieren.©PID/Christian Jobst

"Viele denken, dass wir hier den ganzen Tag stehen und nur die Eingänge überwachen. Dabei ist das nur ein kleiner Teil unserer Aufgaben", sagt Helmut. Zu seinem Job gehört auch der Einsatz am Alarmplatz: "Hier gehen alle Alarme ein. Über Funk gebe ich Anweisungen an meine Kollegen weiter. Mir gefällt mein Beruf auch deshalb, weil er so abwechslungsreich ist".

Video: Unterwegs mit der Rathauswache

Die Wache Rathaus ist Teil der Wiener Feuerwehr. Die Bediensteten sind allesamt ausgebildete Feuerwehrmänner. Pro Jahr bewältigen sie um die 1.000 Einsätze, zwei Drittel davon sind Sicherheitseinsätze. Wenn etwa in städtischen Schulen, Bezirksämtern oder Museen eingebrochen wird, dann ist die Rathauswache zur Stelle und sichert den Tatort gemeinsam mit der Polizei ab. Was die wenigsten wissen: die Wache Rathaus stellt Notpässe aus. Ein solcher ist dann notwendig, wenn der Reisepass abgelaufen oder verlegt worden ist und auf der Stelle ein gültiger her muss. "Am häufigsten kommt so etwas in der Ferienzeit vor, wenn viele in den Urlaub fahren wollen. Die meisten sind uns dann sehr dankbar, wenn sie dank unserer Hilfe doch noch verreisen können", sagt Helmut.

Der cremefarbene Notpass gilt über einen bestimmten Zeitraum. Allerdings nicht in allen Staaten.©PID/Christian Jobst

Kopf- und Krafttraining

Helmut hat sich nach Abschluss der Maschinenbaulehre und dem Präsenzdienst entschieden, zur Wache Rathaus zu gehen. Die Idee hat er übrigens von seinem Vater, denn auch der arbeitete viele Jahre dort. Der Weg ins Rathaus ist aber kein Zuckerschlecken: "Zusätzlich zur Ausbildung zum Feuerwehrmann sind wir in rechtlichen Belangen und Sicherheitstechnik ausgebildet. Außerdem müssen wir stets körperlich fit bleiben", so Helmut.

Im Keller des Rathauses befindet sich ein Sportraum. Helmut hat inzwischen seine Sportsachen angezogen und beginnt, Gewichte zu stemmen: "Wir arbeiten in 24-Stunden-Schichten. Da ist es wichtig, sich fit zu halten. Außerdem ist das Training eine schöne Abwechslung zum Job", erzählt er schwitzend. Während sich Helmut beim Bankdrücken verausgabt, passt sein Kollege darauf auf, dass die mit gut 100 Kilogramm bestückte Eisenstange nicht auf ihn fällt. "Auch beim Training braucht man immer jemanden, der Wache hält", sagt Helmut lachend und fügt hinzu: "Wir trainieren gemeinsam. Das stärkt unser Zusammengehörigkeitsgefühl."

Helmut nutzt seine Pausen für sportliche Aktivitäten. Trainiert wird gemeinsam, das stärkt den Teamgeist.©PID/Christian Jobst

Kochen für die ganze Mannschaft

Wache halten und Krafttraining machen hungrig. Frisch geduscht, macht sich Helmut auf in die Küche: "Jeden Tag hat einer von uns Küchendienst. Das bedeutet auch kochen für die ganze Mannschaft. Fürs Abendessen bin heute ich zuständig", sagt Helmut. Insgesamt arbeiten 108 Bedienstete bei der Rathauswache. Pro Schicht befinden sich 32 im Dienst. "Für so viele Leute zu kochen, ist ganz schön aufwendig. Aber irgendwer hilft immer mit". Der Menüplan für heute liest sich wie aus einem Haubenlokal: Zu Mittag gibt es Kaspressknödelsuppe und Germknödel, am Abend Rindsragout mit Schupfnudeln. Wegen seiner Liebe zu Gewürzen ist Helmut in der ganzen Dienststelle bekannt. Er wird von seinen Kollegen liebevoll "Würzologe" genannt.

In der modernen Küche wird sowohl Mittag- als auch Abendessen gekocht. Gegessen wird gemeinsam.©PID/Christian Jobst

Als Helmut gerade Champignons kleinhackt, geht an der Küchendecke plötzlich ein rotes Alarmlicht an: Brandalarm. Viele Gebäude, die von der Wache Rathaus überwacht werden, sind mit Alarmanlagen und Brandmeldern ausgestattet – allein 10.000 Brandmelder sind im Rathausviertel installiert. "Wird ein Alarm ausgelöst, wird das in allen Räumen angezeigt. Auch in der Küche. Dann rücken wir aus", sagt Helmut, während er sich seine Uniformjacke überstreift und zum Einsatzwagen läuft. Helmut und sein Kollege steigen ein und starten den Motor. Wenige Sekunden später ist die Aufregung aber wieder vorbei: Es gibt doch keinen Brand. Durch Staubentwicklung bei der Fassadensanierung wurde am Dachboden des Rathauses ein Alarm ausgelöst. Es geht zurück in die Küche, wo gemeinsam zu Mittag gegessen wird.

Bei Ertönen des Alarms schlüpft Helmut in seine Feuerwehr-Uniform. Zu seinen Aufgaben gehört nicht nur Wache halten, sondern auch der vorbeugende und abwehrende Brandschutz.©PID/Christian Jobst

Feine Adjustierung für den Bürgermeister

Helmut und seine Kollegen bewachen nicht nur die Eingangstore des Rathauses. Auch die Räumlichkeiten im Inneren des Gebäudes werden geschützt. Heute Nachmittag bewacht Helmut das Büro des Bürgermeisters. "Da der Herr Bürgermeister oft wichtige Gäste empfängt, müssen wir hier etwas feiner gekleidet sein", sagt Helmut und streift ein hellblaues Hemd über und bindet seine dunkelblaue Krawatte. "Ich habe während des Dienstes schon Personen wie den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, David Alaba, Bill Clinton und Königin Beatrix der Niederlande gesehen. Prominenten zu begegnen, ist immer spannend, trotzdem muss ich mich stets professionell verhalten".

Vor dem Büro des Bürgermeisters wartet sein Kollege Rudolf Weigl bereits auf die Ablöse. "Die Überwachung der Bürobereiche kann auch mal ruhiger sein. Turbulenter wird es bei Veranstaltungen im Rathaus. Da müssen wir manchmal auch Erste Hilfe leisten, wenn jemand kollabiert. Außerdem müssen wir mit dem Gästeansturm zurechtkommen." Helmut erzählt von einer besonders kuriosen Begebenheit: "Eine Zeitung hat einmal angekündigt, dass es bei einem Weinfest im Rathaus eine Gratisverkostung gibt. Allerdings brauchte man für das Fest eine Einladung. Dieses Detail hatte die Zeitung nicht erwähnt. Diejenigen, die keine Einladung hatten, durften natürlich nicht hinein. Manche haben uns dann aus Frust wüst beschimpft. Wir müssen aber drüber stehen und versuchen, solche  Situationen zu entschärfen".

Paradeuniform: Wenn Helmut im Gang zum Büro des Bürgermeisters steht, gehören Hemd und Krawatte dazu. Schließlich will man gut aussehen, wenn Gäste wie Ban Ki-Moon kommen.©PID/Christian Jobst

24-Stunden-Schicht ist Pflicht

Ein Tag Arbeit, ein Tag frei. Damit müssen sich vor allem neue Kollegen der Wache Rathaus erst anfreunden. "Das ist nicht immer leicht, vor allem, wenn man eine Familie hat", erzählt Helmut und ergänzt: "Ich bin jung und habe noch keine Kinder, deshalb melde ich mich meistens freiwillig für den Weihnachtsdienst. Die Kollegen, die Kinder haben, wissen das sehr zu schätzen und revanchieren sich immer". Helmuts Dienst hat heute um 7:45 Uhr in der Früh begonnen und endet morgen um dieselbe Uhrzeit. "Wenn alle anderen in die Arbeit gehen, gehe ich nachhause. Ich empfinde das als etwas Besonderes und könnte es mir gar nicht mehr anders vorstellen".

Jeder im Team der Wache Rathaus ist voll ausgebildeter Feuerwehrmann. Helmut rückt regelmäßig zu Feuerwehreinsätzen aus.©PID/Christian

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