Thomas Tranum (35) bei der Arbeit. In einem Papierwarengeschäft notiert er die Preise für Bleistifte, Blöcke und Co. Der Bedienstete der MA 23 - Wirtschaft, Arbeit und Statistik trägt mit seinen regelmäßigen Erhebungen dazu bei, dass die Statistik Austria die Inflation berechnen kann. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Preistestern

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Thomas Tranum auf seiner Tour. Der Bürokaufmann erhebt im Dienst der MA 23 die Preise von Lebensmitteln und Waren.

Es sind Semesterferien und es regnet. Wiens größte Einkaufsmeile, die Mariahilfer Straße, wirkt um 8 Uhr früh noch recht verschlafen. Lieferwagen parken vor Geschäften, wenige Passantinnen und Passanten ducken sich unter ihre Regenschirme. Unter widrigen Bedingungen beginnt Thomas Tranum seinen Arbeitstag. Dick eingepackt zieht er die Einkaufsstraße entlang, er ist aber nicht zum Shoppen da. Für die Magistratsabteilung 23 - Wirtschaft, Arbeit und Statistik geht er jeden Monat eine Woche lang auf die Straße, um in verschiedenen Geschäften die Warenpreise zu erheben. Das ist wichtig, um die aktuelle österreichische beziehungsweise europäische Inflationsrate zu berechnen. Inflation, das bedeutet die Entwicklung des Wertes von Geld - sprich, wie viel kann man sich um den Euro in der Geldbörse leisten. Tranums Arbeit bedeutet den ersten Schritt, die Inflation überhaupt berechnen zu können. Dieses Wissen betrifft uns alle: Die Entwicklung der Inflation, analysiert von der Statistik Austria, wirkt sich etwa auf Gehälter, Kollektivverträge, die Höhe von Steuern und von Mietzinsen aus.

Thomas Tranum auf seiner Tour über die Mariahilfer Straße. Neben großen Einkaufsstraßen besucht er auch Märkte sowie Geschäfte abseits der Shoppingmeilen. © PID/Christian Jobst

Gemüsepreise sind besonders instabil

Mit einem Tablet ausgerüstet, betritt Tranum einen Supermarkt. Zuallererst stellt sich der 35-Jährige bei der Filialleiterin vor. Das ist zwar nicht verpflichtend, hat aber einen guten Grund: "Wir sind nicht immer gern gesehene Gäste. Manche glauben, dass wir ihr Geschäft in ein schlechtes Licht rücken wollen. Das stimmt aber nicht. Mir geht es nur um die Preise, die konkrete Supermarktkette wird im Endbericht nicht erwähnt. Mir ist wichtig, das gleich zu Beginn klarzustellen", sagt Tranum. Er ist einer von vier Bediensteten in der MA 23, die regelmäßig Produktpreise erheben.

Immer noch im Supermarkt, steht Tranum in der Obst- und Gemüseabteilung. Welche Produkte er genau kontrollieren muss, bestimmt die Statistik Austria. Besonders bei den Gemüsepreisen gibt es saisonal bedingt häufig Schwankungen, weshalb diese auch zwei Mal im Monat erfasst werden. "Diese Gurke hier ist zum Beispiel um 40 Prozent teurer als im vergangenen Monat. Das ist schon beträchtlich", sagt er. Wien ist Österreichs "Gurkenhauptstadt", sechs von zehn in Österreich gezogenen Gurken stammen aus lokaler Landwirtschaft. Darüber hinaus wird das Gemüse auch aus Mittelmeerländern wie Spanien importiert. Weil der Winter dort besonders streng war, sind große Teile der Ernte ausgefallen, was jetzt den Preis erhöht.

Tranums Tablet ist sein wichtigstes Arbeitsgerät. Die Software ermöglicht Preisvergleiche mit älteren Einträgen in der Datenbank. © PID/Christian Jobst

Die gesammelten Informationen gibt Tranum in sein Tablet ein. Am Ende einer Erhebungswoche übermittelt er die Daten an die Statistik Austria, die sie mit jenen aus dem Vormonat vergleicht. Die Statistik Austria bezieht ihre Informationen nicht nur aus Wien, sondern aus 19 anderen Städten in Österreich. Am Ende des Monats veröffentlicht sie einen detaillierten Bericht mit Informationen zur aktuellen Preisentwicklung in Österreich.

Tranum steht mittlerweile vor dem Honigregal und sucht nach einem Glas von einem bestimmten Hersteller. "Letztes Mal war es noch da, sie dürften den Honig aber aus dem Sortiment genommen haben", sagt er. Das Problem: Es muss trotzdem ein Vergleichswert her. In solchen Fällen suchen die Preiserheberinnen und Preiserheber nach einem gleichwertigen Produkt und notieren sich dessen Preis. "So kann man auch ablesen, ob sich der Honigpreis erhöht hat oder ob er gesunken ist", erklärt Tranum.

Bei Preiserhebungen ist Markentreue angesagt. Denn für einen Vergleich ist es wichtig, genau dieselben Produkte über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Fällt ein Produkt aus dem Sortiment, muss Tranum ein gleichwertiges finden. © PID/Christian Jobst

"Wir sind nicht immer willkommen"

In Supermärkten braucht Tranum immer am längsten, bis er alle vorgegebenen Waren kontrolliert hat. "Im Schnitt sind es 90 Produkte, das kann schon ein bisschen dauern. Vor allem, wenn es neue Waren gibt, die ich erst suchen muss." Für den Supermarkt auf der Mariahilfer Straße braucht er heute eine Stunde. Der nächste Stopp ist ein Papierwarengeschäft. Auch hier ist Tranums erste Anlaufstelle die Filialleiterin. Sie begrüßt ihn herzlich, die beiden kennen sich schon. Die Reaktionen der Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber sind sehr unterschiedlich. So herzlich wie in diesem Papiergeschäft geht es nicht immer zu, erzählt Tranum: "Ich war auf dem Weg in eine Fleischerei in Floridsdorf. Als ich dort angekommen bin und mich vorgestellt habe, hat mich der Fleischer mit den Worten 'Meine Preise sind alle gleich geblieben, auf Wiederschauen!' gleich wieder weggeschickt." Verweigern Geschäftsinhaberinnen oder Geschäftsinhaber den Besuch, hat das einen wesentlichen Nachteil: Es verzerrt die Statistik. Je weniger Warenpreise vorliegen, desto ungenauer sind die Daten. Dass Tranum erst gar nicht ins Geschäft gelassen wird, ist aber die Ausnahme. "Die meisten lassen es über sich ergehen, wenn auch manchmal zähneknirschend."

Auch, wie sich der Preis einer Heftklammer entwickelt, notiert Tranum in seinem Tablet. Seinen gesammelten Datensatz übermittelt er an die Statistik Austria. © PID/Christian Jobst

Die Vielfalt macht es aus

Es ist Mittag und Tranum isst einen kleinen Snack. "Ich nutze die kurze Pause, um mich hinzusetzen und kurz zu entspannen. Ich bin gerne draußen und genieße die Abwechslung vom Büroalltag", sagt er. Tranum erhebt acht Mal im Monat Preise, sonst ist er im Büro tätig. Seine Ausbildung zum Bürokaufmann hat er bei der Stadt Wien absolviert. "Das Tolle an der Ausbildung war, dass ich viele verschiedene Dienststellen kennengelernt habe, die mich auf meinen jetzigen Job gut vorbereitet haben", erinnert er sich.

Marke bedeutet nicht unbedingt Qualität

Nach der Mittagspause geht es für Tranum in ein bekanntes Wiener Kaufhaus. Dort nimmt er unter anderem einen Schuhhändler und ein großes Bekleidungsgeschäft unter die Lupe. Beim Gewand ist übrigens nicht nur der Preis für die Erhebung wichtig, sondern auch das Material. Zwei Produkte können auf den ersten Blick gleichwertig aussehen, beim näheren Hinschauen stellt sich aber oft heraus, dass dem nicht so ist: "Ich habe einmal die Preise von Anzügen notiert. Zwei sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Beide waren teure Markenanzüge um 500 Euro. Als ich das Material kontrolliert habe, habe ich festgestellt, dass der eine zu 100 Prozent aus Polyester besteht und der andere aus hochwertigem Leinen", erzählt Tranum. Für das Beobachten der Preisentwicklung ist das relevant, weil eben nicht alle Produkte gleich sind, auch wenn sie ähnlich viel kosten - siehe der Honig im Supermarkt.

Viele Produkte, insbesondere Schuhe und Kleidung, kosten zwar gleich viel, unterscheiden sich aber in der Qualität. Auch das muss Tranum bei seiner Arbeit berücksichtigen. © PID/Christian Jobst

Thomas Tranum ist nach seinem Arbeitstag zwar geschafft, aber zufrieden. Auch wenn er "nur" beobachtet und notiert, mithilfe seiner Arbeit lässt sich die Inflation festhalten. Und diese hat direkten Einfluss auf uns alle, egal ob im Job oder im Privatleben. Tranum selbst ist durch seinen Beruf beim Einkaufen aufmerksamer geworden: "Ich bin preisbewusster als vorher. Ich schaue mir jetzt immer ganz genau die Verpackungsgröße an und wie viel tatsächlich drin ist. Übers Ohr hauen lasse ich mich nicht mehr."

Thomas Tranum geht mit einem guten Gefühl in den Feierabend. © PID/Christian Jobst

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