Denise Leitner auf Streife in Mariahilf: Sie und ihre KollegInnen bei der Parkraumüberwachung sorgen dafür, dass Wien nicht im Parkchaos versinkt. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter "Parksheriffs": Parkchaos verhindern, Leben retten

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Parksheriffs einen Tag lang bei der Arbeit.

Von Dienstbeginn bis Dienstschluss kommen wir den Menschen näher, deren Job und Berufung es ist, Wien für alle Bewohnerinnen und Bewohner zur lebenswertesten Stadt der Welt zu machen.

inwien.at hat Denise Leitner (24) einen Tag lang bei ihrer Arbeit begleitet: An ihrem Beruf gefällt ihr "draußen zu sein und mit Menschen zu reden besonders gut". © PID/Christian Jobst

Ohne Parksheriffs würde Wien binnen kürzester Zeit im Parkchaos versinken. Dass sie nur darauf abzielen, Parksünderinnen und Parksünder auf frischer Tat zu ertappen und möglichst viele Strafzettel zu verteilten, ist ein Klischee. Trotzdem müssen sie sich immer wieder mit Anfeindungen auseinandersetzen. Denise Leitner ist Gruppenkommandantin der Parkraumbewirtschaftung in Mariahilf. Sie hat uns Einblick in ihren Arbeitstag gewährt.

Denise Leitners Uniform sieht auf den ersten Blick so aus wie die ihrer Kolleginnen und Kollegen: Sie trägt eine dunkelblaue Hose und ein dunkelblaues Hemd. Nur die roten Abzeichen in Form eines Daches auf ihren Schulterklappen verraten ihre übergeordnete Funktion. Seit wenigen Wochen ist die 24-Jährige Gruppenkommandantin der Parkraumüberwachung (MA 67) in der Mariahilfer Zentrale, wo rund 230 Kontrollorgane im Außendienst tätig sind. Viele Jahre war die Straße ihr Arbeitsplatz. Mittlerweile geht sie nur noch selten als "Parksheriff" hinaus. Heute ist es aber wieder soweit - "um alter Zeiten willen".

Die Rangabzeichen tragen Kontrollorgane auf den Schulterklappen der Uniform. Denise Leitner (2. v. links) trägt als Gruppenkommandantin ein rot-weiß-rotes Abzeichen in Form eines Daches. Die Uniform ist an jene der Polizei angelehnt. © PID/Christian Jobst

Unfälle und Ausreden

Leitners Arbeitstag beginnt für gewöhnlich mit einem Kaffee und einem Plausch mit Kolleginnen und Kollegen. Im Aufenthaltsraum tauscht man gerne Erlebnisse aus, es wird gewitzelt und getratscht. Für die 8-Uhr-Schicht geht es um 8.15 ab in den "Verlautbarungsraum". Dort versammeln sich alle Kontrollorgane, bevor sie ihren Dienst antreten. Nicht immer gibt es tatsächlich etwas zu verlautbaren, heute allerdings schon. Gruppenkommandant Gerhard Schinkowitsch erzählt von einem am Vortag passierten Unfall, bei dem ein Autofahrer einem Kollegen während einer Kontrolle über den Fuß gefahren ist. "Kein Strafzettel ist es je wert, im Spital zu landen", ruft Schinkowitsch in die versammelte Menge und mahnt gleichzeitig zur Vorsicht. "Am besten immer auf dem Gehsteig stehen bleiben, dann kann nichts passieren."

Dienstbeginn bei der Parküberwachungs-Truppe. Gruppenkommandant Schinkowitsch (hinten rechts) weist im "Verlautbarungsraum" die Rayons für die heutigen Parkstreifen zu. Ein Kontrollorgan legt auf Streife bis zu zehn Kilometer am Tag zu Fuß zurück. © PID/Christian Jobst

"Unfälle passieren selten", sagt Leitner. Ihr Job ist aber auch so schon aufregend genug. "Draußen zu sein und mit Menschen zu reden, das gefällt mir besonders gut." Mit Menschen interagieren kann manchmal aber auch unangenehm sein. Zwar sind Parkraumüberwachungsorgane laut Leitner bei Weitem nicht so unbeliebt, wie man glauben könnte. Dennoch komme es vor, dass Falschparkerinnen und Falschparker gegen eine drohende Geldstrafe lautstark protestierten. Hier gilt es dann, Ruhe zu bewahren und die Situation so weit wie möglich zu entschärfen. "In Konfliktseminaren lernen wir, uns richtig zu verhalten, wenn Emotionen ins Spiel kommen. Zu tätlichen Angriffen kommt es zum Glück nicht oft. Verbale Attacken müssen wir wegstecken."

Parksünderinnen und Parksünder äußern ihren Unmut nicht immer gleich in Form von Schimpfwörtern. Für Belustigung unter den Kolleginnen und Kollegen sorgen besonders kreative Ausreden. Manche gehen dafür sogar über Leichen: "Eine Dame hat mir erzählt, sie hätte nur kurz angehalten, weil sie etwas für ihren kürzlich verstorbenen Mann besorgt habe. Wenige Minuten später kreuzt ein Mann bei ein und demselben Auto auf. Es hat sich herausgestellt, dass es sich um den vermeintlich verstorbenen Ehemann gehandelt hat", erzählt Leitner lachend.

Kontrollorgane als LebensretterInnen

Bevor sie auf die Straße geht, steckt Leitner noch eine Handvoll "Mandate" in ihre Hosentasche, die auf einem Tisch zu Hunderten aufgetürmt sind. Unter Mandat versteht man den klassischen Strafzettel. Außerdem entnimmt sie einer Mappe einen Plan, auf dem ihr heutiges Einsatzgebiet abgebildet ist. "Jedes Kontrollorgan geht in seinem ihm zugeteilten Rayon auf Streife, also in seinem Gebiet. Die Zuteilung erfolgt jeden Tag vor Dienstantritt." Heute ist Leitner im sechsten Bezirk unterwegs. "Als Kontrollorgan sollte man eine gewisse körperliche Fitness mitbringen", schmunzelt Leitner. "An guten Tagen lege ich an die zehn Kilometer zurück."

Denise Leitner rüstet sich vor ihrem Dienstantritt mit "Mandaten" aus. © PID/Christian Jobst

Während sie mit ihrem Gerät Parkscheine und Parkkleber auf ihre Gültigkeit überprüft sowie bestehende Halte- und Parkverbote im Auge behält, erzählt Leitner eine Anekdote, die sie besonders berührt hat. "Als ich vor ein paar Jahren in der Nähe der Zentrale meine Route abgegangen bin, hat mir plötzlich jemand zugerufen, dass da jemand mit einem Messer attackiert wird. Ohne zu zögern bin ich hingelaufen, der Täter hat sofort sein Messer fallen gelassen, als er mich gesehen hat, und ist davongelaufen. Ich habe Erste Hilfe geleistet, indem ich die Blutungen gestoppt habe. Einem zufällig vorbeikommenden Motorradpolizisten hab ich die Täterbeschreibung weitergegeben und dieser konnte den Täter ganz in der Nähe stellen und festnehmen." Kontrollorgane werden auf solche Fälle in Erste-Hilfe-Kursen bestens vorbereitet. "Wir achten also nicht nur darauf, dass Wien nicht im Parkchaos versinkt", erzählt Leitner stolz. Wie wichtig ihr Job ist, wird ihr immer dann klar, wenn Menschen auf sie zukommen und sich für ihre Arbeit bedanken. "Besonders ältere Personen fühlen sich in unserer Anwesenheit sicher, das liegt wohl auch an der Uniform, die der Polizei-Montur stark ähnelt."

Denise Leitner überprüft mit dem tragbaren Scanner die Parkscheine und Pickerl auf ihre Gültigkeit. © PID/Christian Jobst

Auch bei Regen sind die "Parksheriffs" auf der Straße anzutreffen. Bei Starkregen oder Unwetter benützen die Kontrollorgane aber vermehrt die Öffis, um ihren Rayon zu bestreifen. Positiver Nebeneffekt: Auch in U-Bahn, Bim und Co wird durch die uniformierte Präsenz das Sicherheitsgefühl gesteigert.

Zwischenmenschlichkeit wird großgeschrieben

Zu Mittag rücken die Kontrollorgane in die Zentrale ein. Meistens isst man dort im Aufenthaltsraum, manchmal wird sogar gemeinsam gekocht. Insgesamt wird sehr viel Wert auf Gemeinschaft gelegt. "Die kollegiale Atmosphäre ist uns besonders wichtig. Wenn es jemandem einmal schlecht geht, dann schreckt niemand davor zurück, Trost zu suchen oder zu spenden." Leitners Schicht endet heute um 16 Uhr. In die Zentrale einrücken muss sie eine halbe Stunde vor Dienstende. Leitner und ihre Kolleginnen und Kollegen werden jetzt von der Spätschicht abgelöst. Bevor es nach Hause geht, trifft man sich noch einmal auf einen Kaffee und einen Plausch im Aufenthaltsraum. "Man ist hier nicht unter Kollegen, sondern unter Freunden", sagt Denise Leitner.

Denise Leitner vor der Zentrale der Parkraumüberwachung in Wien Mariahilf. Die Zentrale ist das Hauptquartier für mehr als 230 Kontrollorgane im Außendienst. © PID/Christian Jobst

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