Marcela Torres ist Parkbetreuerin. Im Auftrag der MA 13 ist sie zwei Mal die Woche in der Siedlung Am Heidjöchl in der Donaustadt im Einsatz. © PID/Christian Fürthner

Ein Tag unter ParkbetreuerInnen: "Wir sind für Kinder und Jugendliche da"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN begleitet Marcela Torres einen Tag lang bei der Arbeit. Die Parkbetreuerin sorgt dafür, dass Kinder und Jugendliche gemeinsam wertvolle Stunden erleben.

Marcela muss die Kinder nicht zwei Mal bitten. Sajmira und ihr Bruder Besfort schnappen sich eine kleine rote Fahne, die auf rotem Hintergrund eine gelbe Sonne zeigt. "Das ist die Fahne von Mazedonien, wo unsere Familie herkommt", erklärt Sajmira. Die beiden Kinder legen die Fahne auf eine große Decke, auf der eine Weltkarte abgebildet ist. Sajmira und Besfort wissen, wo Mazedonien liegt, und legen die Fahne an der richtigen Stelle ab. "Genau, gut gemacht!", lobt Marcela die beiden Kids.

Marcela Torres ist Parkbetreuerin beim Verein Kinderfreunde aktiv, der im Auftrag der Magistratsabteilung 13 (Bildung und außerschulische Jugendbetreuung) zwei Mal die Woche hier bei den Gemeindewohnungen Am Heidjöchl in der Donaustadt aktiv ist. Die gebürtige Kolumbianerin ist der Liebling aller Kinder. Kaum eine Minute vergeht, ohne dass jemand nach ihr ruft.

Ganzjährige Betreuung quer durch Wien

Die Parkbetreuung gibt es aktuell an rund 180 Standorten in ganz Wien. 2018 feiert man das 25-Jahre-Jubiläum mit einer Vielzahl an Aktionen. Die rund 300 geschulten Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich um Kinder und Jugendliche. Sie spielen, sporteln und plaudern mit ihren Schützlingen und formen damit eine Gemeinschaft in den Wiener Grätzeln.

"Wir organisieren hier Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche", sagt Marcela. Heute zum Beispiel gibt es eine Bastelaktivität zum Thema "Wir", eine Initiative der WiG - Wiener Gesundheitsförderung. "Viele der Kinder hier haben Wurzeln im Ausland, und es kommen viele Nationen zusammen. Wir wollen das positiv hervorheben und lassen die Kinder eine Weltkarte schmücken mit Fahnen und Motiven aus den diversen Ländern", sagt Marcela. Sajmira und Besfort genießen das Basteln und erzählen gerne über Mazedonien. Das Land finden sie ebenso toll wie Wien. Einzig die Schnitzel schmecken in Mazedonien schon ein bisschen anders.

Kinder sind Stammgäste bei der Parkbetreuung

Die Kinder sind motiviert. Kein Wunder, schließlich wird die Karte ja auch am Sommerfest Mitte Juli zu sehen sein und im Anschluss im neuen Clublokal aufgehängt. Neben Bastelstunden organisieren Marcela und ihre Kolleginnen und Kollegen auch viele Ausflüge. Da geht es dann ins Kino, zum Rollerskaten, ins Freibad und im Sommer auch zur Kinderuni. Die Parkbetreuung ist bei den Kindern sehr beliebt. "Unsere Kinder kommen eigentlich jede Woche, sofern sie nicht im Urlaub sind. Sowohl die Kinder als auch die Eltern finden es einfach super, dass die Kinder hier eine sinnvolle Beschäftigung haben."

Marcela ist eigentlich zum Studieren nach Wien gekommen. Sie hat Lateinamerikanisch studiert, suchte danach aber einen Job mit pädagogischem Hintergrund. "Ich war schon in Kolumbien Lehrerin und wollte hier auch etwas in diese Richtung machen", sagt Marcela. Bei der Parkbetreuung wurde sie dann fündig und ist seit mittlerweile zwei Jahren dabei.

Marcela ist eine Vertrauensperson

"Am meisten gefällt mir, zu sehen, wie sich die Kinder bei uns weiterentwickeln. Sie lernen viel Neues und finden immer jemanden mit einem offenen Ohr. Sie können jederzeit mit uns reden, und wir nehmen uns auch viel Zeit dafür." Ein paar Regeln gibt es natürlich auch. Am wichtigsten ist der respektvolle Umgang miteinander. Streits lassen sich nicht gänzlich vermeiden. Aber wenn Marcela sagt, jetzt ist Schluss, verstehen die Kinder das auch. "Ich bin jetzt schon seit zwei Jahren hier, da gibt es schon eine Vertrauensbeziehung zwischen uns." Diese Kontinuität ist in der Parkbetreuung ganz wichtig. "Wir erleben hier hautnah, wie die Kinder auch zwischenmenschlich wachsen und lernen, eine Gemeinschaft zu sein. Darauf sind wir stolz, denn das heißt, wir haben einen guten Job gemacht."

Nach dem Basteln ist auch noch Zeit für etwas Sport. Zuerst spannt Marcela das Springseil und lässt die Kinder hüpfen. Im Anschluss spielt sie mit ihnen auch noch Karten. So lassen sie gemeinsam den Nachmittag ausklingen. Schön langsam trudeln auch die Eltern ein. Die Mütter und Väter sind dankbar für die Betreuung, schließlich sind viele berufstätig.

Neues Clublokal wird Angebot noch besser machen

Die Parkbetreuung widmet sich nicht nur Kindern, sondern auch Jugendlichen. Die Betreuung läuft hier etwas anders ab. Die Jugendlichen hören gerne Musik, interessieren sich für Sport und Computer und reden gerne auch über ernsthaftere Themen wie Karriere und Beziehungen. Ein offenes Ohr für die Probleme der Jugendlichen zu haben, ist sehr wichtig.

Bis dato gab es auch ein Lokal direkt hier im Gemeindebau. Das stand allerdings nur den Jugendlichen zur Verfügung. In Kürze öffnet ein neues Clublokal direkt um die Ecke, das künftig auch Kindern offensteht. "So können wir die Kinder auch im Winter betreuen und nicht nur im Sommer im Freien. Wir haben eine Küche im Lokal eingebaut, es gibt einen Wuzzler, und wir bieten auch eine Lehrstation, die von der VHS betreut wird, an. Wir planen auch noch einen Computerraum, und eventuell stellen wir ein paar Sportgeräte rein."

Marcela gibt eine kurze Tour durch das neue Clublokal. Es soll ein Herzstück des Grätzels werden. Noch wird hier gearbeitet, lange wird es aber nicht mehr dauern, bis es in Betrieb gehen kann. Spielzeuge und Bücher gibt es schon jetzt in rauen Mengen. Das Team der Parkbetreuung ist stolz auf die neuen Räumlichkeiten und packt auch selbst gerne mit an. Marcela etwa verstaut Spielsachen in einer Kiste und räumt ein bisschen auf. Für sie und ihr Team ist das Lokal mehr als eine Räumlichkeit. Hier wollen sie in Zukunft das Miteinander im Gemeindebau noch stärker pflegen und den Kindern und Jugendlichen in allen möglichen Lebenslagen zur Seite stehen.