Otmar Gehring ist Ordnungsmanager bei Wiener Wohnen. Die Wiener Gemeindebauten sind sein Einsatzgebiet. © PID/Christian Houdek

Ein Tag unter OrdnungsmanagerInnen: "Wir sind die guten Geister im Gemeindebau"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN begleitet "Wiener Wohnen"-Ordnungsmanager Otmar Gehring einen Tag lang bei seiner Arbeit. Er und seine KollegInnen haben ein großes Ziel: Sicherheit im Gemeindebau.

Das denkmalgeschützte Tor des Rabenhofs wird immer größer, als Otmar Gehring darauf zuschreitet. Der Ordnungsmanager von Wiener Wohnen holt eine blaue Mappe aus seiner Tasche hervor. Während links Kinder zur Schule gehen und sich rechts zwei Seniorinnen unterhalten, checkt er seinen heutigen Auftrag.

78 Stiegen hat der Rabenhof. Hier gibt es 1.110 Wohnungen, die in Wohnblöcken rund um Grünflächen, Spielplätze und verwinkelte Wege angeordnet sind. Der Gemeindebau ist eine kleine Stadt in der Stadt und die Ordnungsmanager von Wiener Wohnen sorgen dafür, dass hier alles reibungslos abläuft. "Ein Mieter hat gemeldet, dass in einem der Stiegenhäuser Sperrmüll abgestellt ist. Das ist natürlich nicht erlaubt. Ich werde nun überprüfen, ob das Stiegenhaus noch blockiert ist und wenn ja, den Abtransport organisieren."

Mehr als Wohnhäuser: Viele Gemeindebauten sind kleine Städte innerhalb der Stadt mit einzigartigem Gemeinschaftsbewusstsein. © PID/Christian Houdek

Große Verantwortung

Otmar und seine Kolleginnen und Kollegen kümmern sich in erster Linie um die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner in Wiens Gemeindebauten. "Sicherheit in der Wohnhausanlage muss gegeben sein", sagt Otmar. "Das Problem bei Gegenständen auf Fluren ist, dass Fluchtwege versperrt sind. Im Brandfall, wenn überall Rauch ist, kann schon ein Schuh auf dem Gang zur tödlichen Stolperfalle werden." Auch in den Außenbereichen ist Sperrmüll tabu. "Auf Mistplätzen, Gehwegen oder Hauseinfahrten müssen wir immer wieder einschreiten. Meist handelt es sich um Matratzen, Betten oder anderes Mobiliar, das dort abgelegt wurde."

Die Arbeit im Gemeindebau ist für ihn kein Job wie jeder andere. "Das eigene Heim ist für die Menschen, neben der Familie, das Wichtigste und unsere Verantwortung dementsprechend groß", sagt Otmar. "Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Meine Mutter lebt im Gemeindebau und ich will, dass es ihr und allen anderen gut geht."

Otmar und seine 14 Kolleginnen und Kollegen decken ganz Wien ab. Sein Revier sind die Bezirke eins bis fünf, Simmering sowie die Donaustadt. Eine große Aufgabe: In ganz Wien gibt es 2.000 Gemeindebauten, in denen auf einer Fläche von 13.441.914 Quadratmetern 500.000 Menschen leben.

Der gemeldete Sperrmüll ist weg. Otmar macht ein Beweisfoto und schließt damit den Einsatz im Rabenhof ab. © PID/Christian Houdek

Sicherheit im Gemeindebau

Otmar spaziert durch das Tor und direkt zu der betroffenen Stiege. Dort zeigt sich: Der Sperrmüll wurde bereits entsorgt. Für Otmar gibt es keinen Grund einzugreifen. Er dokumentiert die Situation mit seinem wichtigsten Arbeitsgerät: der Kamera.

Der nächste Weg führt Otmar in die Schnirchgasse. Dort wurde eine Behinderung auf einem der Flure gemeldet. "Neben der Rechtssicherheit in Wohnhausanlagen prüfen wir auch die Einhaltung der feuerpolizeilichen Bestimmungen. Fluchtwegeinschränkungen sind natürlich auch da ein Kernthema", sagt Otmar. "Wir machen aber auch die polizeiliche Anzeige von Sachbeschädigungen, vor allem bei Graffiti." Sexistische und rassistische Graffiti werden ausnahmslos zur Anzeige gebracht.

Der Kinderwagen auf dem Gang ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko und wird umgehend entfernt. © PID/Christian Houdek

Der Kinderwagen muss weg

In der Schnirchgasse geht Otmar über die Stiege nach oben. Tatsächlich steht hier ein Kinderwagen im Flur des achten Stockwerks. "Dieser Kinderwagen versperrt den Fluchtweg. Im Brandfall könnte das böse enden", sagt Otmar. Auch bei einem Notfall mit älteren, bettlägerigen Personen, die über die Stiege rausgebracht werden müssen, wäre der Kinderwagen ein Hindernis. Die Eigentümerin oder der Eigentümer konnte vor Ort nicht angetroffen werden, in weiterer Folge wird die "Wiener Wohnen Haus- & Außenbetreuung" den Kinderwagen abholen. Gegen eine Gebühr kann er dann von der Eigentümerin oder dem Eigentümer wieder zurückgeholt werden.

Im Hanuschhof kontrolliert Otmar ein Auto. Er findet einen Kasten im Flur vor und hinterlässt eine Aufforderung zur Entrümpelung. © PID/Christian Houdek

Ähnlich ist die Situation im nahe gelegenen Hanuschhof am Ludwig-Koeßler-Platz. Ein alter Kasten steht im Flur, zwei Decken hängen dahinter. Auch die müssen entfernt werden. Otmar schreibt eine Entrümpelungsanordnung und legt sie vor die entsprechende Haustür. "Jetzt haben die Mieterinnen und Mieter eine Woche Zeit, die Gegenstände zu entfernen. Tun sie das nicht, wird Wiener Wohnen sie entfernen." Auf dem Weg nach draußen bemerkt er einen weißen Kastenwagen im Hof. "Unser letzter Einsatzbereich sind illegale Fahrzeugabstellungen, da werde ich gleich kontrollieren." Otmar klärt schnell auf, dass der Wagen die Berechtigung hat, hier zu stehen.

Otmar ist den ganzen Tag auf Achse. Dabei nimmt er am liebsten die U-Bahn. "Das ist bequem und umweltfreundlich." © PID/Christian Houdek

Vor seiner Tätigkeit als Ordnungsmanager war Otmar kaufmännischer Referent bei Wiener Wohnen. "2016 wurde dieses Dezernat gegründet und ich wollte unbedingt dabei sein. Der Gemeindebau ist kein Arbeitsort wie jeder andere. Hier ist alles lebendig, gemeinschaftlich. Das spüre ich jeden Tag. Wenn ich mit Menschen spreche, kommen immer noch weitere dazu und diskutieren gleich mit", sagt Otmar. Das zeigt sich eindrucksvoll im Karl-Marx-Hof in Heiligenstadt, Otmars nächstem Ziel. Dieser ist eine kleine Stadt in der Stadt mit Kindergarten, Bibliothek, Geschäftslokalen sowie Ärztinnen- und Arztpraxen. Otmar spaziert an der berühmten Otto-Hofner-Skulptur "Sämann" vorbei und betritt den Gemeindebau. In dem Wiener Wahrzeichen gibt es 1.266 Wohnungen, in einer davon lebt Frau Tomacek, der Otmar heute einen dringenden Wunsch erfüllen kann.

Die Plakette zeigt: Der Rollstuhl von Familie Tomacek darf hier stehen. © PID/Christian Houdek

Schnelle Hilfe

Frau Tomacek hat kürzlich ein Schicksalsschlag getroffen und ihr Mann benötigt nach einem Schlaganfall einen Rollstuhl. "Die Dame ist natürlich nicht in der Lage, den Rollstuhl immer nach oben zu tragen", sagt Otmar. "Wiener Wohnen hat also nicht gezögert und ihr einen Stellplatz im Erdgeschoß zugeteilt." So darf der Rollstuhl trotz geltender Bestimmungen im Flur abgestellt werden. Im Karl-Marx-Hof zeigt Otmar der Dame die Plakette, die am Geländer als Markierung angebracht wird.

Die Erleichterung ist groß. "Ich bin sehr dankbar, dass alles so schnell geklappt hat. Wiener Wohnen hat uns in der Notsituation nicht warten lassen", sagt Frau Tomacek. Ein Mitarbeiter der "Wiener Wohnen Haus- & Außenbetreuung" trifft ein, um die Plakette am Geländer zu befestigen. Auf den Rollstuhl kommt noch ein Aufkleber, der dieselbe Nummer wie die Plakette trägt. Damit ist der Abstellplatz offiziell. Ein Schloss hat Frau Tomacek schon mitgebracht und der Rollstuhl ist im Handumdrehen am Geländer gesichert.

Der Rollstuhl darf ab sofort hier abgestellt werden. Otmar zückt ein letztes Mal die Kamera, um die Erledigung des Auftrags bildlich festzuhalten. © PID/Christian Houdek

"Das Wichtigste in meinem Job", sagt Otmar, "ist das zwischenmenschliche Gespür. Man muss den Menschen begreiflich machen, dass wir hier sind, um die Sicherheit zu gewährleisten. Das klappt auch ganz hervorragend und die Leute sind dankbar für unseren Einsatz."

Otmar verabschiedet sich von Frau Tomacek und wünscht ihr alles Gute. Für heute ist die Arbeit getan. "Es freut mich, dass wir heute hier helfen konnten. Aber morgen warten schon die nächsten Einsätze auf uns."

"Vielen Dank, Herr Gehring!" Die Erleichterung ist Frau Tomacek ins Gesicht geschrieben. © PID/Christian Houdek

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