Katharina Lugmayr unterrichtet Blockflöte an der Musikschule Rudolfsheim-Fünfhaus in der Schwendergasse. © PID/Markus Wache

 

Ein Tag unter MusikschullehrerInnen: "Musik bringt Menschen einander näher"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN hat Musikschullehrerin Katharina Lugmayr einen Tag lang bei der Arbeit begleitet. An den Stadt Wien - Musikschulen vermittelt die Blockflötistin Kindern die Freude an der Musik.

Katharina Lugmayr macht ihr Beruf sichtlich Spaß. Während Flora hochkonzentriert das Stück "Rushhour" auf der Blockflöte spielt, das sie zu Hause einstudiert hat, wippt die Musiklehrerin mit und lächelt. "Super, ganz toll", lobt sie das Mädchen, das direkt aus der vierten Volksschulklasse hierher in die Musikschule Rudolfsheim-Fünfhaus in der Schwendergasse gekommen ist.

Die Stadt Wien - Musikschulen sind ein außerschulisches Bildungsangebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 25. Lebensjahr. Es gibt 15 Musikschulen an 31 Standorten und die Singschule, die an über 50 Volksschulen aktiv ist. Unterrichtet werden alle gängigen Orchesterinstrumente und viele mehr, vom Akkordeon bis zu Gitarre, Gesang und Tanz. Die 350 Lehrenden haben zum Ziel, Menschen die Musik näherzubringen, und zwar nicht nur jenen, die vorhaben, professionell zu spielen, sondern auch allen, die Musik als Hobby betreiben wollen.

 

Der Kreis schließt sich

Seit mittlerweile 16 Jahren unterrichtet Katharina Lugmayr an der Musikschule im 15. Bezirk. Für sie ist er ein erfüllender Job, der es ihr ermöglicht, jungen Menschen die Freude an der Musik zu vermitteln, die sie einst selbst an den Musikschulen der Stadt Wien erfuhr. "Auch ich habe hier begonnen Blockflöte zu spielen. Ich hatte riesiges Glück mit meiner Lehrerin Eva Maria Kaukal, die auch heute noch in Ottakring unterrichtet. Ich liebe das Instrument nach wie vor und hoffe, dass es meinen Schülerinnen und Schülern auch so gehen wird", sagt Katharina, die an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Blockflöte studiert und unter anderem im Ensemble Mikado mittelalterliche Renaissance-Musik gespielt hat.

In ihrem Unterrichtsstil spielt positive Bestärkung eine große Rolle. Für die Schülerinnen und Schüler hat Katharina immer ein lobendes Wort, Fehler sind kein Beinbruch, an schwierigeren Stellen arbeiten Lehrerin und Schülerin gemeinsam. Flora ist mit Begeisterung bei der Sache. "Am Anfang jeder Stunde wärmen wir uns auf. Da beschäftigen wir uns mit Fingern, Zunge und dem Atem. Danach widmen wir uns der Hausaufgabe, die geübt wurde, und arbeiten daran", sagt Katharina. Wünsche und Ideen ihrer Elevinnen und Eleven sind willkommen und werden von Katharina gerne berücksichtigt. "Ich habe zum Beispiel gerade zwei Mädels, die irische Volksmusik entdeckt haben und ganz vernarrt in den Stil sind."

Mehr als nur ein Einstiegsinstrument

Katharina hat ein paar Anregungen für ihre Schülerin parat: "Am Anfang kannst du forte, also ganz wild, spielen und dann eher piano, also leise. Später beim Hauptmotiv des Stücks steigern wir die Intensität wieder und geben ordentlich Gas", sagt Katharina. Gemeinsam spielen sie das Lied noch einmal, am Ende gibt es wieder ein Lob.

Die Blockflöte hat den Ruf, ein reines Einstiegsinstrument zu sein. Das sieht Katharina anders. "Es spricht nichts dagegen, später ein weiteres Instrument zu spielen. Die Blockflöte ist aber ein wunderschönes und facettenreiches Instrument. Und wer richtig gut spielen möchte, wird feststellen, dass das gar nicht so kinderleicht ist." Katharina hat ihre Wahl nie bereut. "Ich liebe den weichen Klang des Holzes und dass man sowohl alte als auch moderne Musik spielen kann." Allen, die gerne ein virtuoses Stück im Internet anhören würden, empfiehlt Katharina als Einstieg ein Blockflöten-Konzert von Vivaldi.

Und Blockflöte ist auch mehr als das Instrument, das viele aus dem Musikunterricht an der Schule kennen. Das Instrument gibt es in unterschiedlichen Größen. Die Kleinste ist die sehr passend benannte Garkleinflöte, gefolgt von der Sopranino- und der Sopranblockflöte. Letztere ist wohl die bekannteste. Mit der haben die meisten schon in der Volksschule Bekanntschaft gemacht. Größer sind die Alt-, Tenor- und die Bassblockflöten. Das Funktionsprinzip ist bei allen gleich, sie unterscheiden sich jedoch in der Stimmlage.

Musik fördert soziale Kompetenzen

Später stoßen zwei weitere Schülerinnen von Katharina, Sophia und Luisa, dazu. Gemeinsam mit Flora üben sie ein vierstimmiges Renaissance-Stück. Die schwungvolle Tanzmusik ist perfekt dazu geeignet, gemeinsam zu musizieren. Das ist Katharina sehr wichtig. "Musik bringt die Menschen einander näher und hilft den Kindern dabei, soziale Kompetenz zu entwickeln, und fördert die Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe schon oft erlebt, dass sich die Kinder von schüchternen Mäuschen in selbstbewusste junge Menschen verwandelt haben", sagt Katharina.

Nach der Stunde hat Katharina Zeit, ein paar administrative Arbeiten zu erledigen. Stundenpläne schreiben sich nicht von selbst und am Anfang des Semesters ist es wichtig, viel und oft mit den Eltern zu telefonieren.

Faschingskonzert als Höhepunkt des Schuljahrs

Eine große Rolle spielt das Organisieren von schulischen Veranstaltungen. Alljährlich führen die Stadt Wien - Musikschulen 1.600 Events durch. Der Bogen reicht von kleinen und intimen Abenden mit den Eltern bis zu großen Orchester-Konzerten in den großen Wiener Konzertsälen. Weihnachtskonzerte haben ebenso Tradition wie das große Open House, das jährlich stattfindet und bei dem man einen Einblick in die Arbeit der Musikschulen erhält.

Das schulinterne Highlight ist das Faschingskonzert, an dem sämtliche Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer beteiligt sind. "Das ist wirklich immer toll. Wir haben entzückende Kostüme, sorgen für ein anspruchsvolles musikalisches Programm und die Stimmung ist auch immer sehr gut", sagt Katharina. Auf dem Weg zurück in die Klasse trifft sie ihre Kollegen Viktor und René und bespricht mit diesen ein paar Ideen für den Event. "Wir haben immer ein Motto und heuer wird es wohl in die Richtung Dschungelbuch gehen", sagt Katharina.

Cembalo trifft Blockflöte

Im Musikzimmer wartet schon Barbara. Die junge Dame macht eine Ausbildung zur Volksschullehrerin und hat als Mädchen unter Katharinas Führung mit der Blockflöte begonnen. Auch bei ihr schließt sich der Kreis. Barbara spielt schon sehr anspruchsvolle Stücke. Heute üben die beiden eine Sonate des italienischen Komponisten Francesco Barsanti, bei der Katharina Barbara auf dem Cembalo begleitet. "Das Instrument ist ideal für barocke Blockflötensonaten geeignet, denn damals gab es ja noch kein Klavier", sagt Katharina. Dazwischen besprechen sie auch stilistische Fragen, diskutieren die Stimmung des Stücks und tauschen sich über Affektenlehre, also den Ausdruck von Emotion in der Musik, aus. "Die Ausbildung hat vier Abschnitte, die jeweils drei Jahre dauern. Je weiter fortgeschritten das Programm ist, desto mehr setzen wir uns natürlich auch mit dem Hintergrund von Musik auseinander."

Experimentelle Klänge

Die letzte Stunde am heutigen Tag gehört zwei jungen Männern, die eines gemeinsam haben: musikalisches Talent. Jan und Paul haben beide schon öfter erfolgreich am "prima la musica"-Wettbewerb teilgenommen. Mit dem Trio 3D konnten sie sogar den Bundeswettbewerb gewinnen. Der ambitionierte Jungflötist Paul hat eine Vorliebe für jazzige Stücke und spielt heute gemeinsam mit Katharina "I Love Fried Potatoes", auf Deutsch "Ich liebe Bratkartoffeln". Der gemütliche Blues in G-Dur ist perfekt zum Mitwippen geeignet.

Jan wiederum hat sich in ein ganz spezielles Instrument verliebt: eine Kontrabassblockflöte von Paetzold by Kunath, die man nicht in jeder Musikschule findet. Die Flöte ist eineinhalb Meter lang und ist erst auf den zweiten Blick als Blockflöte erkennbar. Das Spielprinzip ist aber das gleiche. Jan liebt jazzige Experimente und elektronische Spielereien. Auf der großen Flöte spielt er ein Stück, das er selbst komponiert hat. "Die Reise ins Didgeridoo-Land" kombiniert Lautmalereien wie das Nachahmen von Zügen mit vom Didgeridoo inspirierten Tönen.

Eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer fördert Kinder individuell, findet Katharina. "Unterschiedliche Kinder muss man unterschiedlich fördern. Nur so entstehen solch feine Projekte wie diese Eigenkomposition. Ich zeige den Schülerinnen und Schülern, wie man spielt, gebe ihnen aber auch den Freiraum, sich zu entfalten."